E-Book, Deutsch, Band 327, 264 Seiten
Reihe: Historical Gold
Blackwood Der Bastardkrieger aus den Highlands
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-3408-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 327, 264 Seiten
Reihe: Historical Gold
ISBN: 978-3-7337-3408-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ihr Herz schlug heftig, und ihr wurde heiß, eine Hitze, die von ihrer Seele auszugehen schien und ihren ganzen Körper erfüllte. Er würde sie küssen - und dieses Mal wollte sie es. Eingeschlossen im höchsten Turm von Burnbryde Castle, scheint Taras Schicksal besiegelt: In zwei Wochen soll sie den grausamen Sohn des Laird Alwyn ehelichen. Aber noch viel schlimmer als die drohende Ehe ist Taras Wissen, wie sich echte Leidenschaft anfühlt! Denn auf dem Weg nach Burnbryde hat sie ein muskulöser Highlander vor Straßenräubern bewahrt. Einen heißen Kuss hat er ihr geraubt und sie einen süßen Moment lang glauben lassen, er sei ihr Verlobter. Dabei ist Magnus zwar der älteste Sohn des Lairds, aber ein standesloser Bastard, ein heimlicher Rebell - und bestimmt niemand, der ihr verzweifeltes Herz retten könnte ... oder doch?
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PROLOG
Magnus erwiderte den Blick des Mannes, den er bis zu diesem Augenblick für den arrogantesten und selbstherrlichsten Hurensohn gehalten hatte, dem zu begegnen er jemals das Unglück gehabt hatte.
Er erschauerte, und die Nacht, die ihn umgab, schien noch dunkler zu werden, als er versuchte, den Worten, die er gerade vernommen hatte, einen Sinn zu verleihen.
„Hast du gehört, was ich gerade gesagt habe?“, murmelte Niall Braewick und trat näher. Seine Züge waren in der Dunkelheit kaum zu erkennen, nur hinter ihm zuckte das Lagerfeuer. „Das Zeichen auf deinem Arm beweist, dass du nicht der Bastard des Alwyn bist, wie man es dich all die Jahre hat glauben lassen. Sondern dass du wie ich ein Sohn des ermordeten Laird Kincaid bist.“
Magnus’ Puls schlug schneller, als er die Worte noch einmal wiederholt hörte.
Er hob eine Hand an sein Genick, dann an seinen Mund, trat von einem Fuß auf den anderen, völlig aus dem Gleichgewicht gebracht von der Vielfalt der Gefühle, die aus den Tiefen seiner Seele emporstiegen und dem donnernden Dröhnen der Worte, die ihm in den Ohren widerhallten.
Der Laird Kincaid. Ein legendärer Highlander, der sich Jahre zuvor gegen die Krone gestellt hatte – und danach eines gewaltsamen Todes starb, unter den allergeheimnisvollsten Umständen. Zusammen mit seiner Frau, seinen Kriegern …
Und mit seinen drei kleinen Söhnen.
Er hatte die Geistergeschichten gehört. Die Lieder, die die Barden sangen. Alle wurden für tot gehalten. Erschlagen. Begraben in irgendeinem geheimen Waldstück, wo es spukte, an einem Ort, den nur die Kincaids kannten, die das Töten in jener schicksalsschweren Nacht überlebt hatten und sich danach in die Hügel hinter Inverhaven zurückgezogen hatten, wo sie lieber das Leben von Wilden lebten, anstatt sich einem anderen Clan oder einem anderen Laird zu unterwerfen.
Lairds so wie sein Vater, der Alwyn. Oder war das doch nicht sein Vater? Zusammen mit ihrem Nachbarn, dem MacClaren, Männer, denen die Krone das angeblich aufgegebene Land der Kincaids zugewiesen hatte, nachdem das Massaker stattgefunden hatte.
Und doch waren die Kincaids erst kürzlich von diesen Hügeln heruntergekommen. Überall um ihn herum feierten diese „Wilden“ ihren Sieg gegen den unterlegenen MacClaren im orangefarbenen Schein der Feuer genauso wie im Schatten, den die Burgmauern von Inverhaven warfen, die sie an einem einzigen Tag zum allgemeinen Entsetzen mit der Unterstützung von Nialls Söldnerarmee zurückerobert hatten.
