Berger | Der Gang nach Canossa | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 683 Seiten

Berger Der Gang nach Canossa

Historischer Roman | Opulenter Historienroman über König Heinrich IV. und seinen Kampf gegen den Papst
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-489-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Historischer Roman | Opulenter Historienroman über König Heinrich IV. und seinen Kampf gegen den Papst

E-Book, Deutsch, 683 Seiten

ISBN: 978-3-98952-489-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein König im Kampf zwischen Liebe und Treue ... König Heinrich IV. wächst in enger Kinderliebe zu seiner Cousine Mathilde von Canossa auf. Von einer Wahrsagerin wird ihnen eine gemeinsame Zukunft prophezeit - doch bald schon scheint sich die Weissagung in einen Fluch zu verwandeln: Eine tödliche Krankheit rafft Heinrichs Vater, den Kaiser, dahin und die Kinder werden getrennt. Kaum hat Heinrich den Thron bestiegen, muss er eine andere heiraten - doch er hört nicht auf, um Mathildes Liebe zu kämpfen. Der Streit mit der römischen Kurie droht ihn schließlich alles zu kosten: Heinrich wird vom Papst exkommuniziert. Um seinen Herrschaftsanspruch zu bewahren, tritt er den beschwerlichen Bußgang nach Canossa an. Hier muss er sich entscheiden: Zwischen Ehre und Macht - oder Schande und Liebe ... »Dieses spannende und farbenprächtige Epos wird erzählt von einem der größten Könner des historischen Romans.« Literatur-Report Ein großer historischer Roman über Treue und Verrat, Erniedrigung und Kampf und die Suche nach der wahren Liebe - für alle Fans von Hilary Mantel und Ken Follett.

Frederik Berger (geboren 1945 in Bad Hersfeld) studierte Literatur- und Sozialwissenschaften und lebte einige Zeit im englischen Cambridge und in der Provence. Er arbeitete als Literaturwissenschaftler und Journalist, bevor er hauptberuflich Schriftsteller wurde. Neben Gegenwartsromanen, Sachbüchern und zahlreichen Aufsätzen verfasste er verschiedene historische Romane über den Glanz und die Schatten europäischer Adelsfamilien. Frederik Berger reist viel und ist begeisterter Fotograf. Er lebt mit seiner Frau in Schondorf am Ammersee. Die Website der des Autors: frederikberger.de Der Autor auf Instagram: instagram.com/fritzgesing/ Bei dotbooks veröffentlichte der Autor seine historische Romantrilogie »Das Siegel der Farnese« mit den Bänden »Die Geliebte des Papstes«, »Die Tochter des Papstes« und »Die Kurtisane des Papstes«. Außerdem erschienen seine opulenten historischen Romane »Die heimliche Päpstin«, »Die Provençalin«, »Der Gang nach Canossa«, »Die Schwestern der Venus«, »Die Madonna von Forlì« und »Der Botschafter des Kaisers«.
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KAPITEL 1


Speyer 1055

Es war ein Tag, wie der kleine Heinrich ihn liebte: Dicke Schichten pulvrigen Schnees bedeckten den Boden, und vom Himmel tanzten die Flocken herab, daß es eine Lust war, ihnen zuzuschauen. Immer wieder fing der Wind sie auf, trieb sie vor sich her, ließ sie schließlich frei, so daß sie sich frech auf den rötlich schimmernden Bart des Vaters niederließen oder die vermummte Mutter und die frierende Tante Beatrix bepuderten. Einige Flocken legten sich kalt und kitzlig auf Heinrichs Lippen, er prüfte ihren wäßrigen Geschmack und versuchte, andere zu fangen. Da ihm dies selten gelang, nahm er eine Handvoll Schnee und warf sie auf Mathilde, seine Cousine, die ihm lachend ein Bein stellte, so daß sie beide umeinander kugelten.

Die Erwachsenen wirkten weniger fröhlich als sie. Der Vater, Kaiser Heinrich der Dritte, schaute mit tiefgefurchter Zornesfalte auf sie herab und forderte seinen Sohn barsch auf, sich gesittet und würdevoll zu verhalten, wie es sich für einen künftigen Herrscher von Gottes Gnaden gehöre. Kopfschüttelnd rief Tante Beatrix »Laß doch die Kinder spielen, freue dich lieber daran, wie gut sie sich verstehen« und versuchte, sich freundschaftlich bei ihm unterzuhaken.

Der Vater knurrte, die Mutter bedachte sie mit einem verärgerten Blick und forderte die noch immer im Schnee liegenden Kinder auf, sich endlich zu erheben. Heinrich sprang empor, zog Mathilde auf die Beine und wollte zum Hafen voraus rennen. Der Vater jedoch griff seine Hand und hielt ihn fest.

