E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Behr Kommissar Wischkamp: Anonymus@
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95876-045-5
Verlag: Brighton Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Werne Krimireihe 4
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-95876-045-5
Verlag: Brighton Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Den Einwohnern der Kleinstadt Werne an der Lippe steht ein ruhiger Sommer bevor. Auch Kommissar Jens Wischkamp ist mit ein paar grausam zugerichteten Katzen, deren Einzelteile mysteriöse Botschaften bilden, nicht sonderlich beschäftigt. Doch dann werden erste menschliche Leichenteile nach dem gleichen Muster gefunden, seltsame E-Mails eines gewissen Anonyums@ weisen auf weitere Taten hin. Für Wischkamp und seine Kollegen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Als sie endlich erkennen, womit sie es zu tun haben, ist es fast zu spät - der Täter hat bereits sein nächstes Opfer im Visier ... Kommissar Wischkamps vierter Fall führt in die psychischen Abgründe eines Täters, der ungewollt immer mehr Gefallen an seinen Taten findet. Kann Wischkamp den geheimnisvollen Anonymus@ rechtzeitig stoppen?
Autoren/Hrsg.
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Kriminalhauptkommissar Jens Wischkamp saß gemeinsam mit seiner Frau Silvie beim Frühstück. Allerdings sah er von seiner Frau nicht allzu viel. Das hübsche Gesicht mit den rotblonden Locken versteckte sich hinter dem Lokalteil der Tageszeitung.
Vorsichtig tippte er von der Rückseite dagegen.
»Was gibt es denn so Fesselndes in unserer reizenden Kleinstadt Werne, dass du mich nicht einmal mehr ansehen magst?«, fragte er grinsend.
Silvia Wischkamp errötete leicht.
»Ach, nichts Besonderes. Ich habe hier nur gerade einmal wieder einen Artikel über diesen jungen Schriftsteller aus Werne gelesen. Der hat schon wieder einen neuen Kriminalroman geschrieben.«
»Ach ja?«
Das Interesse von Jens Wischkamp hielt sich deutlich in Grenzen. Nicht, dass er nicht gern einmal ein gutes Buch lesen würde. Aber es musste nicht unbedingt ein Krimi sein, denn damit hatte er von Berufs wegen nun mal schon genug zu tun. In seiner Freizeit wollte er von Mord, Totschlag, Erpressung und ähnlichen Dingen verschont bleiben. Ganz anders seine Ehefrau. Die verschlang Kriminalromane geradezu.
»Hör doch mal zu, Jens. Dieser Herr Schober veranstaltet eine Lesung aus seinem neuen Roman in diesem entzückenden kleinen Café am Markt. Das wird sicher ungeheuer spannend. Können wir hingehen? Bitte1«
Eigentlich konnte Jens seiner Frau eigentlich keinen Wunsch abschlagen. Trotzdem stöhnte er
»Muss das wirklich sein, Silvie? Du weißt, dass mich Krimis nicht sonderlich interessieren. Wann soll das denn stattfinden?«
Triumphierend grinste seine Frau ihn an.
»Übernächsten Mittwoch und in dieser Woche hast du Urlaub, mein Liebling. Bitte, tu mir den Gefallen und komm mit. Ich mag nicht gern allein da sitzen. Und es dauert ja auch nur ungefähr eine Stunde. Bitte.«
Jens Wischkamp gab sich geschlagen.
»Also schön, dann besorge eben die Karten. Ich werde das schon überstehen. Aber eines sage ich dir, wenn der Kerl Schwachsinn schreibt, werde ich ihm sagen, wer ich bin und was ich von seinem Buch halte.«
Silvie Wischkamp lächelte. Sie hatte natürlich gewusst, dass Jens ihr zuliebe mitgehen würde. Und sie hatte schon einige Bücher von Maximilian Schober gelesen, der wusste genau, wie er seine Leser zu fesseln vermochte. Und sachliche Fehler, nein, die waren Silvie auch nicht aufgefallen. Ein wenig konnte sie da ja schließlich auch mitreden, sie war ja mit einem Kriminalbeamten verheiratet. Da bekam man schon eine Menge mit.
