Bittlinger | Im Kreis der 12 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

Bittlinger Im Kreis der 12

Ein spiritueller Roman
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-451-84026-5
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein spiritueller Roman

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

ISBN: 978-3-451-84026-5
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die unterschiedlichen Persönlichkeiten des Jüngerkreises Jesu spiegeln menschliche Wesenszüge wider, die wir alle in verschiedenen Ausprägungen in uns tragen. Von Petrus' vorschneller Leidenschaft über Thomas' skeptischen Zweifel bis hin zu Judas' dunkler Seite des Verrats. Mit hohem Identifikationspotenzial besticht Clemens Bittlingers  Romandebüt durch seine feinfühlige Erzählweise aus der Perspektive Jesu und beleuchtet die klassischen biblischen Figuren auf völlig neue Weise. Bittlinger verwebt geschickt theologische Tiefe mit aktuellen Themen und öffnet damit den jahrhundertealten Stoff für Leser aller Glaubensrichtungen. 

Clemens Bittlinger, geb. 1959, ist Pfarrer und Buchautor, vor allem aber eines: Liedermacher. Über 4.000 Konzerte in den vergangenen vier Jahrzehnten, 42 veröffentlichte CDs mit einer Gesamtauflage von rund 400.000 verkauften Exemplaren machen diesen preisgekrönten Singer-Songwriter zu einem der erfolgreichsten Interpreten seines Genres. Längst haben einige seiner Lieder in zum Teil millionenfacher Auflage den Weg ins allgemeine Liedgut der Kirchengemeinden gefunden. Clemens Bittlinger ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und lebt im Odenwald.
Bittlinger Im Kreis der 12 jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Mut: Petrus, die blutflüssige Frau und viele andere


Mutig waren sie alle. Alle, die ihm folgten, hatten den Mut aufgebracht, alles auf eine Karte zu setzen. Sie hatten ihre Berufe aufgegeben und ihre Heimat verlassen, um dem vagen Traum von einem neuen Friedensreich nachzugehen. Das war mutig, denn der Sohn des Zimmermanns konnte ihnen ja nichts versprechen. Im Gegenteil, er wies sie immer wieder darauf hin, dass er – „rein irdisch gesehen“ – ein Heimatloser war, der am Morgen noch nicht wusste, wo er am Abend übernachten würde. Und doch waren sie alle beseelt von dem Wunsch, etwas Neues zu wagen und nicht nur von einem ganz anderen Leben zu träumen. Auch das war ja etwas, was viele Menschen in sich trugen: Da war die junge Geschäftsfrau Judith, die davon träumte, ein Café zu eröffnen, selbst gebackenen Kuchen und edle Kaffeesorten zu servieren. Sie hatte ganz klare Vorstellungen, wie sie diesen Laden gestalten würde, und hielt lange Ausschau nach einer geeigneten Location. Schließlich hatte sie im Zentrum von Kapernaum ein kleines Ladenlokal entdeckt, das ihr genau richtig erschien. Es war nicht zu groß, bot jedoch Raum für fünf kleine Tische, an denen sie ihre Gäste kulinarisch verwöhnen würde. Sie hatte an ihren Traum geglaubt, hatte sich geduldig die Einwände ihrer Familie und mancher Freundinnen und Freunde angehört und dann allen Bedenken zum Trotz doch einfach losgelegt. Sie hatte den Vertrag mit dem Besitzer unterschrieben. Der war, nachdem sie ihm von ihrem Traum und ihrer Idee erzählt hatte, sogar mit dem Preis noch ein bisschen runtergegangen und hatte ihr, da es einiges zu renovieren gab, die ersten drei Monatsmieten sogar erlassen. Er mochte diese junge Frau. Er mochte ihren Eifer und ihre Idee von einem schönen, kleinen Café mitten in seiner Heimatstadt. „Und wer weiß“, dachte er bei sich, „vielleicht werde ich ja zum Stammgast und lade meine Freunde ein.“ Ihr Startkapital hatte sie sich bei dem Teil ihrer Familie und ihres Freundeskreises geliehen, die ihre Idee gut fanden. Und ihre Eltern gewährten ihr gerne einen Teil des vorgezogenen Erbes. Ihr Verlobter Samuel hatte einmal eine Maurerlehre absolviert und war handwerklich sehr begabt. Er half ihr, den kleinen Laden auszuräumen und so umzugestalten, dass das kleine Café mehr und mehr Gestalt annahm. Freudig blickte sie dem Tag der Eröffnung entgegen. An den beiden Vortagen begann sie zusammen mit ihrer Mutter, fünf verschiedene Kuchen zu backen. Bei einem Kaffeeröster bestellte sie zunächst einmal drei verschiedene Sorten Kaffee. Bei einem Teehändler erwarb sie fünf verschiedene, zum Teil exotische, Sorten Tee. Und dann kam der große Tag: Das Café wurde feierlich eröffnet. Und viele Freunde und Bekannte waren erschienen. Auch viele, die einfach neugierig waren und sich darüber freuten, dass es dieses neue Lokal nun gab, besuchten die Eröffnung. Judith und Samuel waren überwältigt. Es hatte sich gelohnt, solch ein Wagnis einzugehen. Am Abend, nachdem die letzten Gäste sich verabschiedet hatten, saßen beide erschöpft beieinander. Samuel schaute Judith in die Augen und gab ihr einen Kuss: „Ich bin so stolz auf dich! Du bist die mutigste Frau, die ich kenne! Ich liebe dich!“ – „Ich liebe dich auch!“, seufzte sie und zog ihren Geliebten an sich. In den ersten Wochen war das Café von morgens bis abends gut gefüllt. Oft mussten sie Leute abweisen, weil es einfach keinen Platz mehr gab. Die selbst gebackenen Kuchen waren äußerst beliebt und manche begannen, sie für zu Hause mitzunehmen. Meistens waren sie am Nachmittag restlos ausverkauft. „Vielleicht sollten wir jemanden anstellen, der noch mehr Kuchen backen und sie vielleicht dann auch ausliefern kann“, dachte Judith bei sich. Mit Samuel überlegte sie bereits, ob es nicht gut wäre, ein zweites Lokal zu eröffnen und noch mehr helfende Hände einzustellen. Nie hätten sie gedacht, dass es so gut laufen würde. Doch dann kam die Wirtschaftskrise. Eine steigende Inflation, Handwerker fanden keine Arbeit mehr und das Geld saß nicht mehr so locker. Das Café war nun des Öfteren ganz leer. Und auch von den Kuchen blieb am Tagesende oft noch einiges übrig. „Wenn das so weitergeht, müssen wir das Café wieder dichtmachen!“, dachten sich Judith und Samuel. Und auf einmal sahen sie wie Petrus auf dem See Genezareth wieder den Sturm und die Wellen. Auf einmal hatten wieder die Bedenken überwogen und sie drohten unterzugehen. Das war eine der Situationen, in denen sie sich auf ihren Glauben besannen. Sie dachten an ihren Gott, an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der ihr Volk aus der Unterdrückung durch das Schilfmeer und durch die Wüste geführt hatte. Sie fingen wieder an, öfter zu beten, und legten ihre Zukunft und die ihres Cafés in Gottes Hände. Sie vertrauten darauf, dass auch ihr Betrieb durch die Wüste geführt, irgendwann auch wieder florieren und Gewinn abwerfen würde. Sie mussten nur vertrauen und durchhalten. Und so war es schließlich dann auch gekommen. Zwar hatten sie das Café an bestimmten Tagen geschlossen, aber sie waren dabeigeblieben. Viele andere hatten aufgegeben. Und als es dann mit der Wirtschaft wieder bergauf ging, waren sie noch da und konnten weiter ihren Traum verwirklichen.

