Berndt | Todesfalle Rügen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 432 Seiten, Format (B × H): 115 mm x 180 mm

Reihe: Ostseekrimi

Berndt Todesfalle Rügen

Schwinkas 2. Fall
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-356-02366-4
Verlag: Hinstorff
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Schwinkas 2. Fall

E-Book, Deutsch, 432 Seiten, Format (B × H): 115 mm x 180 mm

Reihe: Ostseekrimi

ISBN: 978-3-356-02366-4
Verlag: Hinstorff
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mörderjagd im Heute und Gestern

Kommissar Karsten Schwinka ist mit brutalen Verbrechen konfrontiert: Auf Rügen wurden zwei Frauen auf skrupellose Art und Weise umgebracht. Seine Opfer scheint der Täter zufällig, fast ungeplant getötet zu haben. Der erfahrene Polizist fürchtet, dass es weitere Morde geben könnte.

Alles erinnert an einen zwanzig Jahre alten Fall, bei dem ebenfalls zwei Frauen getötet wurden. Es gab zahlreiche Verdächtige, ein Täter konnte aber nie gefunden werden. Ist der Mörder von heute schon damals aktiv gewesen? Oder muss die Polizei neue Wege beschreiten, um jetzt endlich den Verbrecher von einst dingfest machen zu können? Die Beamten gehen schließlich an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit, um die Ermittlungen zum Erfolg zu führen und das Katz-und-Maus-Spiel mit dem Täter zu gewinnen.

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Akte X


Als Gabi nach Hause kam, war Jason noch im Dorf zum Spielen unterwegs. Der Junge war jetzt acht Jahre alt. Warum sollte sie sich Sorgen machen, wenn er mit Gleichaltrigen Fußball spielte, auf den Feldern rumstromerte oder auf kindliche Abenteuer aus war? Ihr Sohn wusste, dass es zwischen 18.30 und 19 Uhr Abendbrot gab. Einer der Jungs hatte eine Uhr oder ein Telefon. Also würde er pünktlich sein. Bis dahin war aber noch fast eine Stunde Zeit, also ging sie los, um beim von der Polizei abgesperrten Gelände zu sehen, was sich heute Abend dort ereignete.

Als sie an dem rot-weißen Flatterband ankam, erkannte sie zuerst Einsatzfahrzeuge. Hinter der Begrenzung schlichen Männer in weißen Schutzanzügen herum. Das erinnerte sie an Geschichten aus der TV-Serie »Akte X«. Ach, wie hatte sie die geliebt! Dieser Mulder, der seine von Aliens entführte Schwester suchte, war so ganz nach ihrem Geschmack gewesen. Ein hübscher Mann voller Empathie, aber mit Prinzipien. So einer konnte Frauen verstehen, sie aber gleichzeitig dominieren. Wie oft hatte sie sich vorgestellt, wie sie ihm ihre Sorgen anvertrauen würde. Er säße dann auf der Couch, sie hätte ihren Kopf in seinem Schoß und er würde ihr das Haar kraulen. Nebenbei könnte sie ihm von ihrem Tag erzählen, er gäbe ihr kluge Ratschläge, bevor er in seinen Keller ging, um außerirdisches Leben zu entdecken. Ein Traum.

»Hier is’ wat los!«

Gabi wurde aus ihren Gedanken gerissen. Unmutig stieß sie ein »Mmmmmh« hervor.

»Die sin’ schon den janzen Tag zujange«, sagte Peer Simmel. Der ehemalige, aus der Brandenburger Gegend stammende Melker war Invalidenrentner. Ein Bulle hatte ihn übel zugerichtet. Sein linker Arm hing schlaff herab, und wegen eines schief zusammengewachsenen Knochens im linken Fuß hinkte er. Peer Simmel trieb sich den lieben langen Tag im Ort herum. Manchmal saß er auf einer Bank und schien in Gedanken versunken. Meist suchte er aber das Gespräch überm Gartenzaun. Dabei erfuhr er viel. Allerdings wusste er auch eine ganze Menge zu erzählen.

