Bernried | Alpengold 371 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 371, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

Bernried Alpengold 371

Die verbotene Jagd
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-3041-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die verbotene Jagd

E-Book, Deutsch, Band 371, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

ISBN: 978-3-7517-3041-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Im Gasthaus zu Ilmenried geht es an diesem Abend hoch her. Gemeinsam mit dem Bürgermeister und dem Förster diskutieren die Bauern darüber, wie man endlich den gewissenlosen Wilderer stellen kann, der seit ein paar Monaten im Revier sein Unwesen treibt. Keiner von ihnen ahnt, dass der gesuchte Mann mit harmloser Miene mitten unter ihnen sitzt und sich heimlich ins Fäustchen lacht. Niemand wird ihn erwischen, denn er ist allen überlegen!
Während im Gasthaus die Diskussion noch stundenlang weitergeht, sitzt im Försterhaus ein bildhübsches Madl und fragt sich verzweifelt, wie lange es die Wahrheit noch verschweigen darf. Denn Bärbel kennt den Wilddieb - aber sie liebt ihn auch ...

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Die verbotene Jagd

Ein Bursch und seine unselige Leidenschaft

Von Kathi Bernried

Im Gasthaus zu Ilmenried geht es an diesem Abend hoch her. Gemeinsam mit dem Bürgermeister und dem Förster diskutieren die Bauern darüber, wie man endlich den gewissenlosen Wilderer stellen kann, der seit ein paar Monaten im Revier sein Unwesen treibt. Keiner von ihnen ahnt, dass der gesuchte Mann mit harmloser Miene mitten unter ihnen sitzt und sich heimlich ins Fäustchen lacht. Niemand wird ihn erwischen, denn er ist allen überlegen!

Während im Gasthaus die Diskussion noch stundenlang weitergeht, sitzt im Försterhaus ein bildhübsches Madl und fragt sich verzweifelt, wie lange es die Wahrheit noch verschweigen darf. Denn Bärbel kennt den Wilddieb – aber sie liebt ihn auch ...

»Na, Bub, wie hat dir die erste Mahlzeit daheim geschmeckt?«, fragte die Haber-Marie ihren einzigen Sohn.

»Gut, Mutterl«, antwortete er mit einem strahlenden Lächeln. »Viel besser als in der Kaserne.«

Mit gerunzelter Stirn lauschte der Bauer, dann brummte er: »Verwöhn mir den Burschen net so sehr, Marie, sonst bildet er sich am Ende gar ein, er könnt' sich jetzt auf die Bärenhaut legen. Dabei beginnt jetzt erst wirklich der Ernst des Lebens für ihn.«

Der Matthias wandte sich zum Vater um. »Was meinst du denn damit?«

»Darüber reden wir am besten drüben in der Wohnstube«, schlug der Bauer vor.

Die Bäuerin schaute besorgt vom Mann zum Sohn und wieder zurück. Würde das Gespräch, das der Benedikt mit dem Matthias führen wollte, friedlich ausgehen?

Sie waren sehr verschieden, die beiden, der Bauer hart, gefühlsarm und despotisch, der Sohn weich, anschmiegsam und leicht verletzlich. Die Haber-Marie wusste, dass der Matthias sich während seiner ganzen Kindheit vor dem robusten Vater gefürchtet hatte.

Die Bäuerin trat ans Fenster und schaute hinaus.

Ihr Blick fiel auf den Luger, den Hausberg vom Ilmenried, der gleich hinter dem Dorf zum Himmel emporragte. Sie faltete die Hände und seufzte.

***

In der Wohnstube drüben hatte der Bauer sich auf die Ofenbank gesetzt.

