Bicker Optimum - Kalte Spuren
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-86396-540-2
Verlag: INK
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 02, 352 Seiten
Reihe: Optimum
ISBN: 978-3-86396-540-2
Verlag: INK
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Wer auf hochdramatische Psychothriller steht, kommt an »Optimum« nicht vorbei. Im heiß ersehnten zweiten Band der mitreißenden Trilogie über eine mysteriöse Schule gerät die sympathische Heldin Rica in die Fänge eines Psychopathen. Absolut nervenaufreibend und mörderspannend! In den Osterferien werden Rica und einige andere Schüler in einer einsamen Berghütte von der Außenwelt abgeschnitten. Doch damit nicht genug: Plötzlich gibt es keinen Handyempfang mehr, Ricas Kamera verschwindet und findet sich mit gruseligen Fotos wieder, und schließlich taucht auch noch eine zweifelhafte Gestalt in der Nähe der Hütte auf. Was als Schulausflug beginnt, wird zum beklemmenden Psychoterror, bei dem die Jugendlichen an ihre Grenzen getrieben werden ...
Veronika Bicker, 1978 in Karlsruhe geboren, entdeckte schon während ihrer Schulzeit, wie viel Spaß es ihr macht, spannende Ideen auszutüfteln und diese in Worte zu fassen. In ihrer Studienzeit veröffentlichte sie bereits mehrere Kurzgeschichten in Anthologien und widmet sich heute nun ausschließlich dem Schreiben und ihren Büchern.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel eins
Gewinner
»Die Ergebnisse kommen heute rein.«
»Habt ihr schon ans Schwarze Brett geschaut? Hängt die Liste aus?«
»Ist überhaupt jemand von unserer Schule dabei?«
»Als ich heute Morgen nachgesehen habe, war noch nichts da.«
Rica schüttelte den Kopf und schob sich eine Gabel voll Risotto in den Mund, als die nächste Gruppe aufgeregter Mädchen an ihrem Tisch vorbeilief.
»Ich weiß überhaupt nicht, was die alle an diesem verflixten Wettbewerb finden«, meinte Rica. »Als ob der die einzige Gelegenheit wäre, einen Ausflug zu machen. Ihr seid doch ständig irgendwo unterwegs. Lars sagte …« Doch sie brachte den Satz nicht zu Ende. Lars hatte viel gesagt, und Rica hatte ihn deswegen für einen Freund gehalten.
»Na, du hast doch auch teilgenommen!« Eliza hatte den Kommentar über Lars entweder nicht gehört, oder sie ging aus Rücksicht nicht darauf ein.
Rica zuckte mit den Schultern und nahm noch eine Gabel voll Risotto. »Alle haben mitgemacht. Ich kann ja wohl schlecht einfach aus dem Unterricht abhauen, während ihr alle an euren ›Forschungsprojekten‹ herumschraubt.« Sie schnaubte und schüttelte wieder den Kopf. Die »Agenda 2030« schien die gesamte Daniel-Nathans-Akademie in ein Irrenhaus verwandelt zu haben. Von einem Tag auf den anderen hatten alle Schüler die wildesten Ideen entwickelt, wie die Zukunft am besten zu gestalten wäre. Visionäre Technologien waren auf dem Papier und im Modell entwickelt worden, in den Klassenzimmern und auf den Fluren wurde über nichts anderes mehr gesprochen als über verbesserte Gentechnologie und Fließgewässersanierung. Selbst die Lehrer hatten sich von dem Hype anstecken lassen, und große Teile des Unterrichts wurden geopfert, damit die Schüler an ihren Projekten arbeiten konnten.
All das nur, weil es einen ziemlich langweiligen Skiurlaub zu gewinnen gab, abgesehen von der Teilnahme an einer Konferenz, auf der die besten Ideen vorgestellt werden sollten.
Auf beides war Rica von Anfang an nicht besonders wild gewesen, auch wenn ihr die Arbeit an einem eigenen Projekt Spaß gemacht hatte. Aber nachdem immer mehr ihrer Klassenkameraden einer Art fiebrigem Wahn verfallen waren und die irrwitzigsten Pläne entworfen hatten, war Rica die Lust an der ganzen Sache vergangen. Sie hatte ihr eigenes Projekt unmotiviert dahingeschludert und den Rest der Projektzeit damit verbracht, Fotos von der Schule zu machen, während alle anderen noch arbeiteten. Inzwischen ärgerte sie sich über sich selbst. Sie hätte mehr aus ihren Ideen machen sollen.