Gabi kannte Simmel. Zwar nur oberflächlich, aber auch sie hatte er schon zwei-, dreimal in Unterhaltungen verwickelt.

»So wat bei uns«, versuchte er noch einmal sein Glück bei Gabi Schuster.

Diesmal antwortete sie. »Das kann sich niemand vorstellen. Erst wenn es tatsächlich passiert, wird einem bewusst, dass es Verbrecher gibt, die unser Leben bedrohen.«

»Ja, so is’ dat«, entgegnete Simmel. »Ick war ja jestern noch unterwegens …«

»Aha?«, sagte Gabi nur.

»Jenau zu de Zeit, wo dit passiert is’.«

»Ach?« Gabi schaute den etwas ungepflegten Mann mit seinem Dreitagebart an. »Wann war das denn?«

»So bei Sieme«, tat sich Simmel wichtig.

»Hast du das denn schon der Polizei erzählt?«

»Nö, kann ick ja noch machen.«

»Hast du was gesehen oder gehört?« Gabi wurde neugierig.

»Der Köter hat jejault. Da muss dit passiert sein.«

›Horst war auch draußen‹, dachte Gabi plötzlich. ›Der könnte doch auch etwas bemerkt haben?!‹ – »Du musst auf jeden Fall der Polizei erzählen, was du gestern Abend gesehen hast«, sagte Gabi. »Ich muss los, Abendbrot machen.«

»Tschüs, Jabi!«

»Mach’s gut, Peer«, gab sie freundlich zurück. Für einen kurzen Moment huschte ein Lächeln über ihr Gesicht.

Das erstarb sofort, als ihre Gedanken sich wieder der Familie zuwandten. Und als sie vor dem Wohnblock das Auto stehen sah, kroch in ihr eine Art Panik hoch. Denn wenn ihr Mann ohne Kontrolle in der Wohnung war, könnte der ihre Ordnung durcheinanderwirbeln.

Gabi ging schneller, kurz vorm Hausaufgang fiel sie sogar in einen trippelnden Laufschritt. Die Stufen der Treppe im Flur nahm sie in Sprüngen. Immer zwei Absätze auf einmal. In der zweiten Etage schloss sie die Tür auf – und in der Diele war alles wie vorher. »Horst«, schrie sie kraftvoll.

»Ja«, reagierte der sofort und erschien nur Sekunden später im Türrahmen zur Wohnstube.

»Was machst du?«

»Nichts. Ich bin auf dem Balkon und rauche eine.«

»Nicht in die Küche gehen!«, kommandierte Gabi.

»I wo«, sagte Horst. Er hatte sich längst daran gewöhnt, die Wohnung nicht als einen gemütlichen Rückzugsort zu betrachten. Hier wehte ein scharfer Wind. Jason und er hüteten sich, irgendetwas zu verstellen oder selbstständig Dinge zu tun. Jeder Gegenstand, der sich nicht an seinem ihm zugeordneten Platz befand, und jede gut gemeinte Aktivität konnten bei Gabi hysterische Ausbrüche provozieren.

»Du hast dich umgezogen?«, fragte sie scharf.

»Ja, schon heute Mittag im Büro«, entgegnete ihr Mann auskunftsbereit. »Wir waren alle so durchgeschwitzt, dass es nicht mehr auszuhalten war.«

»Fang mir jetzt nicht mit so was an«, zeterte Gabi. »Ich bin doch nicht deine Wäscherin. Und du bist nicht der feine Pinkel, für den du dich hältst. Nach einem halben Tag den Anzug und das Hemd wechseln … wo kämen wir denn da hin?«

»Das war heute eine absolute Ausnahme«, sagte Horst, der immer noch wie beim Rapport gerade im Türrahmen stand.