Und als Nächstes hatten sie dem Alwyn Rache geschworen.
„Wir sind keine Feinde, du und ich.“ Niall – jetzt in Inverhaven als Laird of Kincaid eingesetzt – packte ihn mit festem Griff an den Schultern. „Du bist mein Bruder.“
Magnus’ Freundin aus Kindertagen, Elspeth MacClaren, die erst vor zwei Tagen mit einer List dazu gebracht worden war, den Kincaid zu heiraten, und nun behauptete, diesen Krieger von ganzem Herzen zu lieben, trat an die Seite ihres Mannes. Sie sah ihn fassungslos an.
„Das Zeichen auf Magnus’ Arm ist das gleiche wie deines?“, fragte sie ihren Mann erstaunt.
Das geheime Zeichen auf der Unterseite seines Arms, hoch oben in der Achselhöhle, schien auf Magnus’ Haut zu brennen. Er stand da, kerzengerade und stumm, und wünschte beinahe, er könnte den Augenblick, in dem er enthüllt hatte, dass er das Zeichen trug, zurücknehmen. Er war nur gekommen, um sich zu überzeugen, dass Elspeth in Sicherheit war und dass es ihr gut ging, nachdem ihr Vater besiegt worden war. Stattdessen war seine Welt innerhalb eines Wimpernschlags auf den Kopf gestellt worden.
Er, ein Sohn des Kincaid?
Ein Muttermal, hatte seine Mutter – oder die Frau, die sich selbst während all dieser Jahre als seine Mutter bezeichnet hatte, einst eine Mätresse des Alwyn – ihm zugeflüstert, als er als Junge dieses Mal entdeckt hatte. Ein Teufelsmal, das er niemals jemandem zeigen durfte. Er hatte sich dafür geschämt – hatte nachts wach gelegen, gequält von diesem Zeichen auf seiner Haut, und hatte sein Möglichstes getan, um es zu vergessen.
Aber später, als er älter war, hatte er bemerkt, dass Robinas Erklärung nicht der Wahrheit entsprach.
Das Zeichen – das er selbst kaum sehen konnte aufgrund der speziellen Lage – war weder vom Teufel noch von Gott dort hineingeritzt worden, sondern von einem Menschen mit Tinte und Nadel, eine Tätowierung in der Form eines Wolfskopfs, nicht größer als ein Daumenabdruck.
Aber immer wenn er Robina über die Herkunft dieses Mals befragt hatte, hatte sie sich standhaft geweigert, darüber zu sprechen, und so getan, als hätte sie ihn nicht gehört. Wenn sie gedrängt wurde, antwortete sie verärgert oder brach manchmal auch in Tränen aus, wobei Letzteres ihn stets dazu veranlasste, den Rückzug anzutreten, denn welcher Mann, der ein Herz oder ein Gewissen besaß, wollte seiner Mutter Schmerz zufügen?
Ihr Schweigen zu diesem Thema hatte ihm Kummer bereitet. Hatte neugierige Fragen in ihm aufkommen lassen. Er konnte nur vermuten, dass sie glaubte, ihn vor irgendetwas beschützen zu müssen, auf irgendeine Weise. Aber statt darauf zu beharren, von ihr eine Antwort zu bekommen, oder auf eigene Faust Licht ins Dunkel seiner Vergangenheit zu bringen, hatte er sich darauf konzentriert, der Mann zu werden, der er werden wollte.
Jetzt, in der Gegenwart, kamen die Krieger, die ihn in der Dunkelheit umstellt hatten, näher. Der Schein des Feuers flackerte über ihre Gesichter. Alter Männer, junge Männer. Alles Kincaids, alles Feinde seines Clans.
Nicht sein Clan? Nicht seine – Feinde?
„Das geheime Zeichen!“, rief ein einäugiger alter Mann aus und zog die buschigen grauen Brauen erstaunt hoch.
„Ist das wahr?“, fragte ein zweiter und drängte sich näher, Schulter an Schulter mit anderen, die dasselbe taten.
