E-Book, Deutsch, 508 Seiten
Bennett Dreamcatchers: Grahams Lehren
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7543-9930-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 508 Seiten
ISBN: 978-3-7543-9930-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine verschworene Wohngemeinschaft. Eine alte Tradition. Ein Keller voller Leichen. Seit Tagen hat sich Beatrice Morgans Verlobter nicht gemeldet. In großer Sorge folgt sie ihm nach Nightbow, Kalifornien. Von ihm fehlt jede Spur und die Suche erscheint völlig hoffnungslos. Schnell erkennt sie, dass die Kleinstadt beherrscht wird von Gewalt und Korruption. Und auch die Studenten-WG, bei der er zuletzt wohnte, hütet ein dunkles Geheimnis. Im Laufe ihrer Nachforschungen zeigen sich Beatrice die grässlichen Abgründe hinter dem Verschwinden ihres Verlobten. Zugleich hat die Wohngemeinschaft einen neuen potenziellen Mitbewohner ins Auge gefasst. Doch dieser passt keinesweg in das traditionelle Auswahlschema. Und das hat schreckliche Konsequenzen zur Folge.
Chris Bennett wurde 1987 in Erfurt geboren. In der thüringischen Landeshauptstadt genoss er eine wundervolle Kindheit, 1995 zog die Familie dann nach Wiegendorf, einem kleinen, idyllischen Dorf. Er ist gelernter Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung und hat sich 2014 für eine Spezialisierung zum Geprüfter Bilanzbuchhalter entschieden. Er ist dem Transportwesen treu geblieben und arbeitet heute als Hauptbuchhalter für ein aufstrebendes Eisenbahnverkehrsunternehmen. Schon im Alter von neun Jahren entwickelte Chris ein besonderes Interesse am Schreiben. Seine ersten Kurzgeschichten wurden vor der endgültigen Fertigstellung jedoch immer wieder verworfen. Mit seiner ersten Buchveröffentlichung ''Dark World - Im Fadenkreuz'' 2013 machte der junge Autor erstmals auf sich aufmerksam und betrat die große Bühne der Literatur. Neben Thrillern schreibt er auch Fantasy, Dystopien und Science Fiction.
Autoren/Hrsg.
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PROLOG
Lennard Pestori saß auf einer Bank im Cascade Park in Redding. Die Natur war seine Leidenschaft. Er war ein wahrer Genießer, was das anging. Wirklich zu schätzen gelernt hatte er es aber erst, nachdem er sein frisch abgezahltes Haus verkauft und vom Geld einen nigelnagelneuen Camper gekauft hatte. Seither war er frei, ungebunden und konnte tun und lassen, was immer er wollte. Er hielt sich nie länger als eine Woche irgendwo auf. Bloß nicht stagnieren und dabei das Gefühl haben, an irgendeinem Ort gefangen zu sein. Seit knapp zehn Jahren genoss er das einfache Vagabundenleben und war inzwischen viel herumgekommen. Die meisten Bundesstaaten hatte er bereist, aktuell hatte es ihn aber zurück nach Kalifornien verschlagen. Die schönste Zeit verbrachte er auf dem Spielplatz, wenn er den Kids beim Herumtollen zusehen und ihr Lachen hören konnte. Vielleicht lag es daran, dass er keine eigenen Kinder hatte. Dabei hatte er sich immer welche gewünscht. An jedem Geburtstag starb in ihm ein Teil jener Hoffnung. Als er dann die Fünfzig überschritt, war die Vorstellung vom persönlichen Glück gänzlich versiegt. Als Karolin ihn damals verlassen hatte, warf das sein geordnetes Leben gewaltig aus der Bahn. Schlimmer noch, es ging regelrecht den Bach runter. Er verlor die Frau seiner Träume, mit der er über vierzehn Jahre zusammen gewesen war. Sie war fort von heute auf morgen. Das veränderte ihn, machte ihn griesgrämig und übellaunig. Nachdem er einem Kollegen das Nasenbein gebrochen hatte, verlor er auch seinen Job. Für