»Heute eine, morgen eine, übermorgen …« Gabi erregte sich immer mehr. »Und dann ist dein ganzes Leben eine einzige Ausnahme. Und ich kann ins Bad ziehen, weil ich ja sowieso schon jeden Abend bergeweise Wäsche sortieren muss.« Gabi begann zu schreien. »Hauptsache der feine Herr kann sich am Tag dreimal umziehen.« Sie stand vor ihm und stieß ihn mit voller Wucht ins Wohnzimmer, sodass er strauchelte und zu Boden fiel.

Das machte ihn wütend.

»Na, wieder wütend?«, schrie Gabi.

Horst rappelte sich wieder auf und kochte. Schnaufend stand er nun vor ihr und ballte die Fäuste.

»Na, willst du deine Frau schlagen?«, keifte sie. »Dann mach es doch! Zu mehr bist du ja auch nicht mehr in der Lage.«

Horst stand mit hochrotem Kopf und wutverzerrtem Gesicht vor ihr, rührte sich aber nicht.

Auch Gabi schnaufte. Sie hatte wie zum Sprung leicht den Rücken gebeugt und schaute ihren Mann durchdringend an. Mit den Händen hielt sie sich beiderseitig im Türrahmen fest, als wollte sie sich selbst zurückhalten.

›Ich könnte dich jetzt töten‹, dachte Horst. Natürlich würde er es nicht tun. Aber allein das Wissen um die Möglichkeit verschaffte ihm Erleichterung. Die Wut war schlagartig wie weggeblasen. »Ich kann den Tisch decken, wenn du möchtest«, sagte er versöhnlich.

»Das kann ich alleine«, fauchte Gabi und marschierte an ihm vorbei in Richtung Küche. Dabei versetzte sie ihm erneut einen Stoß, dass er stolperte.

›Ich könnte dich einfach töten‹, dachte Horst und schaute ihr nach.

Während Gabi lärmend begann, das Geschirr aus den Schränken zu holen, um alles für das Abendbrot vorzubereiten, ging Horst zurück auf den Balkon. Im Aschenbecher lag noch seine halbe Zigarette, die schon ausgegangen war. Er steckte sich den Stummel zwischen die Lippen und zündete ihn noch einmal an. ›Hat alles gut geklappt‹, dachte er stolz. Schon auf dem Rückweg im Auto hatte er alles Revue passieren lassen. Und das war so schön gewesen, dass er es jetzt gleich noch einmal tat: Nachdem er sich am Waldrand niedergesetzt hatte, grübelte er nach der Möglichkeit, unverdächtig zu seinem Auto zu gelangen. Mit Blut an der Kleidung konnte er nicht durch Sassnitz laufen. Also war er zurück zur Toten gegangen, hatte sie wieder vom Laub befreit und ihr die Laufhose und die Sportjacke ausgezogen, nur um selbst hineinzuschlüpfen. Natürlich hatten die Sachen nicht ganz gepasst, denn die Joggerin war bestenfalls 1,78 Meter groß gewesen. Aber da er trotz seines Bauchansatzes immer noch schlank genug war, hatte er die Hose wenigstens so hochgezogen bekommen, dass er von Weitem wie ein Jogger wirkte. Auch bei den Turnschuhen war Glück mit im Spiel. Höchstens eine Nummer zu klein. Es hatte zwar wehgetan, wie er da krampfhaft die Zehen nach innen drehen musste, aber die paar Minuten … Er verbarg die Frau erneut im Laub und war mit seinen Sachen unterm Arm durch den Wald bis zur Stubbenkammerstraße oberhalb der Johanniskirche gegangen. Hier versteckte er Hemd, Hose sowie Schuhe im Gebüsch und lief wie ein Jogger die Bachstraße hinunter bis zur Sparkasse. Leute spazierten diesen Weg nur selten entlang. Und der Autoverkehr spielte sich auf der...



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