Bick | Die Polizeipsychologin - Der Tote im Viktoriapark | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 340 Seiten

Reihe: Die Polizeipsychologin

Bick Die Polizeipsychologin - Der Tote im Viktoriapark

Kriminalroman | Die Polizeipsychologin 2: Ein grausamer Mord im Berlin der 30er Jahre
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-181-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman | Die Polizeipsychologin 2: Ein grausamer Mord im Berlin der 30er Jahre

E-Book, Deutsch, Band 2, 340 Seiten

Reihe: Die Polizeipsychologin

ISBN: 978-3-98952-181-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Es wird dunkel in Berlin?... »Die Polizeipsychologin - Der Tote im Viktoriapark« von Martina Bick jetzt als eBook bei dotbooks. Eine Stadt voller Chancen - und Abgründe?... Anfang der 30er Jahre will die Psychologin Nina Norge in Berlin mit ihrem Verlobten, dem Kriminalkommissar Peter Jordan, einen Neuanfang wagen. Doch schon bald nimmt Peters neuster Fall ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch: Im Viktoriapark wurde die grausam verstümmelte Leiche eines Mannes gefunden. Die Hauptverdächtige ist seine unscheinbare Verlobte Melitta, denn die heimliche Bühnenautorin hat in ihrem Theaterstück »Die Kannibalen von Berlin« einen ganz ähnlichen Mordfall beschrieben. Nina ist jedoch überzeugt von ihrer Unschuld und versucht, die junge Frau zu retten - aber übersieht sie dabei eine lauernde Gefahr? Jetzt als eBook kaufen und genießen: »Die Polizeipsychologin - Der Tote im Viktoriapark« von Martina Bick ist ein historischer Krimi für Fans von »Babylon Berlin« und Anne Stern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Martina Bick wurde 1956 in Bremen geboren. Sie studierte Historische Musikwissenschaft, Neuere deutsche Literatur und Gender Studies in Münster und Hamburg. Nach mehreren Auslandsaufenthalten lebt sie heute in Hamburg, wo sie an der Hochschule für Musik und Theater arbeitet. Martina Bick veröffentlichte zahlreiche Kriminalromane, Romane und Kurzgeschichten und war auch als Herausgeberin tätig. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet. 2001 war sie die offizielle Krimistadtschreiberin von Flensburg. Bei dotbooks erscheinen ihre Romane »Unscharfe Männer«, »Die Landärztin« und die Fortsetzung »Neues von der Landärztin«, die im Sammelband »Das kleine Pfarrhaus auf dem Land« zusammengefasst sind, die 20er-Jahre-Krimis »Die Polizeipsychologin - Im Dunkel der Stadt« und »Die Polizeipsychologin - Der Tote im Viktoriapark« sowie die Krimi-Reihe um Hauptkommissarin Marie Maas, die folgende Bände umfasst: »Der Tote und das Mädchen. Der erste Fall für Marie Maas« »Tod auf der Werft. Der zweite Fall für Marie Maas« »Die Tote am Kanal. Der dritte Fall für Marie Maas« »Tödliche Prozession. Der vierte Fall für Marie Maas« »Nordseegrab. Der fünfte Fall für Marie Maas« »Tote Puppen lügen nicht. Der sechste Fall für Marie Maas« »Totenreise. Der siebte Fall für Marie Maas« »Heute schön, morgen tot. Der achte Fall für Marie Maas«
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Kapitel 1


Donnerstag, 5. Februar 1931

Der Kittel des Frauenarztes war nicht ganz rein. Am Kragen entlang zeigte sich ein dunkler Streifen, und auf der Brust, neben der Knopfleiste, befand sich ein hellgelber Fleck wie von flüssigem Eigelb. Besser, man zog den weißen Kittel zu den Mahlzeiten aus, dachte Nina. Sie selbst hatte es so gelernt und handhabte es auch entsprechend. Der Arztkittel war steril und sollte es so lange wie möglich den Tag über bleiben. Der Kittel war schließlich auch ein Symbol, seine Reinheit – rein wie ein unbeschriebenes Blatt – sollte die Patientin glauben lassen, dass der Arzt nur für sie allein da war. Dass er um ihre Einzigartigkeit wusste und nicht vor ihr und nach ihr etliche andere Patientinnen untersuchte, in sie eindrang, ihre schwachen oder wunden Punkte berührte, ihre Gebrechen diagnostizierte und womöglich eine böse Diagnose aussprach. Er sollte Vertrauen eingeben, dieser knisternd gestärkte, in heißem Dampf gemangelte oder geplättete Leinen- oder Baumwollstoff, Kennzeichen auch für die gründliche Sauberkeit und zuverlässigen medizinischen Kenntnisse des Arztes. Und für die Illusion, dass er allein über Leben und Tod entscheiden konnte, nicht die Natur oder der Patient selbst, in bescheidenem Maße. ›So, wie man lebt, so stirbt man auch‹, hatte Onkel Christoph immer gesagt, und dies auch gern seinen Patienten gepredigt. Halb wahr, dachte Nina. Der Onkel war im Sommer am Schlagfluss gestorben. Zu viel Arbeit? Zu viel Machandel? Zu viel gebratene Pomucheln aus Marthas guter Danziger Küche? Oder einfach die Natur? Das Schicksal? Bestimmung?