seinen Ausraster gab es nicht mal einen Grund, er hatte es einfach getan. Anschließend hatte er wochenlang daheimgesessen, nichts gegessen und fast vierzig Pfund abgenommen. Nach kürzester Zeit hatte er ausgesehen wie ein zusammengefallener Sack. Er schämte sich für sich selbst. Es musste sich etwas ändern. Dann entschloss er sich, das Haus zu verkaufen, das ihn ohnehin nur an Karolin erinnerte. Es kam zu einem gewaltigen Schnitt in seinem Leben. Es war, als hätte man eine robuste Dornenranke aus seinem Kopf gezogen. Dank des Campers und der neuen Mobilität konnte er wieder atmen und fühlte sich wieder wie ein Mensch und nicht mehr wie ein stinkender Haufen Hundescheiße. Er hatte sich aufgerappelt und war dem Schrecken entflohen, den das Schicksal für ihn bereitgehalten hatte. Und er konnte endlich wieder lachen, ganz besonders, wenn die Kinder vor seinen Augen in unverblümter Begeisterung umhertobten, sich jagten und einfach Freude am Leben hatten. Er mochte ihre Sorglosigkeit. Die Kids vor ihm auf dem Spielplatz buddelten im Sand, schoben ihre Matchbox-Autos durch ihre eigens konstruierten Wüstenmetropolen, schaukelten oder spielten Fangen. Es war toll. Ein kleines Mädchen schoss immerzu einen Fußball weg und rannte ihm nach. Dabei wirbelten ihre beiden geflochtenen Zöpfe chaotisch hinterher. Zuvor war sie mehrere Runden die gebogene gelbe Rutsche heruntergesaust, doch schnell hatte sie die Lust daran verloren, als andere Kinder es ihr nachmachten. Sie wollte lieber allein spielen, sich abheben von den störenden Raufbolden. Lennard stellte sich oft vor, wie es wohl wäre, wenn es seine eigenen sein würden. Heute war das kleine Mädchen sein persönlicher Favorit. Alles an ihr war so rein, und ihre leuchtend blauen Augen hatte ihr wohl ein Engel geschenkt. Schon seit mehreren Stunden saß er auf der Holzbank und beobachtete alles. Die Kinder und ihre Eltern, wie sie kamen und gingen, und die Schönheit des Cascade Parks. Er schloss kurz seine Augen und atmete die süßlichen Gerüche der warmen Frühsommerluft ein. Herrlich! Mit einem herzlichen Lächeln im Gesicht warf er dem kleinen Mädchen einen langen Blick zu, den sie bemerkte und auch erwiderte. Doch schnell galt dem Fußball wieder ihre ganze Aufmerksamkeit. Das war nicht schlimm, denn Lennard vergaß stets die Zeit, wenn er sie auf dem Spielplatz verbrachte. Außerdem flüsterte ihm sein Gefühl zu, dass dies ein guter Augenblick war. Er stand von der Holzbank auf und ging unbekümmert zu dem kleinen Mädchen. Er wusste genau, dass die Eltern der anderen Kinder das nicht stören würde, und dass sie sich nicht um das Mädchen sorgten. Vermutlich dachten sie, dass sie zu ihm gehörte. Der Fußball kullerte in seine Nähe. Er war nie ein großer Sportler gewesen, aber er sah, wie die Kleine einige Meter vor ihm stehen blieb und verunsichert schaute, was er machte. Er ging zum Ball und schoss ihn ihr zurück. Zumindest die Richtung stimmte. Das brachte ein Lächeln auf ihre Lippen. »Danke«, rief sie ihm zu und flitzte mit dem Ball davon. Lennard ging weiter, aber nicht dem Mädchen hinterher. Er blieb am Rand des Sandfeldes, auf dem die Schaukeln und Rutsche standen. Die meisten Kinder tummelten sich um die Spielgeräte, das kleine Mädchen hingegen rannte auf der gemähten Wiese dahinter herum. Lennard kniete sich ins Gras, öffnete die Schnürsenkel seiner Schuhe und schnürte sie gleich darauf wieder zu. Danach hob er einen imaginären Gegenstand neben sich auf. Der Seitenblick zum Mädchen verriet ihm, dass er einen kleinen Teil ihres Interesses geweckt