Berger | Die heimliche Päpstin | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 515 Seiten

Berger Die heimliche Päpstin

Historischer Roman | Ein opulenter Historienroman für alle Fans des Weltbestsellers »Die Päpstin«
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-818-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Historischer Roman | Ein opulenter Historienroman für alle Fans des Weltbestsellers »Die Päpstin«

E-Book, Deutsch, 515 Seiten

ISBN: 978-3-98690-818-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Sie will zur Herrscherin Roms werden ... Der prachtvolle Historienroman »Die heimliche Päpstin« von Frederik Berger als eBook bei dotbooks. Die Ewige Stadt im 10. Jahrhundert - die Zeit der »Hurenherrschaft«, in der Frauen die Geschicke der Christenheit lenkten: Ihr Leben lang hat Marozia im Schatten ihrer skrupellosen Mutter gestanden, die als Geliebte des Papstes zur mächtigsten Frau Roms aufgestiegen ist. Nun aber fällt der Blick des Papstes auf sie - und die schöne Adlige ist nicht bereit, einfach nur eine seiner zahlreichen Gespielinnen zu werden. Stattdessen schmiedet sie einen tollkühnen Plan: Eines Tages wird ihr Sohn den Heiligen Stuhl besteigen ... und sie die heimliche Päpstin sein! Doch welchen Preis ist sie bereit zu zahlen, um zu höchster Macht aufzusteigen? Ein unglaubliches und dennoch historisch verbürgtes Schicksal - und ein dramatisches Leben, dass die Legende der Päpstin Johanna maßgeblich beeinflusst hat: »Ein farbiges Sittengemälde«, urteilen die Badischen Neuesten Nachrichten. Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der opulente historische Roman »Die heimliche Päpstin« von Frederik Berger wird alle Fans der Bestseller von Donna W. Cross und Ken Follett begeistern! Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Frederik Berger (geboren 1945 in Bad Hersfeld) studierte Literatur- und Sozialwissenschaften und lebte einige Zeit im englischen Cambridge und in der Provence. Er arbeitete als Literaturwissenschaftler und Journalist, bevor er hauptberuflich Schriftsteller wurde. Neben Gegenwartsromanen, Sachbüchern und zahlreichen Aufsätzen verfasste er verschiedene historische Romane über den Glanz und die Schatten europäischer Adelsfamilien. Frederik Berger reist viel und ist begeisterter Fotograf. Er lebt mit seiner Frau in Schondorf am Ammersee. Die Website der des Autors: frederikberger.de Der Autor auf Instagram: instagram.com/fritzgesing/ Bei dotbooks veröffentlichte der Autor seine historische Romantrilogie »Das Siegel der Farnese« mit den Bänden »Die Geliebte des Papstes«, »Die Tochter des Papstes« und »Die Kurtisane des Papstes«. Außerdem erschienen seine opulenten historischen Romane »Die heimliche Päpstin«, »Die Provençalin«, »Der Gang nach Canossa«, »Die Schwestern der Venus«, »Die Madonna von Forlì« und »Der Botschafter des Kaisers«.
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Kapitel 3


Seit Tagen sitzen wir nun in unserem Verlies. Marozia schwankt zwischen zornigen Ausbrüchen, düsterer Mutlosigkeit und beschwörendem Beten.

Immerhin sind wir versorgt mit Kerzen und frischem Wasser, Brot, Wein und Öl sowie einem Eimer, der regelmäßig geleert wird.

Und einem Stapel Pergament!

Alberico war nicht mehr erschienen, doch gelang es mir, ihm über einen der Wärter eine Bitte zu übermitteln: Ich wünschte mir eine Möglichkeit zu schreiben, um die stumpfsinnigen Stunden der freiwilligen Kerkerhaft leichter ausfüllen und ertragen zu können. Und tatsächlich, mir wurde mein Wunsch erfüllt!

Nun habe ich die ersten Blätter beschrieben und fühle mich gefaßter.

Soll ich etwa hadern, stöhnen und weinen? Nein, ich habe ganz andere Zeiten voll Schmerzen und Schmach, Erniedrigung und Todesnähe ertragen müssen. Das geschriebene Wort hilft, den Schrecken zu bannen, es dämpft die Aufwallungen des Herzens, es gibt der Seele die Ruhe, deren sie in stürmischen Zeiten bedarf.

Marozia ist in ein undurchdringliches Schweigen gefallen. Ich suche ihren Blick, doch sie hat eine abweisende Maske aufgesetzt. In der beklemmenden Stille wachsen ihr Atem, das Kratzen der Feder und das Knistern der Fackeln zu bedrohlichen Geräuschen. Die Worte, die eine Weile willig flossen, stellen sich nur noch mühsam ein ...

Melden sich Zweifel an meiner Entscheidung? Helfe ich Marozia wirklich, wenn ich bei ihr bleibe? Kann ich nicht, ohne Fesseln, besänftigend auf Alberico einwirken und mit unserem Giovanni sprechen, dem Papst ...?

