Berry | Eine Nacht mit dem Trauzeugen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Berry Eine Nacht mit dem Trauzeugen


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-3539-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

ISBN: 978-3-7515-3539-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als Penny ihre Jugendliebe auf einer Hochzeit wiedersieht, ist sie noch genauso fasziniert von Luke wie damals. Trotzdem will sie sich beweisen, dass er längst Geschichte ist ...

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1. KAPITEL


„Wie geht’s der Braut?“ Strahlend betrat Penny Montgomery den schmalen Ankleideraum der Kirche und trat neben ihre beste Freundin vor den Spiegel.

Seit ihrer Kindheit war sie mit Maggie Brown befreundet, und diese Kirche – eine von fünf in der kleinen Stadt Tawney Valley – kannten die beiden nur zu gut, weil Maggies Mutter sie damals so oft wie möglich hierher geschleppt hatte.

„Nervös“, gab Maggie atemlos zu. „Aufgeregt. Ich kann mein Herz schlagen hören.“ Sie sagte es mit einem Lächeln, und das Glück strahlte aus ihrem Blick.

Ihr helles Haar war zu einem losen Knoten gedreht, und einige Strähnen umschmeichelten ihre Wangen. Sie hatte sich für ein schlichtes, elegantes Kleid ohne Schleier entschieden, das zugleich ihre Figur und ihre Persönlichkeit betonte: geradlinig und aufrichtig. Sie war der liebenswerteste Mensch, den Penny je kennengelernt hatte.

„Du siehst wundervoll aus“, sagte Penny voll Stolz. „Deine Mutter wäre begeistert, wenn sie dich so sehen könnte.“

Maggie nickte. „Ja, das wäre sie.“ In ihren Augen glitzerten Tränen, doch Maggie ließ sie nicht entkommen. Sie und Penny hatten sich schon immer gegenseitig gestützt. Gemeinsam hatten sie jede Krise bewältigt – sogar den Tod von Maggies Mutter. Nun hatte Maggie ihren Traummann gefunden und würde eine Familie gründen.

Aber Penny reichte es vollkommen aus, zu wissen, dass Maggie weiterhin für sie da sein würde. Maggie und ihre Tochter Amber waren Pennys Familie – mehr brauchte sie nicht.

Maggie griff nach Pennys Hand. „Ich möchte dir danken. Für alles. Du warst immer an meiner Seite. Und du hast mir den entscheidenden Schubs in Bradys Richtung gegeben.“

Mit einem Mal war Pennys Hals wie zugeschnürt. „Den hast du auch gebraucht“, sagte sie leichthin und versuchte, die ernste Stimmung aufzuheitern. „Sonst wäre das mit euch beiden ja nie etwas geworden.“

Sie reichte Maggie eine kleine Schatulle. „Hier. Das soll ich dir von Brady überreichen.“ Mit diesen Worten ließ sie sich auf eine hübsche antike Bank sinken, zupfte ihr langes, goldenes Kleid zurecht und glitt aus den Schuhen.

Es war ein schlichtes, blassgoldenes Seidenkleid, das sich bei jedem Schritt wie eine sanfte Liebkosung an ihre Beine schmiegte. Als Trauzeugin war sie sehr zufrieden mit der Kleiderwahl – bloß die schwindelerregend hohen Schuhe mit den Pfennigabsätzen fingen schon jetzt an, ihre Füße zu martern. „Na los, mach es auf. Ich wette, es ist ein Ring. So einer, der vibriert, und den er über seinen …“

„Penny!“ Maggie sah sie entsetzt an. Sie war viel ernsthafter als Penny. Und viel anständiger. Sie schüttelte den Kopf. „Dir würde so etwas wahrscheinlich auch noch gefallen.“

Penny hob die Schultern und grinste.

Ihre Freundin öffnete die Schleife und nahm den Deckel von der Schatulle. „Oh, mein Gott!“

Sie drehte die Schachtel so, dass Penny hineinsehen konnte. Darin befand sich ein Paar glitzernder Diamantohrringe in der Form von Tropfen.