hatte. Er lächelte ein weiteres Mal, kehrte ihr dann aber den Rücken zu und ging zur Holzbank zurück. Kurz bevor er sich setzen konnte, rollte der Ball knapp neben seine Füße. Er blieb stehen, schaute nach dem Mädchen und bekam einen frechen Blick zugeworfen. Erwartungsvoll legte sie den Kopf schräg. Lennard zielte erst mit der Hand in ihre Richtung und schoss den Fußball mit etwas Anlauf ein gutes Stück an ihr vorbei. Das brachte ihm ein heiteres Feixen ein. Er setzte sich wieder und schaute zu, wie die Kleine den Ball holte. Dann dribbelte sie langsam auf ihn zu. Wie ein Fußballprofi führte sie ihn vor sich her, bis sie ihren Fuß darauf stellte und einige Schritte vor Lennard verharrte. »Du kannst aber nicht gut zielen«, sagte sie in unverblümter Ehrlichkeit und grinste ihn schief an. »Das habe ich nie gelernt. Magst du es mir beibringen?« Sie schüttelte den Kopf. »Ein Kind kann einem Erwachsenen doch nichts beibringen. Nein, so geht das nicht.« »Warum spielst du denn nicht mit den anderen Mädchen?« »Die wollen nicht. Die finden Fußball blöd.« »Und die Jungs?« »Die finde ich blöd.« Lennard lachte. Kinder waren so einfach gestrickt. Sie wogen nicht ab, schmiedeten keine Pläne und hinterfragten nicht jedes Wort. Er liebte das. Nicht die Naivität, sondern die Nüchternheit, die sie besaßen. Die Gerichtsprozesse, die er führen musste, einerseits aufgrund der Scheidung und zum anderen wegen der Prügelei am Arbeitsplatz, waren durchtrieben gewesen von Wortklauberei und Spitzfindigkeiten. Jedes noch so kleine Detail, das er erwähnt und jedes Wort, das er ausgesprochen hatte, wurden auf eine überdimensionale Goldwaage gelegt. Alle seine Argumente und Begründungen wurden torpediert und niedergerungen. Noch heute verabscheute er diese Kleinlichkeit, die dazu geführt hatte, dass er beide Verfahren verlor. »Wie heißt du?« »Mabel«, antwortete sie. »Und du? Ist das Wort auf deiner Mütze dein Name?« Lennard nahm das dunkelblaue Basecap vom Kopf und betrachtete den Aufdruck. »Nein, ich heiße nicht Skipper.« Das Wort prangte in weiß-blauen Lettern auf dem Stoff. Er hatte es vor vielen Jahren an einer Tankstelle gekauft und trug es seitdem ständig. »Ich bin Lennard. Wo sind denn deine Eltern?« »Meine Mommy ist zu Hause. Wir wohnen gleich dort vom.« Mit dem Finger deutete Mabel an Lennard vorbei und zeichnete den Weg nach. »Und sie lässt dich hier ganz allein spielen? Macht sie sich denn keine Sorgen?« Mabel zuckte mit den Schultern. »Ich denke nicht. Sie sagt, ich bin schon ein großes Mädchen. Wenn ich pünktlich zum Abendessen daheim bin, schimpft sie nicht mit mir.« »Und dein Dad findet das in Ordnung?« »Er ist auf einer langen Reise. Zumindest sagt Mommy das.« Mabel kam näher an ihn heran. Dann hielt sie sich beide Hände seitlich an den Mund und flüsterte ihm zu. »Ich glaube ihr das aber nicht.« Lennard drehte sich um und schaute in die Ferne des Parks, wo einige Dachfirste zwischen den Baumkronen hervorstachen. Dann richtete er den Blick zurück auf Mabel und beugte sich zu ihr vor. »Willst du mir verraten, was du denkst?«, fragte er mit gedämpfter Stimme. »Das kann ich nicht. Wenn Mommy das hört, wird sie böse.« Lennard legte nachdenklich die Hand an sein stoppeliges Kinn. Dann setzte er das Cap wieder auf. »Ich weiß einen Ort, wo sie uns nicht hören wird.« Mit gespitzten Lippen und großen Augen stand Mabel vor ihm. Sie überlegte kurz und schaute nochmals an ihm vorbei zu den Häusern. »Ich muss aber zum Abendessen zurück sein. Ich will keinen Ärger bekommen.« Lennard nickte. »Der Ort ist...




