BENNETT | Im Bann der Gefühle | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

BENNETT Im Bann der Gefühle


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-6932-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-7337-6932-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Seit Lord Radulf die schöne Lady Lily zum ersten Mal auf seinem Lager in den Armen gehalten hat, steht er in ihrem Bann. Radulf ahnt nicht, dass sie die Todfeindin seines Königs ist ...

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1. KAPITEL

Lily stand reglos da und horchte.

Sie war seit Tagen unterwegs, hatte einen weiten Bogen um einsam gelegene Gehöfte und Dörfer gemacht, hatte atemlos Deckung im Wald gesucht, als ein Trupp Bewaffneter vorbeigeritten war. Es gab keinen sicheren Weg nach Norden, und sie war gezwungen, das Land auf Schleichwegen im Zickzack zu durchqueren, bis die Erschöpfung sie zu übermannen drohte.

Grimswade lag direkt vor ihr, und Lily hatte das Gefühl, als habe die Bestimmung sie hierher geführt. In dieser Kirche lag ihr Vater an der Seite ihrer Mutter begraben. Sollte Lily für immer aus England vertrieben werden, war dies ihre letzte Gelegenheit, Abschied von den geliebten Toten zu nehmen. Mit energischen Schritten näherte sie sich der Kirchentür im Westen.

Vor ihr ragte der vertraute schlichte Kirchturm auf, in den Rundbogenfenstern nahm sie einen schwachen Kerzenschein wahr. Würde sie Vater Luc in der Kirche antreffen? Der Priester von Grimswade sympathisierte mit den Rebellen und verabscheute die blinde Zerstörungswut des Königs. Vater Luc würde sie verstecken ... würde ihr helfen.

Vom Dorf hinter der Anhöhe wehte der würzige Rauch von Holzfeuern herauf, ein Hund schlug an. Lilys verängstigter Blick schweifte den schmalen Weg entlang, der sich zwischen steinigen Feldern entlangschlängelte, wo nur noch vereinzelt das Getreide stand, der Rest war achtlos niedergetrampelt von Schlachtrössern und Fußsoldaten. Ihre Stute hatte sie hinter einer Baumgruppe versteckt, unweit der Kirche angebunden.

Die Tür gab unter dem Druck ihrer Hände nach.

Im Inneren der Kirche brannten ein paar Talgkerzen und verbreiteten einen schwachen Schein. Lily verharrte und erwartete beinahe, Vater Luc würde ihr entgegeneilen. Der Saum ihres Umhangs streifte über die Streu auf dem Lehmboden, der ein schwacher Duft von Rosmarin entströmte. Lilys Kleider waren staubbedeckt; das Futter ihres Umhangs war zerrissen. Um das linke Schienbein gegürtet trug sie einen kleinen, mit Juwelen besetzten Dolch unter dem roten wollenen Gewand und Leinenhemd. Das Bündel mit ihren wenigen Habseligkeiten war am Sattel der Stute festgemacht – mehr war ihr von ihrem früheren Leben nicht geblieben.

Lily trat einen weiteren Schritt in das Kirchenschiff und spürte die leere Stille um sich herum. Sie war allein. Ihre schmalen Schultern sackten nach vorn. Der Priester war nicht hier. Ihre Hoffnung auf eine herzliche Begrüßung war vergeblich gewesen, es gab keine Hoffnung auf Zuflucht, keinen Austausch von Erinnerungen an längst vergangene Tage, als das Leben noch heiter und unbeschwert war ... bevor das Licht in ihrer heilen Welt erloschen war.

Die Enttäuschung sammelte sich zu einem würgenden Knoten in Lilys Kehle, gegen den sie heftig anschluckte. Sie durfte den Mut nicht verlieren. Sie war einsam. Was war schon dabei? Sie war früher auch allein gewesen. Sie war müde, na und? Sie war früher auch müde gewesen. Wenn sie die Grenze zu Schottland hinter sich gelassen hatte, konnte sie sich ausruhen. Mittlerweile sah Lily ein, dass sie gleich nach Vorgens Tod hätte fliehen sollen. Sie hätte schon damals begreifen müssen, dass alles verloren war, dass ihre Ländereien ihr nicht mehr gehörten. Aber sie hatte gehofft, mit ihrem Bleiben in England würde sich eine Chance ergeben, die Untaten ihres Ehemanns wieder gutzumachen. Sie hatte gehofft, König William ihre Treue und Gefolgschaft durch die Vermittlung von Radulf erweisen zu können, damit er ihrem Bericht über den Hergang des Verrats Glauben schenken würde. Vorgen hatte den König hintergangen, sodann ihren Vater getötet, um an ihren Landbesitz zu gelangen. Sie hatte einständig gehofft, er würde sie danach in Ruhe lassen, damit sie ihr

Land in Frieden regieren könnte.

Wie dumm von ihr!

Wie war sie nur auf den Gedanken verfallen, Radulf könne sich von Vorgen oder Hew unterscheiden? Radulf würde ihr niemals zu ihrem Recht verhelfen! Und er würde niemals glauben, dass sie fähig wäre, den Frieden im Norden zu bewahren. Sie war eine Frau, ein Geschöpf, das man benutzte und kaum besser behandelte als ein Stück Vieh. Radulf hatte ihr den Krieg erklärt, ihrem Land und ihrem Volk.

Lily blieb vor dem Altar stehen, wo ihre Eltern begraben lagen. Sie hatte vorgehabt, ihnen ein Grabmal zu errichten, dessen Inschrift ihre Tugenden preisen sollte, doch Vorgen hatte seine Einwilligung verweigert, daher bedeckte nur ein blanker Stein die Grabstätte. Ein weiterer Grund, Vorgen zu hassen.

