Beck | Torge und Jascha: Alien aufgetaucht | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Beck Torge und Jascha: Alien aufgetaucht


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96089-339-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-96089-339-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Untertauchen in Ostfriesland. Ob das eine gute Idee ist? Jascha kommen schnell Zweifel, denn mit seiner Mutter hatte er lange keinen richtigen Kontakt und ausgerechnet sein Stiefbruder in spe lässt sein Herz schneller schlagen. Dabei hat er doch wirklich genug Probleme. Torge ist eigentlich nur zu Besuch. Er wohnt seit einiger Zeit in Hamburg, hilft jetzt aber seinem Vater aus, der Hufschmied ist. Könnte alles recht entspannt sein - wenn nicht auf einmal Jascha aufgetaucht wäre. Der kleine Emopunk, der so wunderschön depressiv auf seiner Gitarre klimpert. Ein Titel der Differences Reihe.

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1. Kapitel


Jascha

Ich lasse den Rucksack von meinen Schultern rutschen und stelle den Gitarrenbag neben mich. Es sind zu viele Menschen um mich herum. Beängstigend, besser, ich warte einen Moment. Hamburg. Das letzte Mal, dass ich hier am Flughafen gewartet habe, ist vor sechs Jahren gewesen. Danach hat meine Mum mich noch ein paar Mal in England besucht.

Wir sind uns fremd geworden, und am Ende wussten wir uns überhaupt nichts mehr zu erzählen. Es ist schrecklich und traurig, aber ich habe keine Ahnung, wie es dazu gekommen ist. Und jetzt bin ich wieder hier. Seltsames Magengrummeln zieht meine Eingeweide zusammen. Die Nervenbahnen in meinen Beinen vibrieren, ein Gefühl, als würden meine Knie zittern.

Aber meine Knie zittern nicht. Warum auch? Wahrscheinlich bin ich einfach nur erschöpft.

Evelyn, also meine Mum, will mich unbedingt abholen. Gut, soll sie. Ich habe nicht darum gebeten, hätte auch mit dem Zug fahren können. Ich will überhaupt nicht, dass sie so einen Aufstand machen. Es ist Quatsch, und es ändert auch nichts.

In diesem Moment frage ich mich, warum ich diese Idee gut fand, nach Deutschland zu fliehen.  Ich kann nicht vor mir selbst davonlaufen, nicht vor meinen Gefühlen, nicht vor dem, was passiert ist.

Auf einmal fühle ich mich schrecklich allein. Wie soll ich diese sechs Wochen bloß überstehen? Und wie soll ich die Zeit danach überstehen, wenn die Schule wieder anfängt? Wie soll es bloß weitergehen? Vielleicht wäre es besser, wenn ich einfach verschwinde. Mich in Luft auflöse … Wenn ich jetzt abhaue, würde Mum mich nicht finden. Wo könnte ich hin? Zurück nach England? Dann nur nach London, wo ich untertauchen kann. Oder nach Berlin?

Meine Knie werden weich wie Pudding, ich habe nicht das Gefühl, dass sie mich länger tragen können. Verdammt noch mal! ICH. MUSS. MICH. JETZT. ZUSAMMENREISSEN. Sechs Wochen Zeit, einen Plan zu schmieden. Das muss reichen.

„Jascha?“

Ich zucke regelrecht zusammen, als ich meinen Namen höre.

Als ich mich zur Seite drehe, sehe ich meine Mutter – es passiert irgendetwas in meiner Brust. Ein kurzer Schmerz und dann nichts mehr.

„Hallo Mum.“

Es folgt eine unbeholfene Umarmung.

„Wie war deine Reise?“

„Alles okay.“

Ich greife nach meinem Gitarrenbag und schnalle ihn auf meinen Rücken. Dann schnappe ich mir rasch mein übriges Gepäck, ehe meine Mutter auf den Gedanken kommt, mir beim Tragen zu helfen.

Wir verstauen die Sachen im Kofferraum eines silbergrauen Mercedes, älteres Modell.

Es regnet ununterbrochen, und als ich mich in den weichen Beifahrersitz sinken lasse, bin ich bis auf die Haut durchnässt. War ja klar, dass sie bei dem Wetter auf einem Außenparkplatz parkt. Das T-Shirt klebt auf meiner Haut und meine Hose fühlt sich klamm an. Unangenehm.

„Hast du Hunger?“

„Geht so.“

Ich schaue aus dem Fenster, beobachte den Verkehr, lasse mich vom Dauerregen einlullen und versuche an gar nichts zu denken. Vorsichtshalber schließe ich nach einiger Zeit die Augen, damit meine Mutter mir kein Gespräch aufdrängt. Dazu bin ich noch nicht bereit.

Wirklich schlafen kann ich natürlich nicht, ich bin viel zu aufgewühlt. Das Schweigen dehnt sich aus, füllt den ganzen Wagen. Wenn es sich noch weiter ausdehnt, werde ich aus dem Wagen gequetscht. Komischer Gedanke, der mich fast zum Lachen bringt. Ich blinzele kurz und sehe, dass meine Mutter die Autobahn verlässt. Sie hat nicht ein einziges Wort gesagt. Vielleicht sucht sie krampfhaft nach einem Thema? Das tue ich nicht, ich ertrage die Stille einfach.

Das Radio läuft, leise Musik, die Wischer verursachen ein leichtes Schaben auf der Frontscheibe.

Ich öffne die Augen wieder komplett und starre aus dem Fenster. Hamburg liegt bereits weit hinter uns. Hier bin ich noch nie gewesen.

