Betti | Das Doppelantlitz der Biografie | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 190 Seiten, GB

Betti Das Doppelantlitz der Biografie

Lebenslauf und Mysterienort
Novität
ISBN: 978-3-7725-4340-1
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Lebenslauf und Mysterienort

E-Book, Deutsch, 190 Seiten, GB

ISBN: 978-3-7725-4340-1
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Prinzip der Metamorphose durchzieht die ganze Evolution von Erde und Mensch bis zu den Gesetzen des Lebenslaufs und der Karma-Gestalt des einzelnen Menschen. Bei näherer Betrachtung umspannt dieses Prinzip auch seelische und geistige Werdegesetze im Rahmen unserer Biografie. Die Aufdeckung dieser Wandlungen ist in gegenwärtiger Zeit, in der die Menschheit unbewusst die Schwelle der geistigen Welt überschreitet, von eminenter Bedeutung. Denn sie ist eine konkrete Hilfe zur Bewältigung des Alltags in schicksalsschwerer Zeit. Dieses Buch ist ein Versuch, die Doppelpoligkeit unserer Biografie - als Lebenslauf und als Mysterienort an der Schwelle - zu einer Synthese zu führen. Mario Betti beschreibt, wie drei Säulen eine jegliche Biografie des Menschen maßgeblich prägen und ihr Gestalt geben: die innere Stimme; die Freiheit, sich dem zu stellen, was einem entgegenkommt; und der in alle Ereignissen eines Lebens hineinverwobene individuelle rote Faden.

Mario Betti, wurde 1942 in Lucca, Italien geboren. Nach Studien- und Arbeitsjahren folgte eine langjährige Tätigkeit als Lehrer für Englisch, Geschichte, Kunstgeschichte und Religion und als Dozent für pädagogische Anthropologie, Kunstgeschichte und Anthroposophie. Im Verlag Freies Geistesleben liegen vor: 'Zwölf Wege, die Welt zu verstehen'; 'Erkenntnis und Tat - Auf dem Weg der sieben Intelligenzen'; 'Ein Weg zur Individualität Rudolf Steiners'; 'Wandlungen im Erleben des Christus'; 'Das Rosenkreuz - Von der Einwohnung des Christus im Menschen'; wie auch der Band in der falter-Reihe: 'Lebenskunst als Lebenskraft'.
Betti Das Doppelantlitz der Biografie jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1. Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts begriffen 2. Die Biografie – Naturgesetz und Lebensertrag 3. Ich-Entfaltung im Rhythmus der Zeit 4. Herausforderungen, Krisen, Überwindungen 5. "ICH" ist Liebe – Wandlungen im Lebenslauf 6. Der Karma-Gedanke: Liebe - Zufall oder Vorbestimmung? 7. Wege und Abwege der Biografie: Klingsor, Kundry, Amfortas, Parsifal 8. Kann man lieben lernen? Eine Anregung 9. Die kosmische Biografie von Mensch und Erde – Der Gral 10. Vom Mysterienstrom in der Geschichte – Seelenproben und Sonneneinweihung 11. Menschheit an der Schwelle – Die Biografie als Mysterienort 12. Das Phönix-Feuer des Ich im Abgrund des Nichts Anmerkungen und Hinweise


1.Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts begriffen


Dieses Wort des großen dänischen Philosophen Kierkegaard habe ich kürzlich als Motto über der interessanten und bewegenden Biografie von Günther Maria Halmer, Theater-, Fernseh- und Filmschauspieler, gefunden. ist der Haupttitel, und dann folgt: .1

Der vielseitige Halmer, Jahrgang 1943, hat viel durchgemacht: Höhen und Tiefen des Lebens hat er durchmessen, Weiten und Engen unserer komplexen, modernen Zeit hat er genossen und erlitten. Zwei Säulen seiner eigenen und einer jeden Biografie sind ihm während seines unruhigen, ja rastlosen Berufslebens aufgegangen: einmal in Kanada, als Arbeiter in einer in den Bergen einsam gelegenen Asbest-Mine. Er war erst drei- undzwanzigjährig und war wie per Zufall dorthin, im Norden Kanadas, gelandet. Unglücklich über sein Leben und an seinen Unsicherheiten leidend, hoffte er sich zu finden.

Und welcher junge Mensch, früher oder später, macht sich nicht auf diese Suche, wenn ihn der Wein der Zeit nicht zu trunken macht? Denn an Süchten ist unsere Welt gewiss nicht arm. Vielleicht sind alle Süchte sogar ein hilfloser Ausdruck dieser Suche.

Der zweite Winter dort ging bereits ins Land.

