Berner / Isler / Weidinger | Einfach gut lernen (E-Book) | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

Berner / Isler / Weidinger Einfach gut lernen (E-Book)


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-0355-1889-4
Verlag: hep verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

ISBN: 978-3-0355-1889-4
Verlag: hep verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Wie können Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernen unterstützt werden? Wie kann sinnvolles, lustvolles und kreatives Lernen gefördert werden? Kindern und Jugendlichen soll es gelingen, ihr Lernen erfolgreich zu gestalten, sich beim Lernen wohl und sicher zu fühlen und selbst Verantwortung für ihre schulische Entwicklung zu übernehmen.
Wie bereits im Buch «Einfach gut unterrichten» finden angehende und erfahrene Lehrpersonen Anregungen, Praxistipps und knappe theoriegestützte Analysen. Auch interessierte Eltern finden Hinweise, wie sie ihre Kinder beim Lernen begleiten können. Speziell berücksichtigt werden zudem Veränderungen, die sich durch die Digitalisierung ergeben haben.
Mit Statements und Lerntipps von bekannten Persönlichkeiten wie Stefan Eicher oder Nicola Spirig.

Berner / Isler / Weidinger Einfach gut lernen (E-Book) jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


1.
Das Kapitel geht auf diese Themen ein und beantwortet folgende Fragen
• Was versteht man unter Selbstwirksamkeit und Selbstkonzept, und welche Bedeutung haben beide für das Lernen ? • Wie kann man die Selbstwirksamkeit von Schülerinnen und Schülern stärken und ein positives Selbstkonzept fördern – und insgesamt auf ein « dynamisches Selbstbild » hinarbeiten, das Zukunftsoffenheit und Weiterentwicklung verspricht ? • Wie erkennen wir eine unterminierte Selbstwirksamkeit oder ein problematisches Selbstkonzept ? Welche Kinder und Jugendlichen sind gefährdet ? Was können wir tun ? • Welche gesellschaftlichen Entwicklungen machen eine hohe Selbstwirksamkeit und ein positives Selbstkonzept so wichtig, und wie wirkt das kulturelle Umfeld auf beide ?   « Wir sind, ein jeder von uns, reicher, als wir glauben. » Nach Michel de Montaigne (1533–1592) « What is really important is the state of mind from which you do it. » Marina Abramovic (* 1946)   SELBSTWIRKSAMKEIT UND SELBSTKONZEPT
Wir alle wissen aus unserer täglichen Erfahrung, dass das Selbstvertrauen für uns Menschen in fast allen Lebenslagen eine entscheidende Rolle spielt. Wenn wir uns sicher fühlen, gehen wir optimistischer durchs Leben. Was auf uns zukommt, scheint uns dann leichter zu bewältigen. Wir haben mehr Mut, etwas Neues auszuprobieren, etwas zu wagen, unserem Leben eine neue Richtung zu geben oder etwas in Angriff zu nehmen, vor dem wir grossen Respekt haben. Es erstaunt deshalb nicht, dass es eine riesige Anzahl von Ratgebern zum Thema gibt[1] und dass das Netz voll von gutgemeinten Ratschlägen ist: « Selbstvertrauen aufbauen: 20 Power-Tipps für den Alltag » oder « 108 Tipps für ein starkes Selbstbewusstsein » sind nur zwei davon. So problematisch und vereinfachend die Anleitungen oft sind, so deutlich widerspiegeln sie die Wichtigkeit der Thematik – einer Thematik, die speziell für das Lernen von grösster Bedeutung ist. Wir werden uns der Frage, wie man Selbstvertrauen aufbaut, über die psychologischen Begriffe der Selbstwirksamkeit und des Selbstkonzepts annähern. Damit befinden wir uns einerseits auf einem evidenzbasierten Boden und schaffen die notwendige Differenz. Andererseits bewegen wir uns im Bereich von Konzepten, die für die Pädagogik nachvollziehbare Hinweise liefern, wie das gefördert werden kann, was umgangssprachlich mit Selbstvertrauen gemeint ist. Es sind technische, gesellschaftliche und didaktische Entwicklungen, auf die wir in diesem Kapitel hinweisen werden und die ganz neue Anforderungen an Kinder und Jugendliche stellen – Anforderungen, welche Schülerinnen und Schüler mit einer stabilen Selbstwirksamkeit und einem günstigen Selbstkonzept besser meistern werden. Selbstwirksamkeit und Selbstkonzept sind für das schulische Lernen, für das berufliche Vorankommen und für das Wohlbefinden in unserer Zeit fundamental. DAS IST IHRE AUFGABE 1. Kann man aus einem Fiat einen Ferrari machen ?
Nachdem Eltern in einem Gespräch zum Übertritt von der Primar- in die Sekundarschule höhere Erwartungen formuliert haben, sagt eine Kollegin/ein Kollege zu den Eltern: « Aus einem Fiat kann man eben keinen Ferrari machen! » Welche Fragen gehen Ihnen zu dieser Situation durch den Kopf ? Welche Position nehmen Sie dazu ein ? Wie würden Sie als Mutter oder Vater im Übertrittsgespräch in dieser die Situation reagieren ? 2. « Ich kann alles lernen – das kann ich nie lernen! »
