E-Book, Deutsch, 330 Seiten
Bellone / Matla Praxisbuch Franchising
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-86414-997-9
Verlag: REDLINE
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Schnelles Wachstum mit System
E-Book, Deutsch, 330 Seiten
ISBN: 978-3-86414-997-9
Verlag: REDLINE
Format: EPUB
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Professorin Veronika Bellone ist Geschäftsführerin der Bellone Franchising GmbH in Zug (Schweiz). Seit über 20 Jahren berät sie Franchise-Unternehmen wie Mövenpick Marché, Eismann, Hilcona und Vorwerk und ist Initiatorin der Franchise-Messe in Zürich. Als Wegbereiterin eines nachhaltigen Franchisings hat sie zusammen mit Thomas Matla den Green Franchise Award entwickelt, der in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Franchise Verband in Berlin 2018 zum sechsten Mal vergeben wird. Thomas Matla ist seit 2008 Partner der Bellone Franchise Consulting GmbH. Er ist Dozent des Schweizer Franchise Verbands in Zürich und publiziert regelmäßig Fachartikel, Buchkapitel und Bücher. Er ist Entwickler und Jurymitglied des Green Franchise Awards. Matla hat 2011 das Greenfranchise Lab für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten rund um die Themen Innovation und Nachhaltigkeit in Berlin gegründet.
Autoren/Hrsg.
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2.Wohin entwickelt sich Franchising?
Das Franchise-Business wird massgeblich von den Megatrends Globalisierung, Healthstyle (Gesundheit als Lebensstil), Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Individualisierung, Urbanisierung (Verstädterung) und dem demografischen Wandel beeinflusst. Es lohnt sich, die Trends hinsichtlich der Auswirkungen auf die Unternehmensstrategie, das Angebot und deren Attraktivität sowie Differenzierung vom Wettbewerb zu überprüfen. Wir wollen im Folgenden zeigen, wie sich Trends im Franchise-Business niederschlagen und welche neuen Konzeptideen daraus entstehen.
2.1Green Franchising
Green Franchising ergibt sich als logische Konsequenz aus den Megatrends Nachhaltigkeit, Urbanisierung und Digitalisierung. Verantwortungsbewusstes Handeln von Unternehmen ist im Zuge der globalen Umweltprobleme und gesellschaftlichen Herausforderungen ein »Must have« und kein »Nice to have« mehr. Gesetzliche Auflagen, steuerliche Umweltabgaben, Aktionspläne für Wirtschaft und Gesellschaft schüren diese Bewegung ebenso wie die zunehmende Transparenz durch soziale Medien, die Umweltsünden publik machen. Einige Unternehmen im Franchising erkennen frühzeitig, dass nachhaltige Verantwortungsübernahme grosse Chancen im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit, der Unternehmenskultur und der Attraktivität gegenüber den Partnern und Kunden birgt. Die Franchise-Struktur ist prädestiniert für die Integration und Multiplikation des Vier-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit – der ökonomischen, sozialen, kulturellen und ökologischen Nachhaltigkeit.
Abbildung 3: Franchise-Denkwerkzeug: Green-Franchising-Prinzip 2.0
Die nachhaltige ökonomische Dimension als Entscheidungsgrundlage wird für Franchising in den meisten Fällen sehr eingehend erarbeitet. Allein der Franchise-Aufbau erfordert in der Regel die akribische Analyse des Geschäftskonzepts im Rahmen des marktwirtschaftlichen Umfeldes, wie wir das ab dem dritten Kapitel vorstellen. Es werden Prognosen über die Konsequenzen einer Zusammenarbeit mit selbstständigen Geschäftspartnern und deren Wirken im Markt entwickelt. Im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsberechnung werden Hochrechnungen zum Break-even des Systems aufgestellt. Das Verhältnis zwischen Gebühren und Leistungen wird geklärt ebenso wie die langfristige Partnerbindung über verschiedene Tools und der Ausbau des Leistungsangebots. Auch wird das Potenzial möglicher Partner im Verhältnis zu möglichen Endabnehmern für eine internationale Expansion überprüft.
Interaktiv wachsen
Beim Green Franchising geht es um das Erarbeiten einer ganzheitlich verträglichen und nachhaltigen Geschäftskonzept-Lösung, in der alle vier Nachhaltigkeitsbereiche – Ökonomie, Ökologie, Kultur und Soziales – ausgewogen berücksichtigt werden. Sowohl die aktuellen und unmittelbaren Konsequenzen im Hier und Jetzt als auch die mittel- und langfristigen Auswirkungen für nachfolgende Generationen sind dabei zu betrachten und zu berücksichtigen. Negative Auswirkungen sind bereits in der Planung und Organisation zu vermeiden. So lautet eine Frage im Rahmen der sozialen Nachhaltigkeit: Wie ist das Franchise-System zu gestalten, damit es für Partner und Mitarbeitende verträglich und kompatibel sowie langfristig relevant bleibt? Gefragt ist ein interaktives Partnermarketing. Zusätzlich werden Thinktanks als Plattformen zur gemeinsamen Ideengenerierung und stetigen Optimierung des Leistungsangebots gebraucht: virtuelle und physische Communitys für die Förderung des Gruppengedankens und das Verfolgen gemeinsamer Projekte, die dem Gemeinwohl dienen und dabei positive Effekte auf das eigene Leistungsangebot haben.
