E-Book, Deutsch, 156 Seiten
Becker Vom Hören
3. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-3415-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Beten, Segnen, Seelsorge
E-Book, Deutsch, 156 Seiten
ISBN: 978-3-7534-3415-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Buch will Mut machen, sich beim Beten, beim Segnen und in der Seelsorge ganz auf den Heiligen Geist zu verlassen. Durch hinhören. Er weiß sehr genau, was den Einzelnen fehlt und welche Hilfe sie brauchen. 25 Jahre Miterleben, wie der Heilige Geist arbeitet, sind in diesen Erfahrungsbericht eingeflossen. Aufbauend auf das Hörende Beten und das Hörende Segnen wird in die Hörende Seelsorge eingeführt. Es ist kein methodisches Buch, so dass am Ende ein Rezeptbuch steht, sondern ein Bericht von den Wundern, die wir an der Hand des Heiligen Geistes erleben haben. Wie genau er seine Kinder kennt, liebevoll das anspricht, was verborgen ist und weiterhilft. Damit die Kinder des Vaters endlich in die Freiheit kommen.
Ausbildung zur Grund- und Hauptschullehrerin, danach 11 Jahre Schuldienst. Mitte der 80er Jahre Übernahme der Leitung der Frühstückstreffen für Frauen (www.fruehstueckstreffen.de) in Frankfurt. Nach berufsbedingtem Umzug des Mannes Übernahme der Leitung FFF in München bis 2009. Mitarbeit in einem seelsorgerlich ausgerichteten christlichen Netzwerk seit 1970. Referentin bei FFF im deutschsprachigen Raum. Predigerin in verschiedenen Gemeinden. Buchautorin Die Lebensmitte kommt bestimmt, Johannis Verlag, Lahr 1999.
Autoren/Hrsg.
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Einführung
Am Anfang ist eine Abgrenzung hilfreich, was Seelsorge ist und was nicht. Martina Plieth erklärt in ihrem Buch5 die verschiedenen wissenschaftlichen Formen der Psychologie: „Psychologie ist die Wissenschaft, welche die bewussten Vorgänge und Zustände sowie deren Ursachen und Wirkungen untersucht.6 Sie ist die Wissenschaft von den subjektiven Lebensvorgängen, die gesetzmäßig mit den objektiven verknüpft sind. Die Tiefenpsychologie wird verstanden als ein Sammelbegriff für die Richtung der Psychologie, die vorgibt, nicht an der Oberfläche des bewussten Seelenlebens haften zu bleiben, sondern in die unterbewusste und unbewusste Tiefe der Seele hineinzuleuchten und dabei insbesondere die Beziehung zwischen Willen und Gefühl „triebdynamisch“ in den Vordergrund zu rücken. Es verkompliziert eine exakte Definition des Begriffs Tiefenpsychologie, dass – wie F. Dorsch richtig bemerkt – die Tiefenpsychologie Wissenschaft, Therapie und Weltanschauung zugleich geworden ist. Die Psychoanalyse kann als „ursprünglich ein von Breuer und Freud Ende des 19. Jahrhundert geschaffenes Verfahren zur Heilung von seelisch bedingten Erkrankungen“ aufgefasst werden und ist, zur tiefenpsychologischen Lehre ausgebildet, der Tiefenpsychologie einzugliedern. Psychotherapie soll verstanden werden als die Wissenschaft von der Behandlung seelischer und seelisch bedingter Leiden mit psychologischen Mitteln. Die Frage danach, was Seelsorge ihrem Wesen nach ist, ist kein leichtes Unterfangen und kann letztlich nur exemplarisch versucht werden.