Gibt es in Ihrer Biographie ein erfolgreiches Lernerlebnis, nach dem Sie das Gefühl hatten: « Jetzt kann ich alles lernen in dieser Welt! ». Oder ein Erlebnis in Schule, Familie, Sport, Musik oder Freizeit: « Das, was der oder die kann, das kann ich sicher auch! » Oder umgekehrt: « Was der oder die kann, werde ich niemals können. » Was war ausschlaggebend für Ihre Einschätzungen ? Tauschen Sie sich mit einer Kollegin oder einem Kollegen über diese Fragen aus! Gibt es einzelne Erlebnisse oder länger andauernde Konstellationen, die Ihr Selbstvertrauen im schulischen Lernen positiv oder negativ beeinflusst haben ? 3. Wie schätzen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler ein ?
Nehmen Sie Ihre Klassenliste zur Hand oder vergegenwärtigen Sie sich die Schülerinnen und Schüler Ihrer letzten Praktikumsklasse anhand eines Klassenspiegels. Versuchen Sie eine Einschätzung: Glauben die Schülerinnen und Schüler daran, aus eigener Kraft Schwierigkeiten, denen sie begegnen, bewältigen zu können ? Markieren Sie mit: = eher ja, = eher nein, = ich bin mir unsicher. Setzen Sie zudem ein Ausrufezeichen, wenn Sie annehmen, dass die Deklaration oder die Selbsteinschätzung der Schülerinnen und Schüler wesentlich von der effektiven Leistungsfähigkeit abweichen. Welches Fazit ziehen Sie aus den Beobachtungen ? Haben Sie bereits Ideen, wie unsichere Schülerinnen und Schüler im Glauben an sich selbst gestärkt werden könnten ? 4. Spring ich vom Drei-Meter-Brett oder bleib ich unten ?
« Spring ich vom Drei-Meter-Brett oder bleib ich unten ? » Sammeln Sie zehn Fragen aus verschiedenen Lebensbereichen und Altersklassen, die auf Situationen und Entscheidungen verweisen, welche Rückschlüsse auf Selbstwirksamkeit und Selbstkonzept ermöglichen. 5. Kann man sich als Schülerin oder als Schüler einer Lehrperson anvertrauen ?
Hatten Sie eine Lehrerin oder einen Lehrer, mit der oder dem Sie in der Pubertät über persönliche Fragen vertrauensvoll sprechen konnten (zum Beispiel über Ängste und Selbstzweifel bezüglich ihrer schulischen Laufbahn, über Unsicherheiten im sozialen oder körperlichen Bereich, über Konflikte mit den Eltern) ? Wenn ja, was hat es ausgemacht, dass das möglich war ? Wenn nein, was wäre nötig gewesen, damit Sie ein vertrauensvolles Gespräch gesucht hätten ? Mit wem haben Sie stattdessen gesprochen ? DAS MÜSSEN SIE WISSEN 1 Was bedeutet Selbstwirksamkeit und wie kann sie gefördert werden ? Der Begriff der Selbstwirksamkeit – oder präziser: Selbstwirksamkeitsüberzeugung – erschien noch vor einigen Jahren als eher sperrig, aber er hat sich immer selbstverständlicher ins pädagogische Vokabular eingefügt. Er entstammt der sozial-kognitiven Lerntheorie von Albert Bandura[2] und ist so klar gefasst, dass sich daraus eindeutige Hinweise ableiten lassen, wie Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernen unterstützt werden können. Zwar haben fast alle psychologischen Richtungen und pädagogischen Ansätze sich in irgendeiner Art mit dem Hintergrund des alltagssprachlichen « Selbstvertrauens » auseinandergesetzt und dabei ihre eigene Begrifflichkeit entwickelt – Kompetenzüberzeugung, Ich-Stärke, Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und viele mehr. Aber der Zugang von Bandura ist unserer Auffassung nach für die Pädagogik am hilfreichsten. In einer viel zitierten kurzen Formel fasst Bandura zusammen, was Selbstwirksamkeit so bedeutend macht: « Motivation, Gefühle und Handlungen von Menschen resultieren in stärkerem Maße daraus, woran sie glauben oder wovon sie überzeugt sind, und weniger daraus, was objektiv der Fall ist. »[3] Es ist also der Glaube an die eigenen Fähigkeiten, der entscheidend ist. Definiert wird Selbstwirksamkeit folgerichtig als subjektive Gewissheit, neue oder schwierige Anforderungssituationen aufgrund eigener Kompetenz bewältigen zu können. Es geht dabei nicht um Aufgaben oder Probleme, die durch einfache Routine lösbar sind – wie zum Beispiel Fahrrad fahren –, sondern um solche, deren Schwierigkeitsgrad die Investition von Anstrengung und Ausdauer nötig macht.[4] Wie selbstwirksam sich Schülerinnen und Schüler empfinden, lässt sich über einen Fragebogen erheben, der eher einfach scheint und dessen Auswertung vor allem als Grundlage für Gespräche mit Schülerinnen und Schülern dienen kann (siehe Übungen und Beispiele). Aber auch durch Beobachtung können wir uns ein Bild machen. Bestimmte Haltungen von Kindern deuten auf eine hohe Selbstwirksamkeit hin, zum Beispiel eine grosse Ausdauer, eine hohe Anstrengungsbereitschaft, ein hohes Anspruchsniveau, ein effektives Zeitmanagement, eine gewisse Flexibilität beim Problemlösen, eine realistische Einschätzung der eigenen Leistung oder selbstwertförderliche Ursachenzuschreibungen (Attributionen). Nicht restlos erforscht ist, wie die Unterschiede in den Selbstwirksamkeitsüberzeugungen von Kindern zu erklären sind. Auch wenn der familiäre Background einen überragenden Einfluss auf die Selbstwirksamkeit hat, können Lehrpersonen die Schülerinnen und Schüler im...


