Benedict | Grace und die Anmut der Liebe | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 13, 448 Seiten

Reihe: Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe

Benedict Grace und die Anmut der Liebe

Roman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-8412-1974-9
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 13, 448 Seiten

Reihe: Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe

ISBN: 978-3-8412-1974-9
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Wenn man eines Tages mein Leben erzählt, würde man erkennen, wer ich wirklich bin.' Grace Kelly. 1947: Gegen den Willen ihrer Eltern zieht die erst siebzehnjährige Grace nach New York, um zur Schauspielschule zu gehen. Sie taucht ein in das schillernde Leben Manhattans und muss hart darum kämpfen, eine gute Schauspielerin zu werden. Gegen den Widerstand der mächtigen Männer der Filmbranche und trotz der gesellschaftlichen Erwartung an die junge Frau, sich zu fügen, gelingt es Grace, sich treu zu bleiben und dennoch eine Legende der Leinwand zu werden. In der Liebe indes scheitert sie immer wieder - bis sie Rainier begegnet, dem Fürsten von Monaco ... Ein großer Roman über die Ikone Grace Kelly: Muse, Star und bedingungslos Liebende



Sophie Benedict ist das Pseudonym der Bestsellerautorin Steffi von Wolff. Die 1966 bei Frankfurt geborene Journalistin war jahrelang als Moderatorin und Redakteurin beim Radio tätig. In 'Grace und die Anmut der Liebe' begleitet sie ihre Lieblingsschauspielerin Grace Kelly durch die erfolgreichsten Jahre ihrer Karriere.
Benedict Grace und die Anmut der Liebe jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1


Philadelphia, 1947

»Was soll mir denn passieren, Daddy?«, fragte Grace, wobei sie versuchte, sich zu beherrschen, denn emotionale Ausbrüche kamen bei ihrem Vater gar nicht gut an. Doch selten war es ihr so schwergefallen wie in diesem Moment – denn hier ging es um alles.

Ihr Vater war es gewohnt, dass die Dinge so liefen, wie er es sich vorstellte, dafür hatte er hart gearbeitet. John Kelly war der Zweitjüngste von neun Geschwistern und wusste, was es hieß, sich durchzubeißen – er hatte sich vom Maurer zum erfolgreichen Unternehmer hochgearbeitet: Kelly for Brickwork erwirtschaftete schon in den 1920er Jahren einen Millionenumsatz. Von seinen Töchtern erwartete er Respekt und unbedingte Disziplin, vor allem aber, dass sie taten, was er verlangte. Er war es nicht gewohnt, ein Nein oder sonstige Widerworte von ihnen zu hören.

Sie saßen zu Hause beim Abendessen. Gemeinsame Mahlzeiten wurden in der Familie Kelly genauso ernst genommen wie der Sport. John und seine Frau Margaret hatten ihre Kinder von klein auf zum Sporttreiben animiert, und so spielte Grace zwar Tennis, schwamm oder spielte Hockey, ihre athletischen Leistungen blieben jedoch bescheiden, und am liebsten hatte sie immer Ballett getanzt.

»Was passieren kann, wenn du allein in eine Stadt wie New York gehst?«, polterte John Kelly los. »Das fragst du nicht wirklich, Gracie. Wie alt bist du? Gerade mal siebzehn Jahre. Wir haben nicht so viel Wert auf deine Schulbildung gelegt, damit du nun Schauspielerin wirst. Du sollst einen passenden Mann fürs Leben finden und heiraten, Gracie – und nicht deine Zeit vertun.«

»Aber … Daddy, immer wenn ich in der Schule gespielt habe, waren alle begeistert – auch du«, sagte Grace, die vor Entrüstung keinen Bissen von ihrem Essen hinunterbekam. »Und wenn es nun einmal das ist, was ich kann, Daddy?«

Der Vater legte den Löffel beiseite. »Gracie. Eine Aufführung in der Schule bedeutet doch gar nichts.«

»Und was ist mit dem Stück von Onkel George? Weißt du nicht mehr, wie beeindruckt ihr alle von meiner Vorstellung wart?« Ihr Onkel George, Johns Bruder, hatte ein Bühnenstück geschrieben. The Torch-Bearers, die Fackelträger, und Grace wusste, dass sie gut gewesen war. Besonders stolz war sie auf die Worte des Rezensenten einer Lokalzeitung: »Es macht ganz den Eindruck, als würde Grace Kelly auf der Bühne zum Fackelträger ihrer Familie.«

»Gracie, du sitzt nicht gerade, wie oft soll ich es dir noch sagen?«, entgegnete ihre Mutter Margaret bloß – kühl, beherrscht, distanziert wie immer. Grace wusste gar nicht mehr, wann sie sich ihr das letzte Mal nahe gefühlt hatte. Ob es das überhaupt je gegeben hatte.

