E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reihe: Baccara
Bevarly Berauscht von dieser einen Nacht
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1611-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reihe: Baccara
ISBN: 978-3-7337-1611-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sie geht ihm nicht mehr aus dem Kopf! Dabei hat Harrison schon oft Mädchen wie Gracie getroffen - und meist wollten sie nur eines: sein Geld. Dennoch bezaubert sie den Millionär. Er träumt von heißen Nächten mit Gracie - wenn er nur wüsste, ob er ihr wirklich vertrauen kann ...
Elizabeth Bevarly stammt aus Louisville, Kentucky, und machte dort auch an der Universität 1983 mit summa cum laude ihren Abschluss in Englisch. Obwohl sie niemals etwas anderes als Romanschriftstellerin werden wollte, jobbte sie in Kinos, Restaurants, Boutiquen und Kaufhäusern, bis ihre Karriere als Autorin so richtig in Schwung kam. Sie arbeitete auch in einem medizinischen Fachverlag als Lektoratsassistentin, wo sie die Bedeutung von Worten wie Mikroskopie und Histologie lernte, die sie garantiert nie wieder benutzen wird! Endlich, im Jahre 1989, kaufte Silhouette ihre erste Romance. Seitdem sind über dreißig Romane und sechs Erzählungen von ihr in fünf verschiedenen Verlagen erschienen. Ihre Bücher finden sich auf etlichen Bestsellerlisten, und sie wurde für mehrere Auszeichnungen nominiert. Von der Zeitschrift Romantic Times Magazine wurde sie vor kurzem für einen Roman, der in der Serie Love and Laughter erschien, ausgezeichnet. Elizabeth Bevarlys Romances werden in über 24 Ländern veröffentlicht, u.a. in den erst kürzlich erschlossenen Märkten von Russland, China und dem Spanisch sprechenden Teil der USA. Die Gesamtauflage ihrer Werke beträgt mehr als fünf Millionen in 19 verschiedenen Sprachen! Wenn Elizabeth Bevarly nicht gerade an einem Roman arbeitet, geht sie gern ins Kino, begeistert sich für alte Häuser, gute Bücher, edle Antiquitäten und Salsa-Musik. Außerdem kümmert sie sich um streunende Tiere. Ihre beiden Katzen Quito und Wallo (ihr kleiner Sohn hat sich den Namen Wallo ausgedacht, und weder Elizabeth noch ihr Mann haben die leiseste Ahnung, wie er auf darauf kam) sind auch zufällig in ihr Leben getreten: Quito hat sie an einem Autobahnrastplatz gefunden, und Wallo ist ihr im Park zugelaufen. Elizabeth Bevarly hat in Washington D.C., im Norden Virginias, im Süden New Jerseys und in Puerto Rico gelebt, aber jetzt wohnt sie mit ihrem Mann, ihrem Sohn und den beiden Katzen in Kentucky, wo sie auf absehbare Zeit auch bleiben möchte.
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1. KAPITEL
Als Gracie vor dem Haus, das Harry vor fünfzehn Jahren verlassen hatte – das Haus, das jetzt ihr gehörte –, aus Mr. Tarrants Jaguar Coupé kletterte, versuchte sie, ruhig zu bleiben. So schlimm konnte es doch nicht sein. Die verwitterten Dachziegel machten einen recht anheimelnden Eindruck, und die Schotterauffahrt sah wirklich reizend aus. Was machte es da, dass die Größe nicht ganz das war, was sie erwartet hatte? Das Haus war nett. Richtig nett. Sie musste sich also wirklich nicht davor fürchten, die neue Besitzerin zu sein. Es war geradezu … entzückend.
Allerdings nur dann, wenn man auf Multimillionen Dollar teure Wassergrundstücke in Long Island stand. Heiliger Strohsack, Harrys Haus könnte die Vereinigten Arabischen Emirate beherbergen, und es wäre immer noch Platz für Luxemburg!
Trotz der salzigen Sommerbrise, die vom Meer her wehte, das hinter dem Haus glitzerte, fühlte sie sich wieder etwas schwindelig – ein Zustand, der sie seit ihrem Gespräch mit Mr. Tarrant vor einer Woche regelmäßig überkam. Ihr erstes Treffen hatte darin gegipfelt, dass Gracie in Mimi’s Mocha Java mit ihrem Kopf zwischen den Beinen saß und in eine Papiertüte mit der Aufschrift „Kaffee, Schokolade, Männer – von manchen Dingen kann man nie genug bekommen“ ein- und ausatmete, während Mr. Tarrant ihr den Rücken tätschelte und versicherte, dass alles gut werden würde. Und dass die Tatsache, gerade vierzehn Milliarden Dollar geerbt zu haben, kein Grund sei, in Panik auszubrechen.