Weidinger, Wiltrud
Wiltrud Weidinger, Prof. Dr., Professorin für Erziehungswissenschaften und Zentrumsleiterin «Unterricht und transkulturelles Lernen» an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Erfahrung als Primarlehrerin, Studium in Pädagogik und Psychologie an der Universität Wien, Masterstudium Schulpsychologie an der City University of New York, Organisationsberaterin und Coach. Dozentin und Mentorin, Durchführung von internationalen Bildungsprojekten. Schwerpunkte: Allgemeine Didaktik, überfachliche Kompetenzen, internationale Bildungstrends, Migration, Führung.

Berner, Hans
Hans Berner war langjähriger Dozent in der Aus- und Weiterbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und an der Sekundar- und Fachlehrerausbildung an der Universität Zürich mit den Spezialgebieten Aktuelle Strömungen in der Pädagogik, gesellschaftlicher Wandel, didaktische Modelle und Unterrichtskonzeptionen, berufspraktische Ausbildung. Davor mehrjährige praktische Erfahrung als Lehrer an der Berufsschule für Gehörgeschädigte in Zürich. Autor bekannter pädagogischer und didaktischer Grundlagenbücher wie «Über-Blicke – Ein-Blicke. Pädagogische Strömungen durch fünf Jahrzehnte» oder «Einfach gut unterrichten».

Isler, Rudolf
Rudolf Isler, Prof. Dr., Autor, Bildungsexperte. Ehem. Dozent und Präsident des Senats der Pädagogischen Hochschule Zürich. Davor langjährige praktische Erfahrung als Sekundar- und Mittelschullehrer. Publikationen zu historischen und aktuellen Fragen der Pädagogik, der Allgemeinen Didaktik und der Lehrberufe; Schwerpunkt: Förderung der Selbstwirksamkeit von Kindern und Jugendlichen. Biographie über Manès Sperber aus pädagogischer Perspektive und Autor und Regisseur des Dokumentarfilms «Manès Sperber – ein treuer Ketzer».

Hans Berner war langjähriger Dozent in der Aus- und Weiterbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und an der Sekundar- und Fachlehrerausbildung an der Universität Zürich mit den Spezialgebieten Aktuelle Strömungen in der Pädagogik, gesellschaftlicher Wandel, didaktische Modelle und Unterrichtskonzeptionen, berufspraktische Ausbildung. Davor mehrjährige praktische Erfahrung als Lehrer an der Berufsschule für Gehörgeschädigte in Zürich. Autor bekannter pädagogischer und didaktischer Grundlagenbücher wie «Über-Blicke – Ein-Blicke. Pädagogische Strömungen durch fünf Jahrzehnte» oder «Einfach gut unterrichten».

Rudolf Isler, Prof. Dr., Autor, Bildungsexperte. Ehem. Dozent und Präsident des Senats der Pädagogischen Hochschule Zürich. Davor langjährige praktische Erfahrung als Sekundar- und Mittelschullehrer. Publikationen zu historischen und aktuellen Fragen der Pädagogik, der Allgemeinen Didaktik und der Lehrberufe; Schwerpunkt: Förderung der Selbstwirksamkeit von Kindern und Jugendlichen. Biographie über Manès Sperber aus pädagogischer Perspektive und Autor und Regisseur des Dokumentarfilms «Manès Sperber – ein treuer Ketzer».

Wiltrud Weidinger, Prof. Dr., Professorin für Erziehungswissenschaften und Zentrumsleiterin «Unterricht und transkulturelles Lernen» an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Erfahrung als Primarlehrerin, Studium in Pädagogik und Psychologie an der Universität Wien, Masterstudium Schulpsychologie an der City University of New York, Organisationsberaterin und Coach. Dozentin und Mentorin, Durchführung von internationalen Bildungsprojekten. Schwerpunkte: Allgemeine Didaktik, überfachliche Kompetenzen, internationale Bildungstrends, Migration, Führung.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.