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E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Beyer Ashads Weg


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7598-3751-6
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-7598-3751-6
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein unheilvolles Schicksal scheint über der jungen Mihna zu schweben. Visionen über mordende Paladine peinigen sie, ihr Bruder ist im Krieg verschollen. Als ihr Onkel sie an Söldner verkauft, beginnt ihre Reise in den Todesstreifen, aus dem sie vor vielen Jahren entkommen war. Allerdings erweisen sich Mihnas Erinnerungen als trügerisch und bald ist unklar, wer Freund oder Feind ist. Vor ihr liegt eine ungewisse Bestimmung zwischen Betrug und Verrat. Einziger Trost ist der kleine Vers, den sie einst von ihrer Mutter gelernt hat: Ich bin niemals allein, mein Herz ist rein, sie werden immer bei mir sein... Ein spannender Fantasyroman rund um ein dunkles Geheimnis.

Geboren 1976 in Hamburg, heute in Frankfurt zu Hause. Mein Studium der Geographie und Geschichte sind der Kompass für meine literarischen Welten. Seit 2016 verwandle ich als Self-Publisher Realität in fantastische Geschichten. In meinen Romanen stehen komplexe Charaktere und ihre Herausforderungen im Mittelpunkt. Erlebe mit ihnen Erkundungsreisen durch menschliche Abgründe und verborgene Möglichkeiten.: Ich glaube, Fantasy ist ein Spiegel unserer Realität. Jede meiner Geschichten ist ein Fenster in eine unbekannte und auf merkwürdige Weise doch vertraute Welt.
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Vom Schwinden der Seuche


Hoffnung keimt auf. Gebete und Opfergaben zeigen endlich ihre Wirkung. Die Zeit des Hoffens und Bangens scheint sich dem Ende zu nähern. Die Götter zeigen sich gnädig. Zum ersten Mal seit langer Zeit haben keine Berichte des Schreckens unser Kloster erreicht. Was der Prior zunächst für ein schlechtes Omen hielt, befürchtete er doch die Ausrottung jeden Lebens, erwies sich als Trugschluss. Das Ausbleiben von Nachrichten erwies sich vielmehr als Zeichen der Besserung. Es macht den Eindruck, die Gefahr sei mancherorts gebannt. Tote blieben aus, ebenso gab es keine weiteren Siechen. Wie es dazu kam, ist ungewiss. Die Tatsache bleibt, das Sterben hat wenigstens in der südwestlichen Baronie Upiven ein Ende gefunden. Das Land ist verwüstet, die Ernte dahin. Die Ordnung liegt nicht länger in der Hand seiner Hoheit Aliser. All dies ist nebensächlich, sofern die Seuche ein Ende gefunden hat.

(Auszug aus der Chronik der Siechen Brüder)

KAPITEL 14


Die Fesseln an Mihnas Handgelenken schnitten ihr tief ins Fleisch. Noch unangenehmer war der Sack, den sie über den Kopf gestülpt bekam. Ihr war schlecht von dem Gestank nach vermodertem Stroh. Ein Hochwürgen verhinderte der Knebel, den sie zusätzlich trug. Sie war sich sicher, den Kämpfern des Inquisitors bereitete es Freude, sie zu quälen. Um sich herum hörte sie gedämpfte Gespräche sowie das Klappern von Waffen. Was mit Valgrind passiert war, wusste sie nicht. Das letzte, was sie von ihm gesehen hatte, war, wie er sich gegen die Fesseln sträubte und einen Fausthieb in den Magen bekam. Seither hatte sie nichts von ihm gehört. Unvermittelt bekam sie einen Stoß in den Rücken.

»Geh nach links, wir sind gleich am Lager. Dort haben wir eine passende Unterkunft für euch. Das beste Haus am Platz.« Allein das Lachen des Mannes ließ Mihna erschaudern. Trotzdem war sie erleichtert. Valgrind war noch am Leben. Sie hörte das Öffnen einer Tür, danach das Knarren eines Holzbodens unter ihren Füßen. Es schien sich um ein größeres Haus zu handeln. »Bleib stehen, Schätzchen. Wir sind angekommen«, tönte der Mann hinter ihr hämisch lachend. Mihna hörte, wie er sich an einer Tür zu schaffen machte und sie quietschend öffnete.

