Bindrim | Das liebevolle Alte Testament | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 218 Seiten

Bindrim Das liebevolle Alte Testament

Biblische Liebestexte für die Gemeindearbeit
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-647-99269-3
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Biblische Liebestexte für die Gemeindearbeit

E-Book, Deutsch, 218 Seiten

ISBN: 978-3-647-99269-3
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Dieses Buch präsentiert die ganze Bandbreite alttestamentlicher Liebestexte. Entgegen dem verbreiteten Vorurteil ist das Alte Testament nämlich alles andere als lieblos. Das Buch zeigt, wie vielfältig, leidenschaftlich und überraschend die Liebe in der Bibel dargestellt wird: von romantischer Hingabe bis zu treuer Verbundenheit, von der Liebe zu Gott bis zu den Herausforderungen in zwischenmenschlichen Beziehungen. Die alttestamentlichen Schriften enthüllen Liebe als eine Kraft, die Geborgenheit schafft, aber auch voller Widersprüche und Spannungen sein kann - eine Liebe, die tröstet, fordert und transformiert. Durch die Jahrtausende hinweg rufen uns diese Texte zu, in Liebe zu leben und Liebe zu empfangen. Die Bibel bietet beides: Altbekanntes und völlig Neues zu dieser Emotion, die jede:r kennt und wohl keine:r je wirklich verstehen wird. Die biblischen Texte sind neu und verständlich übersetzt und für die Gemeindearbeit, Predigtvorbereitung, eine Themenreihe außerhalb eines Gottesdienstes oder die eigene Bibellese aufbereitet.

David Bindrim, PhD Biblical Studies, studierte evangelische Theologie, Geschichte und Hebräisch auf Lehramt an der Universität Heidelberg. Er ist Mitglied im Hebraistenverband e. V. und arbeitet seit August 2024 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Hebräische Sprache an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg.
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2Die Liebe unter den Menschen


Wir beginnen bei den Menschen, um genauer zu sein: Bei Menschen. Denn es gibt eine Person in der Bibel, die so eng mit Liebe verbunden ist, wie keine andere. Diese Person ist König David. In den Geschichten, die sich um ihn drehen, ist besonders häufig von Liebe die Rede. Es ist hier ein Leitwort und spiegelt die Reaktion verschiedenster Kreise auf David wider. Er ist der »Liebesmensch« der Bibel.

Der Name leitet sich von einem anderen Verb ab, das ebenfalls »lieben« heißt, biblisch aber kaum verwendet wird. Der Name scheint so viel wie »Liebling«, »Geliebter« zu bedeuten. Er ist ungewöhnlich, weil es für ihn nur einen Namensträger im Alten Testament gibt und er auch in anderen hebräischen oder verwandten Texten außerhalb der Bibel nicht für andere Personen vorkommt.

Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist 1Samuel 18. Hier werden verschiedene Liebesarten erwähnt, die im Einzelnen in diesem Abschnitt zur »menschlichen« Liebe besprochen werden sollen. Mindestens die sexuell-partnerschaftliche und die freundschaftliche Liebe werden hier erwähnt. Wenn man die politischen Beziehungen und die Freundschaften voneinander trennt – was man zur Zeit König Davids nicht gemacht hat – dann sind es sogar drei Liebesarten, die sich hier mit David verbinden.

2.1König David, der Liebling aller (1Samuel 18)


(1) Und als er aufgehört hatte, zu Saul zu reden – Jonatans Wesen hatte sich aber mit dem Wesen Davids verbunden –, da liebte Jonatan ihn wie sein eigenes Wesen. (2) Saul aber nahm ihn an jenem Tag zu sich und erlaubte ihm nicht mehr, ins Haus seines Vaters zurückzukehren. (3) Jonatan und David hingegen schlossen einen Bund, weil er ihn wie sein eigenes Wesen liebte.

(4) Jonatan zog seine Kleidung aus, die er bisher anhatte, und gab sie David: sein Gewand, sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel.

(5) David zog nun überall hin aus, wohin ihn Saul sandte; er war immer erfolgreich. Saul setzte ihn über die Kriegsleute und das kam dem Volk und auch den Knechten Sauls gut vor. (6) Und als sie heimkamen, als David vom Kampf gegen die Philister zurückkehrte, da zogen die Frauen aus allen Städten Israels mit Gesang und Reigentanz hinaus, König Saul mit Tamburinen, Freude und Wonne entgegen. (7) Die neckenden Frauen sangen scherzend:

»Saul erschlug seine Tausende;

David aber seine Zehntausende!«

(8) Da wurde Saul sehr zornig. Diese Sache kam ihm übel vor und er sagte: »Sie gaben David Zentausende, mir aber nur Tausende! Wenn das so weitergeht, wird man ihm auch noch bestimmt das Königtum geben!« (9) Seit jenem Tag beäugte Saul David misstrauisch.

(10) Am folgenden Tag geschah es dann: Ein übler Gottesgeist drang in Saul ein und er raste inmitten des Hauses; wie jeden Tag musizierte David mit seiner Hand – in Sauls Hand aber war ein Speer. (11) Da schleuderte Saul den Speer, denn er sagte sich: »Ich werde David erschlagen und auch noch die Wand mitaufspießen!« David wandte sich zweimal von ihm weg. (12) Saul fürchtete sich vor David, denn JHWH war mit ihm, von Saul aber war er gewichen. (13) Deshalb schickte Saul ihn weg und setze ihn stattdessen für sich als Anführer einer Tausendschaft ein. David zog also vor den Augen des Volkes aus und kam mit ihnen zurück.