„Wow. Da möchte wohl jemand all die vergeudete Zeit wiedergutmachen“, stellte Penny fest.

„Schon möglich. Aber jetzt ist Brady ja da. Und das ist alles, was zählt.“ Maggie nahm die Ohrringe aus der Schatulle und steckte sie vorsichtig an.

„Ich freue mich so für dich, Maggie.“ Das tat Penny von ganzem Herzen. Wenn jemand eine Märchenhochzeit verdiente, dann war es Maggie.

Penny strich über den Polsterstoff der Bank. Sie liebte Antiquitäten. Vor allem, wenn sie so eine bewegte Geschichte hatten wie diese hier. Wie viele Hochzeiten, Beerdigungen und Taufen hatte diese Bank schon mitgemacht? Wie viel Freude und Leid?

In ihrem Antiquitätenladen hätte Penny dafür einen guten Preis erzielen können. Doch diese Bank gehörte hierher, in diese Kirche, wo sie jeder nervösen Braut Halt geben konnte.

Aber Penny war keine Braut. Sie war überhaupt nicht fürs Heiraten geschaffen. Wenn ihr danach war, die Nacht mit einem Mann zu verbringen, tat sie es einfach. Springfield lag nur eine Stunde entfernt, und dort gab es genug Klubs und Bars zum Ausgehen, Tanzen und Flirten.

Und wenn es nur darum ging, nachts im Bett keine kalten Füße zu bekommen, hatte sie immer noch ihren Hund Flicker.

Maggie wandte sich vom Spiegel ab und warf Penny einen besorgten Blick zu. „Luke ist gestern Abend angekommen.“

„Schön.“ Penny gab sich gelassen, doch ihr Herz wurde schwer. „Immerhin muss ich nicht allein den Gang zum Altar machen, wenn der Trauzeuge da ist.“ Luke war Bradys Bruder, was ihn in Zukunft zu einem Teil der Familie machte.

„Bist du sicher, dass es dir wirklich nichts ausmacht?“

Penny holte tief Luft und legte so viel Zuversicht in ihre Stimme, wie sie konnte. „Natürlich. Das ist neun Jahre her, Maggie. Eine Teenagerliebe. Ich bin sicher, dass er schon lange darüber hinweg ist. Ich bin es jedenfalls.“

„Also kein Drama?“ Maggie hob die Brauen.

„Sollte es ein Drama geben, bin ich nicht der Grund dafür.“ Penny stand auf und strich das bodenlange Kleid glatt. Plötzlich war sie voll wilder Energie und konnte nicht mehr still sitzen. Sie schlüpfte wieder in die engen Schuhe und unterdrückte einen Schmerzensschrei. Wenigstens verliehen ihr die Schuhe ein paar zusätzliche Zentimeter, um Luke auf Augenhöhe zu begegnen.

Dann überprüfte sie ihr Make-up im Spiegel. Wenigstens war nichts verwischt. Ihr langes rotes Haar hatte sie zu einem strengen Dutt geknotet und mit einer halben Flasche Haarspray gebändigt.

Draußen schwoll der Lärm an. Jemand klopfte an die Tür. „Fünf Minuten noch, Ladys“, wurde angekündigt.

Maggie fing noch einmal Pennys Blick auf. „Er ist Single“, sagte sie ernst.

„Zu schade für ihn.“ Penny hob den Schleier und half ihrer Freundin, den silbernen Kamm ins Haar zu stecken. Im Spiegel sah sie Maggies sorgenvolle Miene. „Ganz ehrlich, Maggie, es macht mir nichts aus. Luke ist doch nur für ein Wochenende hier. Das Schlimmste, was passieren könnte, ist, dass ich ihm beim Tanzen auf die Füße trete. Und mit diesen Killerheels könnte das böse für ihn enden.“

„Wenn du meinst.“ Maggie klang wenig überzeugt.