Die Verlockungen der Freiheit sind wie fruchtbare Tiere: Sie vermehren sich rasch. Schon sage ich mir: Du bist nicht als Sklavin geboren. Hast du nicht lange genug gelitten, ohne zu klagen? Hast du nicht sogar das dir zugeteilte Los angenommen? Der Allmächtige reicht dir die Hand zur Freiheit, weise sie nicht hochmütig zurück! Alberico wird seine Mutter nicht lange in Gefangenschaft halten, auch sie wird bald wieder unter der Sonne Roms lustwandeln.

Am meisten lockt mich eine Hoffnung, die Marozia bereits andeutete: In Kürze wird eine Gesandtschaft aus Konstantinopel eintreffen, die eine Antwort bringt auf Marozias Angebot, ihre jüngste Tochter Berta dem zukünftigen Kaiser von Byzanz als Gemahlin zu geben. Könnte es nicht sein, daß mein Sohn Alexandros diese Gesandtschaft begleitet? Würde es nicht ihm – und mir – das Herz brechen, erführe er von unserem Schicksal und könnte nichts tun, als unverrichteter Dinge in seine Heimat zurückzukehren?

Die Kerzen flackern, die lähmende Kälte unseres Kerkers kriecht in meinen Körper wie ein Gift, das sich meiner bemächtigen möchte. Es gibt nur ein Gegenmittel: Ich muß meinen Blick zurückschweifen lassen in ferne Zeiten, muß mich wappnen und wärmen durch die Erinnerung an Tage des Glücks. Sie spenden uns Trost wie der thebaische Mohn, sie helfen, das undurchschaubare Schicksal hinzunehmen, die Ratschlüsse des Allmächtigen, die häufig ungerecht erscheinen, wie selbst Hiob, der Gerechte, erfahren mußte. Ich lasse die Tage des Verlusts und der Versklavung im tiefen Schatten meines Gedächtnisses, richte das Licht des Gedenkens auf die Wunder der Rettung und das Glück der Mutterschaft: Zweiundvierzig bewegende Jahre ist es nun her, daß kurz nacheinander mein eigener Sohn Alexandros und Marozia, mein Milchkind, zur Welt kamen.

Da ruhten sie in meinen Armen und tranken, die Augen selig geschlossen. Meine kleine Marozia, von mir häufig Mariuccia genannt, legte ihr Händchen auf meine Brust, streckte und beugte die Finger, als wolle sie mich kraulen. Später, als kleines Kind, strahlte sie, wenn ich sie anlächelte und hochnahm, und nicht nur mich begrüßte sie mit diesem Strahlen, auch ihre Eltern, die Kammermädchen, Diener und Wachen, sogar die Besucher des Hauses. Sie tollte mit den Hunden, streichelte die Katzen und sang mit den Vögeln. Nie scheute sie sich vor einer Berührung und genoß die Bewunderung all der Menschen, denen sie begegnete – ein dunkellockiges Engelwesen, das mit seinem lächelnden Liebreiz bereits als Kind Hof zu halten wußte. Als junge Frau verzauberte sie jeden, der in ihre Nähe trat, am meisten Alexandros, er sank vor ihr auf die Knie, und in federnder Anmut bewegte sich ihr Körper wie im Tanz.

Als ihre Amme, Kinderfrau und Lehrerin durfte ich Marozia nur selten verlassen, blieb ihre Vertraute und Beraterin in allen Lebenslagen, und gleichwohl stellt sie für mich bis heute ein Rätsel dar – das Rätsel der Sphinx? Die Liebe ist kein Instrument der Erkenntnis; vielleicht hat sie mich verblendet. Hätte ich Marozia nicht oft genug verurteilen müssen? Und doch ist sie Teil meines Herzens – nie werde ich aufhören, sie zu lieben, was immer auch geschieht.

Wer Marozia angeschaut mit Augen, ist der Sehnsucht schon anheimgegeben, dichtete einst Alexandros, wen der Pfeil der Schönen je getroffen, ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe – welch prophetische Worte!

Nein, ich werde sie nie verurteilen.

Neigen wir nicht ohnehin dazu, der Schönheit, gepaart mit Liebreiz, alles zu verzeihen? Erschreckt sie uns nicht zugleich, weil wir befürchten, daß ein Gott sich rächen wird mit Aussatz und Verfall? Bereits die griechischen Götter waren neidische Wesen; der christliche Gott übertrifft sie noch an herrischer Eifersucht. Gelegentlich denke ich, so wie Marozia sah Lilith aus, Adams erstes Weib, das Zauberwesen, das in die Hölle gestürzt wurde, um als Nachtgespenst, als Todesengel wieder aufzuerstehen.