Tja, er wusste vermutlich, was man mit vierzehn Milliarden Dollar anstellte. Anstatt nur eine Panikattacke zu bekommen.
Jetzt, wo sie hier waren, schien er ihre erneute Beklommenheit zu spüren – was vermutlich an ihrer Atmung lag, die gerade wieder in Hyperventilieren überging – und hakte ihren Arm unter seinen. „Wir sollten Mrs. Sage, ihren Sohn und ihre Anwälte sowie Mr. Sages Kollegen und deren Anwälte nicht warten lassen. Sie möchten die Formalitäten endlich hinter sich bringen und sind sicher genauso angespannt wie Sie.“
Tja, wäre sie diejenige, die erfuhr, dass ihr seit Langem entfremdeter Ehemann oder Vater, ein Titan der Wirtschaft des zwanzigsten Jahrhunderts, seine letzten Jahre als berenteter Fernsehtechniker im Arbeiterbezirk von Cincinnati verbracht hatte, wo er aufgewachsen war, um dann zu erfahren, dass er fast sein ganzes Vermögen einer Fremden hinterlassen hatte, wäre sie vermutlich auch etwas angespannt. Sie hoffte nur, dass es nicht noch andere Worte gab, die Vivian Sage und ihren Sohn Harrison III. zurzeit beschrieben. Worte wie fuchsteufelswild. Oder rachsüchtig. Oder mordlüstern.
Zumindest war sie dem Anlass entsprechend gekleidet. Harrys Testament war zwar schon einige Male verlesen worden, zumeist vor Gericht, weil nahezu jeder es angefochten hatte, doch Mr. Tarrant versprach ihr, dass dies aufgrund Gracies Anwesenheit das letzte Mal sei. Sie trug ihr schönstes Vintage-Outfit, ein beiges Sechzigerjahrekostüm, bestehend aus Bleistiftrock und kurzem Jäckchen, das Jackie Kennedy hätte gehören können. Sie hatte sogar etwas Make-up aufgelegt und ihr Haar hochgesteckt.
Auf Mr. Tarrants Klopfen hin öffnete ihnen ein livrierter Butler. Schon die Empfangshalle des Hauses war größer als ihre Wohnung in Seattle und randvoll mit Antiquitäten, handgeknüpften Perserteppichen und Kunstgegenständen. Vor Ehrfurcht trat Gracie einen Schritt zurück, aber Mr. Tarrant schob sie weiter. Der Butler führte sie durch das Foyer, einen Flur entlang nach links, dann einen weiteren nach rechts, bis sie vor einer höhlenartigen Bibliothek standen, deren Wände von oben bis unten mit Bücherregalen bedeckt waren. Von den ebenfalls deckenhohen Fenstern hatte man einen wunderschönen Ausblick auf das glitzernde Meer. Gracie hätte sich in dieser Welt nicht fremder vorkommen können.
Ihr Atem normalisierte sich etwas, als sie eintrat. Der Raum war voller Menschen, zwischen denen sie sich verstecken konnte. Mr. Tarrant hatte sie gewarnt, dass eine regelrechte Armee von Anwälten – zusammen mit ihren Mandanten in Form von Harrys ehemaligen Geschäftspartnern und seiner Familie – anwesend sein würde. Sie war überrascht gewesen zu erfahren, dass Harry außer seiner Witwe und seinem Sohn noch zwei weitere Exfrauen mit drei Töchtern hinterlassen hatte. Alle Anwesenden waren ausnahmslos formell gekleidet und unterschiedlichen Alters. Es war Gracie unmöglich zu bestimmen, wer zu wem gehörte.
Einer der Anzugträger winkte Mr. Tarrant zu sich. Nachdem dieser sich vergewissert hatte, dass Gracie einen Moment lang ohne ihn zurechtkam, ging er zu ihm hinüber. Sie mischte sich unter die Leute und war froh, die Situation allein meistern zu können. Eigentlich war es nicht viel anders als bei einem Hochzeitsessen im Café Destiné für ein wohlhabendes Brautpaar aus Seattle. Nur dass sie dabei im Hintergrund agierte, anstatt gleich zum Mittelpunkt des Interesses zu werden. Auch das Trinkgeld würde in diesem Fall etwas höher ausfallen. Vierzehn Milliarden Dollar höher.
Gracie wollte gerade wieder in Panik ausbrechen, als eine freundliche Stimme hinter ihr sagte: „Was ist der Unterschied zwischen einem Haufen Schlipsträger und einem Rudel blutrünstiger Schakale?“
Sie drehte sich um und sah hoch – höher, noch höher – in ein Paar der schönsten blauen Augen, die sie je gesehen hatte. Der Rest des Männergesichts vor ihr war nicht weniger anziehend mit geraden pechschwarzen Brauen, einer aristokratischen Nase, einem Kinn wie gemeißelt und vollen Lippen. Ganz zu schweigen von der schwarzen Haarsträhne, die rebellisch über seine Stirn fiel und ihn aussehen ließ, als sei er gerade einem Vierzigerjahrefilm entsprungen.