»Ich möcht' verhindern, dass du gleich wieder in den Wald läufst, Matthias, um das Dirndl zu besuchen, die Bärbel. Mehr als einmal hab ich dir schon gesagt, dass du dir die Försterstochter aus dem Kopf schlagen musst.«

»Was hast du nur gegen die Bärbel, Vater?«

»Gegen das Madl selber hab ich nix. Es kommt nur net infrage, dass der Hoferbe eine Braut heimführt, die nix mit in die Ehe bringt. Der Förster hat nur sein Amt, sein gutes Gehalt und später die Pension. Kapital besitzt er net. Und Grund und Boden nennt er ebenfalls net sein eigen. Seine Tochter hat also nix aufzuweisen als ihr hübsches Gesicht, ihren guten Charakter und ihren Fleiß. Das ist mir zu wenig für die künftige Haber-Bäuerin. Und darum muss es aufhören. Verstanden?«

»Ja, Vater.«

Der Bauer gab sich mit dieser Antwort zufrieden und bemerkte nur noch mit ziemlichem Nachdruck: »Es hat keinen Zweck, wenn du dich weiter mit der Förstertochter triffst, denn die Braut, die ich für dich bestimmt hab, wird uns bereits am nächsten Sonntag besuchen.«

»Meinst du net, Vater, dass ich da auch noch ein Wörtl mitzureden hab?«, wagte Matthias einzuwenden.

»Gar nix hast du zu tun, als ruhig zu sein und zu gehorchen!«, fuhr der Vater ihn an.

Die Heftigkeit, mit der sein Vater reagierte, mahnte Matthias zur Vorsicht.

»Du brauchst net so mit mir zu reden, Vater«, sagte er. »Ich werd' höflich und freundlich sein zu meiner zukünftigen Braut, wenn sie kommt. Wie heißt sie denn? Das muss ich doch wenigstens wissen.«

»Fanny heißt sie, und sie ist die Tochter vom Gröblinger-Bauern aus Grünau. Ich kenn' den Gröblinger-Justus seit zwanzig Jahren. Er hat nur dieses Kind, und seine Frau und er sind stets sehr sparsam gewesen. Wer die Fanny kriegt, der kann sich freuen.«

»So, so, und am nächsten Sonntag wird sie also kommen?«, vergewisserte sich Matthias.

»Jawohl, am Sonntag. Richte dich danach! Du musst dem Dirndl schöntun und es ein wenig herumführen. Ich will, dass die Fanny einen guten Eindruck von uns mitnimmt.«

»Ich werd' schon dafür sorgen, dass sie begeistert ist«, versprach Matthias.

***

Die hübsche Förstertochter wusste natürlich längst, dass ihr Jugendfreund wieder heimgekehrt war ins Dorf. Jeder, den sie sah, hatte es ihr zugetragen, und außerdem hatte sie eine kurze Nachricht von Matthias aufs Handy bekommen, die dieser noch aus der Kaserne abgeschickt hatte.

In drei Tagen bin ich daheim, hatte in der SMS gestanden. Und am Freitag werd' ich nach dem Mittagessen zu unserem Platzl im Wald kommen.

Auf dem Weg zu diesem Treffpunkt war die Bärbel jetzt.

Sie freute sich auf das Wiedersehen mit Matthias. Seit dem Erhalt seiner Nachricht hatte sie die Stunden bis zu diesem Freitagmittag gezählt.

Schon in der Schule hatte Bärbel den Matthias gern gemocht. Wenn alle Kinder miteinander »Räuber und Gendarm« spielten, dann war die Bärbel stets die Prinzessin gewesen, die der böse Räuber Matthias raubte und versteckte.

Bärbels Herz klopfte schneller, wenn sie an seine dunklen Augen dachte und an das braune Haar, das ihm stets so eigenwillig in die Stirn fiel. Groß und schlank war er, mit breiten Schultern und schmalen Hüften. Seine kräftigen Hände konnten ebenso zart streicheln wie fest zupacken. Und dass er zu küssen verstand, wusste die Bärbel nur allzu gut.

