E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Berlin Verzeihen Sie mir, Dr. Monroe!
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0596-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0596-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Schwerer Unfall auf der Autobahn, viele Verletzte.' Alarmiert eilt Chefärztin Dasha zum OP. Auf keinen Fall darf sie sich von dem attraktiven Mann neben sich ablenken lassen: dem brillanten Chirurgen Preston Monroe - ihr Ex, der immer noch glaubt, dass sie ihn damals betrogen hat!
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Wie konnte man nur so viel Angst vor einer Situation haben, die man selbst herbeigeführt hatte?
Dr. Dasha Hardin stand am Fenster ihres provisorischen Dienstzimmers und blickte auf den Parkplatz, auf dem Dr. Preston Monroe vermutlich seinen Wagen parken würde. So gut es ging, versuchte Dasha den großen Klumpen zu ignorieren, der ihr schwer wie Blei im Magen lag. Sie hatte keine Ahnung, was auf sie zukommen würde. Wenn Preston es darauf anlegte, ihre Karriere genauso zu sabotieren, wie er es bei seiner eigenen getan hatte, konnte sie auch gleich ihre Koffer packen. Dieser Mann war einfach nicht in der Lage, seine Zunge im Zaum zu halten. Und wenn er erzählte, was er aus ihrer Vergangenheit wusste …
Entschlossen wandte sie sich vom Fenster ab und fing an, ihren ohnehin schon tadellosen Schreibtisch aufzuräumen. Falls Preston herausgefunden hatte, dass das Gespräch heute Morgen mit ihr stattfinden sollte, weil Dasha die stellvertretende Leiterin der Chirurgie war, dann würde er vielleicht gar nicht erst auftauchen. Netter Gedanke.
Allerdings nur kurz.
Wenn er jetzt kam, war das sicher die bessere Variante. Ansonsten musste sie ihn suchen gehen. Sie wollte diese Sache in Ordnung bringen, das hatte sie Marjorie versprochen.
Wieder am Fenster, löste Dasha die krampfhaft verschränkten Arme. Was sie jetzt brauchte, waren Ruhe und Selbstbeherrschung. Sobald er kam, musste sie sich höflich und professionell verhalten, was ihr mit diesem Gefühlsaufruhr in ihrem Innern wohl kaum gelingen würde.
Dies war ihr Krankenhaus, wo sie von allen geliebt und respektiert wurde. Doch wenn Preston ihnen verriet, was sie ihm angetan hatte, konnte sich das durchaus ändern.
Nach einem leichten Klopfen öffnete sich die Tür.
Dasha sah sein Spiegelbild in der Fensterscheibe, doch es dauerte ein paar Sekunden, ehe sie sich umdrehte.
Egal, wie sehr sie sich bemühte, ruhig zu bleiben, ihr Herz hämmerte trotzdem wie verrückt. Sie betrachtete ihn. In den vergangenen fünf Jahren war er erwachsener geworden, und in seinen Zügen war nichts Jungenhaftes mehr zu erkennen. Preston besaß das Gesicht eines Mannes. Unglaublich attraktiv. Ein markantes Kinn, ein dunkler Bartschatten auf den glatt rasierten Wangen.
Als er Dasha erblickte, zuckte er nicht einmal mit der Wimper. Doch die hellblauen Augen, die sie immer in ihren Bann gezogen hatten, wirkten müde. Und kalt. Aber genauso umwerfend wie damals. Obwohl er sie mit seinem Blick durchbohrte, schien er zumindest nicht verärgert zu sein.
„Dasha.“ Die Lippen aufeinandergepresst, zog er die dunklen Brauen zusammen. „Ich hatte gehofft, dir erst mal aus dem Weg gehen zu können. Aber dann bringen wir es eben gleich hinter uns.“
Musste sie etwa jeden Moment mit einer Explosion rechnen?
