Bicker | Das Glück liegt hinterm Hühnerstall | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 323 Seiten

Bicker Das Glück liegt hinterm Hühnerstall

Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96215-252-9
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 323 Seiten

ISBN: 978-3-96215-252-9
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Jody hat sich mit ihrem Mann Mats den Traum vom Landleben erfüllt. Gemeinsam haben sie den alten Hof von Mats Eltern zu einem Ferienbauernhof ausgebaut. Die Idylle scheint vollkommen – bis auf die noch offene Kinderfrage. Da taucht überraschend Jodys sprunghafte Schwester Charlie auf und zieht kurzerhand bei ihnen ein. Die quirlige Charlie sprüht vor neuen Ideen für den Hof und schon bald kommt es zu Reibereien. Zu allem Überfluss macht die Konkurrenz vom neuen benachbarten "Wellness-Hof" Jody und Mats zunehmend zu schaffen. Als sich Charlie dann auch noch Hals über Kopf in dessen Besitzer, den gutaussehenden Thomas Hannich, verliebt, scheint das Chaos perfekt ...
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Sommermittag


„Das Schleifgerät vibrierte in Jodys Hand. Sie konnte die Schwingungen bis hinauf in die Schulter spüren und hatte manchmal das Gefühl, der kleine Schleifer wollte sich losreißen. Beinahe, als hätte sie etwas Lebendiges in der Hand.

Manche Leute mochten das Geräusch eines Schwingschleifers auf Holz nicht. Jody hatte schon alle Vergleiche gehört, von „kreischende Katze“ bis zu „verärgerter Hornissenschwarm“. Sie selbst allerdings nahm es mehr als einen Rhythmus wahr. Eine perfekte Begleitung zu ihrer Arbeit. Mit weichen, gleitenden Bewegungen ließ sie den Schleifer über das Birkenholz flitzen. Feiner Staub sammelte sich in kleinen Wellen wie Rippel im Sand am Meer. Jody summte leise, eine beinahe tonlose Melodie. Für einen kurzen Augenblick wurde die Harmonie unterbrochen. Draußen rief jemand. Jody horchte kurz auf, doch im nächsten Moment war sie wieder ganz von ihrer Arbeit gefangen.

Sie beschrieb mit dem Schleifgerät kleine Kreise über die Tischplatte und ließ dabei ihre Gedanken schweifen. Das abgeschliffene Holz fühlte sich weich unter ihren Fingern an, glatt und geschmeidig. Sie müsste eine passende Farbe für das Holz finden, etwas Sanftes, Helles, das dennoch zu der Wuchtigkeit des Tisches passte. Nichts zu Blasses wie Fichte, nicht zu dunkel wie Nussbaum … vielleicht ein Goldbraun. Eibe oder Lärche …

„Hey, du.“ Eine Hand legte sich auf ihre Schulter, und Jody zuckte kurz zusammen. Sie schaltete den Schleifer aus und wandte sich zu Mats um. Er lächelte auf sie herunter. „Hast du mich gar nicht rufen gehört?“

Jody merkte, wie ihr das Blut ein wenig ins Gesicht stieg. „Ich war so in Gedanken. Da muss ich das irgendwie ausgeblendet haben.“ Sie zupfte etwas verlegen an ihrem alten Arbeitshemd herum und gestattete sich einen kurzen Blick auf ihre Werkstattuhr. Die Zeiger der uralten Minnie-Maus-Kinderzimmeruhr standen auf halb zwölf. Wohin war nur die Zeit verschwunden? War sie nicht eben erst vom Frühstück aufgestanden?

Mats berührte beinahe ehrfurchtsvoll die Tischplatte. „Es war nichts Wichtiges“, versicherte er. „Die Reisers sind zu einer Wandertour aufgebrochen und wissen nicht genau, ob sie es bis zum T-Shirt-Kurs heute Abend zurückschaffen. Pia war ein bisschen traurig, aber ich habe ihr gesagt, dass du ihr das mit den Shirts sicher auch mal zwischendrin zeigen kannst. Und die Thalmanns haben angerufen. Sie stecken im Stau und kommen ein bisschen später.“ Seine Finger fuhren die Maserung im Holz nach. „Du hast also noch ein bisschen Zeit für den Tisch.“

Auch Jody legte nun einmal mehr ihre Hand auf die Platte. Es kam ihr so vor, als ströme Wärme aus dem Holz in ihren Körper. Ihre Fingerspitzen pochten leicht wie vor Erwartung. Sie schüttelte den Kopf. „Ich habe schon viel zu lange hier in der Werkstatt gestanden. Ich habe die Zeit vergessen.“ Sie betrachtete den glatten, schönen Tisch neben sich und seufzte. Am Liebsten hätte sie gleich daran weitergearbeitet, aber für heute musste sie ihn wohl so stehen lassen.

