E-Book, Deutsch, Band 295, 64 Seiten
Reihe: Alpengold
Birkmoser Alpengold 295
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7325-7929-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sag endlich die Wahrheit, Monika!
E-Book, Deutsch, Band 295, 64 Seiten
Reihe: Alpengold
ISBN: 978-3-7325-7929-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sag endlich die Wahrheit, Monika!
Sie weinte an seiner Brust, dann gab sie ihr Geheimnis preis
Von Hanni Birkmoser
Markus Sonnleitner hört die Glocke zum Mittagessen rufen. Und er sieht die Rauchwolken, die vom Kamin seines Hofes hinauf in den blauen Himmel steigen.
Gestern hat er Geburtstag gehabt, den fünfundzwanzigsten und den ersten als Bauer vom Sonnleitenhof. Ja, offiziell gehört der Hof jetzt ihm, doch das Sagen hat nach wie vor sie - seine ältere Schwester. Oft schon hat sich Markus gegen sie aufgelehnt, aber dann erinnert sie ihn jedes Mal daran, was sie alles für ihn getan hat. Elternstelle hat sie an ihm vertreten und später sogar auf einen Mann in ihrem Leben verzichtet.
Ja, das Leben hat Franziska hart und bitter gemacht. Doch von ihrer größten Angst ahnt selbst der Bruder nichts: Es ist die Angst, Markus könne sich verlieben und seine Braut würde ihr ihren Platz auf dem Sonnleitenhof streitig machen ...
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Sag endlich die Wahrheit, Monika!
Sie weinte an seiner Brust, dann gab sie ihr Geheimnis preis
Hanni Birkmoser
Ihre Schwägerin Monika ist Franziska Sonnleitner von Anfang an ein Dorn im Auge. Nach dem frühen Tod der Eltern hatte sie als ältere Schwester immer das Sagen auf dem Sonnleitnerhof, und nun die zweite Geige hier zu spielen, das behagt ihr ganz und gar nicht. Sie konnte zwar nicht verhindern, dass ihr Bruder Markus Monika zur Frau genommen hat, doch noch ist nicht aller Tage Abend. Und so lauert Franziska fortan auf eine Gelegenheit, die verhasste Schwägerin loszuwerden. Unaufhörlich belauscht die Schwester die beiden Turteltauben, und eines Tages schnappt sie etwas auf, was niemals jemand erfahren sollte. Dass das nicht so bleibt, dafür wird Franziska nun umgehend sorgen …
Markus Sonnleitner, der Bauer vom Sonnleitnerhof, hörte die Glocke zum Mittagessen rufen. Und er sah die Rauchwolken, die vom Kamin seines Hofes hinauf in den blauen Himmel stiegen.
Er stand still und stützte beide Arme auf seinen Rechen.
Gestern hatte er Geburtstag gehabt, den fünfundzwanzigsten und den ersten als Bauer vom Sonnleitnerhof. Bis vor einem Jahr hatte seine Schwester Franziska, gute fünfzehn Jahre älter als er, den Hof geführt. So war es testamentarisch vom Vater festgelegt worden. Ihrer beider Mutter war bei seiner Geburt im Wochenbett gestorben, und der Vater war ihr gefolgt, als Markus knapp zehn Jahre alt gewesen war.
Als der Vater sein Ende hatte kommen fühlen, hatte er alles in die Hände seiner Tochter Franziska gelegt, einem derben, rechthaberischen Mädchen von damals fünfundzwanzig Jahren. Franziska war es nur zu recht gewesen, die nächsten fünfzehn Jahre als Bäuerin vom Sonnleitnerhof schalten und walten zu können.
Damals hatte es einen jungen Burschen im Leben der Schwester gegeben, den etwas rundlichen, aber immer lustigen Benno Markthaler. Er wollte sie als seine Bäuerin heimführen, doch Franziska hatte es vorgezogen, Bäuerin vom Sonnleitnerhof zu sein.
Benno hatte nach jahrelangem Warten schließlich eine andere geheiratet, aber man erzählte sich, dass er Franziska nicht habe vergessen können.