Die Woche verging wie im Flug. Jens Wischkamp hatte auch im Kommissariat in Unna nicht allzu viel zu tun. Er freute sich auf seine Woche Urlaub, die er ruhigen Gewissens antreten konnte. Kein offener Fall lag da, der ihm vielleicht die Ruhe hätte rauben können. Wäre da bloß nicht diese blöde Autorenlesung, zu der seine Frau ihn unbedingt schleppen wollte. Darauf hätte er nun wirklich gern verzichtet. Aber was tat man nicht alles für den Menschen, den man liebte? Irgendwie würde er die Zeit schon überstehen. Ein oder zwei Stückchen Sahnetorte und ein guter Kaffee, und dann wäre ja auch schon alles vorbei.
In der Lokalredaktion der örtlichen Tageszeitung saßen Chefredakteur Walter Zwirbel und sein junger Praktikant zusammen.
»Chef, die Lesung von dem Schober, kann ich dahin gehen?«
Lukas Möller sah seinen Redakteur gespannt an. Der überlegte einen Moment.
»Das wäre dein erster Außenauftrag, den du ganz allein erledigst. Traust du dir das denn zu?«
»Ich bin ein echter Fan von Maximilian Schober und habe bisher jedes Buch von ihm gelesen. Wenn Sie meinen, dass ich das nicht hinkriege, kann ich ja einen Fragenkatalog vorbereiten. Also ehrlich, Chef, den Schober, den finden wir bestimmt irgendwann auf der BestsellerListe. Diese Krimis gehen einem wirklich unter die Haut.«
Walter Zwirbel grinste. So eine Begeisterung hatte er gar nicht erwartet. Ihm kam das ja auch ganz gelegen, denn genau an dem Abend fand im Kolpinghaus in Werne ein Doppelkopf-Turnier statt und da wollte Walter Zwirbel mitspielen. Er klopfte Lukas Benning auf die Schulter.
»Einverstanden, dann geh du mal da hin und schreibe einen schönen Bericht. Im Augenblick ist ja rein gar nichts los in Werne, ich halte dir für Donnerstag eine halbe Seite im Lokalteil frei. Aber der Bericht muss noch am Abend geschrieben werden, klar?«
Lukas Benning nickte. In Gedanken war er schon dabei, die Fragen zu entwerfen, die er seinem Idol Maximilian Schober stellen wollte. Hoffentlich war der zugänglich für Presseinterviews. Aber andersherum, der brauchte doch schließlich die Werbung in der Zeitung. Es würde schon schiefgehen und Lukas Benning nahm sich vor, gleich ein Exemplar des neuen Schober-Krimis zu kaufen. Bis zur Lesung war noch Zeit genug, das Buch durchzulesen und dann auch dazu ein paar fundierte Fragen zu stellen.
»Autor Maximilian Schober liest aus seinem aktuellen Kriminalroman „Ein Stückchen Tod“.«
Innerlich musste Jens grinsen. Er mochte nun mal keine Krimis, unter anderem deshalb, weil die meisten Autoren eine unbegrenzte Fantasie entwickelten, die auch vor der Polizeiarbeit nicht haltmachte. Manchen von denen würde er wünschen, einfach mal einen Tag in einem Kommissariat zu verbringen und zu sehen, womit sich ein Kriminalbeamter normalerweise so rumschlagen musste. Aber er hütete sich, diesen Gedanken im Beisein seiner Ehefrau auszusprechen. So, wie er Silvie kannte, würde die bestimmt nicht zögern, diesem Maximilian Schober ein solches Angebot zu unterbreiten und dann hätte er den Kerl am Hals. Nein, dazu hatte Kriminalhauptkommissar Wischkamp wahrhaftig keine Lust. Und überhaupt, dieser Titel „Ein Stückchen Tod“. Wahrscheinlich blutrünstig und unrealistisch, tat er jeden weiteren Gedanken an dieses Buch ab.
