Beckerhoff | Der Weltenträumer: Karl Konrads heimliches Afrika | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 251 Seiten

Beckerhoff Der Weltenträumer: Karl Konrads heimliches Afrika

Roman
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-252-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 251 Seiten

ISBN: 978-3-98952-252-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die größte Reise ist das Leben selbst: Der berührende Roman »Karl Konrads heimliches Afrika« von Florian Beckerhoff jetzt als eBook bei dotbooks. Seit sein Vater und Bruder nach Afrika ausgewandert sind, lebt Karl Konrad mit seiner Mutter allein in einem kleinen Haus am Dorfrand. Niemals würde der Eigenbrödler sich so weit von zu Hause weg trauen - doch als eine Postkarte von seinem Bruder im Briefkasten liegt, kommt er ins Grübeln ... Liegt das Abenteuer wirklich immer in der Ferne? Als der benachbarte Zirkus pleite geht und all seine Tiere verkaufen muss, fasst Karl einen Entschluss: Er baut sich sein ganz eigenes, heimliches Afrika - direkt hinter dem Waldrand! Bald wimmelt es um Karls Haus nur so vor Leben: Zebras, Giraffen, Strauße und sogar ein gutmütiges Flusspferd namens Esmeralda finden hier ihr neues Zuhause ... Aber wie lange kann Karl dieses Paradies für sich behalten? Und was werden die anderen Dorfbewohner sagen, wenn sie davon erfahren? Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der warmherzige Roman »Der Weltenträumer: Karl Konrads heimliches Afrika« von Bestsellerautor Florian Beckerhoff wird alle Fans von Fredrik Backman und Carsten Henn begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Florian Beckerhoff, geboren 1976 in Zürich, wuchs in Bonn auf. Nach seinem Studium der Literaturwissenschaften in Berlin und Paris promovierte er an der Universität Hamburg über literarische Schwerversprecher und arbeitete danach unter anderem als Sprachlehrer, Museumswärter und Werbetexter. Seinem Bestseller »Frau Ella«, der mit Matthias Schweighöfer verfilmt wurde, folgten zahlreiche Romane und Kinderbücher. Florian Beckerhoff lebt heute mit seiner Familie in Berlin. Bei dotbooks veröffentlichte Florian Beckerhoff seine Romane »Frau Ella« »Das Landei« »Ein Sofa voller Frauen« »Die Geschichtenerzählerin: Ein Sommer bei Gesomina« »Die Glückssuchenden: Herrn Haiduks Laden der Wünsche« - erscheint im Hörbuch bei Saga
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Kapitel 1


Als es am späten Vormittag dieses schon recht warmen Frühlingstages an der Haustür der Konrads klopfte, wusste Karl gleich, dass Hubertus ihm etwas zu übergeben haben würde. Die Zeiten, da der Briefträger ohne handfesten Grund bis an die Tür kam, waren lange vorbei. Zu straff war die Route mittlerweile durchgeplant, zu unvorhersehbar die Qualitätssicherungskontrollen des global agierenden Postdienstleisters. Es musste sich um ein Paket handeln oder um ein Einschreiben oder aber um eine Sendung per Nachnahme, wobei Karl nicht hätte sagen können, welche der drei Überraschungen ihm am liebsten gewesen wäre. Zweifellos hätte er aber jede der drei Möglichkeiten dem vorgezogen, was ihn dann tatsächlich erwartete, nachdem er die Flamme unter dem Gemüseeintopf kleiner gestellt hatte und mit umgebundener Schürze zur Haustür geschritten war. Schon durch das von dünnen Drähten durchzogene Milchglas erkannte er Hubertus an seiner massigen Erscheinung.

»Mahlzeit«, grinste der Postbote, kaum hatte Karl die Tür einen Spalt weit geöffnet.

»Hubertus«, sagte er. »Was gibt’s denn?«

»Du wirst es nicht glauben, aber ich konnte einfach nicht anders als draufgucken.«

»Wo drauf denn?«

»Briefgeheimnis gilt ja nur für Briefe.«

»Wieso Geheimnis?«

»Hier«, sagte Hubertus und streckte ihm die rechte Hand entgegen, in der sich ein einziges kleines Stück Pappe befand. Eine Postkarte. »Die ist von Tommy.«

Karl griff nach der Karte und betrachtete das leicht vergilbte Bild auf der Vorderseite. Zwei Zebras weideten in einem Sonnenuntergang. Durch den tiefroten Himmel zogen sich wurmartige Wülste. Die Karte hatte wohl eine beschwerliche Reise hinter sich, in deren Verlauf es zu heftigem Knicken gekommen war. Der geringste Vorwurf war dafür sicherlich Hubertus zu machen. Der beäugte Karl noch immer gespannt auf eine Reaktion. Er musste zügig weiter, wenn er keinen Ärger riskieren wollte.