»Nein, Kinder werden Sie sicher keine mehr bekommen können«, wiederholte der Doktor. »Das müsste schon mit dem Deibel zugehen.« Er lächelte und schüttelte den Kopf, als könnte er damit einer möglichen Widerrede gegen sein Urteil vorab begegnen. »Ein paar Stunden später, meine Liebe, und Sie säßen jetzt nicht mehr hier vor mir, gesund und munter. Freuen Sie sich lieber darüber, anstatt sich über Dinge zu grämen, die nicht mehr zu ändern sind. Eine Eileiterschwangerschaft mit Bauchfellentzündung überlebt nicht jede. Erst vorletzte Woche hatte ich hier eine junge Frau auf dem Stuhl, die ist mir einfach so weggerutscht. Sie war noch sehr jung, das Mädel, die erste Schwangerschaft, genau wie bei Ihnen. Aber unterernährt und rachitisch, dazu ein Kollaps, weg war sie. Und nicht mit Nähnadel und Bindfaden wieder zu flicken.«

Wenn er nur aufhören würde zu grinsen, dachte Nina und spürte den Impuls, aufzustehen und wegzugehen. Aber sie konnte nicht, sie hatte keine Kraft. Gut eine Woche war es erst her, dass die Schwangerschaft, die sie so glücklich begrüßt hatten, Peter und sie, sich gegen sie gekehrt hatte. Innerhalb von Stunden war ihr Leib aufgequollen und ein wütender, beißender Schmerz hatte ihr das Bewusstsein genommen. Zum Glück hatte sie im letzten Moment noch ihre zukünftige Schwiegermutter, Emmeline Jordan, bei der sie hier in Berlin wohnte, bitten können, rasch nach Doktor Brunnen zu schicken, der in der Teltower Straße eine frauenärztliche Praxis hatte. Er war sofort gekommen, hatte ihren Kreislauf gestützt und sie rasch in die Charité schaffen lassen. Gestern erst war sie von dort entlassen worden. Blass, in wenigen Tagen abgezehrt und vor allem ohne ihr Baby. Vier Monate nur, und schon war es ›ihr Baby‹ geworden. Vorbei.

»Ich würde sagen, mit der Arbeit warten wir noch ein paar Tage«, fuhr der Doktor fort. »Außerdem schreibe ich Ihnen ein Stärkungsmittel auf, ganz was Neues, B-Vitamine. Damit kommen Sie schnell wieder zu Kräften. Und jeden Tag ein Gang in der frischen Luft, Sie werden sehen, in vierzehn Tagen denken Sie gar nicht mehr an die ganze Sache. Schließlich haben Sie Ihren Beruf. Und in unserem Beruf verliert man nicht so schnell die Hoffnung, finden Sie nicht? Das Kinderkriegen überlassen Sie einfach den anderen.«

Nina wandte mühsam den Blick ab von der dunkelgrauen Putzmauer des Hinterhauses, die viel zu nah vor dem Fenster des Sprechzimmers aufragte. Bis zum Himmel dunkelgraue Putzfassaden – das war Berlin. Die berühmte Berliner Luft hatte sie noch nicht zu spüren bekommen. Nur dunkle Hinterhäuser und hochherrschaftliche Fronten, riesig breite Chausseen voller Automobile und bimmelnder elektrischer Straßenbahnen, Menschenmassen überall, auf den Bürgersteigen, auf den großen Plätzen, beim Schlangestehen oder beim Protestieren. Und überall ging es laut und hektisch zu.

»Ja, ich liebe meine Arbeit. Aber ich hätte auch mein Kind geliebt.« Nina stützte sich mit beiden Händen auf die Armlehnen ihres Stuhls und stemmte sich aus dem Sitz wie eine alte Frau. Der Kollege reichte ihr das Rezept, auf dem die Tinte der Unterschrift noch nicht getrocknet war. In seinem Blick stand Skepsis und Unwille. Sein Gesicht war breit wie das eines Boxers, die Augen kleine Schlitze, von schweren Tränensäcken unterfüttert. Ein paar wenige, dunkel gebliebene Haarsträhnen zogen sich fettig über die mehr oder weniger kahle Schädelplatte.

»Wenn sich Beschwerden einstellen, kommen Sie sofort her. Sie können auch oben an meiner Wohnungstür klingeln. Aber ich denke, Sie werden sich schnell wieder erholen. Sie sind ja noch jung.« Er lächelte. Dann stand er auf und reichte Nina die Hand.

Draußen hinter dem Eingangstresen saß wieder das fahle junge Mädchen mit der runden Brille, deren Gläser so dick waren, dass man ihre Augen dahinter kaum ausmachen konnte. Das Gesicht klein und dreieckig, der Körper mager, fast nicht auszumachen unter ihrem makellosen, hellblauen Kittel. Das braune Haar hatte sie straff zurückgekämmt und zu einem kleinen, abstehenden Knoten am Hinterkopf zusammengesteckt.