Wie Samuel und Judith große Erwartungen in ihr Geschäft setzten, so hoffte eine blutflüssige Frau (Mk 5,21-43) auf ihn, den Galiläer. Sie hatte all ihren Mut aufgebracht, um sich ihm zu nähern. Sie glaubte daran, dass sie von ihm allein durch die Berührung seines Gewandes geheilt werden konnte. Was für eine elende Krankheit war dieser Blutfluss. Eine Frau, die darunter litt, wurde zwangsläufig geächtet und isoliert. Ständig musste sie peinlich genau auf Hygiene achten. Blutfluss galt als etwas Unreines in ihrer Religion. Und es betraf ja nicht nur sie selbst, auch ihr Ehemann war vom öffentlichen Leben und vom Besuch des Tempels und der Synagoge ausgeschlossen. Seit nunmehr zwölf Jahren hatte sie allerlei Ärzte aufgesucht, durchlief Kuren, doch nichts half. Doch dann hatte sie von diesem Wunderheiler aus Nazareth gehört. Aber wie sollte sie zu ihm gelangen? Sie durfte nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Sie konnte sich auch nicht mal eben einfach so unter die Leute mischen, denn sie war in ihrer Stadt bekannt. Doch nun hatte sie einen Plan gefasst: sie vermummte und verkleidete sich, um sich unerkannt durch die Menge zu drängeln hin zu diesem Heiland. Ihr einziger Wunsch war es, seinen Umhang zu berühren und so an seiner ungewöhnlichen Heilkraft teilzuhaben. Es war ihre letzte Chance. Sie hatte Angst und betete zu Gott, dass ihr Plan gelingen möge. „Mut ist Angst, die gebetet hat“, hatte sie einmal gehört. Und nun legte sie ihr Schicksal in die Hände des Allmächtigen. Eine riesige Menschenmenge hatte sich da versammelt. Sie atmete erleichtert auf, denn die meisten derer, die sich da um den Galiläer drängten, stammten nicht aus ihrem Ort. Die Gefahr, erkannt und zurückgewiesen zu werden, war relativ gering. Und so sammelte sie all ihren Mut, drängelte sich durch die Reihen und war auf einmal ganz dicht hinter ihm. Sie streckte ihre Hand aus und ergriff sein Gewand. Nur für einen kurzen Moment, aber kraftvoll, packte sie zu und zog dann ihre Hand ganz schnell wieder zurück. Doch der Nazarener hielt inne, blieb einfach stehen, so abrupt, dass sie fast in ihn hineingestolpert wäre.