Das britische Franchise-System »LUSH« führt für Partner und Mitarbeitende mindestens zweimal pro Jahr Meetings in England durch, um sich sowohl über die Produkte als auch über Ethik und Kampagnen auszutauschen. Ein Statement von Doris Trinkler, Mitgründerin der LUSH (Switzerland) AG, finden Sie auf unseren Farbseiten.
Für Tchibo ist Nachhaltigkeit seit 2006 integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Ausserdem verfügt das Unternehmen über eine eigene »Tchibo-Community«. Hier können Kunden Produkte testen, darüber abstimmen und Anregungen geben. Damit fliessen wertvolle Inputs in das Produktsortiment ein, wovon neben den 680 Standorten in Deutschland (darunter über 60 Franchise-Partner-Betriebe) auch die 360 Standorte im Ausland profitieren.9
Green-City-Franchising
Auf der ökologischen Ebene der nachhaltigen Ansätze gibt es noch grossen Handlungsbedarf. Neue grüne Unternehmenskonzepte siedeln sich aufgrund der sich ausweitenden Urbanisierung vorzugsweise im Bereich alternativer Energiequellen, Wohn- und Stadtprojekte sowie Mobilitätskonzepte an. Das beweisen immer eindrucksvoller verschiedenste Green-City-Modelle und -Parks, die entweder vollkommen neu entstehen oder sich über nachhaltige Planung transformieren und in der Folge multipliziert werden. Hierzu zählen zum Beispiel »Tianjin Eco-City« in China und die brasilianische Stadt Curitiba, die als dauerhaftester Nachhaltigkeitspionier und Leader des Latin American Green City Index eine herausragende Stellung einnimmt. Deren Bedeutung und nachhaltiges Vorbild haben wir auch in unserem Buch »Green Franchising« beschrieben, um reproduzierbare Nachhaltigkeitsmodelle vorzustellen.10
Tipp
Unter www.siemens.com (Suchbegriff »Green-City-Index«) können Sie sich die Studien inklusive Rankings der nachhaltigsten Städte weltweit herunterladen.
Die neu entstandene Öko-City Tianjin in China finden Sie unter dem Link www.tianjinecocity.gov.sg.
Grüne Transformation
Aber auch in Teilbereichen oder bisher eher »ungrünen« Branchen wie der schnellen Systemgastronomie lässt sich Gutes tun und durch Franchising wirkungsvoll vervielfältigen. So setzen die weltgrössten Gastronomie-Franchise-Systeme wie Subway mit seinen »Eco-Stores« oder Dunkin‘ Donuts mit seinem »Green Store« in Florida, USA, deutlich nachhaltige Zeichen. Die McDonald's Deutschland Inc. ebenso: Die Zweigniederlassung München wurde 2015 für ihr ganzheitlich nachhaltiges Agieren mit dem begehrten »Green Franchise Award« ausgezeichnet. 2016 folgte ihr die Schmidt Küchen GmbH und 2017 die TeeGschwendner GmbH (www.greenfranchiseaward.com). Daneben gibt es viele neue Fast-Good-Anbieter, die sich einer bewussten Ernährung verschrieben haben und Nachhaltigkeit in der gesamten Wertschöpfungskette berücksichtigen, wie zum Beispiel www.freshii.com aus Kanada oder www.salaedchen.com aus Deutschland.
Treiber dieser neuen Franchise-Entwicklung ist das Marktsegment der LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability). Dieses wächst beachtlich, und damit sowohl der Anteil an nachhaltig denkenden und handelnden Verbrauchern wie auch an kritischen Franchise-Anwärtern. Die Forderung nach einem verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen und fair gehandelten Waren wird so zukünftig zu einer Messlatte, wenn es um die Attraktivität und vor allem um das Überleben von Franchise-Systemen geht. Allerdings ist dabei zu beachten, dass nachhaltiges Wirken zum Grundverständnis der Unternehmen passen muss, im Sinne eines Green Controlling gemessen und in Nachhaltigkeitsberichten dokumentiert wird.
Claus-Heinrich Daub
Ereignisse wie die Verabschiedung des Pariser Abkommens zum Klimaschutz und der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) im Jahr 2015 markieren nicht nur Meilensteine auf dem Weg der Menschheit über einen Planeten, den sie durch überbordenden Ressourcenverbrauch und Konsum in einen bedenklichen Zustand versetzt hat. Mit der bei allen Gipfeln und Übereinkünften wiederholt betonten Rolle, die Unternehmen für eine nachhaltige globale Entwicklung spielen, wächst auch der Druck auf ebendiese, ihre Beiträge nachzuweisen. Wie eine aktuelle Studie aus der Schweiz zeigt (Daub/Winistörfer/Weber 2016), setzen sich Unternehmen hierfür zunehmend konkrete Ziele und beziehen dabei auch verstärkt ihre Wertschöpfungskette ein. Damit erhöhen sie wiederum den Druck auf ihre Geschäftspartner. Gelingt es Unternehmen, Fragen der Nachhaltigkeit systematisch in ihrer Geschäftstätigkeit zu berücksichtigen und transparent darüber zu berichten, wirkt sich dies – so zeigen viele Untersuchungen – über Reputationsgewinne, eine Stärkung der Innovationskraft oder eine Steigerung der Zufriedenheit der Mitarbeitenden vielfältig positiv auf ihren ökonomischen Erfolg aus.
Prof. Dr. Claus-Heinrich Daub, Professor für Marketing und Management an der Fachhochschule Nordwestschweiz und stellvertretender Leiter des Instituts für...