Als Heinrich nun den steifen Schritt der Leibwächter nachahmte und den Kinderfrauen zuwinkte, die ihnen mit dem restlichen Hoftroß in achtbarer Entfernung folgten, hatte der Vater offensichtlich genug von seiner Zappelei: Er nahm seinen Kopf zwischen die Hände und richtete ihn auf die riesigen Gemäuer der noch nicht fertiggestellten Basilika aus, die sich hinter ihnen dunkelmächtig erhob. Gehorsam ließ Heinrich seinen Blick wandern über die weißen Hügel, unter denen sich das Baumaterial verbarg, zu den Gerüsten, die wie kahle Äste in den Himmel ragten, und den Steingebirgen, die sich in schier unendlicher Höhe im Flockengestöber verloren.

»Dies wird der Dom, der Gottes Größe und den Ruhm des salischen Geschlechts verkünden soll«, erklärte der Vater mit ernster Stimme. »Dein Großvater, Kaiser Konrad, hat ihn zu bauen begonnen, ich will ihn vollenden, und du sollst ihn erhalten. Wir alle werden hier unsere letzte Ruhestätte finden.«

Heinrich versuchte, brav zu nicken, weil er erwartete, auf diese Weise von der eisernen Klammer der väterlichen Hände befreit zu werden. Die Mutter vor ihm bekreuzigte sich, während Tante Beatrix hell auflachte und spöttisch rief: »Hoffentlich ruhen wir noch nicht so bald.«

Abrupt ließ ihn der Vater los und warf ihr einen Blick zu, der sie verstummen lassen sollte. Sie zog die Augenbrauen hoch und schüttelte verständnislos den Kopf.

Endlich war Heinrich frei. Doch während Mathilde einen Purzelbaum nach dem anderen schlagen durfte, winkte ihn seine Mutter mit verkniffenen Lippen zu sich und befahl ihm, an ihrer Seite zu bleiben. Tante Beatrix hatte sich währenddessen erneut bei dem Vater untergehakt und sprach auf ihn ein: »Die beiden Kinder passen zusammen, wie vom Schöpfer füreinander geschaffen. Ich kann nicht verstehen, warum du dich noch immer sträubst.«

»Mathilde ist zu alt für unseren Sohn«, mischte sich die Mutter ein.

»Das ist nun wirklich kein Grund, Agnes. Du mußt zugeben ...«

»Außerdem sind sie zu nah miteinander verwandt. Darauf liegt kein Segen.«

Tante Beatrix verdrehte die Augen.

»Vergiß nicht«, fuhr die Mutter in ungewohnt belehrendem Ton fort, »daß die Politik eine Rolle spielt. Hättest du nicht deinen bärtigen Gottfried geheiratet ...«

»Es war eine Heirat aus Liebe, meine Gute. Dies kannst du vielleicht nicht verstehen, aber dein Gatte müßte eigentlich ...«

»Ich will nichts mehr davon hören«, unterbrach sie scharf der Vater. »Es ist entschieden.«

»Heinrich, Lieber ...« Die Stimme von Tante Beatrix wurde samtweich.

»Du hörst doch, es ist entschieden.« In den belehrenden Ton der Mutter mischte sich leiser Triumph.

»Kein Wort mehr!« donnerte der Vater.

Tante Beatrix löste sich von ihm und rief: »Was ist dieser Mann für ein sturer Ochse!«

»Wie nennst du mich?«

»Sturer Ochse!« wiederholte Tante Beatrix, wandte sich mit einem hochmütigen Augenaufschlag von ihm ab und legte betont freundschaftlich den Arm um die Schultern der Mutter. »Gütiger Gott, ich müßte ihn ja kennen!«

Vertraulich führte sie die Mutter zur Seite, die sich zwar ängstlich nach dem Vater umschaute, den kleinen Heinrich jedoch einfach stehenließ.

»Wir müssen gemeinsam ...«, hörte er Tante Beatrix noch sagen, bevor der Vater ihnen nachbrüllte: »Weiber, was versteht ihr schon von Reichspolitik und Herrschaftssicherung!«

Die Erwachsenen waren abgelenkt! Heinrich sah eine Möglichkeit, ihrem allzu bekannten Streit und dem drohenden Klammergriff des Vaters zu entkommen: Rasch zog er Mathilde auf die Beine und rannte, sie hinter sich herziehend, durch den tiefen Schnee in Richtung Hafen. Er hörte die Mutter noch mit schwacher Stimme rufen, sie sollten zurückkommen, und den Vater zornig seinen Namen schreien. Kurz schaute er sich um: Zwei Leibwächter setzten sich mitsamt ihren Schilden und klappernden Rüstungen in Bewegung, um sie einzufangen. Doch nach wenigen Schritten rutschte der eine aus, der andere stolperte über sein Schwert und klirrte zu Boden. Heinrich mußte, wie auch Mathilde, lachen und lief weiter in das dichter werdende Flockengewirbel. Als er erneut zurückblickte, sah er nur noch schwache Schemen, die wie Geisterwesen zu tanzen schienen und deren Stimmen immer wieder der Wind verschluckte.