„Jemand hat mich berührt! Wer hat meine Kleider berührt?“ Seine Jünger fanden diese Frage amüsant und antworteten ihm: „Schau dir mal die vielen Menschen an, die sich hier um dich drängen. Natürlich werden dabei deine Kleider und auch du berührt. Das geht doch gar nicht anders. Und nun bleibst du stehen und fragst: Wer hat mich berührt? Die meisten, die hier rumstehen, haben dich irgendwie berührt, ob sie wollten oder nicht!“ Doch eine der anwesenden Personen wusste genau, was er meinte. Denn in dem Moment, in dem sie ihn berührt hatte, spürte die Frau, dass der Blutfluss sofort gestoppt war. Ein heilsamer Impuls durchströmte ihren Leib. Sie war von dieser elenden Plage mit einem Mal befreit. Aber auf einmal blieb der Nazarener stehen, wandte sich um und rief in die Menge: „Wer hat mich berührt?“ Wie peinlich war der Frau diese Situation. Sie hatte ihn ja nicht um Erlaubnis gefragt. Sie hatte sich angeschlichen wie eine Diebin und hatte sich etwas von ihm genommen, hatte sich seiner heilenden Kraft bedient. Sie hatte Angst. Angst, entdeckt zu werden. Angst, die Heilung könnte rückgängig gemacht werden. Am ganzen Leib zitterte sie. Aber sie war auch die Einzige, die wusste, was tatsächlich geschehen war.

Und doch: Störungen hatten Vorrang. Der Mann aus Nazareth wusste, dass durch Unterbrechungen oft Wesentliches eingeleitet wurde. Auf einmal wurde es ganz still. Die Leute, die sich um ihn versammelt hatten, wussten ja nicht, was er damit meinte und ob er sich daran gestört hatte, dass sie sich so um ihn drängten und es in diesem Gedränge auch zu Berührungen mit ihm kam. Schnell hatte sich ein Kreis um ihn gebildet, damit niemand ihn mehr berührte. Und dann hob diese Frau ganz behutsam und zitternd ihre Hand und warf sich vor ihm auf den Boden. Unter Tränen erzählte sie ihm ihre Geschichte, ihr ganzes Elend, ihre ganze Wahrheit. Zwölf Jahre lang galt sie – und damit auch ihr Ehemann – als unrein. Zwölf Jahre lang war sie eine Ausgestoßene gewesen. Alles, was sie besaß, hatte sie geopfert, nur um diese Plage loszuwerden. Und nun hatte sie alles auf eine Karte gesetzt und sich ihm mit ihrer Berührung aufgedrängt, weil sie an ihn und seine Kraft geglaubt hatte. Das berührte ihn nicht nur äußerlich, sondern auch im Innersten tief, und er sagte zu ihr: „Meine Tochter, weil du so sehr geglaubt...


Bittlinger, Clemens
Clemens Bittlinger, geb. 1959, ist Pfarrer und Buchautor, vor allem aber eines: Liedermacher. Über 4.000 Konzerte in den vergangenen vier Jahrzehnten, 42 veröffentlichte CDs mit einer Gesamtauflage von rund 400.000 verkauften Exemplaren machen diesen preisgekrönten Singer-Songwriter zu einem der erfolgreichsten Interpreten seines Genres. Längst haben einige seiner Lieder in zum Teil millionenfacher Auflage den Weg ins allgemeine Liedgut der Kirchengemeinden gefunden. Clemens Bittlinger ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und lebt im Odenwald.

Clemens Bittlinger, geb. 1959, ist Pfarrer und Buchautor, vor allem aber eines: Liedermacher. Über 4.000 Konzerte in den vergangenen vier Jahrzehnten, 42 veröffentlichte CDs mit einer Gesamtauflage von rund 400.000 verkauften Exemplaren machen diesen preisgekrönten Singer-Songwriter zu einem der erfolgreichsten Interpreten seines Genres. Längst haben einige seiner Lieder in zum Teil millionenfacher Auflage den Weg ins allgemeine Liedgut der Kirchengemeinden gefunden. Clemens Bittlinger ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und lebt im Odenwald.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.