Lily verdrängte ihre bitteren Gedanken und konzentrierte sich auf ihr Gebet. Sie faltete die Hände und senkte den Kopf, als vor der Kirche Pferdegetrappel, Klirren von Rüstungen und Waffen zu hören waren.

Radulf?

Mit schreckensweiten Augen huschte Lily an eines der Bogenfenster, stellte sich auf Zehenspitzen und spähte in die Finsternis. Ein Schatten galoppierte vorbei. Dann ein zweiter. Dahinter rannte ein Bursche mit einer brennenden Fackel. Im Lichtschein bot sich Lily eine Szene wie aus einem Albtraum: Normannische Fußsoldaten und Berittene, deren Kettenhemden, Schilde und Waffen blitzten.

Lily wich zurück, das Blut rauschte ihr in den Ohren. Radulf! Sie saß in der Falle! Sie hatte furchtbare Geschichten über ihn gehört. Er war ein Riese mit einem abscheulich hässlichen Gesicht, von dessen Schwert das Blut tropfte. Kinder schrien vor Angst, wenn sie nur seinen Namen hörten. Er war schlimmer als Vorgen, viel schlimmer! Ein Monster in Menschengestalt ...

Lily versuchte sich zu beruhigen. Ihre Hände krallten sich in den wollenen Umhang. Aber warum sollte ausgerechnet Radulf hier sein? Es gab viele Normannen in Northumbria, die in kleinen Banden plündernd und brandschatzend durchs Land streiften. Sie musste tapfer und listig sein. Woher sollten diese Männer wissen, dass sie Vorgens Gemahlin war? Lily konnte sich als irgendeine Frau ausgeben. Eine normannische Edelfrau vielleicht, die vor den Angelsachsen auf der Flucht war.

Die Rolle einer normannischen Edelfrau würde ihr nicht schwer fallen. Immerhin war sie zwei Jahre mit Vorgen verheiratet gewesen. Sie hatte an einer normannischen Tafel gesessen und beobachtet, wie sie aßen, wie sie lebten und dachten. Sie sprach französisch. Diese Männer würden nicht erraten, dass sie die Frau war, hinter der sie her waren.

Die Kirchentür wurde aufgerissen und schlug laut gegen die Mauer.

Lily huschte seitlich an der Wand entlang aus dem Lichtschein der verräterischen Kerzen und suchte Schutz hinter einer Säule. Wenn sie Glück hatte, würde man sie nicht entdecken. Und wenn? Auch eine normannische Edelfrau auf der Flucht würde sich vor einem Trupp Bewaffneter verstecken.

Ein Fußsoldat rannte mit schweren Schritten und keuchendem Atem das Kirchenschiff entlang. Hinter ihm lief ein zweiter mit einer Fackel in der Hand, deren Flamme ein junges glattes Gesicht und kurz geschorenes braunes Haar erhellte. Ein normannisches Gesicht. Ein Knabengesicht.

Lily drückte sich, starr vor Angst, gegen die kalte Steinsäule, wie ein in die Enge getriebenes wildes Tier. Als der Knabe mit lauter Stimme rief, zuckte Lily erschrocken zusammen, zog den Umhang eng um sich, als wolle sie sich darin verkriechen. Ihre Augen brannten vor Müdigkeit. Sie hatte viele Nächte wach gelegen.

„Priester! Wo seid Ihr?“ Die Stimme des Halbwüchsigen schlug krächzend um, er war dem Stimmbruch noch nicht entwachsen. „Priester, mein Herr wünscht Euch zu sprechen.“

Lily blinzelte.

Die Kälte kroch durch ihren dicken Wollumhang, legte sich klamm um sie, nur ihre Sinne waren geschärft wie Nadelspitzen. Wo war nur Vater Luc? Vielleicht hatte er gewusst, dass die Soldaten im Anmarsch waren. Vater Luc mochte zwar ein Mann Gottes sein, der Respekt verdiente, aber die Normannen waren ein respektloser Haufen. Lily konnte verstehen, dass der sanftmütige Priester nicht den Wunsch hatte, in einen Streit hineingezogen zu werden. Im Übrigen hätte er Lily versehentlich verraten können – es war also besser, wenn er gar nicht auftauchte.

Der Soldat und der Knabe mit der Fackel standen nun vor dem Altar. Der rötliche Schein der Flamme flackerte an den Wänden des Chors empor, erhellte schwach die alten Fresken. Der Knabe drehte sich um und rief zur Kirchentür: „Mylord, er ist geflohen!“ Seine Stimme hallte von den hohen Mauern wider.

Angstvoll, um ihr Versteck nicht preiszugeben, schob Lily sich langsam an der Säule entlang, reckte den Hals und spähte zum Eingang. Eine dunkle Männergestalt füllte den bogenförmigen Rahmen, dahinter erhellten Fackeln die Nacht. Die reglose Silhouette wirkte bedrohlich und bannend zugleich.

Der Knabe eilte das Kirchenschiff wieder zurück. Der Schein der Fackel in seiner erhobenen Hand erfasste die Männergestalt. Lily bekam große runde Augen.

Ein Riese mit breitem Brustkorb und Schultern wie ein Bär. Ronas Bezeichnung wuchtig schoss Lily durch den Kopf. Ein matt silbern funkelndes Kettenhemd bedeckte seinen kraftvollen Körper vom Hals bis zu den Knien. Auf dem Kopf trug er einen konischen Helm mit einem breiten Nasenschutz. Sein Gesicht war hinter Metall und Schatten verborgen, nur die helle Linie des Mundes und...



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