E-Book, Deutsch, 452 Seiten
Black A (Gay) Cinderella Story
22001. Auflage 2022
ISBN: 978-3-646-60973-8
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Moderne Romance Neuerzählung der Cinderella Story
E-Book, Deutsch, 452 Seiten
ISBN: 978-3-646-60973-8
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
James Black wurde 1995 in Schwerin geboren, lebte dort für zwanzig Jahre und zog schließlich in die Nähe Hamburgs. Geschichten und Bücher begleiten ihn bereits sein Leben lang. Als Kind las er seine Lieblingsbuchreihe dutzende Male, bis irgendwann der Drang in ihm aufkam, selbst etwas zu kreieren. Ganz nach dem Vorbild seines großen Idols Taylor Swift verbindet seine Romane die Suche nach Liebe und ein Hang zur Dramatik.
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One
»Quinn, ich weiß nicht, ob es dir schon jemand gesagt hat, aber das ist eine Halloween-Party«, ruft Brielle über die laute Musik hinweg. Sie steckt in einem schrecklichen orangefarbenen Katzenkostüm mit farblich passenden Plüschohren in ihren dunklen Fransen. Die Ohren sehen lächerlich aus, finde ich, aber würde ihr das nie ins Gesicht sagen. Brielle könnte mich mit zwei Fingern umwerfen. »Du siehst aus wie ein trauriger Clown.«
Ich lege den Kopf schief und versuche mich an einem Grinsen. »Und du wie das Maskottchen für’n Sportladen.«
»Danke«, antwortet sie lächelnd. Sie drückt mir einen roten Plastikbecher in die Hand. »Trink. Amüsier dich mal ein bisschen.« Sie fährt sich durch die Haare und tätschelt ihre Kostümohren, wie um sicher zu gehen, dass sie noch an Ort und Stelle sind. »Avery hat dich nicht zu ihrer Party eingeladen, damit du auf der Treppe hockst.«
»Avery ist vollkommen einverstanden damit, wenn ich auf ihrer Treppe sitze, solange ich nicht in die Blumen kotze«, sage ich achselzuckend, ehe ich den Becher in einem Zug leere. Der Alkohol brennt in meinem Rachen. »Außerdem sitze ich noch nicht lange hier.«
»Wie auch immer«, erwidert sie und wedelt ungeduldig mit der Hand. »Du hast dich nicht mal verkleidet.«
Ich hebe eine Augenbraue und deute auf die Krawatte, die ich mir um die Stirn gebunden habe. »Ich bin verkleidet«, meine ich grinsend. »Ich bin ein betrunkener Collegestudent.«
»Lahme Darstellung, wenn du nicht wirklich betrunken bist.« Brielle seufzt. Bevor sie noch etwas sagen kann, rutschen zwei Hände an ihrer Hüfte entlang, was ihr ein hohes Quieken entlockt.
Ich schnaube in meinen leeren Becher.
»Da seid ihr«, murrt Avery. Meine beste Freundin legt ihr Kinn von hinten auf Brielles Schulter, auch wenn sie dafür auf Zehenspitzen stehen muss, und lächelt mich angetrunken an. »Dachte schon, meine Katze wäre abgehauen.«
Brielle gibt eine schlechte Schnurr-Imitation von sich, während sie ihre Wange an Averys schwarzen Locken reibt. Sie stößt ihr fast die Politessen-Mütze vom Kopf. »Keine Sorge, ich wäre später zu dir ins Bett gekrochen.«
»Hmm, es ist ziemlich kalt«, murmelt Avery kichernd. Sie trägt eine selbst genähte schwarze Polizeiuniform, dunkelbraune Lederstiefel und mehrere goldene Armreifen, die bei jeder Bewegung klimpern und klackern. In den schummrigen Lichtern der Hausparty glänzt ihre Haut rötlich braun, so wie Sepia unter der Sonne. »Da muss mich unbedingt jemand wärmen kommen.«
»Gott, Leute«, murre ich leise. »Hier sind noch andere. Euer Bettgeflüster kann warten.«
»Sei kein trauriger Clown, Quincy«, erwidert Avery. Der Geruch von Alkohol dringt mir in die Nase, als ihr Atem in meine Richtung weht. »Alle haben ihren Spaß und du sitzt hier rum. Meinst du, ein heißer Typ in nuttigem Outfit wird vorbeikommen, um dich aufzureißen? Wohl kaum.«
Brielle fügt hinzu: »Das habe ich auch gesagt, Babe.«
»Eigentlich kam von dir nur der Clown-Part«, meine ich.
Sie verdreht die Augen. »Dann wollte ich es noch sagen. Die Politesse hat recht. Wenn du heute einen hübschen Po auspacken willst, musst du dich dafür ein bisschen anstrengen. Wenigstens von der Treppe aufstehen.«
Mein tiefer Seufzer paart sich mit Averys Kichern. Ich weiß nicht, woher die beiden die Idee haben, dass es mein Ziel für die Nacht ist, die glasige Erinnerung eines One-Night-Stands zu sein, aber von mir kann sie auf keinen Fall kommen. Mit keinem einzigen Wort habe ich ihnen gegenüber erwähnt, dass ich auf der Party mit einem angetrunkenen Typen rummachen will, der am Ende in die Rosenbüsche vor dem Haus kotzt.