»Ist nichts Besonderes, für dich reicht es allemal«, hieß es. Die junge Frau bekam einen kräftigen Schubs und fiel auf einen Haufen Stroh. »Besucher haben wir selten. Du bekommst sogar eine Einzelzelle, also mach es dir bequem«, höhnte ihr Aufpasser, drehte sie auf den Rücken und zog ihr den Sack vom Kopf. Längst befürchtete sie das Schlimmste. Über ihr hing ein vernarbter Mann mit wildem Bart. Gier stand in seinen Augen. Als er ihre vor Angst geweiteten Augen sah, lachte er dreckig.

»Du gefällst mir. Es liegt an dir. Sei lieb zu mir, dann bin ich es auch. Haben wir uns verstanden?«

Sie nickte ängstlich und bemerkte, dass die Tür zu der kleinen Kammer geschlossen war. Gefesselt konnte sie keinen großen Widerstand leisten. Zärtlich streichelte ihr der Mann über die Haare. »Bist ein schlaues Mädchen. Und hübsch dazu. Wir werden uns gut verstehen und viel Spaß miteinander haben.« Er lachte dreckig. »Ich sehe es dir an. Losbinden soll ich dich, doch den Gefallen tue ich dir nicht. Noch nicht. Erst haben wir ein bisschen Spaß.« Sein wirrer Blick gefiel ihr nicht. Langsam kam er mit seinem Gesicht näher, drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Sie spürte sein stoppeliges Kinn. Angewidert drehte sie den Kopf weg. »Na, war das schlimm? Siehste mal, ich bin ein ganz harmloser Bursche. Brauche nur ein wenig Liebe. Verstehst du? Ich mache dir den Knebel ab und wir sehen weiter.« Er zerrte an dem Tuch, das hinter ihrem Kopf verknotet war und zog es ab. »So ist es besser.«

Zögerlich nickte sie. »Was willst du von mir?«

»Tstststs, drei Mal darfst du raten« war die Antwort. Er streichelte ihr über das Gesicht. »Bist echt eine Hübsche. Hast sogar noch alle Zähne. Die Letzte, die ich unter mir hatte, hat aus dem Maul gestunken. Ach egal, bin nicht wählerisch.«

Mihna stockte. Allein bei dem Gedanken, was der Kerl mit ihr vorhatte, bekam sie es mit Übelkeit zu tun. Fieberhaft überlegte sie, wie sie sich wehren konnte und sah mit an, wie er sich an die Hose griff. Ihr kam eine Idee. Als sie noch jünger war, war es ständig zu Raufereien mit ihren Vettern gekommen. Als diese älter wurden, war sie chancenlos gewesen. Bis sie eine fiese Taktik entwickelt hatte. Sie nutze die Unachtsamkeit des Mannes und trat ihm zwischen die Beine.

»Au! Du verdammte Hexe!«, schrie er, gekrümmt vor Schmerzen. »Dir werde ich es geben!«

»Versuch es doch«, provozierte sie ihn. »Die Lust dürfte dir vergangen sein.«

Unvermittelt ging die Tür auf. Ein junger Mann in Roben trat ein. »Soldat? Was geht hier vor sich? Ist das die Art, mit Gefangenen umzugehen?«

Der Bärtige grummelte. »Sie hat mich angegriffen. Die verfluchte Hexe hat mich verletzt.«

»Für mich sieht es anders aus«, urteilte der Mann in der Robe. »Ich berichte dem Feldwaibel. Vermutlich wird er wenig erfreut sein.«

Der Bärtige bemühte sich zu lächeln. »Das ist unnötig. Es handelt sich um ein Missverständnis. Ich habe ihr nur die Fesseln gelockert. Sie hat das völlig falsch gedeutet, das Dummerchen. Wir finden gewiss eine Einigung.« Um sich zu bestätigen, löste er schnell das Seil hinter Mihnas Rücken und lächelte den Robenträger unsicher an.

Die junge Frau atmete erleichtert auf und rieb sich die schmerzenden Handgelenke.

»Einigen? Glaubst du das?«, fragte der Mann in Roben mit versteinerter Miene. »Für mich sieht es aus, als wolltest du dich mit der Gefangenen vergnügen. Noch vor dem Verhör? Bei Atlam, wir sind keine Tiere! Warte ab, bis wir sie verurteilt haben. Dann handhaben wir es wie üblich. Die Nacht vor dem Scheiterhaufen steht sie den Kämpfern zur Verfügung. Aber erst nach der Verurteilung. Denk daran!« Mit diesen Worten öffnete der Mann in Roben die Tür und deutete mit dem Kopf nach draußen.