“ Wie können wir Seelsorge gestalten, wenn Gott niemals zweimal das Gleiche tut? Wenn Jesus nie zweimal dasselbe Wunder getan hat? Selbst seine Heilungen waren alle unterschiedlich und individuell auf den betreffenden Menschen zugeschnitten. Die Antwort lautet: Es gibt keine Methode. Wie schon von Martina Plieth vorgeschlagen, ist dieses Buch ein exemplarischer Versuch, das Wesen von Seelsorge von einer anderen Sicht aus zu betrachten und zu beschreiben. Im Folgenden beschreiben wir einige Beobachtungen, die wir in Gemeinden und im christlichen Umfeld gemacht haben: Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Heilung von Verwundungen oder Vergebung wie von selbst geschehen, wenn sich jemand für Jesus entschieden hat. Das ist mitnichten der Fall, wie im 2. Korinther 5,17 zu lesen ist: „Wir wissen: Wenn jemand zu Christus gehört, ist er eine neue Schöpfung, das Alte ist vergangen, etwas ganz Neues hat begonnen“. Fritz Rienecker7 führt dazu aus: Die Übersetzung des Urtextes lautet nicht „Alles ist neu geworden“, sondern „Neues ist geworden.“ Zum einen geschieht in aller Regel bei einer Entscheidung für Jesus keine umfassende Bereinigung des bisherigen Lebens. Ausnahmen gibt es natürlich, wie das Beispiel von Zachäus zeigt, der in großem Stil Wiedergutmachung geleistet hat8. Sehr viele Lebensumstände und insbesondere die Vergangenheit bis in die früheste Kindheit und auch Schwangerschaft hinein werden nicht neu gemacht. Wir werden verletzt, wenn unsere Grundbedürfnisse als Babys, Kinder und Heranwachsende nicht gestillt werden, wenn uns Liebe, Anerkennung, Zugehörigkeit und Geborgenheit entzogen werden, oder wenn eine frühkindliche Bindung an eine Person nicht möglich war. Wir werden verwundet durch Mangel an Zuwendung, Aufmerksamkeit und Bestätigung, durch ablehnende, herabsetzende Äußerungen, durch Vergleichen und Missbrauch jeglicher Art. Wir werden am tiefsten von den Menschen verletzt, die uns am nächsten sind: von Eltern, Geschwistern, Freunden, dem Partner, Lehrern oder anderen wichtigen Autoritätspersonen. Festlegungen reichen aus, um uns nachhaltig zu prägen: „Du bist wie Dein Vater“ hat meine Mutter immer wieder in abfälligem Ton zu mir gesagt, wenn etwas an meinem Verhalten sie an ihren geschiedenen Mann erinnerte. Das hat mich jedes Mal verletzt, weil ich doch der Sohn meines Vaters bin und daher auch etwas von seinem Wesen habe. Schließlich fand ich die richtige Entgegnung: „Du hast ihn ausgesucht, nicht ich.“ Leider ist uns sehr oft nicht mehr bewusst, wie diese seelischen Verletzungen unser heutiges Leben prägen. Diese Erfahrungen sind manchmal so tief in uns vergraben, dass sie für unseren Verstand und unser Gefühl nicht mehr zugänglich sind. Wir mussten sie verdrängen, um überleben zu können. Verdrängen ist allerdings keine langfristige Lösung, denn oft zwingen uns körperliche und seelische Erkrankungen dazu, uns mit vergangenen Ereignissen auseinanderzusetzen. Diese Verwundungen werden durch die Entscheidung für Jesus nicht aus meinem Leben verschwinden. Es gibt erstaunliche Beschreibungen, welche Wunder bei der Übergabe eines Lebens an Jesus passiert sind: jemand wurde schlagartig von Drogensucht befreit, psychisch und physisch geheilt, seine Depression verschwand, und anderes. Wir haben aber noch nie davon gehört, dass ein Mensch auf einen Schlag von allem Negativen geheilt und zu allem Positiven befähigt wurde. Wenn ich mir dessen nicht bewusst bin, ist geistliches Wachstum schon in den Anfängen schwierig oder sogar unmöglich. Beichte und zugesprochene Vergebung sowie anderen gewährte Vergebung sind heute im christlichen Bereich fast unbekannte Hilfsmittel. Wir haben uns deshalb entschlossen, ein Kapitel über Vergebung einzufügen. Der Bezug zum Hören ist nur indirekt, jedoch ist das „Warum vergeben?