»Auf Wiedersehen, Frau Doktor Norge«, sagte sie akkurat. Ihre Stimme schien bei weitem das Kräftigste an ihr zu sein. »Und gute Besserung.«

»Danke«, sagte Nina und zog die Windfangtür mit einem Kraftaufwand auf, als ob sie auf der anderen Seite von jemandem festgehalten würde.

Die Wohnung von Emmeline Jordan lag in der Gneisenaustraße, eine breite Chaussee, die von den Yorckbrücken quer durch Kreuzberg bis nach Neukölln führte. Die Fahrbahnen wurden in der Mitte von einem baumbestandenen Grünstreifen getrennt, auf dem am Sonntag die Spaziergänger flanierten. Lebhaftes Handelstreiben herrschte in den Geschäften, die sich wie Perlen an einer Kette zu beiden Seiten der Straßen aufreihten: Lebensmittel, Tabakwaren, Leder und Stoffe, Geschirr; alles, was ein Haushalt brauchte, konnte man bei Einzelhändlern oder in kleineren Kaufhäusern bekommen. Darüber, fünf oder sechs Stockwerke hoch, befanden sich große, herrschaftliche Wohnungen mit einem Berliner Zimmer nach vorne hinaus, das so groß war, dass man darin einen Ball hätte feiern können. Nach hinten, in die Hinterhöfe hinein, wurden die Zimmer dafür umso kleiner: Schlafzimmer, Kinderzimmer, Zimmer für das Personal, Kleiderkammern und Rumpelkammern. In den Höfen reihten sich die Hinter- und Gartenhäuser aneinander, bildeten immer dunklere Höfe, je tiefer man hineinging in die Häuserschachteln. Dort waren die Fassaden fast schwarz vom Kohlenrauch, der im Winter Tag und Nacht in die Nase biss. So leicht und frisch die Luft wohl sein mochte in dieser Stadt, so leicht reicherte sie sich auch mit dem schweren, kohlschwarzen Staub an, der sich absetzte auf dem rauen Putz, auf den Simsen, auf den Fensterscheiben.

Es war Ende November gewesen, als Nina nach Berlin gekommen war, im tiefsten Herbst. In den ersten Wochen hatte sie nur grauen Dunst erlebt, Kohlendunst, selbst der Schnee, der über Weihnachten pünktlich zur Bescherung vom Himmel gefallen war, war in kürzester Zeit erst grau, dann schwarz geworden, ein Albtraum von Schnee. Nur auf den Dächern und in den Bäumen hatte der weiße Pelz noch leuchten und die dunkle Winterzeit auf natürliche Weise ein wenig heller machen können. Trotzdem hatte ihr Berlin auf Anhieb gefallen. Und sie war wählerisch. Sie war herumgekommen in ihrem knapp dreißigjährigen Leben. Sie war in Lübeck geboren und aufgewachsen – eine schöne Stadt mit prächtigen Gebäuden, reich und stolz. Das war der Maßstab. Sie hatte in München und Wien studiert – Weltstädte. Dann hatte sie in Danzig gelebt, fast vier Jahre lang. Und nun Berlin, hier sollte ihr Hafen sein. Hier wollten sie bleiben, Peter Jordan, ihr Verlobter, und sie. Er war Kriminalpolizist, Kommissar, und zurzeit noch in Danzig unabkömmlich. Erst nach der Hochzeit, die für Anfang Mai geplant war, würde er nach Berlin übersiedeln. Inzwischen sollte Nina eine Wohnung für sie finden, sich orientieren, sich heimisch machen. Sie hatte sich erst mal eine Arbeit in einem katholischen Krankenhaus in Tempelhof gesucht. Zuerst hatte sie dort in der Ambulanz gearbeitet, kleinere Unfälle, Brüche, Schnittwunden versorgt und Armutskrankheiten wie Hautausschläge, Krätze, die Folgen von Alkoholismus diagnostiziert. Dann wurde sie vom Schichtbetrieb ausgenommen wegen ihrer Schwangerschaft und arbeitete seitdem in der Geburtsklinik. Das war interessant und abwechslungsreich, und die Zeit verging wie im Fluge. Vor allem hatte sie hier nicht mehr mit den albernen Problemen zu tun, die ihr die Arbeit in der Danziger Praxis ihres Onkels so schwer gemacht hatten: misstrauische Patienten, die ihr als Frau nicht zutrauten, sie zu behandeln und beraten zu können. Trotzdem hatte sie schweren Herzens Danzig verlassen und die Vorstellung aufgegeben, die Praxis des Onkels weiterführen zu können. Aber als Georg, der Kutscher und Helfer in allen Lebenslagen, kurz nach dem Onkel ebenfalls starb und Martha, die Köchin, sich auf ihr Altenteil zurückzog, hatte Nina sich einfach nicht mehr wohlgefühlt in dem leeren Haus am Poggenpohl. Dann rief das Berliner Morddezernat seinen besten Mann zurück in...



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