E-Book, Deutsch, Band 1, 334 Seiten
Reihe: Aderunita
Bellcut Aderunita
4. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7407-7602-2
Verlag: TWENTYSIX EPIC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Seelenband
E-Book, Deutsch, Band 1, 334 Seiten
Reihe: Aderunita
ISBN: 978-3-7407-7602-2
Verlag: TWENTYSIX EPIC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ela Bellcut ist gelernte Fotografin & ein laufendes kreatives Chaos. Mithilfe von To-do-Listen und diversen Notizbüchern versucht sie, ihr Leben zwischen dem Brotjob & dem Schreiben zu händeln. Am liebsten zieht sie sich ins Grüne zurück, verbringt Zeit mit ihrer Katze oder widmet sich ihren ausgefallenen Ideen. Ihre schriftstellerische Tätigkeit hat sie mit Gedichten, Kurzgeschichten und Texten als Filmkritikerin für eine Onlineplattform begonnen. "Aderunita - das Seelenband" ist Elas Debütroman & der 1. Teil der vierteiligen Romantasy/ Urban Fantasy Reihe.
Autoren/Hrsg.
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2. VERLOREN IM SOG
Natura schrie auf, als sie schwungvoll herumgedreht und von der Klippe weggerissen wurde.
Doch der Laut, der über ihre Lippen drang, wurde jäh unterbrochen, als sie von zwei starken Armen umschlungen wurde.
Sie blickte in blaue Augen, die von schokobraunen Locken umrahmt wurden. Schlagartig befand sie sich in einem schwindelerregenden Déjà-vu-Erlebnis und wurde zurück in ihren Traum katapultiert.
Sie hatte insgeheim gehofft, ihn hier zu treffen, dennoch übertraf die Realität das Erträumte.
Alle Empfindungen stürmten gleichzeitig auf sie ein: Verwirrung, Schock, dass ihr Traum nicht bloß nur ein Traum war, und seine Nähe.
Natura fühlte, wie seine rechte Hand sanft gegen ihren Rücken drückte, wohingegen die andere fest ihren Arm umfasste. Sie spürte die Wärme seines Körpers durch ihr dünnes Kleid hindurch und nahm deutlich die Muskeln seines Oberkörpers wahr, der sich gegen ihre Brust presste. Er war real.
Ihr Gegenüber war gut einen Kopf größer als Natura, wodurch sie zu ihm aufsehen musste. Als sie nun jeden Zug seines Gesichts studierte, erkannte sie erst, wie verblüfft er wirkte. Die Begegnung hatte ihm anscheinend die Sprache geraubt. Er war erstarrt wie eine Statue, nur warm und mit pochendem Herzen. Er lockerte seinen Griff nicht, hielt sie nur fest, als wäre sie ein seltener Vogel, den er schützen musste.
Als ihr Verstand nach einer gefühlten Ewigkeit versuchte, die vorliegende Situation zu erfassen, kam sie sich total albern vor. Ihr Herz raste wie das eines Kaninchens, das im Angesicht einer Schlange vor Angst erstarrt war.
Hinter der Verblüffung ihres Gegenübers erkannte sie eine Anspannung, die sie nicht zuordnen konnte, und ihr drängte sich der Gedanke auf, ob sie Angst vor ihm haben sollte.
Nur dass sie keine Angst empfand.
Obwohl sie an einen wildfremden Mann gepresst stand, fühlte sie sich wohl.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Natura nicht an Visionen geglaubt. Trotzdem konnte sie nur an ihren Traum denken. Sie fühlte sich bei ihm geborgen und hätte ewig dort mit ihm stehen können, wäre da nicht die Stimme der Skepsis in ihr gewesen.
„Ähm, was wird das? Kidnapping?“ Sie wusste selbst nicht, woher ihr Sarkasmus kam.
Er erwachte aus seiner Erstarrung und antwortete dann zögerlich: „Ich dachte, du wolltest springen.“
Seine Stimme war viel tiefer, als sie es aufgrund seines Alters erwartet hätte.
Er sah aus, als wäre er nicht einmal zwanzig, klang jedoch, als hätten Jahre des Whiskys und der Zigaretten ihn heiser werden lassen.
Sie wartete einen Moment, damit er noch etwas sagen oder erklären konnte, aber er guckte sie nur weiterhin an, als müsste er seine Gedanken sortieren, und hielt sie stumm in seinen Armen.
Dieses Ausharren kostete Natura ihre gesamte Geduld, aber sie wollte ihn auch nicht gleich überfahren, wie sie es sonst bei Phil tat.
Seine Lippen verzogen sich mit einem Mal zu einem Lächeln und in seinem Blick erschien eine Wärme, die Naturas Herz in einen unregelmäßigen Takt stolpern ließ. Es knisterte nicht nur zwischen ihnen, als gäbe es eine kleine elektrische Spannung, sondern als strömten 250 Volt auf einmal durch ihren Körper.
Sie schaute auf seinen Mund und wollte ihn am liebsten küssen.
Natura verzog irritiert das Gesicht und schüttelte kurz ihren Kopf, um ihre merkwürdigen Gedanken loszuwerden.
„Würdest du mich loslassen?“, fragte sie, bevor sie noch etwas Dummes tat.
Er zuckte zurück. Das Lächeln verschwand wieder. Dafür huschte ein verwirrter, nahezu gequälter Ausdruck über sein Gesicht.