Mats schlang seine Arme um sie und zog sie zu sich heran. Jody rieb ihre Nase an seinem Shirt, sog den warmen Geruch nach Heuboden und Sonne ein und schloss die Augen. Wärme umgab sie, durchflutete sie. Mats’ Ruhe und Kraft schienen direkt auf sie überzugehen, sie zu füllen.

„Ich finde es toll, wenn du auch mal etwas für dich tust“, murmelte Mats in ihre Haare. „Du halst dir schon viel zu viel auf. Eigentlich solltest du viel öfter mal die Zeit vergessen.“

Das sollte ich tatsächlich, war Jodys erster Gedanke, doch es siegte wieder mal ihre Vernunft. „Das können wir uns nicht leisten“, murmelte sie bedauernd.

Mats fragte nicht nach. Er hielt sie nur weiter fest im Arm, gab ihr den Halt, den sie brauchte, bis sie sich widerstrebend von ihm löste. „Ich mache mich dann mal daran, die Handwerker abzutelefonieren. Ich hoffe, ich erreiche jetzt überhaupt noch jemanden.“

Mats fuhr sich mit ausgestreckten Fingern durchs Haar. „Gut. Ich werde mir das Fundament für das Gartenhaus vornehmen, denke ich. Mittagessen mache ich dann ein bisschen später, okay?“

Jody lächelte dankbar. „Okay.“ Beinahe zärtlich berührte sie ein letztes Mal das Holz der Tischplatte.

„Bist du sicher, dass du nicht lieber doch noch hier weitermachen willst?“, fragte Mats, der ihre Geste bemerkt hatte.

„Es geht nicht.“ Jody seufzte. „Zu viel anderes zu tun. Sie fasste nach Mats’ Hand und verließ mit ihm zusammen die Werkstatt.

Mats war in Richtung seines Gartenhauses abgebogen, und Jody schlenderte langsam über den Hof in Richtung Haustür. Oben warteten ihr Schreibtisch und das Telefonverzeichnis auf sie, doch für einen Moment wollte sie einfach noch die Wärme und den Geruch des Hofes genießen. Die Sonne stand beinahe senkrecht über dem Dach des Ponystalls, neben dem Holzschuppen döste Balu – ihr schokoladenbrauner Labrador – auf den Pflastersteinen. Sie musste nachher unbedingt noch eine Runde mit ihm drehen, doch im Moment schien die Hitze selbst seine unbändige Energie zu zügeln.

Jodys Blick fiel auf den Berg von ungehacktem Holz neben dem Schuppen, und wanderte weiter zu dem alten Zaun, der gleich daneben den Kräutergarten vom Rest des Gartengeländes trennte. Die Farbe daran war alt und nach vielen Jahren in Sonne und Wind rissig und blättrig geworden. Irgendwann in diesem Sommer fände sie bestimmt die Zeit, den Zaun neu zu streichen. Und das Kaminholz sollte auch gespalten werden, um bis zum Winter richtig durchzutrocknen. Jody sah noch einmal zur hoch stehenden Sonne hinauf. Man musste schon mehr als ein bisschen verrückt sein, um zu dieser Tageszeit Holz zu spalten, wenn man auch drinnen im Büro sitzen konnte, wo es einigermaßen kühl war. Und ihre Anrufe waren auch wirklich dringend.

Mit einem Lächeln auf den Lippen schlenderte Jody zu dem Holzhaufen hinüber und wuchtete das erste Stück auf den Hackklotz.