Gerne möchte ich jetzt eine längere Passage aus dieser Zeit zitieren, um die erste der vorhin erwähnten Komponenten etwas sichtbar zu machen:

«Einmal wurde ich acht Nächte lang abkommandiert, die Lastwagen, die ihre Felsbrocken in die Halde hinabkippten, zu dirigieren und vor dem Abgrund zu warnen. Eine einsame, eintönige Beschäftigung bei minus fünfunddreißig Grad und eisigem Wind. Etwa jede halbe Stunde tauchte ein beladener Lastwagen auf, fuhr rückwärts an die Bergkante, kippte auf mein Zeichen die Ladung aus und verschwand, Dieselqualm hinterlassend, wieder in die Nacht. Dazwischen nichts als Stille, Kälte, Wind. Manchmal hüpfte ein weißer Schneehase vorbei. Ich hatte viel Zeit zu frieren und über mich und meine Zukunft nachzudenken. Dreiundzwanzig Jahre war ich inzwischen alt, und immer wieder stellte sich mir dieselbe alte Frage: Wie würde es mit meinem Leben weitergehen? Was hatte es mit mir vor? Ich hatte mich hierher, ans Ende der Welt, treiben lassen, doch ich wusste, das war nicht das Ziel. Wohin würde mich mein Weg führen? Gab es irgendwo eine Aufgabe für mich? Gab es irgendwo auf der Welt ein junges Mädchen, das noch gar nicht wusste, dass es mich gab, und das dennoch irgendwann meine Ehefrau werden würde? Wo war sie? In Deutschland oder in Kanada? Als was für einen Mann würde sie mich kennenlernen? Ich hatte keine Ahnung. Diese acht Nächte auf der einsamen Bergspitze waren die kältesten und längsten, aber auch die nachdenklichsten Nächte meines Lebens. Der eisige Wind pfiff gnadenlos, aber ich nahm ihn kaum wahr. Meine Gedanken kreisten immer um dasselbe Thema: Was wird aus mir? Irgendwann wurde mir in diesen schneehellen, eisklaren Nächten bewusst, wo mein Problem lag. Es war nur eine Binsenweisheit, vielleicht banal, aber die wirklich bedeutsamen Dinge erscheinen im Nachhinein oft so überraschend einfach. Tatsächlich muss man sie aber zunächst einmal begreifen, und das ist das Schwierige daran. Mir wurde klar, dass ich die Wahl hatte, dass ich frei entscheiden konnte. Jahrelang hatte ich mich so schmerzlich nach etwas gesehnt und dabei nicht verstanden, dass ich es bereits besaß. Ich begriff plötzlich etwas, was der französische Philosoph Rousseau mit dem Satz zusammenfasste: ‹Der Mensch wird frei geboren und liegt überall in Ketten.› Sobald man das Licht der Welt erblickt, ist man bereits ein Gefangener. Ein Gefangener seiner Herkunft. In diesem Moment beginnt die Programmierung des Ichs. Man übernimmt die Sprache, das Essen, den ästhetischen Geschmack, Kultur, Moral, Religion, Denkweise, Nationalgefühl, Traditionen und Benehmen der Eltern, der Gesellschaft, in die man hineingeboren ist. Durch Kindergarten, Schule, Kirche, Militär, Universität wird man weiter zu einem Menschen geformt, wie ihn sich die Eltern, die Lehrer, die Verwandten, die Freunde und letztlich der Staat wünschen. Entspricht man nicht dieser Erwartung, verhält man sich nicht konform, wird es schwierig. Man bekommt Probleme, so wie ich in all den Jahren vorher. Das war der eigentliche Kern all meiner Schwierigkeiten in meiner Jugend. An mir war gar nichts falsch, wie ich lange gedacht hatte, sondern ich passte nur nicht in die Norm, erfüllte nicht die Erwartungen, die mein Vater, mein Lehrer, die Gesellschaft an mich richteten. Ich weigerte mich, mich in die vorgesehene Programmierung einzufügen, mich anzupassen. Das war das Problem. Und noch etwas begriff ich in den Nächten auf diesem einsamen Berggipfel: Die achtzehn Monate in Kanada hatten diese Programmierungen in mir gelöscht […] Erst hier, fast am Ende der Welt, hatte ich erkannt, dass es auch andere Lebensplanungen gab, dass man sein Leben auch vollkommen anders leben konnte. Nur in dieser Einsamkeit, unbeeinflusst von anderem Denken, anderen Meinungen, konnte ich zu mir finden. In dieser weiten, unberührten Natur begann ich plötzlich, meine eigene innere Stimme zu hören. Nur in dieser absoluten Stille der Seele konnte ich diese noch sehr schwache Stimme hören. Ich wusste, hier in Cassiar würde mir keiner mit sogenannter Vernunft meine heimlichen Wünsche zerstören. Die Toleranz und Gleichgültigkeit meiner Arbeitskollegen, diese Konzentration nur auf sich selbst hatten für mich etwas unglaublich Befreiendes. Natürlich würde man in einer Notsituation anderen helfen, aber ansonsten war man nur mit sich und seinem eigenen Leben beschäftigt und ließ dem anderen seine Freiräume, zu tun und zu lassen, was er wollte. So etwas hatte ich bisher noch nie erlebt.»2

In völliger Seeleneinsamkeit entdeckt er die Last des Überkommenen, des Tradierten des Immer-so-Gewesenen, und sein Wesenskern, sein tieferliegendes «Ich», sagt ihm, dass er «die Wahl hatte», dass er «frei entscheiden konnte» und dass er «sein Leben auch vollkommen anders leben konnte». Hier, nur mit sich selber zusammen, fängt er an, seine «eigene innere Stimme zu hören».