»Und?«, fragte er deshalb nach einer kurzen Weile.

»Ja«, sagte Karl.

»Ja was?«

»Ja eben.«

»Eben was?«

»Ja das! Das hier!«, meinte Karl ganz unerwartet aufgeregt. »Sind das jetzt weiße oder schwarze Streifen?«

»Entschuldige?«

»Die Dinger hier, die Zebras. Sind die schwarz mit weißen oder weiß mit schwarzen Streifen?«, fragte Karl und hielt die Karte so, dass Hubertus freie Sicht hatte auf die Tiere, die er am Morgen längst ausgiebig studiert hatte.

»Dem Kleinen scheint’s ja prächtig zu gehen da unten. Hatte wohl recht, sich davonzumachen«, versuchte er das Gespräch in die Bahnen zu lenken, die ihn viel stärker interessierten als das So-oder-so-Gestreiftsein der Zebras. »Seit wann ist der noch weg? Jahre muss das her sein.«

»Vermutlich sind sie schwarz, so wie die Menschen da«, sagte Karl wieder ruhiger. »Ja, schwarz mit weißen Streifen.«

Hubertus brauchte eine Weile, um Karls Gedankengang nachzuvollziehen.

»Zwei haben sie neulich hier gesehen«, meinte er schließlich.

»Was haben sie?«

»Richtige Schwarze.«

»Zwei schwarze Zebras?«

»Nein, richtig schwarze Menschen.«

Karl blickte an Hubertus vorbei auf die unbewohnten Bungalows gegenüber. Keine Wolke war am Himmel. Auch heute würde es nicht regnen.

»Na und?«, fragte er. »Ist das ein Grund zu stören?«

Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte Karl sich ab und ging zurück ins Haus. Leise schloss er die Tür, um seine im Wohnzimmer ruhende Mutter nicht zu wecken. Die Postkarte legte er auf das Telefontischchen.

Zurück in der Küche, gelang es Karl einige Minuten lang, sich ganz auf die Möhren und Selleriestauden zu konzentrieren. Kaum waren die aber gestückelt und im Eintopf versunken, tauchten in seinem Kopf genau die Erinnerungen auf, die Hubertus so sehr interessierten. Immer wieder blickte Karl über die Schulter zurück in den Flur. Hastig griff er in das schmale Holzregal über dem Herd, nahm Salz und Pfeffer, um sich würzend auf andere Gedanken zu bringen. Ein Blick auf die Küchenuhr bestätigte ihm, dass er spät dran war. Es war ihm wichtig, dass seine Mutter pünktlich zu Mittag aß, und auch er selbst spürte den Magen knurren. Rasch ging er ins Wohnzimmer.

Karls viel zu langer Rücken schmerzte unter der Last seiner Mutter. Er versuchte, sich nichts davon anmerken zu lassen. Da sie wenig tun konnte, um ihm die Arbeit zu erleichtern, dauerte es einige Minuten, bis sie auf eigenen Beinen stand und sich von ihm an den längst eingedeckten Esstisch führen ließ. Mit zwei Ecken schlossen die Tischdeckenschoner an die Rundung der weiß betuchten Tischplatte an. Der unterste Punkt des jeweiligen Tellerrandes wiederum lag genau über der Unterkante des zugehörigen Tischdeckenschoners. Wie jeden Mittag setzte Karl seine Mutter auf den in Richtung Fenster blickenden Platz. Mit aller Kraft schob er sie bis an die Tischkante heran, damit Eintopfelemente, die auf dem Weg zu ihrem Mund verlorengehen würden, nicht auf den nur mühselig zu reinigenden Teppich fielen. Auf dem hinterließen die mit Metall beschlagenen Füße des Stuhls parallele Streifen, die Karl mit einem raschen Fußwischer entfernte. Verdammte Streifen! Auf dem Weg zurück in die Küche blickte er bewusst nicht in Richtung des Telefontischchens.

Nachdem Karl sich davon überzeugt hatte, dass die Kartoffeln ausreichend weich gekocht waren, nahm er den Eintopf von der Flamme und schüttete ihn schwungvoll in die bereitstehende Suppenschüssel. Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer stieß er fast gegen den Türrahmen, da er nicht anders konnte, als nach der Postkarte zu sehen. Verdammter Hubertus! Der hätte die Karte wie alle anderen Postsendungen auch in den Briefkasten werfen sollen, wo sie jetzt läge, ohne ihn zu belästigen! Denn Karl hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, erst nachmittags nach der Post zu sehen. Derart in Gedanken erreichte er schließlich unbeschadet den Esstisch, stellte die Suppenschüssel zentral zwischen die beiden Gedecke und gab seiner Mutter auf. Erst dann bediente er sich selber.

