E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Berlin Ein Doc mit gewissen Vorzügen
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1967-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-1967-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dr. Dante Valentino hat zwar der Liebe abgeschworen, trotzdem gehört eine eigene Familie für ihn zum Leben dazu. Da kommt ihm Schwester Lises Kinderwunsch gerade recht. Kaum hat er sie jedoch zu einer Scheinehe inklusive heißem Sex überredet, erwachen ungeahnte Gefühle ...
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2. KAPITEL
Fehler?
Großer Fehler!
Lise trat so hastig zurück, dass sich Dantes Arme von ihrer Taille lösten.
„Entschuldige.“ Dann erinnerte sie sich an ihren Lippenstift, starrte auf seinen Mund und hob dann die Hand, um den Abdruck so gut wie möglich abzuwischen. „Das war nicht richtig von mir. Ich meine, vor fünf Minuten haben wir uns noch gestritten.“
Jemandem Lippenstift vom Mund zu wischen, war beinahe so intim wie ein Kuss.
Schnell zog sie ihre Hand zurück. „Wirklich, es tut mir leid. Ich werde jetzt …“
Vor Peinlichkeit sterben.
Stumm deutete sie auf ihren Tisch. Eine Drehung, dann eilte sie davon.
„Stopp! Warum bist du so schreckhaft?“ Mit zwei Schritten hatte er sie eingeholt, schlang erneut einen Arm um ihre Taille und nahm die Hand, die er zuerst zu fassen bekam. „Du musst dich für nichts entschuldigen.“
„Aber du hast den Kuss nicht erwidert.“
„Weil ich von der Bühne ein Zeichen bekommen habe. Ich würde nichts lieber tun, als weiter mit dir zu tanzen und dir diese Schreckhaftigkeit wegzuküssen. Wenn du dich entschuldigen willst, dann nur für deine Treffsicherheit.“
Er begleitete sie zu ihrem Tisch und setzte sie auf einen Stuhl, den er für sie zurechtschob. Aber als sie dachte, er würde gehen, griff er in ihre Haare. Hitze und Verlangen breiteten sich in ihrer Brust aus. Er bog ihren Kopf zurück, bis sie direkt zu ihm aufsah. Das alles geschah so schnell, so unerwartet, dass sie sprachlos war. Sie konnte ihn nur anstarren. Spürte, wie ihr Puls raste und noch schneller wurde, als sie seinen Gesichtsausdruck musterte.
Die Spannung ließ sie erschauern.
Schnell und deutlich zielgenauer als sie beugte er sich über sie und küsste sie.
So war Lise noch nie geküsst worden. So hungrig. So … schockierend. Seine Zunge tauchte in ihren Mund, drängte sie dazu zu reagieren.
Als ob sie in dieser Position auf die Idee gekommen wäre, sich von ihm zu lösen – seine freie Hand umfasste ihren Hals, seine Finger streichelten sie, ohne Druck auszuüben, fühlten sich aber trotzdem wie Feuer auf ihrer Haut an. Es erregte sie, und Dantes unverschämte Sinnlichkeit raubte ihr den Atem. Sein Geschmack, ein Mix aus den Mojitos, die sie getrunken hatten, und etwas anderem, Aufregenderem berauschte sie stärker, als Alkohol es gekonnt hätte, und sie verlor in seinem Kuss jegliches Zeitgefühl. Unwillkürlich bewegten sich ihre Hände langsam nach oben, sehnsüchtig und suchend.
Als jemand in der Nähe anerkennend johlte, beendete Dante den Kuss, hob seinen Kopf gerade so weit, dass sie sich ansehen konnten. Seine dunkelbraunen Augen schienen ihr so viel zu versprechen, und sie konnte den Blick nicht abwenden, selbst wenn sie es gewollt hätte.
„Bleib für den nächsten Auftritt, aber tanz mit keinem anderen, wenn du nicht willst, dass ich von der Bühne springe und dich daran erinnere, warum du auf mich wartest.“
Stumm und atemlos konnte sie nur nicken.
Er küsste sie erneut, ein weicher, kurzer Kuss, als wollte er das Versprechen besiegeln, dann gab er ihren Kopf frei und ging zur Bühne.
Oh, sie war dabei, einen Fehler zu machen. Einen großen Fehler.
Und er wäre es wert.
Dante zog sich auf die Bühne hoch, so musste er sich nicht an den anderen Musikern vorbeischlängeln, um zu seinem Klavier zu kommen. Kaum saß er, da erklangen auch schon die ersten Töne des nächsten Liedes.
Zum Glück war es ein schnelles Stück. Sein einziges Ventil waren jetzt seine Hände, und die konnten sich nur mit der Musik bewegen; nicht schnell genug, um der Energie gerecht zu werden, die in ihm pulsierte.
Zum ersten Mal gelangte er beim Spielen nicht an diesen friedlichen Ort, wo er sich wie zwischen den Welten fühlte. Seine Gedanken waren nicht leer, sondern erfüllt von Lise. Er konnte sich nicht erinnern, wann ihn zum letzten Mal jemand so gereizt hatte.
Bei ihrem Anblick hatte vorhin sein ganzer Körper angefangen zu summen, Druck baute sich auf und schaffte ein Bewusstsein, das er als übernatürlich bezeichnet hätte, wäre er kein rationaler Chirurg gewesen. Er hatte sofort gewusst, dass da jemand im Club war, der es wert war, gesehen zu werden.
Aber sein Interesse – obwohl echt und rein sexueller Natur – wurde aus der Bahn geworfen, als ihm etwas an ihr vertraut vorkam. Er war alle Möglichkeiten durchgegangen.
Hatte er mit ihr geschlafen? Nein. Diesen Körper hätte er unmöglich vergessen können.
