Berndorf | Eifel-Sturm | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 8, 284 Seiten

Reihe: Eifel-Krimi

Berndorf Eifel-Sturm

Der 8. Siggi-Baumeister-Krimi
Überarbeitete Auflage
ISBN: 978-3-89425-828-3
Verlag: GRAFIT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der 8. Siggi-Baumeister-Krimi

E-Book, Deutsch, Band 8, 284 Seiten

Reihe: Eifel-Krimi

ISBN: 978-3-89425-828-3
Verlag: GRAFIT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der 8. Band der Eifel-Serie Wer jagte den Bundestagsabgeordneten Jakob Driesch durch das nächtliche Monschau in den Tod? Warum wurde die lebenslustige Annette von Hülsdonk vom Pferd geschossen? Die Mordkommission stochert im Nebel. Haben die Morde mit dem gigantischen Windkraftprojekt in Hollerath zu tun? Jede Spur, die der Journalist Siggi Baumeister, der Kriminalrat a.D. Rodenstock und dessen Frau Emma aufnehmen, scheint in eine Sackgasse zu führen.

Jacques Berndorf - Pseudonym des Journalisten Michael Preute - wurde 1936 in Duisburg geboren und lebt heute in der Eifel. Er war viele Jahre als Journalist tätig, arbeitete unter anderem für den 'stern' und den 'Spiegel', bis er sich ganz dem Krimischreiben widmete. Seine Siggi-Baumeister-Geschichten haben Kultstatus, im Grafit Verlag sind erschienen: Eifel-Blues, Eifel-Gold, Eifel-Filz, Eifel-Schnee, Eifel-Feuer, Eifel-Rallye, Eifel-Jagd, Eifel-Sturm, Eifel-Müll, Eifel-Wasser, Eifel-Liebe, Eifel-Träume und Eifel-Kreuz. Außerdem lieferbar: Die Raffkes und Der Kurier (beides Politthriller).
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ERSTES KAPITEL


Wie war Driesch in den Fluss gekommen? – Egal, er war im Wasser, er hetzte flussabwärts durch die Schlucht, die die alten Monschauer Handwerkerhäuser bildeten. Nur wenige Stunden zuvor waren noch Tausende von Touristen über die beiden Brücken geschlendert, die dicht nebeneinander das Wasser der Rur überspannten – links, wenn man vom Marktplatz kam, die Straßenbrücke, rechts die Fußgängerbrücke, die zur evangelischen Kirche führte. Jetzt, in der Dunkelheit, war Driesch mutterseelenallein. Nein, nicht ganz allein. Denn da lief hinter ihm sein Mörder, dicht hinter ihm.

Oder hatte der Mörder auf einer der Brücken gestanden und ganz einfach auf ihn gewartet? Dann hätten allerdings die Schusskanäle von oben nach unten verlaufen müssen. Aber das wurde nirgendwo erwähnt, weder in der Aachener Volkszeitung noch in der BILD. Die Aachener titelte: Bundestagsabgeordneter Driesch erschossen! Und in der BILD stand: Sechs Schüsse bis zum Tod!

Es war morgens um neun Uhr, es war sehr heiß. Hinter mir an der Mauer drehte sich der Wassersprenger, das Dorf war still. Mein kleiner Kater Satchmo lag auf meinem Bauch und schlief fest, seine beiden Erziehungsberechtigten Paul und Willi ruhten unter der Liege im dichten kühlen Gras. Zwei Meter von mir entfernt tummelten sich die Goldfische und Koikarpfen im Flachwasser des Teiches und hatten anscheinend einen Mordsspaß daran, sich schwanzschlagend seitwärts über eine schmale Zunge aus Moorerde treiben zu lassen, um dann durch einen nur zehn Zentimeter breiten Kanal zurück in das tiefere Wasser zu gelangen. Ich hatte noch nie darüber nachgedacht, ob Fische miteinander spielen und wie sie das machen. Jetzt wusste ich es, sie unternahmen einen Ausflug in den Sauerstoff.

Jakob Driesch, was trieb dich um vier Uhr früh in das kalte Wasser des Gebirgsflüsschens in dem wildromantischen Monschau? Warum hast du nicht in deinem warmen Bett in Schleiden neben deiner warmherzigen Frau gelegen?

