Birk / Popp | Luftwaffenoffizier 21 | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 348 Seiten

Birk / Popp Luftwaffenoffizier 21

Das Selbstverständnis des Luftwaffenoffiziers zu Beginn des 21. Jahrhunderts

E-Book, Deutsch, 348 Seiten

ISBN: 978-3-945861-43-1
Verlag: Miles-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Leser erfährt damit Grundlegendes über das facettenreiche Selbstverständnis einer militärischen Berufsgruppe: zur Informations- und Bestandsaufnahme, für tieferes Nachdenken und - nicht zuletzt - für dessen tragfähige dynamische Weiterentwicklung.
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Das Bild und die Bildung des Offiziers der Luftwaffe aus der Sicht des Historikers
Peter Andreas Popp Vom unlängst verstorbenen Bundeskanzler Helmut Schmidt – er hatte als Offizier der Wehrmacht den Zweiten Weltkrieg an der Ostfront erlebt und lernte als wehrübender Reserveoffizier die Bundeswehr noch in der Aufbauphase kennen, bevor er von 1969 bis 1971 die Armee der westdeutschen Nachkriegsdemokratie als Verteidigungsminister führte – ist das Diktum überliefert, er habe genug dumme Offiziere erlebt. Diese Aussage datiert aus der Gründungsphase der beiden Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München. Das heißt, sie entstammt dem Zeitabschnitt, als die „Bonner Republik“ einen Generations- und Mentalitätswechsel vollzog, der mit der Chiffre „1968“ plakativ und – für manche, auch nachträglich noch –, provokant vollzogen wurde. Aus dieser Zeit stammte nicht minder Steinhoffs Bild des Offiziers. Historisch-politische Parameter Nun sind seit diesem Zeitpunkt einige Jahrzehnte ins Land gegangen, und es ist deshalb die Frage zu stellen, welche historisch-politischen Parameter das Bild des heutigen Offiziers der Luftwaffe prägen. Die Bundeswehr sollte und soll noch immer ein Gegenmodell zur preußischen Armee des Kaiserreiches, zur Reichswehr der Weimarer Republik und zur Wehrmacht des nationalsozialistischen Deutschland darstellen. Sie bildet(e) ebenfalls einen Gegenentwurf zur Nationalen Volksarmee der DDR. Die Bundeswehr ist eine Armee, die das Epochenjahr 1989/90 überlebte und die seitdem eine Strukturveränderung durchläuft, die ob ihrer Modalitäten nicht wenige Soldaten mit einem unguten Gefühl beschlich und beschleicht.9 Es sei nur am Rande vermerkt, daß sich hinsichtlich des Auslotens der gegenwärtigen Situation ein markanter Befund auftut: Grosso modo sind Unteroffiziere mit Portepee und junge Offiziere, was die Wahl offener Worte betrifft, spontaner. Dünner wird die Luft, je höher der Dienstgrad steigt und das Gravitationszentrum politischer Macht geographisch auf dem Karriereweg immer näher rücken soll. Pensionierte Offiziere sind dann hinwiederum sehr offenherzig: ob aus später Einsicht oder ob aus Gründen altersspezifischer Gesundheitstherapie, sei dahingestellt. Wenngleich: Rechtlich hat sich in der Bundeswehr von 1956 bis heute doch nicht soviel verändert. Die Eidesformel ist noch immer dieselbe, sie bildet die überzeitliche Geschäftsgrundlage für den Dienst des Soldaten und lautet gemäß Paragraph 9 Soldatengesetz: „Ich schwöre/gelobe der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen, und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Doch es hat sich sehr wohl etwas verändert. Denn lässt man die nunmehr über 60-jährige Geschichte der Bundeswehr Revue passieren, so wäre um 1969 kein Werbestratege auf der Hardthöhe auf die Idee gekommen, der Bundeswehr den Slogan „Wir. Dienen. Deutschland.“ auf die Fahne zu schreiben.10 Damals, in der „Bonner Republik“ also, produzierte die Bundeswehr Sicherheit. Der Soldat sollte „kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen“. Sicherheit war – auch in der NATO seit dem „Harmel-Bericht“ von 1967 – definiert gemäß der Formel Verteidigung plus Entspannung. Die beste Verteidigung dieser Republik war nach Aussage eines ihrer Verteidigungsminister – Hans Apel (SPD) – eine gute Sozialpolitik! Die Bundeswehr als Wehrpflichtarmee war – ideologiekritisch betrachtet – damit laut Selbstanspruch Bestandteil der ökonomisch orientierten westdeutschen Waren-, Wettbewerbs- und (Dienst-) Leistungsgesellschaft, deren Identität gerade nicht auf nationaler Gloire beruhte, sondern ganz utilitaristisch auf dem Credo, ein guter, sprich friedlich geläuterter Produzent von Gütern zu sein, und dies denn doch mit globalem Aktionsradius, der allerdings keinesfalls für das Militär galt. Für VN-Einsätze stand die Bundeswehr nicht zur Verfügung und die Freiheit der Bundesrepublik wurde auch nicht im Mekong-Delta (Vietnam) verteidigt. Wie sollte es denn auch anders sein als dass die Bundeswehr „Sicherheit produzierte“ und darin die Daseinsberechtigung fand nach der verkorksten ersten