Markus zog seinen grünen Filzhut tiefer in die Stirn und tat einen Seufzer. Leider war Benno jetzt nicht mehr frei und konnte nicht um die Schwester werben. So musste er sich wohl damit abfinden, dass sie ein Leben lang unter seinem Dach leben würde.
Das wäre nicht so schlimm gewesen, wenn Franziska nicht mit den Jahren immer herrschsüchtiger geworden wäre. Gehörte der Hof von Rechts wegen jetzt auch ihm, das Sagen hatte nach wie vor sie.
Oft schon hatte sich Markus gegen sie aufgelehnt, aber dann erinnerte sie ihn immer daran, was sie alles für ihn getan hatte. Sie hatte die Elternstelle an dem damals Zehnjährigen vertreten und auch auf einen Mann in ihrem Leben verzichtet.
Markus schwieg dann jedes Mal, weil es einfach keinen Sinn hatte, sich gegen die Schwester aufzulehnen. Er musste mit ihr zusammenleben und das Beste daraus machen.
Während er, seinen Rechen über der Schulter, auf den Sonnleitnerhof zuschritt, dachte er daran, wie schön es wäre, wenn einmal eine junge Frau dort unten auf ihn warten würde. Er war schon ein paarmal verliebt gewesen, aber alle Mädchen hatten große Scheu vor seiner Schwester gehabt.
Sollte er einmal heiraten, würde Franziska seiner Frau das Leben nicht leicht machen. So, wie sie es auch ihm oft genug schwer machte. Als er seinen Hof erreichte, sah er sie vor der Tür stehen, groß und breitschultrig, die Hände in die Hüften gestützt.
„Brauchst wohl eine Extraeinladung zum Essen“, begrüßte sie ihn schnippisch. „Ich hab auch noch etwas anderes zu tun, als auf dich zu warten. Oder meinst du vielleicht, die Arbeit in dem großen Haus tut sich von allein?“
„Ich hab auch net im Gras gelegen und zum Himmel geschaut“, erwiderte Markus. „Immerhin hab ich das ganze Heu vom Ganslhang eingebracht.“
In der Küche wirtschaftete die Magd Zenzl am Herd. Sie war die einzige Bedienstete auf dem Sonnleitnerhof und hatte anstelle der Bäuerin die Kinder aufgezogen. Irgendwie hing auch die sonst so kühle Franziska an ihr und hatte sich gescheut, die alte Frau zusammen mit den anderen Bediensteten zu entlassen.
„Wir sind jung und kräftig, wir brauchen kein Gesinde“, hatte sie damals bald nach dem Tod des Vaters ihrem Bruder gesagt und den Buben gezwungen, wie ein Erwachsener zu arbeiten.
Oft genug hatte die alte Zenzl Mitleid mit ihm gehabt, wenn er abends todmüde beim Essen eingeschlafen war. Markus liebte die Alte heiß und innig und strich ihr auch heute zärtlich über das schüttere graue Haar.
„Riecht nach meiner Leibspeise, Zenzl. Hast du gar einen Kaiserschmarrn für mich auf dem Ofen?“
Das Gesicht der Magd erhellte sich. Sie nickte eifrig.
„Setz dich nur gleich hin, Bub! Sonst wird er mir zu braun. Und frisches Kirschkompott hab ich extra für dich dazu gemacht.“
So, wie er es seit seiner Jugend gewohnt war, schlug Markus ein Kreuzzeichen, bevor er sich an den Tisch setzte. Die Schwester brachte einen Krug kalte Milch, und jetzt fühlte er erst richtig den Durst und Hunger. Die alte Zenzl setzte sich als Letzte an den Tisch und warf Franziska einen scheuen Blick zu.
„Heut Nachmittag hätt ich gerne eine Stunde zur Pfarrköchin geschaut, Franzi. Sie ist krank und freut sich über einen Besuch.“
Franziska runzelte die Stirn.