Und dieser zunächst «sehr schwachen Stimme» versucht er fortan, wenn auch mit wechselndem Erfolg, die Treue zu halten.

Hier haben wir, sozusagen klassisch, der drei tragenden Säulen unserer Biografie: eine innere Stimme, die im Lauf des Lebens immer wieder gehört werden kann. Die ist das untrügliche Gefühl, dass ich, in welcher Lage ich mich auch befinden mag, immer die freie Wahl habe, mich so oder so dem zu stellen, was das Schicksal einem entgegenbringen mag.

Im Laufe seiner Lebenserzählung merken wir gleich, dass er zunächst kräftig vorwärts lebt, dass sich ihm aber das volle Verständnis vieler Begebenheiten immer wieder entzieht.

Und dann schreibt Halmer, der immer wieder kurze Rückblicke hält:

«In meiner Geschichte ist immer wieder von einem roten Faden die Rede, und manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, dass eine unsichtbare Hand unsere Geschicke lenkt. Vielleicht stimmt das auch, und es gibt keine Zufälle im Leben. Claudia hat mir später gestanden, dass sie schon nach zwei Monaten ihren Eltern geschrieben habe, sie habe ihren künftigen Ehemann gefunden. Nämlich mich […]

Immer wieder und mit der Zeit immer öfter werden wir beide bei Interviews nach dem Geheimnis unserer Verbindung gefragt. Schauspieler, die so lange verheiratet sind, gelten als ungewöhnliche Exemplare. Was sollen wir darauf antworten? Ist das ein Geheimnis, wenn man den festen Willen hat, trotz mancher Meinungsverschiedenheiten zusammenzubleiben und Vertrauen zueinander zu haben? Das verlangt Respekt, Ehrlichkeit und Verständnis für den anderen. Ob ich allerdings mit mir verheiratet sein wollte, weiß ich nicht. Eine andere Frau hätte mich mit meinem störrischen Charakter und meiner Egomanie vielleicht schon lange in die Wüste geschickt. Es hat doch sehr viel Liebe und Verständnis von Claudia gefordert, mich auszuhalten. Dafür bin ich ihr sehr, sehr dankbar.»3

Und hier kommt die Säule einer jeden Biografie zum Ausdruck, die, wie auch die ersten beiden, die oben erwähnt wurden, uns im Laufe dieses Buches immer wieder beschäftigen wird: Es gibt einen roten Faden und eine «unsichtbare Hand», die «unsere Geschicke lenkt». Auch von diesem«festen Willen» […] «trotz mancher Meinungsverschiedenheiten zusammenzubleiben und Vertrauen zueinander zu haben» wird später die Rede sein.

Ja, in der Regel wird das Leben tatsächlich vorwärts gelebt und rückwärts begriffen.

Dass es so ist, hängt mit zwei Grundkräften, Grundelementen unserer Seele zusammen: . Gerne möchte ich etwas tiefer darauf eingehen, weil hier eine Grundpolarität unserer Existenz gleichsam an die Oberfläche des Bewusstseins kommt, die uns...


Betti, Mario
Mario Betti, geboren 1942, in Lucca, Italien. Nach Studien- und Arbeitsjahren in Italien, Deutschland, Spanien, der Schweiz und England folgten das Studium der Waldorfpädagogik und eine langjährige Tätigkeit als Lehrer fu¨r Englisch, Geschichte, Kunstgeschichte und freien christlichen Religionsunterricht. 1985 – 2001 Dozent fu¨r pädagogische Anthropologie, Kunstgeschichte und Anthroposophie an der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn. Leiter des Fachbereichs Kunstpädagogik an Waldorfschulen. 2001 – 2005 war er Dozent am Seminar fu¨r Waldorfpädagogik in Stuttgart.

Mario Betti, wurde 1942 in Lucca, Italien geboren. Nach Studien- und Arbeitsjahren folgte eine langjährige Tätigkeit als Lehrer für Englisch, Geschichte, Kunstgeschichte und Religion und als Dozent für pädagogische Anthropologie, Kunstgeschichte und Anthroposophie. Im Verlag
Freies Geistesleben liegen vor: "Zwölf Wege, die Welt zu verstehen"; "Erkenntnis und Tat – Auf dem Weg der sieben Intelligenzen"; "Ein Weg zur Individualität Rudolf Steiners"; "Wandlungen im Erleben des Christus"; "Das Rosenkreuz – Von der Einwohnung des Christus im Menschen"; wie auch der Band in der falter-Reihe: "Lebenskunst als Lebenskraft".



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.