Preston war ein hervorragender Chirurg, aber extrem launisch. Seine Stimmungen waren schon immer Glückssache gewesen, auch als Dasha sich noch nicht selbst zur Zielscheibe gemacht hatte.
„Dein Gespräch findet mit mir statt“, erklärte Dasha. „Unser Chefarzt nimmt gerade eine Auszeit. Ich bin die stellvertretende leitende Ärztin.“
„Dieses kleine Detail hat mir die Dame in der Personalabteilung vorenthalten.“ Ohne Eile schloss er die Tür. Sofort schien er den gesamten Raum einzunehmen.
„Ich dachte, du würdest sonst nicht kommen. Mach es ihr nicht zum Vorwurf, es war meine Schuld.“ Dasha fuhr sich über die trockenen Lippen.
„Bin ich auf deine Empfehlung hier?“
Eines seiner Augen zuckte, und seine verschränkten Arme waren ein deutlicher Hinweis auf seine Haltung ihr gegenüber. Er hatte ihr also nicht verziehen, aber damit hatte Dasha auch nicht gerechnet.
„Dr. Saunders hat dich dem Vorstand empfohlen“, erwiderte sie. Auf ihre Bitte hin, doch das erwähnte sie lieber nicht. „Allerdings tat er es von zu Hause aus. Seine Frau ist krank.“
„Wann kommt er zurück?“ Preston ließ die Arme sinken.
„Ich denke, das wird ein paar Monate dauern.“ Sie atmete tief durch. „Marjorie liegt im Sterben, und er will sie nicht allein lassen. Aber er erwartet deinen Anruf, falls du lieber erst nach seiner Rückkehr ans St. Vincent Hospital kommen möchtest.“
„Das heißt, ich arbeite mit dir zusammen, wenn ich bleibe?“
Er hielt ihren Blick fest, und Dasha musste sich zwingen, nicht wegzuschauen. „Ja.“ Nach der Arbeit brauchte sie garantiert dringend eine große Schüssel Eiscreme und vielleicht auch einen starken Drink.
Preston schwieg.
Dasha trommelte mit den Fingern auf ihr Bein und wartete. Schweigen lag ihr zwar nicht besonders, aber je länger Preston es aushielt, ohne sie verbal anzugreifen, desto besser.
Im Grunde besaß er ein gutes Herz, auch wenn er etwas zum Egoismus neigte. Früher war Dasha genauso gewesen. Mittlerweile hatte sie sehr an ihren sozialen Fähigkeiten gearbeitet und ihre Frustrationstoleranz erhöht.
„Wenn du lieber warten willst, bis Dr. Saunders zurückkommt, kannst du mit ihm direkt an seinen Fällen arbeiten“, fuhr sie schließlich fort. „Aber der Vorstand möchte, dass du in deiner Probezeit mit einem der Chirurgen im Haus zusammenarbeitest, bevor du alle Sonderrechte erhältst.“
„Probezeit?“, wiederholte er mit leicht erhobener Stimme.
Mit Grenzen hatte Preston noch nie gut umgehen können. Er packte Hindernisse immer direkt an. Das war eine der Eigenschaften, die Dasha während des Studiums an ihm so anziehend gefunden hatte. So hatte es angefangen. Manchmal fragte sie sich, ob sie ohne die ständige Konkurrenz mit ihm das Studium und die Assistenzzeit überhaupt durchgestanden hätte. Selbst als sie bereits eine Beziehung miteinander führten, war diese Rivalität zwischen ihnen noch da gewesen.
Prestons Art, sie zu unterstützen, hatte meistens darin bestanden, dass er sie so lange stichelte, bis sie den Ehrgeiz entwickelte, dieselben guten Leistungen zu erbringen wie er. Sie wollte unbedingt beweisen, dass sie genauso gut war wie alle anderen auch. Dass sie die Herausforderung wert war, seine Freundschaft wert war.