Sie war also bis über beide Ohren in den Matthias verliebt, und obwohl sie wusste, dass der Bauer sie als Schwiegertochter nicht haben wollte, konnte sie der Versuchung nicht widerstehen, mit diesem hübschen, anschmiegsamen Burschen zusammen zu sein. Die anderen Mannsbilder im Dorf waren fast alle rau und grob, und für die Bärbel, die ihr Leben in dem einsam gelegenen Forsthaus zubringen musste, bestand wenig Aussicht, jemals andere Bekanntschaften zu machen.

Der Treffpunkt, zu dem die Bärbel jetzt eilte, war der Ilmenweiher, ein kleiner Teich im Wald. Hier gab es einen flachen Erdhügel, der ganz mit Moos bewachsen war und zum bequemen Sitzen einlud.

Von diesem Hügel erhob sich jetzt der Matthias, denn er hatte dort schon wartend gesessen.

Mit einem Jubellaut eilte sie in seine Arme und ließ sich fest davon umschließen.

»Ich freu' mich, Bärbel, dass ich dich wiederseh'«, sagte er.

»Und ich erst, Matthias! Ich bin narrisch vor Freud'.«

Dann sprachen sie nicht weiter, denn sie hatten genug mit dem Küssen zu tun.

»Du hast mir gefehlt, Matthias.«

»Du mir auch, Bärbel.«

»Ach geh, in der Stadt gibt's genug hübsche Madln! Und sie sollen viel entgegenkommender sein als wir hier draußen im Dorf.«

»Wer hat dir denn das erzählt?«

»Der Mooshuber-Bernd, der vor dir vom Militär zurückgekommen ist.«

»Du weißt doch, das ist einer, der jeder Schürze nachläuft, aber er hat net bei allen Erfolg. Er tut nur so. Glaub's mir, Bärbel, auch die Madln in der Stadt wissen, was sie wollen!«

»Du brauchst dich vor mir net zu rechtfertigen, Matthias. Wir sind ja net verlobt.«

»Leider, Bärbel, leider.« Er seufzte und furchte die Stirn.

»Steht's schlecht mit uns, Matthias? Sag mir die Wahrheit! Hat dein Vater dir verboten, mich wiederzusehen?«

Er brachte es nicht fertig, einfach Ja zu sagen und ihre Vermutung zu bestätigen. So war er nun einmal, weich und ohne Entschlusskraft.

»Du weißt ja, wie mein Vater ist. Ich muss versuchen, ihn ganz langsam herumzukriegen. Dafür brauch' ich Zeit. Du darfst die Hoffnung net aufgeben, Bärbel! Vielleicht klappt es doch noch.«

»Ich versteh' schon.« Sie nickte bekümmert. »Die Förstertochter zählt für den Haber-Bauern net. Es wird wohl das Beste sein, wenn ich mich auf einen Abschied für immer vorbereite und dich net mehr seh', Matthias.«

Die Bitterkeit, die aus ihren Worten klang, schnitt ihm ins Herz.

»Sag doch so etwas net!«, flehte er. »Ich hab dich so gern, Bärbel.«

»Also schön, ich muss jetzt heim.« Sie schaute auf ihre Armbanduhr. »Sehen wir uns am Sonntagnachmittag wieder?«

Da geriet er ins Stottern. »Leider geht's net, weißt du. Grad am kommenden Sonntag ist's net möglich.«

»Und warum net?«

Es blieb ihm nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu gestehen.

»So, so, eine Braut hat dir dein Vater ausgesucht! Dann ist's ja schon entschieden, Matthias.«

»Ich glaub's net. Ich muss halt reden mit der Fanny. Vielleicht ist es ihr genauso wenig recht wie mir, dass man uns einfach zusammengibt. Du darfst das Vertrauen zu mir net verlieren. Ich halt' dich auf dem Laufenden. Sobald ich kann, melde ich mich wieder.«

Das zärtliche Beisammensein im Wald war zu Ende. Auf getrennten Wegen gingen sie heim.

***

Als sie im Försterhaus angekommen war,...



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