Während ich schrieb, hatte sich Marozia erhoben, war vor der Wand stehengeblieben und zog mit einem Finger langsam eine Linie durch den Schimmel, der auf den schweren Quadern blühte. Schließlich wandte sie sich mit einem Ausdruck tiefen Bedauerns von der Kerkerwand ab und suchte meinen Blick.

»Weißt du, an wen ich denken muß?« fragte sie und wartete auf keine Antwort: »An deinen Alexandros, meinen Geliebten –«

Hatten sich meine Gedanken auf sie übertragen? Hatte sie einen Blick auf das Pergament geworfen und seinen Namen entziffert, obwohl sie Griechisch kaum lesen kann?

»Er hätte mich bis zum letzten Atemzug verteidigt. Wäre er in Rom geblieben ...«

»... hättest du ihn wahrscheinlich längst geheiratet, ich weiß«, fiel ich ihr ins Wort, selbst erschrocken über meinen barschen Ton.

Marozia blickte mich erstaunt an. »Ich hätte vor allem nicht Albericos Vater geheiratet.« Als wäre ihr eine Erkenntnis gekommen, unterbrach sie sich und schaute auf ihre Hände. »Ich habe in dem Sohn tatsächlich zu sehr den Vater gesehen. Er sah ihm ja auch so ähnlich: diese Löwenmähne und dann die beiden Grübchen auf den Wangen ... Wäre Alexandros nicht spurlos verschwunden, hätten wir seine Söhne aufziehen können, und alles wäre gut geworden.«

Ich starrte in eine Kerze, schwieg. Sie belog sich selbst; sie weiß genau, daß ihre Mutter Theodora eine Vermählung mit dem Sohn einer Sklavin nicht zugelassen hätte. Alles, was ihre Mutter tat, sollte Macht und Einfluß der Familie vergrößern – was bedeutete da schon die Liebe von Kindern!

»Ein Meer von Tränen haben wir um Alexandros vergossen«, fuhr Marozia nachdenklich fort, »aber keine Träne hat die Trauer um ihn gelindert. Ich mußte mich ablenken, wollte ihn vergessen und mein Heil anderswo suchen – und dennoch verging kaum eine Nacht, in der ich nicht von ihm träumte ... Weißt du das eigentlich?«

Nein, ich wußte es nicht und erwiderte nichts auf ihre Frage.

»Er streckt mir seinen Arm entgegen; wenn ich ihn ergreifen will, verwandelt sich sein Gesicht in eine abstoßende Fratze, und eine unsichtbare Macht zieht mich zurück. Kannst du mir sagen, warum er sich plötzlich verändert, welche Kraft mich daran hindert, seine Hand zu ergreifen, mich an seine Brust zu werfen und sein wahres Gesicht zu ertasten?«

Sie hielt inne und zog einen zweiten Strich durch den Schimmel, betrachtete dann ihren verschmierten Finger. »Warum ist er nicht längst nach Rom zurückgekehrt? Meine Mutter hat er doch seit Jahren nicht mehr zu fürchten. Nie werde ich ihr verzeihen, daß sie ihn davongejagt hat, als ich ihn am meisten brauchte.«

Sie schaute noch immer auf ihren Finger, rührte sich nicht, als wäre sie zu einer Salzsäule erstarrt. »Oder glaubst du, daß er tot ist?«

Ohne zu antworten, erhob ich mich und legte ihr tröstend den Arm auf die Schultern. Auf diese Weise tröstete ich mich auch selbst, denn Alexandros verbindet uns in Sehnsucht und Schmerz – und könnte uns trennen wie nichts anderes auf der Welt.

Beide standen wir am Eingang des tiefen Gangs, der in die Katakomben der Vergangenheit führt, und suchten zugleich das Licht am Ende des Labyrinths.

Bis heute verberge ich die Wahrheit in der dunkelsten Kammer meiner Seele: Vor langer Zeit mußte ich Alexandros wegschicken, bevor ein Dolch ihn traf. Nicht Theodora hat ihn verjagt, wie Marozia glaubt: Ich habe ihm die Flucht befohlen, um sein Leben zu retten. Es sind vierundzwanzig Jahre vergangen, jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr habe ich gezählt.

Alles Schreckliche, was das Schicksal mir bisher beschert hat, konnte ich letztlich bejahen, doch seinen Tod hinzunehmen wäre ich nicht in der Lage. Die Angst, ich müßte den Fluß des Vergessens überqueren, ohne meinen Sohn wiedergesehen zu haben, schnürt mir die Kehle zu, läßt meine Hand nur noch zittrig schreiben. Nie darf mich diese Hoffnung verlassen – und mit ihr die Hoffnung, meine Heimat wiederzusehen: die Frühsonne über Konstantinopel, diese Woge rosigen Lichts, die sich über die erwachende Stadt ergießt, begleitet vom Gesang der Vögel, die in ihren Käfigen vor den Fenstern die...



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