Dasha holte tief Luft. Sie durfte nicht in die Vergangenheit abschweifen, sondern musste beim Thema bleiben. „Das hat nichts mit deinen chirurgischen Fähigkeiten zu tun. Du kannst hervorragend mit einem Skalpell umgehen, das würde niemand bestreiten. Aber dein Umgang mit anderen Menschen ist eine Katastrophe.“
„Ich habe noch nie einen Freund hintergangen“, antwortete er gedehnt. „Also, was uns beide betrifft, denke ich, dass meine Umgangsformen die besseren sind.“
Dieses Gespräch einfach nur auf einer sachlichen und liebenswürdigen Ebene zu halten, schien leider nicht zu funktionieren. Dennoch versuchte sie es weiter. „Mag sein, aber du hast den Ruf, schwierig zu sein. Das ist dir ja sicher bekannt.“
„Nein, ist es nicht. Erklär’s mir, Dasha. Bin ich schwierig?“ Jetzt war ihm der Ärger anzusehen.
Und diese Augen. Eisblau, ja. Doch Dasha hätte schwören können, dass winzige Flammen in seinen Pupillen tanzten. „Ich bemühe mich darum, es taktvoll auszudrücken, Preston.“
„Ja, das merke ich. Eines der Dinge, die ich an dir immer geschätzt habe, war deine direkte Art. Also spuck es schon aus.“
„Schön. Jeder erwartet von dir, dass du ein Ekel bist.“ Sie vergrub die Hände in den Taschen. Die neue Dasha tat das eigentlich nicht mehr, weil sich das für einen kultivierten Menschen nicht gehörte. Es war eine alte Angewohnheit der alten Dasha.
Schnell zog sie die Hände wieder heraus und ließ die Arme sinken. „Im St. Vincent gibt es ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Dem Vorstand gefällt das, und die jeweiligen Abteilungsleiter achten darauf, dass alle Kollegen gut miteinander auskommen. Ob Pflegepersonal, Verwaltung oder Ärzte, wir sind alle Menschen. Und egal, worum es geht, Konflikte müssen immer auf zivilisierte Weise gelöst werden.“
Sie holte tief Luft. „Der Vorstand will positive Berichte über gutes Benehmen“, fuhr sie fort. „Das heißt, du kannst nicht einfach sagen, was du denkst. Andere Leute dürfen das, aber sie haben keine so scharfe Zunge wie du. Du darfst keine Streitereien anzetteln. Und wenn du es wirklich schaffst, dich mit niemandem anzulegen, dann könntest du vielleicht auch noch ein paar Wunder vollbringen, damit der Vorstand bereit ist, das Risiko mit dir einzugehen.“
„Und wieso bist du dazu bereit?“ Preston ließ sie keinen Moment aus den Augen.
„Dr. Saunders und ich sind beide …“
„Das habe ich nicht gefragt“, unterbrach er sie. „Ich verstehe, warum er bereit dazu ist. Aber warum du? Was bringt dir das?“
Weniger Schuldgefühle?
Das Wissen, dass sie einen schrecklichen Fehler wiedergutgemacht hatte? Oder sich zumindest darum bemühte?
Dasha beschloss, aufrichtig zu sein. „Ich bin dir was schuldig.“
Seine Augen wurden schmal, doch er sagte nichts.
„Außerdem bist du ein ausgezeichneter Chirurg, Preston“, fügte sie daher hinzu. „Du wärst eine Bereicherung für St. Vincent.“
Schweigend veränderte er seine Haltung und schien nachzudenken.
Dasha senkte den Blick, wurde dabei aber sofort von seinem Körperbau abgelenkt. Schlank und breitschultrig, passte ihm der blaue OP-Anzug wie angegossen. Obwohl Dasha OP-Kleidung noch nie besonders schmeichelhaft gefunden hatte, besaß diese trotzdem etwas sehr Neutrales, dadurch dass jeder formlose, weite Anzüge tragen musste, die den meisten nicht allzu gut standen.
Bis auf Preston.
...