»Wollen wir nachsehen gehen, wer gewonnen hat?« Elizas Stimme klang vorsichtig. »Wer weiß, vielleicht …«
Rica schüttelte den Kopf. »Ich bin sicher nicht dabei«, murmelte sie. »Aber wenn es dir Spaß macht …« Sie schob ihren Teller von sich. Eliza sprang so eifrig auf, dass Rica ein schlechtes Gewissen bekam. Ganz offensichtlich hatte ihre Freundin die ganze Zeit darauf gewartet, zum Schwarzen Brett gehen zu können. Nur wegen Ricas offensichtlichem Unmut hatte sie sich zurückgehalten.
Vor dem Schwarzen Brett hatte sich eine kleine Traube aus Schülern gebildet, die sich alle bemühten, einen Blick auf die Liste zu werfen. Eliza stellte sich auf die Zehenspitzen, und versuchte, über die Köpfe der anderen hinwegzusehen, aber sie war viel zu klein. Rica dagegen konnte die Liste ohne weitere Mühe erkennen.
»Haben die hier die Gewinner aus dem ganzen Land aufgelistet, oder warum sind das so viele?« Sie hatte niemand Bestimmten gefragt, aber eines der Unterstufenmädchen vor ihr drehte sich um.
»Das sind nur die Gewinner der Daniel-Nathans-Akademie«, antwortete sie.
Rica überlegte, weiter die Unbeteiligte zu mimen, aber ein Blick auf Elizas verzweifeltes Gesicht reichte, um sie zu überzeugen. Sie begann, sich durch die anderen Schüler nach vorn zu kämpfen.
Doch noch bevor sie die erste Reihe erreicht hatte, schob sich eine Gestalt von vorn in ihre Richtung. Ricas Herz schlug schneller, als sie bemerkte, wer da auf sie zukam.
Robin.
»Hast du schon gesehen?« Er strahlte. Sein ganzes Gesicht schien dadurch wie in helles Licht getaucht zu sein, und seine Augen funkelten.
Ricas Mundwinkel zuckten unwillkürlich nach oben. Sechs Monate und ich fühle mich immer noch wie ein dummes kleines Mädchen, das zum ersten Mal verliebt ist, wenn ich ihn nur sehe.
»Ich nehme an, du bist dabei?«, versuchte sie von ihrer Verlegenheit abzulenken. »Herzlichen Glückwunsch.« Es kam nicht ganz von Herzen. Die Schüler, die gewonnen hatten, würden nächste Woche in die Berge fahren, für ganze zwei Wochen. Sie bekamen einfach schulfrei, während alle anderen weiterbüffeln mussten. Bei Ricas Freundeskreis war es sehr wahrscheinlich, dass sie die zwei Wochen allein in der Schule verbringen würde. Warum musstest du dir auch nur lauter Genies als Freunde aussuchen? Sie hatte gehofft, dass wenigstens Robin mit ihr hierbleiben würde, immerhin erreichten seine Noten nicht ganz den übermäßig hohen Schnitt wie Elizas. Aber offensichtlich hatte sie sich da geirrt.
»Nicht nur ich.« Robin packte sie sacht am Oberarm, um sie aus der Menge der Schüler heraus zu geleiten.
»Lass mich raten: Eliza, Torben, Sarah, Vanessa …«, fing Rica an.
»Ja, auch. Aber hör mir doch mal zu!« Er hatte sie in eine Nische zwischen der großen Treppe und einer Stellwand voller Fotos gezogen und ihr sanft die Hände auf die Schultern gelegt. Jetzt schüttelte er sie ganz leicht, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. »Du bist dabei!«
Rica starrte sprachlos zu ihm auf. Sie dabei? »Bist du sicher?«
Robin ließ ihre Schultern los und verzog das Gesicht. Zu spät wurde Rica bewusst, dass sie vielleicht ein bisschen mehr Freude hätte zeigen sollen. Immerhin fuhr sie mit ihrem … was auch immer er für sie war … in Urlaub. Aber sie war dermaßen fassungslos, dass Robins Freude völlig an ihr vorbeigegangen war.