»Hey, was ist mit Nate?«, meint Avery. Sie deutet in die Küche, wo ein paar Jungs vom Eishockeyteam in einem Kreis stehen. Sie lachen laut über irgendwas, jeder mit einem Becher in der Hand. »Ich glaube, er ist single.«
»Und straight«, füge ich hinzu. Die Eishockeytypen sind mir zu vertraut. Sie sind alle die gleichen Abrisse eines großen Ganzen: hochgewachsen, breit gebaut, kantige Gesichter, dunkle Augen, hetero. Sportler in ihrer ganz eigenen Welt, die keinen Blick für einen Normalo wie mich haben.
»Er ist bei seinem vierten Drink, sicherlich hat er das schon längst vergessen«, sagt Brielle wissend. »Geh doch mal rüber und sprich mit ihm.«
»Dafür bin nicht betrunken genug.« Zur Veranschaulichung wackle ich mit meinem leeren Becher. »Außerdem wissen wir alle, dass er auf Zoe steht.«
»Du bist einfach so langweilig«, seufzt Avery betreten. Sie löst ihr Kinn von Brielles Schulter und geht um ihre Freundin herum, um sich neben mich auf die Treppe zu quetschen. Ihre Haut glitzert vom Make-up und sie riecht nach Alkohol und Schweiß. Die Augen hat sie mit einem hellen Pink umrandet. Es verleiht ihr einen überraschten Ausdruck. »Sogar Robin redet mit jemandem.«
»Robin redet immer mit jemandem«, stelle ich trocken fest und ernte dafür einen Schlag gegen die Schulter. »Au.«
»Nein, ich meine, sie flirtet sogar. Guck doch!« Avery drückt mir ihre Finger in die Wange, um meinen Kopf zur Seite zu drehen. »Da! Ich meine, sie hätte sich jemand besseren als Lucas suchen können, aber gut, wir können nicht alles haben.«
Robin lehnt an der Wand des Flurs. Sie hat ein Zombieoutfit an, ihr Gesicht ist rot und grün angemalt, ihre Kleidung zerrissen und blutig. Vorhin hat sie bei jedem Schritt ihr Bein hinter sich hergezogen und die Arme vor ihren Körper gehalten. Gerade hat sie sie vor der Brust verschränkt. Die weißen Armbänder, die von ihren Handgelenken bis zur Hälfte ihrer Unterarme reichen, sind mit dem Venussymbol bedeckt, damit jeder weiß, welches Pronomen sie an diesem Tag bevorzugt. Ein Lächeln ist auf ihren Lippen drapiert, als sie den großen Jungen mit der blonden Stachelfrisur beobachtet, der ihr mit vielen Handbewegungen eine Geschichte erzählt. Er trägt das Kostüm eines Superhelden, den ich nicht kenne.
Lucas ist mein Ex-Freund. Unsere Beziehung liegt schon lange zurück, deswegen kann es mir gleichgültig sein, mit wem er anbandelt. »Soll ich sie warnen?«, frage ich mit einem Nicken in seine Richtung.
»Mach die junge Liebe nicht kaputt, die gerade erst erblüht, Quincy. Robin ist schon ein großer Zombie und kann gut auf sich aufpassen, nicht?«
»Ich könnte Robin aber wenigstens vor Lucas’ Unfähigkeit warnen.«
»Welche Unfähigkeit meinst du denn jetzt genau?«, fragt Brielle mit schiefem Grinsen. Ihre Katzenohren zittern bei jeder Bewegung, als wären sie echt.
Meine Wangen werden heiß, als ich zu schnell antworte: »Nicht die. In dem Gebiet ist er ganz fähig.« Ein verlegenes Lächeln schleicht sich auf meine glühenden Lippen, bevor ich es unterdrücken kann. Meine Finger zucken, wie sie es tun, wenn sich meine nervöse Energie aufbaut.
Brielle hebt eine Augenbraue, aber Avery kommt ihr zuvor. »Das ist egal.« Sie redet direkt in mein Ohr, ihre Stimme laut, vertraut und beruhigend. »Wichtig ist doch, welchen dieser Typen du eintüten kannst.«
»Avery –«, fange ich an, aber sie drückt meinen Mund mit ihrer Hand zu. Ich könnte sie anlecken, aber unterdrücke es. Stattdessen rolle ich mit den Augen. Manchmal weiß sie nicht, wann sie es übertreibt, und eine angetrunkene Avery ist noch anstrengender, als sie es normalerweise ist.
»Bleib mal ganz geschmeidig, Quincy. Wenn du Nate nicht willst und Lucas aus offensichtlichen Gründen wegfällt, wie wäre es dann mit Austin?« Ihre Augen sind auf die Küche fixiert, in der man Austin sehen kann; ebenfalls groß, mit breiten Schultern und kräftigen Beinen, außerdem Haaren, durch die man mit den Fingern streichen will. Er ist hellblond, hat glänzende Augen, sonnengebräunte Haut – praktisch das perfekte Ebenbild eines kalifornischen Surferboys. »Er ist nicht die hellste Birne, aber solange er den Mund nicht zum Reden benutzt, ist doch alles in Butter. Immerhin sieht er gut aus. Nicht, dass ich das beurteilen könnte.« Sie gluckst.
»Austin?«, wiederhole ich. Nicht einmal mein miesepetriges Selbst kann abstreiten, dass Austin eine ziemliche Augenweide ist, aber dort hören die positiven Eigenschaften auf, die mir über ihn einfallen. Man könnte meinen, ich würde ihn nicht bereits seit Jahren kennen. »Lass mal.«
»Du bist ein starkes Stück«, murrt Brielle. Sie lässt sich ebenfalls auf den Boden sinken, streckt die Beine aus und...