Am Fluß stießen die beiden auf eine Gruppe von Menschen, die sich, ohne sie zu beachten, an den eingefrorenen Booten zu schaffen machten. Lediglich von Hunden wurden sie angebellt. Heinrich bellte zurück und zog Mathilde lachend hinter einen Stapel Holz.

»Dein Vater wird böse sein, wenn wir uns verstecken. Bei dem Schneetreiben findet uns niemand, und wir könnten uns verirren.«

Heinrich fürchtete sich nicht vor dem Verirren; er war froh, der schlechten Stimmung wie auch der unablässigen Aufsicht und Erziehung entronnen zu sein. Außerdem war er gern mit seiner Spielgefährtin allein. Im Gegensatz zu seinen braven Schwestern, die entweder am Rockzipfel der Mutter und der Kinderfrauen hingen oder vor dem Kamin mit irgendwelchen Stofffetzen und Holzpuppen hantierten, ließ sich Mathilde auf seine Balgerei ein, sie liebte Verstecken und Fangen und genoß wie er den Schnee, obwohl sie bisher in Italien gelebt hatte, wo es viel weniger schneite, wie Heinrich bereits wußte.

Sie alle waren kürzlich aus Mathildes Heimat an den Rhein zurückgekehrt. Ihr Stiefvater Gottfried, genannt der Bärtige, der frühere Herzog von Lothringen, hatte den Kaiser, Heinrichs Vater, verraten. Dieser war unverzüglich mit einem Heer über die Alpen geeilt, um den Abtrünnigen zu bestrafen, und es folgten einige Kämpfe um Mantua und Canossa. Gottfried der Bärtige floh ohne Frau und Stieftochter zu seinem Stammsitz nach Verdun, und weil der Vater seinen Widersacher nicht fangen konnte, nahm er Tante Beatrix, die Markgräfin von Tuszien-Canossa, und ihre Tochter Mathilde als Geiseln mit nach Deutschland – so hatte er es ihm erklärt. Die beiden Geiseln trugen allerdings keine Ketten und Fesseln, im Gegenteil: Sie gehörten zum Hof und speisten mit an der kaiserlichen Tafel.

Warum dies alles so war, verstand Heinrich nicht recht. Er mußte aber brav ja sagen, als der Vater ausrief: »Wir sind von Verrätern umgeben, mein Sohn, die Welt ist eine Grube voller Schlangen. Nimm dich vor ihnen in acht!«

Ob er Tante Beatrix meinte – oder gar die Mutter?

»Komm!« rief Heinrich und rannte los. »Wir verstecken uns dort hinter den Bäumen.«

Mathilde folgte ihm zögernd.

Der Auwald, der sich bis an den Hafen heranschob, war wie alles im Frost erstarrt. Den Rhein konnte man zu Fuß überqueren und auch die Sumpfgebiete betreten.

Heinrich warf einen letzten Blick zurück. In der Ferne bewegten sich die Schemen der Leibwächter und Kammerfrauen. Man rief erneut nach ihnen. Mathilde wollte antworten, doch Heinrich legte ihr die Hand auf den Mund, kletterte dann über krachende Äste und kämpfte sich mit ihr ein Stück tiefer in den Wald hinein.

Als die beiden auf eine schmale Schneise stießen, flüsterte er: »Hast du Angst vor Wölfen und Bären? Und den bösen Geistern des Waldes?«

Unsicher schüttelte sie den Kopf, griff seine Hand und wollte ihn zurück zum Vater und den anderen ziehen. Heinrich entwand sich ihr, legte den Finger auf die Lippen und lauschte. Ein wattiges Dämmergrau verschluckte das gelegentliche Fiepen, Rufen oder Schreien verborgener Waldwesen. Um sie herum ein Gewirr bizarrer Baumglieder, schräger Äste, abgebrochener Zweige. Schauten sie genauer hin, entdeckten sie erstarrte Trolle und Dämonen, die nur darauf warteten, sich aus dem Hinterhalt auf sie zu stürzen.

»Heinrich, wir müssen zurück!« Mathilde zog an seinem Arm.

»Der Hafen liegt aber dort!« Heinrich wies in die entgegengesetzte Richtung.

Mathilde schüttelte den Kopf. Sie zerrte ihn hinter sich her, begann sogar zu laufen. Als sie, außer Atem, ein kurze Pause einlegten, hatten sie den Hafen noch immer nicht erreicht. Aus der Schneise war ein verlorener Waldpfad geworden.

Sie hatten sich verirrt!

In Mathildes Augen flackerte Panik auf. Wortlos rannten sie den Weg zurück. Keuchend folgten sie den eigenen Spuren,...



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