Sie saßen zu sechst an dem großen Esstisch. John, seine Frau Margaret, Grace und ihre Schwestern Peggy und Lizanne sowie John, Graces Bruder, der an der Pennsylvania University studierte.

»Entschuldige, Ma«, sagte Grace automatisch.

»Iss bitte, Gracie. Du hast noch nichts angerührt. Lizanne, du weißt, dass man den Löffel zum Mund führt und nicht umgekehrt.«

»Entschuldige, Ma«, sagte nun Lizanne automatisch. Sie war vier Jahre jünger als Grace, und auch sie wagte keinen Widerspruch. Graces ältere Schwester Peggy, die gerade zu Besuch war, zuckte ebenfalls zusammen. Sie stand immer noch unter der Fuchtel ihrer Mutter, wenn sie nach Hause kam, obwohl sie selbst schon ein Kind hatte. Stocksteif saß sie da, in Erwartung der nächsten harschen Kritik ihrer Mutter. Lange warten musste sie nicht.

»Peggy, leg den Löffel anständig am Tellerrand ab. Ich …«

»Es kommt jedenfalls überhaupt nicht infrage.« John Kelly war nun weder laut noch unbeherrscht, sondern sehr leise. Das war stets ein schlechtes Zeichen.

Grace seufzte. Es war noch nie einfach mit ihren Eltern gewesen. Selbst jetzt, mit fast achtzehn, fühlte sie sich in ihrer Gegenwart noch wie ein kleines Kind, das nichts von der Welt verstand und beständig gemaßregelt werden musste. Und sie hatte immer gehorcht, obwohl sie manchmal am liebsten laut geschrien hätte, wenn sie etwas ungerecht gefunden hatte.

Grace kostete von der Suppe, ohne etwas zu schmecken. Sie wollte nach New York, unbedingt. Sie wollte Schauspielerin werden, zumindest musste sie es versuchen – selten war sie sich einer Sache so sicher gewesen. Und so einfach würde sie sich diesen Traum nicht nehmen lassen.

»Jeder sagt, dass ich Talent habe«, versuchte sie es nun. »Ihr könntet doch stolz darauf sein. Auf mich.«

»Da gibt es andere Dinge, auf die ich stolz wäre«, sagte ihr Vater, und Grace wusste genau, dass er damit die sportlichen Erfolge meinte, wie sie ihre Geschwister in steter Regelmäßigkeit vorweisen konnten. »Und nun ist Schluss mit diesem Thema«, sagte er.

»Aber …«, fing Grace an, wurde jedoch von ihrer Mutter unterbrochen.

»Du hast gehört, was dein Vater gesagt hat, Gracie. Es reicht. Jetzt wird gegessen.«

Grace fragte sich, wie lange sie noch darauf warten sollte, bis ihr Leben begänne. Und dann war da auf einmal diese Idee – sollte sie sich vielleicht ohne die Zustimmung ihrer Eltern bewerben? Einfach so, ganz ohne Erlaubnis? Ein bislang unbekanntes Gefühl machte sich in ihr breit. Es hatte nichts mit Gehorsam oder Disziplin oder den Dingen, die man ihr in ihrer Familie beigebracht hatte, zu tun, nein, es war anders. Sie wusste nicht, dass es ein Gefühl war, das wohl jeder junge Mensch kennenlernte, der an der Schwelle zum Erwachsenenleben steht und zum ersten Mal zum Greifen nahe vor sich sieht, was er sich bislang nur vage vorgestellt hat: ein eigenes Leben ohne Bevormundung und Regeln, ohne jemanden vorher um Erlaubnis fragen zu müssen – Freiheit. Ein Flirren zog durch Graces Körper, aber da war natürlich auch die Ungewissheit. Wie würde das Leben jenseits dieser Schranken werden?