Die Pflastersteine schienen zu glühen, und Jody meinte, ihre Wärme sogar durch die Sohlen ihrer Sandalen zu spüren. Die Sonne brannte ihr auf Nacken und Schultern, doch die Schwüle machte ihr nicht das Geringste aus. Sie war wie eine Eidechse, die Hitze lud sie erst richtig mit Energie auf. Schon nach den ersten zwei Holzstücken fiel Jody in einen angenehmen Rhythmus, der auf all ihre Muskeln überging und sie mit Leben erfüllte. Es war gut, sich zu bewegen. Zu leben. Sonne, Wärme, der Geruch nach noch etwas harzigem Holz, Heu und Wiese, nach warmer Wolle und den intensiven Kräutern im Garten, das war doch das wahre Leben. So sollte es sein. Der Griff der Axt war glatt und altvertraut in ihren Händen.

Die Handwerker, wisperte eine Stimme in ihrem Hinterkopf. Doch Jody wischte sie gedankenlos beiseite. Das Holz musste schließlich auch gespalten werden. Hochheben, spalten, die Holzstücke durch die offene Schuppentür werfen, ein einfacher Ablauf, der ihr eine seltsame Befriedigung verschaffte. Das hier fühlte sich nach richtiger Arbeit an.

„Jody?“

Die Stimme riss sie aus ihrer beinahe meditativen Beschäftigung. Jody ließ die Axt sinken und wischte sich eine feuchte Haarsträhne aus der Stirn. Sie musste zweimal blinzeln, um die Gestalt, die da vor ihr aufgetaucht war, klar erkennen zu können.

„Doro.“ Sie lächelte.

Ihre Beinahe-Freundin stand ein paar Schritte vom Hackklotz entfernt und sah so aus, als wüsste sie nicht, ob sie lachen sollte. „Und ich hab befürchtet, ich störe euch beim Mittagessen“, meinte Doro und lächelte ein wenig verlegen. Sie sah aus, als wäre sie direkt aus einem Hippiemodeladen hierher versetzt worden mit ihrem langen, grün gebatikten Sommerkleid und der überdimensionierten bunten Umhängetasche, die sie über eine Schulter geschlungen trug. Ihre hellblonden Haare fielen ihr wie ein goldener Wasserfall den Rücken hinunter, und Gesicht und Arme waren braun gebrannt. Sie wirkte wie der Inbegriff der Gesundheit.

Jody wischte sich mit dem Handgelenk über die Stirn und sah zur Sonne hinauf, als könnte sie dort die Uhrzeit ablesen.

„Es ist kurz nach zwölf“, informierte sie Doro, als hätte sie ihre Gedanken gelesen. „Ich wollte bald los in die Stadt und dachte, ich schau noch mal kurz vorbei. Vielleicht brauchst du ja was.“ Sie zwinkerte schelmisch. „Außerdem habe ich einen Riesenschwung Gemüsechips und Gewürzmandeln gemacht. Ich bin nicht gut darin, das richtige Maß zu finden. Nun muss ich sie loswerden. Interesse?“

Jody grinste. Sie wusste, dass Doro nicht zufällig viel zu viele Snacks zubereitet hatte. Seit sie herausgefunden hatte, wie sehr Jody und Mats das Knabberzeug liebten, hatte sie es sich zur Gewohnheit gemacht, mindestens einmal die Woche auf einen Kaffee hereinzuschauen und ein oder zwei Tüten voll vorbeizubringen.

„Komm rein! Hast du noch Zeit für einen Cappuccino, während ich dusche? Dann nehme ich dir gerne deinen … Überschuss ab.“

Doro sah auf ihre überdimensionierte knallbunte Armbanduhr. „Gut“, meinte sie. „Mein Kurs fängt erst in einer Dreiviertelstunde an. Ein paar Minuten habe ich also noch.“

Jodys Lächeln wurde noch breiter. Sie verbrachte gerne Zeit mit Doro. Noch hatte sich keine von ihnen getraut, sich offiziell „Freunde“ zu nennen, doch das lag nur an Doros natürlicher Zurückhaltung. Sie schien jemand zu sein, der lange brauchte, um den Grad von Vertrautheit aufzubauen, den man „Freundschaft“ nennen konnte. Es war schon ein Fortschritt, dass sie Jody, ohne zu zögern, ins Haus folgte und sich einen Kaffee einschenken ließ, bevor Jody selbst im Badezimmer verschwand.

„Bist du sicher, dass ich nicht störe?“, fragte sie nur einmal, und als Jody entschlossen den Kopf schüttelte, lächelte...



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