»Natürlich bin ich sicher. Ich kann doch lesen. Ich dachte, du freust dich.«
»Tut mir leid.« Rica lächelte. »Es ist nur … Ich hab eine so schlechte Arbeit abgeliefert.« Sie musste lachen. »Wenn die mich genommen haben, müssen sie echt verzweifelt sein.«
Robin schenkte ihr einen langen Blick, dann grinste er und wuschelte ihr unvermittelt durchs Haar. »Mach dich nicht schlechter, als du bist«, meinte er. »Du bist dabei, und das ist doch alles, was zählt. Und alle anderen auch. Das wird ziemlich klasse, sage ich dir.«
»Steht da, wie viele Schüler es insgesamt sind? Ich meine, nicht nur von dieser Schule?« Irgendwas an dieser überlangen Liste und der Tatsache, dass ausgerechnet sie unter den Gewinnern sein sollte, störte Rica.
Robin schüttelte den Kopf. »Wenn das aus jeder Schule so viele Leute sind, bekommen die ein Problem, falls sie die alle in einer Skihütte unterbringen wollen«, erwiderte er und lachte. »Aber wer weiß, wen wir dort kennenlernen werden. Vielleicht sind ja irgendwelche hübschen Mädchen dabei.«
Rica boxte ihm freundschaftlich in die Rippen. »Man sollte meinen, du hättest hier alle hübschen Mädchen, die du brauchst.«
»Hm, ich weiß nicht.« Robin sah sich gespielt übertrieben um. »Ich kann hier keine sehen, du?«
»Was sehen?« Elizas Stimme unterbrach sie, bevor Rica Robin ernsthaft den Kopf zurechtrücken konnte. »Ich dachte, du wolltest herausfinden, wer mitfährt?«, wandte sie sich an Rica.
»Sorry.« Rica lächelte verlegen. »Ich war abgelenkt. Aber Robin sagt, wir sind alle dabei.«
»Robin sagt das?« Eliza klang spöttisch, doch die Anspannung, die gerade noch in ihrem Gesicht gelegen hatte, verschwand, und sie lächelte. »Na, dann ist ja gut, dass du mir das sofort weitergesagt hast.« Trotz des Spottes zwinkerte sie Rica verschwörerisch zu.
»Und? Freust du dich?«, wollte Robin wissen.
Im ersten Moment fragte sich Rica, wie Robin so eine dämliche Frage stellen konnte. Alles, wovon Eliza in der letzten Zeit geredet hatte, war dieser Wettbewerb gewesen.
Aber als sie nun in Elizas Gesicht sah, merkte sie, dass Robins Frage durchaus berechtigt gewesen war. Eliza sah eher ein bisschen nachdenklich aus.
»Ich freue mich, dass sie mein Projekt gut fanden«, antwortete sie. Sie war auf einmal sehr still, überhaupt nicht mehr so überdreht wie die Tage zuvor. Rica bemerkte die gleiche Ruhe auch bei den anderen Schülern vor dem Schwarzen Brett. Die Menschentraube löste sich langsam auf, und die meisten gingen ruhig ihrer Wege. Es gab erstaunlich wenig Jubelrufe und Hysterie, wie Rica sie eigentlich bei dem ganzen Hype zuvor erwartet hätte.
»Ich fahre gar nicht so gerne Ski«, gab Eliza jetzt auch noch zu, aber sie lächelte dabei. »Ich freue mich natürlich trotzdem. Vor allem, dass ihr beide mitkommt. Das wird bestimmt cool.«
Rica zuckte mit den Schultern. »Ich verstehe immer noch nicht, warum ich dabei bin.«
»Deine Idee war doch gar nicht so schlecht«, warf Robin ein.
»Aber ich habe sie überhaupt nicht ausgearbeitet«, wehrte Rica ab. »Gebt es zu: Ich habe eine miserable Arbeit abgeliefert, und ihr beide wisst das ganz genau.« Eliza und Robin hatten ihr bei der Ausarbeitung ihrer Idee geholfen und streckenweise auch beim Anfertigen der Planskizzen und Modelle. Beide hatten auf sie eingeredet wie auf ein krankes Pferd, sich doch ein bisschen mehr Mühe zu geben.
Robin und Eliza sahen einander ein wenig...