»Mahlzeit, Mama«, sagte er.

Sie aßen schweigend. Immer wieder fielen der Mutter einzelne Stücke vom Löffel auf die Tischdecke. Karl versuchte, sich auf sein Essen zu konzentrieren. Jedes Schmatzen seiner Mutter, jeder dumpfe Aufprall eines Stücks Gemüse ließ ihn jedoch mit einem leichten Stirnrunzeln in Richtung des Telefontischchens blicken. Natürlich hatte auch Mutter Konrad das ungewohnte Klopfen an der Haustür gehört.

»Es war nichts«, sagte er schließlich. »Hubertus hat sich vertan.«

Die Mutter schwieg wie schon so lange.

Sobald sie ihm signalisierte, dass sie genug gegessen habe, stand er auf, deckte Teller, Besteck und Suppenschüssel ab und ging in die Küche, um Kaffee zu kochen. Als er zurück ins Wohnzimmer kam, zeigte die Mutter lächelnd in Richtung des Radios, woraufhin er ihr den gewohnten Sender einstellte. Wie üblich hatte er am Abend auf seine Frequenz geschaltet, um das klassische Konzert zu hören. Mutter Konrad lauschte am liebsten den glücklichen Schlagern.

Weit, weit hinaus aufs Meer, treibt mich die Sehnsucht sehr …

Karl hatte vergessen, den kleinen Wasserboiler über dem Waschbecken einzuschalten, als er den Kaffee aufgesetzt hatte. Während das Wasser sich jetzt immer lauter rauschend erhitzte, füllte er den Rest des Eintopfs in eine der großen Plastikschalen, die er mit Frischhaltefolie bedeckte und in den Kühlschrank stellte. Der Aufschnittvorrat neigte sich dem Ende zu. Später würde er ins Dorf zur Fleischerei gehen müssen. Auch die Butter reichte nur noch zum Abendbrot, und das, obwohl er immer darauf achtete, im Supermarkt genug für die Woche einzukaufen.

Aus dem Wohnzimmer drang die Stimme des Nachrichtensprechers. Seit fast zwei Monaten hatte es nicht geregnet, was für die Jahreszeit nicht typisch war. Für die kommenden Tage erwartete man feuchte Luft von Norden. Es folgte Musik, und endlich kochte auch das Wasser im Boiler. Karl griff nach den dunkelvioletten Haushaltshandschuhen. Seine Finger waren ein gutes Stück zu lang. Das Gummi spannte unangenehm, doch er hatte alle verfügbaren Modelle ausprobiert. Verglichen mit dem Ärger, den sie beim Ausziehen machten, war das Überziehen ein Leichtes. Dann tauchte er die Hände ins Wasser. Mit einer kleinen Verzögerung drang die Wärme durch das Gummi.

Ziemlich genau in dem Moment, da Karls durchblutungsbedingt leicht unterkühlte Finger die Wärme des Abwaschwassers in sich aufsogen, trat Hubertus aus der fast schon sommerlichen Mittagshitze in den angenehm temperierten Verkaufsraum der Fleischerei im Zentrum des Dorfes. Das letzte hier verbliebene Geschäft führte eine multiple Existenz als Lebensmittelladen, Paketannahme, Zeitschriftenhandlung, Tabakbedarf, Touristeninformation, Fahrkartenverkauf, Imbiss, Stehcafé und nicht zuletzt auch noch als klassische Fleischerei mit Schlachtlizenz. Lange hatte der Fleischer nach einem Namen für sein Unternehmen gesucht, der dieser Expansion von Waren und Dienstleistungen angemessen Rechnung tragen könnte. Letztlich hatte er, der den Großteil des Tages in der zum Garten hin gehenden Wurstküche verbrachte, aber eingesehen, dass hier sprachlich nichts zu machen war. Eine Erkenntnis, die ihm nicht zuletzt die Anschaffung eines neuen Firmenschildes erspart hatte.

»Sag mal, du kennst dich doch mit Tieren aus«, sagte Hubertus zu Elke, der für ihre gut dreißig Jahre noch sehr jugendlich wirkenden Fleischereifachverkäuferin. Mit ihren anderthalb Metern schaute sie gerade eben über die Auslage, durch deren makellos poliertes Glas bei all der guten Wurst auch ihre drallen Rundungen ins Auge fielen.

Wie jeden Tag, an dem Post ausgetragen wurde, stärkte sich Hubertus...



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