War sie schon öfter hier im Club gewesen? Nein. Er besaß den Club erst seit fünf Jahren, da wäre sie ihm mit Sicherheit aufgefallen. Und er hätte sich ihre Nummer besorgt.
Krankenhaus? Familienangehörige eines Patienten? Personal?
Siedend heiß fiel es ihm ein.
Bradshaw. Die OP-Schwester von heute Morgen. Er hatte sie vor nicht einmal zehn Stunden gesehen und würde ihr am Montagmorgen wieder gegenüberstehen. Würde sie in grauer OP-Kleidung, ohne das sexy Make-up und die teuflisch roten Lippen, auch diese magnetische Anziehung auf ihn ausüben?
Nicht, wenn sie heute Abend mit ihm nach Hause ging – und so, wie sie errötet war und ihn angelächelt hatte, würde sie das. Aber während der Arbeit könnte es kompliziert werden.
Ein Stück endete, und das nächste begann, aber seine Gedanken konnte er nicht so einfach wechseln, wie er den Takt wechselte. Er wollte sie, und das war Grund genug, um sich etwas Feierabendspaß zu gönnen.
Ihr Augenrollen, als sie von Ehe gesprochen hatte, sagte ihm, dass sie eine Nacht nicht überbewerten würde. Das half, machte es einfach. Warum grübelte er dann noch?
Gegen das Scheinwerferlicht konnte er weder sie noch ihren Tisch ausmachen, und er wollte sie sehen. Als das Lied endete, nahm er sich vom Bühnenrand ein Funkgerät und wandte sich ab. Leise gab er Max, dem Manager des Inferno, die Anweisung, das Licht bis auf die Spotlights zu dimmen.
Endlich konnte er sie sehen.
Noch immer saß sie am Tisch, starrte auf ihr Telefon, ein winziges, zufriedenes Lächeln spielte um ihren jetzt nackten Mund.
Jefferson hatte auf das Foto reagiert.
Gut. Genau wie Dante erwartet hatte. Eine kleine Manipulation des Mannes, der die Frau gedemütigt hatte, die heute Abend mit ihm nach Hause kommen würde. Es fühlte sich wie Gerechtigkeit an, auch wenn er kaum noch zwischen Gerechtigkeit und Rache unterscheiden konnte.
Dann setzte im nächsten Stück das Klavier ein, und endlich überließ er sich ganz der Musik. Noch fünfundvierzig Minuten, eine halbe Stunde Pause und noch ein langer Auftritt, bevor er tun konnte, was er wirklich wollte: Lise mit nach Hause nehmen und sie aus diesem Kleid schälen.
Während Dante spielte, verließ Lise langsam der Mut. Eine Nacht könnte atemberaubend sein oder zu lebensplanverändernden Komplikationen führen.
So sehr sie sich auch wünschte, dass er von der Bühne sprang, ihren Kopf umfasste und sie noch einmal besinnungslos küsste, was würde das für ihre Arbeitsbeziehung bedeuten? Hatte der Kuss sie bereits verändert? Konnte sie ihn noch ansehen, ohne sich vorzustellen, wie sich seine Hände in ihren Haaren und auf ihrem nackten Hals anfühlten?
Sie liebte ihre Arbeit. Mit dem Geld, das sie damit verdiente, konnte sie sich im teuren Miami ein kleines Cottage leisten. Und Geld war der erste Punkt auf ihrer Liste gewesen, was eine verantwortungsbewusste Frau haben sollte, bevor sie ein Kind bekam.
Einen Kuss konnte man vergessen.
Eine Nacht mit Dante … war ihre Zukunftspläne nicht wert.
Allein die Vorstellung, ihr noch nicht empfangenes Kind zu verlieren, riss sie aus ihren lustvollen Fantasien.
Denk an deinen Traum.
Allein ein Verschieben des Zeitplanes war inakzeptabel oder würde es sein, sobald sie den besten Spender ausgewählt und eine Art Konzept ausgearbeitet hatte.
Wer wusste schon, wie viele Versuche es brauchte, um schwanger zu werden, sobald sie den Einen aus ihrer Datenbank herausgefiltert hatte?
Während sie sich gut zuredete, vibrierte ihr Telefon erneut – eine weitere Nachricht von Jefferson, diesmal mit einer geschätzten Ankunftszeit.
Dante warf die Tür zu seinem Büro hinter sich zu.
Lise hatte nicht gewartet. Und dabei war er so sicher gewesen, dass sie es tun würde. Und was noch schlimmer war, obwohl er vorhin mit ihrem Telefon gespielt hatte, ihre Nummer hatte er nicht bekommen.
Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal jemanden so falsch eingeschätzt hatte. Er hatte ihr genau das gegeben, was sie wollte, und trotzdem war sie gegangen.
Warum? Weil Jefferson sich entschlossen hatte, vor ihr zu Kreuze zu kriechen? Er hätte die Bänder der Überwachungskameras überprüfen können, doch eigentlich war es egal. Ihre Entscheidung. Er war nur wütend darüber, praktisch von einer Frau sitzen gelassen worden zu sein, die ihn eigentlich wollte.
Das Telefon in seiner Tasche vibrierte und störte seinen liebsten Zeitvertreib – andere zu analysieren. Er zog es heraus, bevor er sich auf das Ledersofa fallen ließ, auf dem er zwischen den Auftritten manchmal ein Nickerchen hielt.
Eine Regel beherrschte seine Zeit im Club: Der Rückzugsort war heilig! Bring die Außenwelt nicht herein, trag nichts nach außen. Lises Auftauchen heute Abend hatte diese Regel komplett über den Haufen geworden.
Er sah auf den Bildschirm und las eine Nachricht von der...




