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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 311, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

Birkmoser Alpengold 311

Jeden Tag hab ich's bereut
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7325-8955-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Jeden Tag hab ich's bereut

E-Book, Deutsch, Band 311, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

ISBN: 978-3-7325-8955-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Jeden Tag hab ich's bereut
Sein Gewissen findet keine Ruhe
Von Hanni Birkmoser

Wein, Musik und die Nähe der schönen Wirtin Rebecca Sterzinger benebeln den sonst so klaren Verstand des jungen Forstamtsanwärters Andreas Brugger an diesem Abend. Wie ein hungriger Bär, der Honig wittert, folgt er ihr wenig später die Treppe hinauf und tappt in die süße Falle, die sie ihm stellt.
Denn mit dem, was in den folgenden Stunden geschieht, hat sie ihn in der Hand ...

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Jeden Tag hab ich’s bereut

Sein Gewissen findet keine Ruhe

Von Hanni Birkmoser

Wein, Musik und die Nähe der schönen Wirtin Rebecca Sterzinger benebeln den sonst so klaren Verstand des jungen Forstamtsanwärters Andreas Brugger an diesem Abend. Wie ein hungriger Bär, der Honig wittert, folgt er ihr wenig später die Treppe hinauf und tappt in die süße Falle, die sie ihm stellt.

Denn mit dem, was in den folgenden Stunden geschieht, hat sie ihn in der Hand …

„Zum Schwarzen Adler, Hotel und Gastwirtschaft“, stand auf dem prächtigen schmiedeeisernen Schild geschrieben, das die Front des stattlichen Hauses im oberbayerischen Stil zierte. „Inhaber: Nepomuk Anderlan, gegründet 1895.“

Das zweiflügelige Gebäude war mit geschnitzten Holzbalkonen geschmückt, von denen im Sommer brennend rote Geranien und weiße Petunien leuchteten. Lange Fensterreihen blitzten in der Sonne, und hinter den roten Ziegeldächern ragten fast bedrohlich nahe Zugspitze, Alpspitze und Waxenstein auf.

Im Westen erhoben sich die sanfteren Berge des Ammergaus, im Süden drohten die nackten Felsgipfel des Wettersteingebirges.

Der „Schwarze Adler“ lag, breit und behäbig hingestreckt, der Kirche gegenüber, und jeder in Sankt Emmeran schaute ihn gern an.

„Die schönste Herberge im ganzen Loisachtal“, prahlten die Dörfler. Sogar in Garmisch gab es, ihrer Meinung nach, keine bessere Unterkunft.

Nepomuk Anderlan, der Wirt, konnte sich freuen. Sein Haus war meist ausgebucht, im Sommer wie im Winter. Und viele, viele fleißige Hände mussten sich rühren, um die Wünsche der Gäste zu befriedigen.

Eben war wieder ein großer Reisebus angekommen, und die Gäste drängten ins Haus. Der Wirt stand wie ein Feldherr vor der Tür, nickte grüßend und kommandierte: „Resl, Frieda, Erika, Jakob! Kümmert euch ums Gepäck.“

Hausknecht und Zimmermädchen liefen herbei und beeilten sich, all die Koffer und Reisetaschen in den weiten, gewölbten Flur zu schleppen.

An der Rezeption stand Monika Anderlan, die Tochter des Hauses, und verteilte die Schlüssel für die vorbestellten Zimmer.

Wally, die Beschließerin, kontrollierte indessen im ersten Stock noch einmal die teuren Apartments, ob auch alles tadellos in Ordnung war und nichts fehlte, von den flauschigen Handtüchern im Bad bis zum Blumenstrauß auf dem Tisch.

In der modern ausgestatteten Küche kümmerte sich Angela, die Chefköchin, um die Fertigstellung der Abendmahlzeit, und der Schankkellner zapfte soeben in der größten der vier Gaststuben ein frisches Bierfass an.

Als alle neuen Gäste zu ihrer Zufriedenheit untergebracht waren, seufzte Monika Anderlan erleichtert auf. Trotz ihrer Jugend – sie war erst zweiundzwanzig – war sie die tüchtigste Stütze ihres Vaters. Sie hatte nach der Hauswirtschaftslehre auch noch eine Hotelfachschule besucht und war im „Schwarzen Adler“ unentbehrlich. Sie musste nämlich ihre Mutter ersetzen. Anna Anderlan war vor zwei Jahren verstorben.

Reizend sah Monika aus in ihrem blauen Dirndlkleid, das, knapp sitzend, ihre zierliche Figur betonte. Ihre naturgelockten Haare hatten einen warmen Braunton. Sie umrahmten ein liebliches Gesicht mit frischen Farben und glänzenden bernsteinfarbenen Augen.

Monika war bei allen wegen ihrer freundlichen, wenn auch direkten Art beliebt. Sie verstand es, Befehle zu erteilen, die wie liebenswürdige Bitten wirkten. Fast immer war sie nachts die Letzte, die absperrte und sich zu Bett legte. Ihr Vater konnte sich unbedingt auf sie verlassen.

Nepomuk Anderlan, der „Adler-Wirt“, war nun achtundfünfzig und seit dem Tod seiner Frau, der ihn hart getroffen hatte, nicht mehr ganz gesund. Er war ein mittelgroßer, beleibter Mann mit schütterem grauem Haar, und er hing mit inniger Liebe an seiner einzigen Tochter. Monika war ein jugendliches Abbild der verstorbenen Wirtin, die eine tüchtige, gut aussehende Frau gewesen war. Man hatte sie im Dorf hoch geachtet.