(14) Auf allen seinen Wegen war David erfolgreich, denn JHWH war mit ihm. (15) Saul sah, dass er erfolgreich war und hatte Angst vor ihm. (16) Ganz Israel und Juda aber liebte David, denn er zog vor ihnen hinaus und kam mit ihnen zurück. (17) Deshalb sagte Saul zu David: »Schau mal, meine ältere Tochter Merab! Die will ich dir zur Frau geben. Sei mir einfach ein tüchtiger Gefolgsmann und kämpfe die Kriege JHWHs!« – denn Saul sagte sich: »Meine Hand soll nicht gegen ihn sein, sondern die Hand der Philister soll ihn erledigen.« (18) David sagte aber zu Saul: »Wer bin ich und wer ist mein Leben (die Verwandtschaft meines Vaters in Israel) schon großartig, dass ich ein Schwiegersohn des Königs sein könnte?!« (19) Zu der Zeit, als die Saulstochter Merab eigentlich David zur Frau gegeben werden sollte, wurde sie dem Mecholatiter Adriel zur Frau gegeben. (20) Aber die andere Saulstochter Michal liebte David. Das berichtete man Saul und die Sache kam ihm recht vor.

(21) Saul sagte: »Wenn ich sie ihm gebe, wird sie ihm zum Fallstrick und die Hand der Philister wird gegen ihn sein.« Deshalb sagte Saul zu David: »Abermals: Heute verschwägerst du dich mit mir!« (22) Und Saul sagte zu seinen Knechten: »Redet heimlich Folgendes zu David: ›Schau, der König mag dich und alle seine Knechte lieben dich. Verschwägere dich also mit dem König!‹« (23) Also wisperten die Knechte diese Worte heimlich in Davids Ohren und David sagte: »Kommt es euch etwa wie etwas Geringes vor, sich mit dem König zu verschwägern? Ich bin doch ein bedürftiger und geringer Mann.« (24) Die Knechte Sauls berichteten ihm die ungefähren Worte, die David geredet hatte. (25) Saul sagte: »So sollt ihr David sagen: ›Der König verlangt keinen Brautpreis, vielmehr sollen 100 Vorhäute von Philistern genügen, damit man an den Feinden des Königs Rache nimmt.‹« Denn Saul beabsichtigte, David durch die Hand der Philister zu Fall zu bringen. (26) Seine Knechte berichteten David diese Worte. Da erst schien David die Sache, sich mit dem König zu verschwägern, recht zu sein. Es vergingen nicht einmal viele Tage, (27) da machte David sich auf. Er und seine Männer gingen und erschlugen an die 200 Philister. David brachte ihre Vorhäute und damit beglich man mit dem König den Brautpreis, damit er sich mit ihm verschwägern konnte. Und so gab ihm Saul seine Tochter Michal zur Frau. (28) Saul sah und wusste, dass JHWH mit David war, und Sauls Tochter Michal liebte ihn auch. (29) Saul fürchtete sich aber weiterhin vor David und Saul war David für alle Tage ein Feind.

(30) Die Fürsten der Philister zogen zum Kampf aus. Aber es geschah, sooft sie auszogen, dass David erfolgreicher war als alle Knechte Sauls. Sein Name war deshalb sehr hoch angesehen.

(1) Es ist nicht klar, in welcher zeitlichen Folge die Ereignisse in diesem Vers stehen. Möglich ist auch die Übersetzung: »Und als er aufgehört hatte, zu Saul zu reden und sich Jonatans Wesen mit dem Wesen Davids verband«. Die Frage ist also, ob sich die Beziehung zwischen Jonatan und David im Moment der Rede entspann, oder bereits davor begonnen hatte. Da sich Jonatan und David zuvor nicht ausdrücklich begegnet sind, wäre als Zeitpunkt nur die Geschichte aus 1Samuel 17 (David erschlägt Goliat) denkbar, die unmittelbar zuvor stattfindet.

(1) Die Übersetzung des Begriffs , der hier steht, bereitet immer Probleme. Traditionell wird der Ausdruck mit »Seele« übersetzt. Das, was wir unter Seele verstehen, ist jedoch erst durch die antiken Philosophen geprägt worden und hängt stark am griechischen Ausdruck . Im Hebräischen und damit im Alten Testament gibt es noch keine Trennung zwischen Körper und Geist/Seele, beides ist eins: das Wesen. Die Grundbedeutung für das hebräische Wort ist Kehle. Davon wird die durch die Kehle strömende Atemluft abgeleitet, weshalb auch der Atem oder Odem sein kann. Wird dieser nun metaphorisch gebraucht, steht das Wort für die Person selbst und beschreibt dann das Wesen, Selbst oder das Leben. Eine weitere Bedeutung kann auch Gier sein. An den meisten Stellen, die wir hier behandeln werden, wird der Begriff metaphorisch gebraucht und daher mit Wesen übersetzt.

(18) Im Hebräischen steht zweimal das Fragewort »wer«. Damit soll klar gemacht werden, dass sowohl »Leben« als auch »ich« das Gleiche bezeichnen: David sieht sich selbst als all der Aufmerksamkeit unwürdig an – oder versucht es zumindest so darzustellen. Die Formulierung fällt schon im Original auf, weshalb sie hier ebenfalls übernommen wurde.

(21) Da es weder in hebräischen noch in griechischen Texten Anführungszeichen gibt, sind die Anfänge und vor allem die Enden von Reden in der Bibel nicht immer sicher. Ein solcher Fall findet sich hier. Wohin genau das Wort abermals gehört und worauf...



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