Das Bild von Jakob Driesch nahm noch einmal in meinem Kopf Gestalt an: ein langer, hagerer Mensch mit einem Raubvogelgesicht, aus dem gütige Augen immer ein wenig staunend in die Welt blickten. Ein Mensch, der bedächtig war, schnellen Lösungen misstraute, ein Bauer, der gern wachsen sah, was er säte. Ein Mann, der mir einmal auf einem Spaziergang gesagt hatte: »Der Weg zum lieben Gott ist sehr weit. Meistens dauert er ein Leben lang und du hast keine Zeit mehr, das Ergebnis zu genießen.«

Etwa eins achtzig groß, grau gewordene, widerborstige Haare, ein von Wind und Wetter gegerbtes Gesicht, ungewöhnlich schmale und langgliedrige Hän-de – die Hände eines Pianisten. Ja, das Klavier war tatsächlich sein Hobby gewesen. Das Klavier und der frühe Beat aus New Orleans. Ich erinnerte mich an einen Sonntagnachmittag, als er unvermittelt aufgestanden war, sich auf den Hocker vor dem Instrument setzte, sich räusperte, gegen die Decke blickte und dann mit ›Basinstreet‹ losfegte, als handele es sich um ein Gebet.

Weshalb hatte ich ihn damals eigentlich besucht? – Ja, richtig, ich hatte mich für Windenergie interessiert, für diese faszinierenden Flügelräder auf den meist westwärts geneigten Hängen der Eifel, wo sie die Winde vom Atlantik her besonders gut auffangen. Jakob Driesch war ein leidenschaftlicher Verfechter dieser Art von Energiegewinnung gewesen. Er hatte mit vibrierendem Bass gedonnert: »Die Windräder sind keine Reklame für Mercedes, sie sind eine verdammt gute Möglichkeit, mit relativ kleinem Aufwand an Strom zu kommen. Aber diese Scheißmanager der großen Stromversorger haben was dagegen.« Eine seiner hübschen Töchter hatte daraufhin gemahnt: »Papa, du wirst ausfällig!«, und er hatte gegrinst: »Du hast recht, Mädchen, aber Gott ist mit mir, denn er schickt den Westwind!« Und seine Frau Anna hatte ihn liebevoll angeblickt und so ausgesehen, als wollte sie ihn erst umarmen und dann sofort mit ihm ins Bett. Eine bemerkenswerte Familie um einen bemerkenswerten Mann.

Politisch hatte Driesch die Christlichen vertreten. Er hatte einmal geäußert: »Ich bin altmodisch, ich verlasse mich immer wieder auf meinen Herrgott.« Er war allerdings, wenn ich das richtig beurteilte, immer ein Stachel im Fleisch dieser Christlichen gewesen. Er scheute sich nicht vor Aussagen wie: »Wer so dämlich ist, das Leben eines Homosexuellen als widernatürlich zu bezeichnen, darf sich nicht wundern, dass ihm nichts übrig bleibt, als zu onanieren.« Und er hatte unumwunden eine stille Liebe zu den Grünen gepflegt und auch dazu gestanden: »Ein chaotischer, liebevoller Haufen, der sich kindlich naiv darüber aufregt, dass andere schon gehandelt haben, während man selbst noch wild diskutiert.« Besonders zur Grünsten aller Grünen hatte er eine deutliche Zuneigung gefasst – Wilma Bruns aus Stadtkyll. Die Zuneigung war durchaus erwidert worden. Wilma hatte mir mal kichernd zugemurmelt: »Also, wenn er nicht so toll verheiratet wäre und ein bisschen weniger katholisch, würde ich ihm einen unsittlichen Antrag machen.« Oft hatte Driesch mit Wilma, dem neongrünen Herz der Eifel, vor seinem alten Bauernhof gesessen, und die geduldige Anna hatte endlos Kaffee und edle Schnäpse aus der Eifel aufgetischt.

Und nun war Jakob Driesch tot, ein toter Politiker. Ich ging in das Haus und holte mir das rot gestreifte Buch der Bundestagsabgeordneten aus dem Regal. Zweiundfünfzig Jahre war er alt geworden, nicht mehr als zweiundfünfzig Jahre. Mir fiel der Satz ein: Wen die Götter lieben, den holen sie früh zu sich. Die Götter waren im Fall des Jakob Driesch arg ungeduldig gewesen.

Aber wer hatte den Göttern geholfen und diesen Mann erschossen? Ein Irrer, ein Verrückter, ein Betrunkener?

Morgens um vier Uhr in Monschau, nur ein paar tausend Meter von der belgischen Grenze entfernt, in der Nacht von Sonntag auf Montag. Ob es noch stockdunkel gewesen war oder war der Himmel schon hell? – Mondkalender, wo war der Mondkalender?

Ich sah nach. Der Sonnenaufgang hatte an dem Tag erst etwa eine Stunde später stattgefunden. Also hatte es nur einen hellen Schimmer im Osten gegeben, der das Städtchen im engen Tal der Rur noch nicht erreicht haben konnte.

Ich hätte eigentlich dringend Wilma Bruns anrufen müssen. Wahrscheinlich hockte sie zu Hause und betrank sich weinend. Sie hatte einen Freund verloren, vielleicht mehr als das, vielleicht einen geliebten Partner.