“ vielen Menschen nicht bekannt. Manche Menschen gehen dazu über, Wachstum vorzuspiegeln oder das Leben mit Jesus als eine geistige Übung zu sehen. Andere sehen die Entscheidung für Jesus als eine Art Lebensversicherung, die ja nicht schaden kann. Oder Menschen stellen fest, dass sich in ihrem Leben wenig zum Positiven verändert und reagieren dann enttäuscht, frustriert und wenden sich von Jesus ab. Rucksackchristen. Sie wissen genau, was in der Vergangenheit vorgefallen ist und schleppen diesen Rucksack mit schwerwiegenden Erlebnissen durch ihr Leben. Von falschen Festlegungen durch die Eltern, Ablehnung bis hin zu geistlichem, seelischem und körperlichem Missbrauch in jeder Hinsicht. Aber sie wissen nicht, wohin damit. Selbst wenn sie den Peinigern vergeben können, bleibt doch die Tatsache der verlorenen Kindheit, der erzwungenen falschen Berufswahl o. ä. bestehen. Das folgende Bild versucht, das anschaulich zu beschreiben: Ich laufe mit meinem schweren Rucksack meinen Lebensweg entlang. Nun stoppt neben mir ein Bus (=Jesus) und bietet mir an, mich mitzunehmen mit allem was dazugehört. Freudig nehme ich dieses Angebot wahr. Die Frage ist nun, steige ich mit dem Rucksack in den Bus ein oder lasse ich ihn mir abnehmen? Behalte ich ihn auf, trage ich die Last weiter im Bus (!) und verletze möglicherweise noch Mitfahrende mit herausragenden Gegenständen wie Stöcken, Flaschen, Schlafsack usw.? Oder kann ich an jeder Haltestation des Busses einiges aus dem Rucksack ausräumen? Um im Bild zu bleiben: Viele Mitfahrer werden nicht einmal darauf hingewiesen, dass sie ihren Rucksack tragen und sehen das als normal an. Sie denken: „Ist das nicht toll, dass dies alles der Bus trägt?“ und tragen den schweren Rucksack jedoch weiter. In anderen Fällen verhindert Scham, dass Verletzungen ans Licht kommen dürfen. Menschen denken oft, dass das, was ihnen passiert, niemandem sonst passiert, und dass das Erlebte unter dem Siegel der Verschwiegenheit bleiben muss. Doch die Geschichte vom Sündenfall im Paradies zeigt: Schon bei Adam und Eva war die Trennung nicht von Gott ausgegangen. Beide versteckten sich, weil sie sich schämten. Es gibt ein gutes Bild dazu, warum das Verdrängen und Wegdrücken nicht gutgeht. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen auf einem See in einem Boot. Ihre Verletzungen und die Scham darüber gleichen einem Wasserball. Damit niemand den Ball sieht, drücken Sie ihn mit aller Kraft unter Wasser. Es können durchaus auch sogenannte „gute Werke“ sein, mit denen die Verletzungen zugedeckt werden. Ab und zu in einer Phase der Unaufmerksamkeit oder Schwäche flutscht der Ball doch an die Oberfläche, und schnell tauchen Sie ihn wieder unter. Aber irgendwann erlahmt Ihr Arm und Sie schaffen es nicht mehr, den ganzen Ball verborgen zu halten. Spätestens im Alter, wenn die seelischen und körperlichen Kräfte nachlassen, kann man an Menschen Veränderungen beobachten, die oft verstörend sind. Im Englischen gibt es das Sprichwort: „Getting older means getting better or getting bitter.“ Man wird also im Alter gütig oder bitter. Blockierte Christen: Sie wissen nicht, wo das Problem liegt. Fest steht nur, dass Wachstum und Reifung bei ihnen nicht eintreten, sie bleiben irgendwo stecken. Die Kränkungen unserer nächsten Bezugspersonen können wir meist weder als Kinder noch als Heranwachsende, auch nicht als junge Erwachsene bearbeiten, wir können sie nur verdrängen. Deshalb blockieren sie uns und holen uns so lange immer wieder ein, bis wir uns ihnen stellen. Meist stellen wir uns ihnen erst,...