Die einzige „Konkurrenz“ des Hotels „Zum Schwarzen Adler“ war die Pension „Edelweiß“, ein kleiner Betrieb am Ortsrand von Sankt Emmeran. Im „Edelweiß“ gab es sechs bescheidene Kammern für Rucksacktouristen und Bergwanderer mit geringen Ansprüchen.

Stets gut besucht war das dazugehörige „Edelweiß-Stüberl“, die Bierkneipe im Erdgeschoss, bevorzugt von Arbeitern, Kleinhäuslern und vor allem von den jungen Burschen des Ortes. Hier konnten sie sich austoben, wogegen im vornehmen „Schwarzen Adler“ Großbauern und vermögende Urlauber den Ton angaben.

Anziehend auf die Dorfjugend wirkte auch die Wirtin der Pension, die fesche dreißigjährige Rebecca Sterzinger. Sie bewältigte die Arbeit mit nur einem Schankkellner und einer Küchenhilfe, die stundenweise kam.

Ihre resolute, lustige Art gefiel vielen, vor allem der jüngeren Generation. Die ältere rümpfte ein wenig die Nase über das freie Wesen der Sterzingerin und hätte nie einen Fuß in das „Edelweiß-Stüberl“ gesetzt. Aber das kümmerte Rebecca Sterzinger wenig.

***

Andreas Brugger hatte einen älteren Mann nach dem Weg zum Forsthaus gefragt, als er aus dem Linienbus gestiegen war. Er hatte die Auskunft erhalten, die Försterei liege nicht im Dorf, sondern weiter außerhalb, dem Eibsee zu. Eine halbe Stunde Gehzeit müsse man schon rechnen.

Andreas überlegte. Es dämmerte bereits stark, er war müde, hungrig und durstig. Seit dem Morgen war er unterwegs von seinem Heimatort in der Ingolstädter Gegend bis hierher. Das letzte Stück von Garmisch war er mit dem Bus gefahren, der nur einmal am Tag fuhr.

Dieses Sankt Emmeran war wirklich ein Nest am Ende der Welt. Doch die Landschaft war von einer so großartigen Schönheit, dass sie einen sofort beeindruckte.

Andreas Brugger war Forstamtsanwärter und hierher versetzt worden. Er hatte sich darüber gefreut, denn er war ein Bergfreund und guter Skiläufer. Es würde ihm gewiss gefallen.

Er beschloss, seinem künftigen Herrn Oberförster Grabner nicht mehr so spät abends ins Haus zu fallen. Er wollte im Dorf übernachten und sich erst am nächsten Morgen in der Försterei vorstellen. Das Haus mit dem Schild Pension Edelweiß bestärkte ihn in seinem Entschluss. Die Pension lag direkt neben der Bushaltestelle.

Er fasste den Griff seines großen Koffers fester und drückte die Klinke der Tür nieder, die in die Gaststube führte.

Stimmengewirr und Lachen aus rauen Männerkehlen empfingen ihn, und aus dichten Rauchwolken tauchten Köpfe und Gesichter auf. Der Raum war stark besetzt.

Andreas Brugger erspähte einen Tisch am rückwärtigen Fenster, an dem nur ein einzelner vollbärtiger Alter saß, der sich tief über die Tischplatte beugte.

„Ist es erlaubt?“, fragte Brugger und stellte Koffer und Rucksack auf die Bank gegenüber.

Der Bärtige nickte und nuckelte stumm weiter an seiner Pfeife.

Andreas setzte sich und spürte, wie müde er war. Er schrak zusammen, als eine junge Frau an seinen Tisch trat und ihn freundlich anredete:

„Grüß Gott, junger Herr. Was darf ich Ihnen bringen?“

Andreas riss die Augen auf, denn Rebecca Sterzinger war wahrhaftig das Anschauen wert. Die Wirtin war eine große, auffallend schön gewachsene Person, die sich ihrer Reize bewusst war und dementsprechend selbstsicher auftrat.

Ihr regelmäßig geschnittenes Gesicht mit den frischen Farben und der schimmernden Krone goldblonder Haare war bildhübsch und geschickt zurechtgemacht. Die tief ausgeschnittene weiße Dirndlbluse ließ straffe, üppige Brüste ahnen. Das eng geschnürte Samtmieder und der faltige Rock zeigten, dass auch Taille und Hüften tadellos waren.

Ein lockendes Lächeln umspielte Rebeccas volle Lippen, als sie den attraktiven Fremden genau musterte.

„Darf es ein Bier sein, ein Pils oder ein Hefeweizen?“, fragte sie und registrierte belustigt Andreas' wortloses Staunen.

„Ein Weizen“, entschied er. „Und vielleicht gibt es auch noch etwas Warmes zu essen?“

„Aber freilich“, erwiderte die Wirtin. „Ein frisches Wammerl mit Sauerkraut und Knödeln hätt ich da, ganz frisch. Der Metzger hat gestern geschlachtet.“

Andreas stimmte zu. Sein Magen knurrte wie ein hungriger Bär.

Das Essen kam rasch und roch appetitlich. Als sie es auf den Tisch stellte, streifte Rebeccas Arm Andreas’ Schulter.

„Guten Appetit“, wünschte Frau Sterzinger munter. „Hier ist auch Ihr Bier. Sie sind wohl zum Bergsteigen nach Sankt Emmeran gekommen? Ja, es ist schön bei uns, gelt?“

Andreas nickte. „Wunderschön. Aber ich bin beruflich hierher beordert worden, ins Forsthaus.“

„Oh, ein Herr Förster“, rief Rebecca erfreut und anerkennend.

„Erst ein Forstamtsanwärter“, berichtigte Andreas bescheiden, und Rebecca lächelte.

„Freilich. Sie sind ja noch so jung. Der alte Oberförster...



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