Er machte ein paar zaghafte Schritte rückwärts und ließ Natura zu ihrem Bedauern vorsichtig los. Ihr Körper wollte rebellieren und ihn erneut an sich ziehen. Doch sie riss sich zusammen und versuchte mühsam, Herrin über ihre Gefühle zu werden.
Sie wollte sich nicht anmerken lassen, welch ein Gefühlstornado durch ihren Körper fegte. So etwas hatte sie bis dato noch nie erlebt. Es verunsicherte sie nicht nur – sie kam sich in seiner Gegenwart fast hilflos vor.
Betreten guckte sie zu Boden.
ermahnte sie sich, straffte die Schultern und blickte wieder zu ihm auf.
Er wirkte plötzlich verschlossen, seine Miene eine undurchdringliche Maske. Kein Lächeln, keine Regung. Als wären die letzten Minuten nicht schon verwirrend genug für sie gewesen, empfand sie sein spontanes Verhalten wie eine Ohrfeige.
„Wenn du keinen Selbstmord planst, was tust du dann hier?“
Ihr war nicht klar, ob er sie verarschen wollte oder ob das seine Art war, Konversation zu betreiben.
Eigentlich hatte sie kein Recht, wütend auf ihn zu sein, aber das war ihren Gefühlen total egal.
„Ich … ähm …“
Sie räusperte sich und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich mach Fotos. Kann ja keiner ahnen, dass es strahlende Ritter auf dieser Insel gibt.“
.
„Strahlende Ritter?“
„Fotos – ohne Kamera?“, hakte er skeptisch nach.
„Wie du siehst“, sagte sie knapp und wies dabei auf den Fels hinter sich. Beweisstück: Kamera.
„Ah“, war das Einzige, was er dazu sagte. Eisiges Schweigen folgte.
Natura fragte sich, ob ihr Traum gerade zu einem Albtraum wurde, bei der beklemmenden Stille, die sich entwickelte. Nichtsdestotrotz war sie neugierig: „Und was machst du hier?“
Sie hoffte, dass er aus dem gleichen Grund hier war wie sie. Immerhin schien er geradewegs aus ihren Träume gefallen zu sein. Auch wenn er nur noch wie ein starres Abbild derer aussah, fand sie ihn seltsamerweise anziehend.
Diese Theorie schien ihr viel wahrscheinlicher, als dass dies hier der Realität entsprach. Trotzdem wollte ein Teil von ihr lieber nicht aufwachen.
Natura sah ihn abwartend an.
Er sah nicht so aus, als ob er reden wollte. Sie erwartete fast, dass er gleich wortlos ging. Doch zu ihrer Überraschung fing er an zu erklären: „Wir sind vorhin mit der Fähre angekommen. Meine Mutter hatte die grandiose Idee, in die Burg dort hinten zu ziehen. Vielleicht war es auch eine naheliegende Lösung, da wir sie von meinem Vater geerbt haben.“ Er zuckte mit den Schultern, als wüsste er auch nicht, was er hier zu suchen hatte.
„Geerbt?“, hakte Natura besorgt nach.
„Ach, keine Sorge. Er ist lange tot.“ Er verstummte kurz und verzog das Gesicht, als ihm klar wurde, was er da gerade gesagt hatte. Seine Maske bröckelte.
Er lächelte kurz entschuldigend und sprach dann weiter: „Ich kannte meinen Vater nicht. Er ist kurz nach meiner Geburt gestorben. Diese Burg hier ist das Einzige, was mich mit ihm verbindet. Ist also nicht tragisch. Also, ich meine, mir ist dieser Mann fremd. Ich hatte nie eine Vaterfigur. Ich weiß auch nicht viel über ihn, von daher – er bedeutet mir nichts.“
Er hielt inne und schien erneut über das Gesagte nachzudenken.
Genervt verzog er abermals das Gesicht.
Natura vermutete, dass ihm die richtigen Worte für seine Gefühlswelt fehlten. Außerdem schien er hin- und hergerissen zu sein, ob er dieses Gespräch mit ihr führen oder gehen sollte.
In seinem Kopf schien ein Kampf zu toben. Sie fühlte es. Er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Aber sie hätte darauf gewettet, dass die Begegnung mit ihr ihn keineswegs so kaltließ, wie er tat.
„Also ich will nicht unbarmherzig klingen. Vaters Tod ist natürlich tragisch und meine Mutter litt – beziehungsweise leidet noch darunter –, doch …“
Unter Naturas forschendem Blick schien er mit jedem Wort, das stockend aus seinem Mund kam, nervöser zu werden.
„Ist okay. Ich weiß, was du meinst“, sagte sie mitfühlend, um seinem Gestammel ein Ende zu setzen und hob ihre Hand in Richtung seines Oberarms, um ihn tröstend zu berühren, bis ihr klar wurde, was sie da tat. Schnell ließ sie ihre Hand wieder sinken.
Noch eine Berührung hätte sie nur von neuem aus dem Konzept gebracht. Außerdem schien er nicht der Typ zu sein, den man trösten musste.
Obwohl – irgendetwas an ihm gab ihr das Gefühl, dass das vielleicht gar nicht stimmte.
Während sich seine Kiefermuskeln anspannten, trat etwas in seinen Blick. Etwas Unbestimmtes. Suchendes. Hoffnungsvolles.
Er beobachtete währenddessen ihre sinkende Hand und trat unruhig von einem Bein auf das andere.
Um das Gespräch in eine andere Bahn zu lenken, sagte Natura, was ihr gerade einfiel: „Die Burg steht seit vielen Jahren leer. Ein- bis zweimal im Jahr wartet...