Graces Mutter sah ihre Tochter mit diesem Blick an, den sie immer hatte, wenn ihr etwas nicht passte.

»Du wirst nichts ohne unsere Zustimmung tun, Gracie, hast du mich verstanden?«

»Sicher, Ma«, nickte Grace automatisch. Dennoch dachte sie weiter darüber nach, was wohl werden könnte, wenn man sie ließ.

»Gib acht, dass du nicht kleckerst, Gracie.«

»Entschuldige, Ma.«

Margaret goss sich Wasser nach. Sie sah wie immer tadellos aus. Ein enger beigefarbener Rock und eine weiße Bluse, eine lockere Strickjacke in Dunkelgrau und die Haare zu einem Knoten frisiert. Margaret benutzte kaum Make-up und verlangte dasselbe von ihren Töchtern. Sie pries Natürlichkeit; grelle Farben, egal ob für Kleidung oder Kosmetik, waren ihr ein Gräuel.

Grace liebte ihre Mutter, aber sie hatte auch einen Heidenrespekt vor ihr. Die deutsche Herkunft von Ma war den Kindern nie geheuer gewesen. Sie kannten dieses Land nicht, in dem einst ein Kaiser regiert hatte und in dem Zucht und Ordnung so viel galten, und es war ihnen auch unheimlich. Wenn sich ihre Mutter mal wieder von ihrer distanzierten Seite zeigte, nannten ihre Kinder sie daher »den preußischen General«.

»Gracie«, sagte ihr Vater nun. »Im Bennington College bist du nun einmal nicht aufgenommen worden – und eine Kelly fällt nicht durch eine Aufnahmeprüfung, ich bitte dich. Immerhin hättest du nicht nur die Tanzausbildung absolvieren, sondern auch studieren können. Du solltest mehr aus deinem Leben machen, und die Sache mit New York ist nichts als ein Hirngespinst.«

»Das ist kein Hirngespinst.« Grace war nun ganz ruhig, das würde sie nicht auf sich sitzenlassen. »Es ist das, was ich mir für mein Leben wünsche. Davon abgesehen bin ich in Bennington nicht aufgenommen worden, weil inzwischen so viele junge Männer aus dem Krieg zurückgekommen sind und ihre Studien fortsetzen wollen. Deswegen war dort so ein Andrang, und natürlich sind es die Mädchen, die zurückstecken sollen. Bennington hat einfach die Anforderungen an die Bewerber erhöht: Zwei Jahre Mathematik statt einem, das wisst ihr genau. Und ich hatte eben nur ein Jahr Mathe belegt und wurde deshalb abgewiesen. Nicht, weil ich nichts konnte.« Sie war so wütend.

»Vielleicht wäre Gracie ja dick wie eine Kuh geworden, wenn sie nach Vermont gegangen wäre, da gibt’s doch so viele Kühe«, sagte Lizanne und kicherte. Sie war dreizehn Jahre alt und kicherte im Moment über alles. Grace warf ihr einen wütenden Blick zu.

»Vielleicht kann mir Onkel George bei der American Academy of Dramatic Arts weiterhelfen«, sagte sie dann. »Das ist sowieso die beste Schule, wenn man Schauspielerin werden will.«

»Du hast gehört, was ich gesagt habe«, wiederholte John Kelly. »Ein für alle Mal: New York. Theater. Schauspielerei – nichts als Flausen sind das. Ich wünsche nicht, dass meine Tochter ein so unstetes Leben führt. Gracie, du sollst etwas Vernünftiges tun. Konzentriere dich lieber auf das Wesentliche, denk darüber nach, wie dein Werdegang sein könnte, damit er deiner Familie angemessen ist. Mit dem Thema Theater ist endgültig Schluss.«

Grace löffelte verbittert ihre Suppe. Aber so schnell würde sie nicht aufgeben. Sie mochte aussehen wie ein unschuldiger Engel, doch sie wusste, dass sie ausgesprochen zäh sein konnte. Und wenn sie etwas wirklich wollte, hatte sie es bisher auch immer geschafft.

* * *

Am nächsten Tag rief sie heimlich ihren Onkel in New York an und bat ihn um Hilfe. Schließlich ging es um ihr Leben, und sie hatte nicht vor, sich alles...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.