»Ja, Herr«, murmelte der Bärtige. Dabei bedachte er Mihna mit einem Augenzwinkern, dass ihr Gänsehaut verursachte. »Wir sehen uns, meine Schöne. Ich freue mich schon.«

Während er die Tür von außen verriegelte, stieg ein säuerlicher Geschmack in Mihnas Mundraum auf. Angewidert sah sie sich um. Die Kammer war drei Mal drei Schritt groß und hatte Wände aus Stein. Dicht unterhalb der Decke gab es ein schmales, vergittertes Fenster – zu hoch, um hinauszusehen. Außer einer Lagerstätte aus Stroh fand sie eine irdene Schüssel. In einer Ecke stand ein Eimer, der nach Fäkalien stank. Sie lauschte an der Tür, konnte aber nichts hören. Vorsichtig rüttelte sie daran. »Hier komme ich nicht raus. Denk nach, denk nach!«, forderte sie sich auf setzte sich auf das Strohlager. Vor ihren Augen entstand das Tal mit der aufgehenden Sonne. Um sie herum tanzten vergnügte Frauen und Männer. »Er erwartet dich«, riefen sie fröhlich lachend. Im nächsten Augenblick war das Tal verschwunden. Sie starrte auf die Steinwand. Keuchend erhob sie sich und lief rastlos in der Kammer umher. »Ich muss hier raus! Egal wie. Valgrind hätte bestimmt einen Plan. Wie es ihm wohl gehen mag?« Sie dachte daran, wie er versucht hat, sie zu schützen. »Ohne mich wäre er sicher entkommen. Es ist meine Schuld, wenn sie ihm was tun. Die anderen versuchen gewiss, uns zu befreien. Denen traue ich alles zu.«

Von draußen ertönte ein Scheppern und Krakeelen. Neugierig sprang sie an dem Fenstersims hoch. Beim dritten Versuch bekam sie eine der Gitterstangen zu fassen und versuchte, sich hochzuziehen. Mit aller Kraft schaffte sie es, ihren Kopf für einen Moment auf Höhe des Fensters zu bringen. Draußen eilten etliche Leute umher, Männer wie Frauen. Je zwei von ihnen luden längliche Holzkisten von drei Fuhrwerken ab. Eine Kiste lag zusammengebrochen am Boden. Die darin enthaltenen Töpfe und Pfannen lagen verstreut. »Räumt alles zusammen, ihr Schwächlinge«, brüllte ein Mann mit Schärpe Befehle. »Bringt den Kram zur Schmelze. Die Schmiede brauchen das Metall für die Waffen.«

Mihnas Kräfte ließen nach und sie ließ sich fallen. Unten angekommen hockte sie sich auf das Stroh. »Es sah aus wie eine größere Siedlung. Dieses Haus aus Stein spricht auch dafür. Sie schmieden Waffen. Ich wünschte, Valgrind wäre bei mir. Er weiß immer Rat. Oder wenigstens Pietru.«

Langsam ging die Sonne unter. Mit der Dunkelheit kroch die Kälte in die Kammer. Mihna krabbelte in das Stroh und versuchte zu schlafen.

Das Quietschen der Tür riss sie aus dem Schlaf. Ein Wächter kam herein, stellte zwei Schüsseln ab, bevor er wortlos verschwand. Schnell inspizierte Mihna die Schüsseln. Eine enthielt Wasser, die andere einen Körnerbrei. Gierig schlang sie alles hinunter. »Verhungern lassen wollen sie mich also nicht«, stellte sie beruhigt fest. »Bald kommen sie, mich zu verhören. Bald.« Sie hockte sich auf das Stroh und wartete. Durch das Fenster konnte sie erste Sonnenstrahlen mehr erahnen als sehen. Auf dem Gang ertönte ein Poltern und sie hörte eine vertraute Stimme. »Lasst mich, ihr elenden Bastarde! Pfaffengesocks! Verdammt, ihr…« – ein dumpfer Schlag erklang, danach ein Stöhnen. »Davon gibt es bei Bedarf noch mehr. Jetzt komm freiwillig mit, sonst gibt es Nachschlag.«

Mihna war erleichtert und besorgt zugleich. Er lebte noch, was sie bei dem Verhör mit ihm vorhatten, konnte sie nicht einschätzen. Ihr hingegen blieb keine andere Wahl, als zu warten. In ihrem Kummer sang sie leise den Reim ihrer Mutter vor sich hin.

Wie viel Zeit vergangen war, konnte Mihna bloß schätzen. Es mochten Stunden gewesen sein, bis Geräusche vom Gang zu hören waren. Schritte...



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