„Ich meine etwas ganz anderes: Wenn du jetzt nicht sofort da rausgehst, wird der Bräutigam denken, du seiest davongelaufen.“ Sie reichte ihrer Freundin den Brautstrauß. „Heute ist dein großer Tag, Maggie. Das Einzige, woran du denken sollst, ist dein Ehemann.“

Und das Letzte, worüber sie sich Sorgen machen sollte, war das Wiedersehen zwischen Penny und Luke – übrigens das erste Wiedersehen, seit Penny ihn damals vergrault hatte.

Aber das war nur eine Jugendliebe. Die erste Liebe war nie für die Ewigkeit bestimmt.

Luke war damals im Begriff, wegzuziehen, um aufs College zu gehen. Pennys Noten dagegen reichten nicht fürs College. Zum Glück hatte sie den Antiquitätenladen ihrer Großmutter übernommen. Sie hatte gar keine Alternative gesehen und sich selbst kaum mehr zugetraut als einen Job als Verkäuferin oder Kellnerin.

Allerdings war der urige Laden in einer von Tawney Valleys Hauptgeschäftsstraßen wahrlich keine Goldgrube, als Penny ihn geerbt hatte. Ihre Großmutter hatte sich zu Lebzeiten gegen einige wichtige Modernisierungen gewehrt, die Penny nach ihrem Tod eingeführt hatte, um dem Laden wieder Leben einzuhauchen.

Außer ihrer Großmutter hatte es niemand gegeben, der Penny helfen konnte. Ihren Vater hatte sie nie kennengelernt, und ihre Mutter hatte sie in Tawney Valley zurückgelassen, um ihre Sauftouren allein fortzusetzen.

Aber Penny hatte nicht aufgegeben. Sie hatte den Antiquitätenladen auf Vordermann gebracht und in eine Touristenattraktion verwandelt, in die jede Menge Besucher auf der Durchreise strömten.

Nur Maggie war immer an ihrer Seite gewesen. Und allein schon aus diesem Grund würde Penny ihr ganz gewiss nicht den schönsten Tag ihres Lebens verderben. Schon gar nicht wegen Brady Wards jüngerem Bruder Luke.

Sie entdeckte ihn sofort, als sie in den Kirchgang trat. Er war einige Meter entfernt, doch Penny schien es, als würde die Luft plötzlich vibrieren.

Er hatte dunkles Haar, blaue Augen und eine beeindruckende Statur – wie alle Wards. Luke war zwar nicht so groß wie sein älterer Bruder Sam, doch er überragte Penny trotz ihrer High Heels noch um einige Zentimeter.

Von dem schlaksigen Jungen auf der Highschool war nicht mehr viel übrig. Mittlerweile hatte er eine breite Brust und einen athletischen Körper. Der edle Smoking betonte seine Schultern und saß wie angegossen. Das dichte dunkle Haar glänzte im Licht der Kirchenscheinwerfer und hatte genau die richtige Länge.

Wenn Penny ihn nicht gekannt hätte, hätte sie es definitiv darauf angelegt, ihn nach der Party abzuschleppen.

Doch das war ihr Luke. Zumindest war er das früher gewesen. Hinter der Turnhalle, auf dem Rücksitz ihres Wagens, auf einer Picknickdecke unter einem endlosen Sternenhimmel.

Und dort hatten sie sich Versprechen gegeben, die sie nicht halten konnten. Weil sie zu jung waren. Weil das Leben kompliziert war.

Aber damals schien alles so einfach zu sein. Luke hatte sie geliebt. Für immer hatte er ihr ins Ohr geflüstert, doch Penny wusste, dass das nur Worte waren. Was zählte schon die Liebe? Es war nur eine Frage der Zeit, bis man wieder verlassen wurde.

Penny straffte sich. Erst jetzt bemerkte sie, wie fest sie den...



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