Maximilian Schober war immer noch sehr nervös und aufgeregt vor jeder Lesung. Für ihn würde das niemals zur Routine werden, da war er sich sicher. Es war aber auch sehr schwierig, aus einem Kriminalroman Texte herauszusuchen, die die Zuhörer zu fesseln verstanden und trotzdem nicht zu viel verrieten. Bisher war ihm das immer gut gelungen, aber würde es auch dieses Mal funktionieren? Man konnte sich schließlich niemals sicher sein. Hier in seiner Heimatstadt war Maximilian einigermaßen bekannt. Das war sicher auch der Grund dafür, dass die Lesung bereits nach wenigen Tagen ausverkauft war.
»Langsam müssen wir mal etwas Überregionales machen«, hatte sein Verleger in der letzten Woche gesagt.
Eigentlich wollte Schober das auch, aber er hatte auch gleichzeitig Angst davor, in einer fremden Stadt vielleicht vor leeren Stühlen lesen zu müssen. Trotzdem, sein Traum war es, als Autor erfolgreich zu sein. Er würde seine Ängste und die Nervosität in den Griff bekommen müssen, sonst konnte er seinen Traum vergessen. Die Qualität seiner Bücher hatte sich langsam, aber stetig verbessert und er hatte schon eine kleine Fangemeinde, die ungeduldig auf jedes neue Buch wartete. Davon zeugten die vielen Gästebucheinträge auf seiner Homepage. Über die meisten freute er sich wirklich, aber es gab auch ein paar Einträge, die ihm zu denken gaben.
Insbesondere ein Fan, der sich im Gästebuch immer nur als „Anonymus@“ eintrug, machte ihm ein wenig Angst. Zwar lobte auch dieser Fan seine Bücher in den höchsten Tönen, forderte ihn aber immer wieder auf, aggressivere Werbung für seine Bücher zu machen. Inzwischen beschränkte er sich auch nicht mehr darauf, Einträge im Gästebuch zu verfassen. Er schrieb E-Mails an den Autoren, in denen er Schober immer wieder aufforderte, endlich einmal etwas Außergewöhnliches zu unternehmen, um seine Romane besser bekannt zu machen. Maximilian Schober hatte keine Ahnung, was dieser Typ sich so vorstellte oder dachte. Als wenn das so einfach wäre. Er war doch immer schon sehr froh, wenn die Eintrittskarten für seine Lesungen gut verkauft wurden.
Und gerade heute hatte er nun eine E-Mail von Anonymus@ erhalten, der ihn sehr beunruhigte.
»Ich freue mich auf die Lesung heute in Werne, und weil ich Ihren Namen noch immer nicht in der überregionalen Presse oder auf irgendeiner Bestsellerliste finde, habe ich mich entschlossen, Ihnen bei der Vermarktung Ihres Buches behilflich zu sein. Gerade der neue Roman „Ein Stückchen Tod“ bietet dazu ideale Möglichkeiten. Nein, ich werde Ihnen nicht verraten, was ich im Einzelnen vorhabe, aber Sie können sicher sein, dass Ihnen ein durchschlagender Erfolg ins Haus stehen wird.
Anonymus@«
Dieser merkwürdige Fan seiner Krimis würde also bei der Lesung in Werne zugegen sein. Ob er sich zu erkennen geben würde? Und was mochte er vorhaben? Immer wieder hatte Maximilian Schober darüber nachgedacht, wieso gerade der aktuelle Krimi so gut geeignet wäre für einen Fan, etwas Entscheidendes für eine bessere Vermarktung zu tun, aber ihm wollte einfach nichts Passendes einfallen. Sein Roman war natürlich reine Fiktion, seiner ureigenen Fantasie entsprungen. Und sein Verleger tat, was in seinen Kräften stand, um die Werbung für Maximilian Schober und seine Bücher voranzutreiben. Wahrscheinlich erlaubte sich da jemand nur einen bösen Scherz mit ihm. Er beschloss, jeden weiteren Gedanken an diesen merkwürdigen Gästebucheintrag aus seinem Kopf zu verbannen und statt dessen jetzt da raus zu gehen und mit seiner Lesung zu beginnen.
Jens Wischkamp sah sich den Autoren genau an. Ziemlich mickrig, dachte...