„Heut Nachmittag wollten wir uns doch draußen in der Sonne den Flickkorb vornehmen. Hast du das vergessen, Zenzl? Die Pfarrköchin wird auch ohne dich wieder gesund werden.“
Die alte Zenzl beugte sich tief über ihren Teller. Sie schämte sich, von der Jüngeren zur Arbeit ermahnt worden zu sein. Aber da kam ihr Markus zu Hilfe.
„Was soll denn der Unsinn, Franzi? Die Zenzl hat sich eine Stunde wohl verdient. Warum bist du denn so kleinlich, der Flickkorb kann doch warten! Setz dich doch auch ein bisserl in den Garten in die Sonne. Du siehst oft gar net, wie schön so ein Sommertag sein kann.“
Franziska erhob sich abrupt und stellte die Teller zusammen. An der Art, wie sie es machte, erkannte Markus, wie tief es sie getroffen hatte, dass er sich auf die Seite der alten Magd gestellt hatte.
„Willst du jetzt im Haus auch den Ton angeben?“, fragte sie ihn mit schmalen Augen. „Das war doch bisher mein Bereich.“
Auch Markus hatte sich erhoben, gewillt, keinen Deut nachzugeben.
„Das soll auch so bleiben, Franzi! Ich red dir da nix drein. Aber die Zenzl geht uns beide an. Und ich als Bauer sage, dass sie den Nachmittag freihat. Und wenn du willst, Zenzl, nimmst du ins Pfarrhaus einen Korb Kirschen mit. Sie sind besonders gut in diesem Jahr.“
Am liebsten hätte ihm die alte Frau so wie früher über das dunkle Haar gestrichen. Aber der Blick seiner Schwester hinderte sie daran. So bedankte sie sich nur leise. Franziska verließ die Küche und warf die Tür lautstark hinter sich zu. Markus hörte die alte Frau seufzen.
„Hast es net leicht mit ihr, Zenzl“, sagte er mitfühlend.
Sie fuhr sich mit der Hand über die Augen.
„Ich bin froh, dass ich bei euch hab bleiben dürfen, Markus. Die Franzi hat es net leicht gehabt. Als junges Ding hat sie dich und den Hof zu versorgen gehabt, und alle Verantwortung ist auf ihr gelegen. Da hat es kaum ein Vergnügen für sie gegeben. So etwas macht hart.“
„Du nimmst sie in Schutz, Zenzl“, sagte er und lächelte, „aber ich weiß schon, dass sie dir das Leben net leicht macht. Mir ergeht es ja net anders. Aber zum Glück kann ich mich wehren, und du tust es halt net.“
Sie ließ heißes Wasser in die Spülschüssel laufen und schüttelte den Kopf.
„Ich kann ihr auch nimmer die Hilfe sein, die sie im Haus braucht. Eine junge Magd gehörte her, die die Kühe melkt und auch ein bisserl auf dem Feld mithilft. Früher waren es doch auch mindestens drei Bedienstete auf dem Hof.“
„Wenn es nach mir ginge, könnt die Schwester sofort eine junge Magd einstellen. Aber sie will ja niemand Fremden im Haus haben.“ Markus zuckte mit den Schultern.
„Du wirst eines Tages eine Frau bringen, Markus! Der Hof braucht eine junge Bäuerin und einen Erben. Das richtige Alter hättest du dafür.“
„Ich denk net ans Heiraten, vorläufig“, entgegnete er fast grob. „Und bei meiner Schwester, da muss mich eine schon sehr gernhaben, dass sie mich nimmt.“
„Wegen deiner Schwester kannst du aber net ein Leben lang allein bleiben“, entgegnete Zenzl. „Du darfst es ihr net gleichtun und net ans Heiraten denken. Für sie wär es damals auch net schlecht gewesen, wenn sie den Benno genommen hätte. Er hat sie sehr gerngehabt … trotz ihrer Herrschsucht.“
„Aber wer weiß, was dann aus dem Sonnleitnerhof geworden wäre“, gab Markus zu bedenken. „Irgendwie wird es schon recht sein, so, wie es gekommen ist. Und ich werde ihr auch niemals vergessen, was sie für mich getan hat.“
***
Draußen auf dem Hof hielt Markus Ausschau nach der Schwester, aber er fand...