Sie machte eine schnelle Bestandsaufnahme von seiner restlichen Erscheinung und tat so, als ob sie nicht bemerkte, dass er dasselbe bei ihr tat. Er hatte breite Schultern, eine schmale Taille und verströmte einen schwach rauchigen Geruch, der ihm etwas leicht Unanständiges verlieh. Sein schwarzer Nadelstreifenanzug war sicher von jemandem designt worden, der die teuersten machte. Er sah darin jedoch genauso aus wie einer der Anzugträger, von denen er gerade gesprochen hatte, und so gar nicht wie ein blutrünstiger Schakal.
„Ich weiß nicht“, sagte sie. „Was ist der Unterschied?“
Er grinste, was ihn geradezu unwiderstehlich machte. Gracie bemühte sich, nicht in Ohnmacht zu fallen.
Mit Belustigung in der Stimme antwortete er: „Es gibt keinen.“
Sie kicherte, und zum ersten Mal seit einer Woche legte sich ihre Anspannung. Dafür war sie ihm unendlich dankbar. Nicht, dass sie nicht seine anderen, äh, Eigenschaften genauso schätzen würde. Sehr sogar.
„Aber Sie sind einer dieser Anzugträger“, wandte sie ein.
„Nur aus gegebenem Anlass.“
Wie um seine Abneigung zu demonstrieren, lockerte er seine Krawatte so weit, dass er den obersten Knopf seines Hemdes öffnen konnte. Irgendwie erinnerte er sie an Harry, der der Meinung gewesen war, dass es Wichtigeres im Leben gab, als es anderen recht zu machen.
„Hätten Sie gern einen Kaffee?“, fragte der Mann. „Ich glaube, es gibt auch Kekse.“
Gracie schüttelte den Kopf. „Nein, danke.“ Nur ein Tropfen Kaffee würde ihre flatternden Nerven umgehend in ein Beben seismografischen Ausmaßes verwandeln. „Aber wenn Sie gern einen hätten …“ Beinahe hätte sie ihm eine Tasse und einen Teller gebracht, so automatisch verfiel sie in ihren Kellnerinnen-Modus.
Aber er ging nicht darauf ein. „Nein, ich hatte genug.“ Die Unterhaltung schien ins Stocken zu geraten. Um nicht den einzigen Freund zu verlieren, den sie heute vermutlich gewinnen würde, platzte sie heraus: „Dieses Haus, dieses Zimmer, dieser Ausblick. Ist das alles nicht wunderschön?“
Die Frage schien ihn zu verblüffen. Er sah sich in der Bibliothek um, als sähe er sie zum ersten Mal, schien aber nicht im Mindesten beeindruckt zu sein. „Es ist ganz okay. Der Raum ist für meinen Geschmack etwas ungemütlich und die Aussicht ein bisschen langweilig, aber …“
Seltsam, dass jemand dieses Haus nicht großartig fand, dachte Gracie. Obwohl sie nicht die Absicht hatte, es zu behalten oder irgendetwas von den vierzehn Milliarden anzunehmen – es war schlichtweg viel zu viel Geld für eine Person –, wusste sie doch die Schönheit des Hauses zu schätzen.
„Was bedeutet für Sie zu Hause?“, fragte sie.
„Die hellen Lichter der Großstadt“, erwiderte er. „Ich lebe seit dem College in Manhattan und werde dort nie wieder wegziehen.“
Seine Begeisterung für diesen schnelllebigen Ort schien überhaupt nicht zu dem zu passen, was sie kurz zuvor an Harry erinnert hatte. „Oh. Okay.“
Sie war wohl nicht sehr überzeugend gewesen, denn er sagte: „Das scheint Sie zu überraschen.“
„Ja, irgendwie schon.“
„Warum?“
Gracie zuckte mit den Schultern. „Vielleicht weil Sie mich an jemanden erinnern, aber derjenige war überhaupt kein Stadtmensch.“ Zumindest nicht, als sie ihn kannte. Aber in seinem Leben davor? Woher sollte sie das wissen? Nichts, was sie in der letzten Woche über Harry erfahren hatte, schien zu dem Mann zu passen, der ihr Freund gewesen war.
Ihr neuer Freund musterte sie. „Ein alter Exfreund?“
„Alt allemal.“ Grace musste lächeln. „Aber mehr wie ein Großvater.“
Er entspannte sich sichtlich, sah aber hinreißend beschämt aus. „Wissen Sie, das Letzte, was ein Mann hören möchte, der gerade versucht, eine schöne Frau zu...