Hälfte deutscher (Militär-)Geschichte im Zwanzigsten Jahrhundert? Und was bedeutete der Eid – was wenigen ob der Amnesie hinsichtlich der Jahre der deutschen Teilung zwischen 1945/49 und 1989/90 kaum mehr bewusst ist –, „das Rech und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“, wo eben dieses deutsche Volk in zwei deutschen Staaten lebte – 4/5 im westlichen Deutschland, 1/5 in der DDR? Wäre der Kalte Krieg zu einem heißen mutiert, dann wäre vor dem „Finis Germaniae“ in nuklearer oder konventioneller Variante kurzzeitig eine Bürgerkriegssituation gegeben gewesen. Das bildete die Schizophrenie jener Jahre. Der gesunde Menschenverstand sollte gebieten, heute und in Zukunft sowohl der „Westalgie“ als auch – noch schlimmer, weil mit Diktaturrelativierung gepaart – der „Ostalgie“ zu entsagen. Lassen wir dahingestellt, ob sich heute ein Bundeskanzler noch als „leitender Angestellter der Bundesrepublik Deutschland“ bezeichnen würde, wie es Helmut Schmidt einst tat. Als „Produzent von Sicherheit“ definiert sich die Bundeswehr jedenfalls seit Ende des Ost-West-Konfliktes nicht mehr. Vielmehr legt sie heutzutage auf ihre soziale Komponente – Stichwort „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ – ganz markant Wert. Dies zeugt von der Verinnerlichung eines sozialpolitischen Credos mit der offensichtlichen Botschaft, dass die Bundeswehr weiterhin ihren Teil zur Sozialstaatlichkeit Deutschlands beizutragen gewillt ist. Doch wird damit bewusst, dass sich der Beruf des Soldaten und hier in Sonderheit der des Offiziers von anderen Berufen erheblich unterscheidet, die im „Volksheim Bundesrepublik Deutschland“ mit seiner bislang offenen Willkommenskultur und dem hohen moralischen Gestaltungsanspruch insbesondere auch auf dem Feld der Außen- und Sicherheitspolitik, Stichwort „Friedensmacht Deutschland“, anzutreffen sind? Offensichtlich wird in der öffentlichen Meinung diese Frage bislang als irrelevant abgetan. Tatsache ist, dass das Bild desjenigen Offiziers, der dieser Bundesrepublik Deutschland dient, inzwischen reflektiert, dass die Bundeswehr mehr als das Doppelte an Jahren aufweist als die deutschen Vorgängerarmeen „Reichswehr“ und „Wehrmacht“ zusammen. Das Bild des Offiziers unterliegt heute einer Wandlung gesamtpolitischer Verhältnisse wie nie zuvor in unserer Geschichte. Doch bleiben wir vorerst noch in der jüngeren Vergangenheit dieser Republik. Wie für deren Armee, so sollte auch für die in ihr dienenden Offiziere folgendes gelten: Sie sollten auf lichter Seite und in Kontrast stehen zu den militärischen Formationen, die gerade die deutsche Militärgeschichte in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts prägten. Die Schwierigkeiten der Traditionsbildung einer Armee, die übrigens erst 1956 offiziell Bundeswehr genannt wurde, zeugen davon. Die Bundeswehr bildete die Armee eines Staates, der jedenfalls bis 1989 nicht glaubte, einmal selbst Geschichte zu sein bzw. werden zu können: Die Bundesrepublik als „Bonner Republik“ gibt es nicht mehr, wir leben nunmehr in der „Berliner Republik“, die ihrerseits im Augenblick im Begriffe ist, ihr gesellschaftspolitisches Koordinatensystem markant zu verändern. Folgt daraus auch ein Wandel der sicherheitspolitischen Geschäftsgrundlage? Darauf aus Sicht des Historikers jetzt eine eindeutige Antwort zu geben, ist absolut verfrüht. Denkmöglich ist es. Und je denkmöglicher es ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, aus der hinwiederum – Vorsicht: wir betreiben jetzt Projektion von Denkmöglichem in der Zukunft! – gegenwärtig für rein denkmöglich Befundenes auch tatsächlich eintritt. Wenn wir das Bild des Offiziers der Bundeswehr und noch dazu fokussiert auf den Offizier der Luftwaffe in historischer Hinsicht betrachten, so müssen wir uns einer Grundtatsache bewusst sein. Von Churchill stammt bekanntlich das Diktum, jeder Staat habe eine Armee – eine eigene oder eine fremde. Für die Bundesrepublik traf ab 1955/56 beides zu. Die Bundeswehr sollte die eigene Armee sein, und zwar voll integriert in Staat und Gesellschaft. Das schloss eine gesonderte gesellschaftliche Stellung des Offiziers in rechtlicher Stellung von vornherein aus, änderte aber nichts am „Sonderstatusverhältnis“ des Soldaten der Bundeswehr innerhalb der rechtsstaatlichen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland. Die Bundeswehr war, sicherheitspolitisch betrachtet, vollständig in die NATO integriert – mit Ausnahme jener Teile des Heeres, die als Territorialheer im rückwärtigen Bereich des westlichen Sicherheitsstreifens zwischen Flensburg und Garmisch disloziert waren. Die Paradoxie nationaler Souveränität der Bundesrepublik Deutschland bestand damals...


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