Magnus riss sich vom Kincaid los und trat zurück, wandte sich ab von dem erdrückenden Gewicht ihrer geballten Neugierde und ihren Erwartungen, ab von dem Feuer und in die tieferen Schatten, wo sie nicht die Verwirrung sehen würden, die sich auf seinem Gesicht spiegelte.
„Aye, es stimmt“, sagte Niall hinter ihm. „Überzeugt euch selbst, wenn ihr müsst. Er ist mein Bruder – der zweite Sohn des Kincaid, wenn ich das richtig beurteile, und sein Name lautet nicht Magnus.“ Er sprach den Namen in einem Tonfall aus, als wäre er eine Beleidigung. „Sondern Faelan.“ Seine Stiefelschritte knirschten auf dem Boden, als er näher kam. „Faelan, mein Bruder. Erinnerst du dich an gar nichts aus deiner Kindheit?“
Faelan … es war ein alter irischer Name, der ‚Kleiner Wolf‘ bedeutete. Der Name eines Heiligen, der Jungen aus den Highlands gegeben wurde, um einen tapferen Missionar zu ehren, der über das Meer gekommen war.
Mein kleiner Wolf. Der Mann in seinen Träumen hatte das voller Liebe und Zuneigung gesagt. Ein Mann, an dessen Gesicht Magnus sich beim Aufwachen niemals erinnerte, aber dessen Geist auch in den Zeiten, in denen er wach war, in seiner Seele zu wohnen schien.
„Nichts von alledem ergibt einen Sinn“, stieß Magnus leise hervor.
Alles ergab einen Sinn.
Er rieb sich mit der Handfläche über die Stirn, denn plötzlich tat ihm der Kopf weh vom heftigen Nachdenken, von dem Bemühen zu verstehen, wie sein Leben einfach so wegfallen und durch ein anderes ersetzt werden konnte.
Ein Leben. Eine Familie, ein stolzes altes Erbe.
Das alles sollte jetzt ihm gehören?
Sein ganzes Leben lang hatte er, soweit er sich erinnern konnte, als fremder und unerwünschter Bastard des Alwyn gelebt. Sollte er jetzt nicht Befriedigung darüber empfinden, dass er gar kein Bastard war, sondern Anspruch hatte auf etwas Bedeutendes? Dass er der Sohn war eines einst mächtigen und angesehenen Lords und seiner Lady? Und der Bruder des Furcht einflößenden Kriegers war, der hinter ihm stand? Sollte er nicht das Gefühl haben, irgendwohin zu gehören, endlich?
Aber das empfand er nicht.
Denn es war ein geklautes Leben. Eine fremde Familie, ein fremder Clan. Ein altes Erbe, verloren an Gewalt, Verrat und Blut. All das war ihm auf grausame Weise genommen worden. Ein Leben voller Liebe, Vertrautheit und Erinnerungen – gestohlen. Und von wem?
Von jenen, unter denen er gelebt hatte, solange er zurückdenken konnte.
Warum?
Eine Hand berührte ihn behutsam an der Schulter, und er zuckte zusammen.
Elspeth sagte: „Magnus – Faelan? Ach, ich weiß nicht, wie ich dich nennen soll! Ich kann nur ahnen, wie du dich fühlst.“
Er wandte sich um und sah in ihr bleiches Gesicht, ehe er an ihr vorbei und weiter nach oben schaute, direkt zu ihrem Ehemann, der wie angewurzelt immer noch an derselben Stelle stand, die Arme vor der Brust verschränkt, den Mund zusammengepresst, während er Magnus wachsam beobachtete, vielleicht sogar mit Misstrauen.
„Ich habe Fragen“, sagte Magnus in grollendem Ton. „Und ich möchte dich bitten, mir Zeit zu geben, sodass ich Antworten finden kann.“
Elspeth nickte, ihr Blick war sanft und voller Mitgefühl. „Aber es ergibt einen Sinn, siehst du das nicht? Du musst eine Verletzung davongetragen haben, ob am Körper oder an deiner Seele, in jener Nacht oder kurz darauf, und das ist der Grund, warum du für eine so lange Zeit stumm geblieben bist, noch Jahre danach, und kein Wort gesprochen hast. Deswegen erinnerst du dich nicht daran.“
Ja, das stimmte. Es hatte immer...