Ich stopfte mir die helle Olivenholzpfeife, die mir Ute aus Malta mitgebracht hatte, und ging zurück in den Garten.

Die drei Kater hatten sich mittlerweile auf meiner Liege breit gemacht, lagen nebeneinander auf dem Rücken, hielten die Vorderpfoten artig geknickt vor dem Leib und schliefen so fest, dass sie nicht einmal blinzelten, als ich mich beschwerte. Ich nahm die Liege hoch und schüttelte die Kater herunter. »Das ist ja wohl die Höhe! Ich bin euer Ernährer, verhaltet euch gefälligst entsprechend.« Sie nahmen mich nicht ernst, krochen unter die Liege und setzten ihren Schlaf fort.

Klein-Fritzchen, der kleinste der Goldfische, der immer noch nicht länger als drei Zentimeter war, lag in einem Bett aus Grünalgen in fünf Zentimeter tiefem Wasser und schlief ebenfalls. Ich stupste ihn mit einem langen Grashalm. Widerwillig bewegte er sich zwei Zentimeter, um dann weiterzuträumen. Es war eben ein träger Tag und ich hoffte auf ein kühlendes Gewitter, das die Hitze ein wenig eindämmen würde.

Wer wohl für den Fall zuständig war? Die Kripo aus dem dreißig Kilometer entfernten Aachen wahrscheinlich. Und wahrscheinlich würden sich irgendwelche zuständigen und nicht zuständigen Geheimdienste um diesen brutalen Tod kümmern. Mit Sicherheit der tatsächlich zuständige Verfassungsschutz sowie der Militärische Abschirmdienst, weil Driesch mit der Bundeswehr zu tun gehabt hatte. Vermutlich auch der BND, weil man einen Bundestagsabgeordneten nicht erschießen kann, ohne diesen elitären Haufen aufzuscheuchen.

Die Zeitungsausschnitte, die mir Hubert vom Venn mit freundlichen Grüßen aus der Walachei gefaxt hatte und die mich so ins Grübeln gebracht hatten, stammten von Dienstag. Heute war Mittwoch, der Tod des Jakob Driesch war also drei Tage alt, und inzwischen gab es vermutlich von Aachen bis Trier, von Monschau bis Daun kein anderes Gesprächsthema mehr als dieses.

Ich holte mir den Trierischen Volksfreund, um nachzulesen, was die schrieben.

Viel Neues gab es nicht zu vermelden. Noch immer gab es nicht mal eine Ahnung, weshalb Driesch überhaupt in Monschau gewesen war. Seine Frau hatte ausgesagt, er habe entgegen seiner sonst üblichen peniblen Art nur erwähnt, er würde einige Bekannte treffen, sei aber nach einer Stunde wieder daheim. Das war am Sonntagabend gegen neunzehn Uhr gewesen. Sie habe keine Idee, wen ihr Mann getroffen haben könnte. Und ihr sei nicht das Geringste an ihm aufgefallen, er sei gewesen, wie er immer war: gut gelaunt und begierig darauf, sein neues Büro in Berlin beziehen zu können. Nein, es sei ihr unvorstellbar, dass irgendein Mensch hingehen konnte und ihren Mann mit sechs Kugeln aus einer 44er-Winchester erschoss. Sie kenne auch niemanden, der ein solches Gewehr besitzen würde, und ihr Mann habe trotz seiner Kontakte zur Bundeswehr bekanntlich nie und nimmer eine Waffe in die Hand genommen.

Dann stand dort noch etwas: Inzwischen ist klar, dass der Mörder alle Schüsse aus einer Entfernung von zwölf bis zwanzig Metern auf den durch das Wasser rennenden Bundestagsabgeordneten abgegeben hat. Und es gilt in Kreisen der Sonderkommission als sicher, dass der Mörder seinem Opfer in der Rur folgte und nicht etwa auf einer der beiden Brücken...


Jacques Berndorf - Pseudonym des Journalisten Michael Preute - wurde 1936 in Duisburg geboren und lebt heute in der Eifel. Er war viele Jahre als Journalist tätig, arbeitete unter anderem für den "stern" und den "Spiegel", bis er sich ganz dem Krimischreiben widmete.

Seine Siggi-Baumeister-Geschichten haben Kultstatus, im Grafit Verlag sind erschienen: Eifel-Blues, Eifel-Gold, Eifel-Filz, Eifel-Schnee, Eifel-Feuer, Eifel-Rallye, Eifel-Jagd, Eifel-Sturm, Eifel-Müll, Eifel-Wasser, Eifel-Liebe, Eifel-Träume und Eifel-Kreuz.

Außerdem lieferbar: Die Raffkes und Der Kurier (beides Politthriller).



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