Als wir noch eine Familie waren, haben wir in Frankfurt und in Birmingham gewohnt. Nach der Scheidung ist Mum zurück nach Deutschland. Und nun wohnt sie mit ihrem Neuen zusammen, irgendwo auf dem platten Land, dort, wo es mehr Kühe als Einwohner gibt. Wer will denn schon hierherziehen? Ins Niemandsland? Hier gibt es nichts, außer Wiesen, Kühe und schiefe Bäume. Warum die so schief sind, wird mir sofort klar, als ich aussteige. Der kräftige, kühle Wind gräbt sich unter meine klammen Klamotten und lässt mich erschaudern. Ich will ein heißes Bad! Oder zumindest heiß duschen! Alle meine Wärme ist weg, aber diesen Zustand kenne ich jetzt schon seit ein paar Tagen.

„Komm mit, dann kannst du Ole und Torge kennenlernen.“

Ich nicke knapp. Ole ist ihr neuer Mann, Torge sein Sohn. Das habe ich schon am Telefon erfahren.

Mum stoppt kurz vor der Haustür, und wir sehen uns zum ersten Mal richtig an. Sie ist älter geworden, trägt die Haare länger als früher. Jetzt lächelt sie vorsichtig.

„Ich freue mich, dass du hier bist, Jascha. Ich hoffe, wir beide kriegen dadurch auch eine zweite Chance.“ Kurz bleibt sie bei ihrer Musterung an meiner aufgeschlagenen Lippe hängen. Aber sie sagt nichts dazu.

Ich halte ihrem Blick stand und bemühe mich, zurückzulächeln, wenigstens ein bisschen. Ich habe kein Problem mit meiner Mutter. Sie ist mir einfach nur fremd.

„Hanken“ steht auf einem Tonschild an der Haustür. Mit winzigen Tonwürstchen ist eine Blume daneben geklebt. Scheiße, wie spießig.

Das Haus der Hankens ist ein typisches Bauernhaus, wie es sie hier zuhauf gibt. Roter Klinker, tief gezogenes Dach, aber eindeutig modernisiert. Zum Glück. Ich hatte mich schon auf Plumpsklo und Kerzenlicht eingestellt. Als ich hinter meiner Mutter das Haus betrete, atme ich auf. Hier drin ist es hell, nach hinten hin, Richtung Wohnzimmer, gibt es eine breite Fensterfront. Es sieht ganz gemütlich aus, aber nicht luxuriös. Offen, wenn auch nicht sehr groß. Auf jeden Fall vollkommen anders als die Wohnungen, in denen ich mich in den letzten Jahren bewegt habe. Der Unterschied ist so riesig, ich könnte genauso gut auf dem Mars gelandet sein.

Und dann sehe ich den Mann, mit dem meine Mutter jetzt zusammenlebt, zum ersten Mal. Boah, der Typ ist vielleicht ’ne Kante! Er muss sich fast bücken, als er aus einem Nebenraum kommt, um uns zu begrüßen.

Automatisch weiche ich ein Stück zurück. Ich bin nicht der Größte, und vor solchen Typen habe ich echt Respekt. Mir wird eine riesige Hand entgegengestreckt, und da ich nicht unhöflich sein will, ergebe ich mich dem Händedruck. Hoffentlich bricht er mir nicht die Hand.

„Na, du bist Jascha?“

„Mmh.“

„Ich bin Ole. Freut mich, dich kennenzulernen.“

„Yes, ja ...“ Ich ringe mir ein Lächeln ab, froh, dass meine Hand die Begrüßung überlebt hat.

„Komm, deine Mutter hat einen Kuchen gebacken. Und du weißt ja sicher, dass sie den besten Kirsch-Quark-Kuchen in ganz Friesland macht, he?“

Ich nicke einfach nur. Was für einen Kuchen? Keine Ahnung. Ich bin nicht mal sicher, ob sie jemals früher Kuchen gebacken hat. Aber ich bin ziemlich sicher, dass ich keinen Kuchen essen will. Ein Kaffee wäre allerdings nicht schlecht, und es ist auch angenehm warm in der Küche. Wenigstens trocknen so meine Klamotten allmählich.

Trotzdem hoffe ich, dass ich mich jetzt bald zurückziehen kann. Am liebsten würde ich mich irgendwo verbarrikadieren. Denn das, was mir fehlt, ist Ruhe zum Nachdenken. Das alles ist viel zu viel. Ich bin total erschöpft und gleichzeitig stehe ich unter Strom wie eine Hochspannungsleitung. Das plötzliche Krachen der Haustür lässt mich zusammenfahren. Ich höre Schritte und kurze Zeit später steht ein Typ im Türrahmen und reißt sich die Kapuze der nassen Jacke vom Kopf.

Blonde Strubbelhaare erscheinen.

„Hey, Besuch?“

Ein Lächeln, das mir sofort die Sicherungen durchschmoren lässt.

„Das ist Jascha, Evelyns Sohn“, erklärt Ole Hanken und gießt sich noch etwas Tee ein.

Der Typ wischt sich blonde Strähnen aus dem Gesicht. „Ah, hi, ich bin Torge.“

Das ist also Torge, mein neuer Stiefbruder. Fuck.

Ich presse ein „Hallo“ hervor. Warum ist das Leben so gemein? Torge sieht, selbst in den nassen und ziemlich dreckigen Klamotten, aus wie … Typen immer aussehen, von denen ich träume. Kantig-männliches Gesicht mit einem winzigen Grübchen am Kinn, gerade Nase und dunkle Augen. Dazu dieses verdammte Grinsen. Das kann nur schiefgehen. So eine gottverdammte und verfluchte Scheiße! Ich bin hier am Arsch der Welt, wahrscheinlich sogar auf einem anderen Planeten gelandet, nur um so einen Typen zu treffen.

Ich muss weg und stehe daher auf. „Kann ich vielleicht duschen?“

„Nur wenn du mit mir zusammen duschen willst.“ Torge grinst breit.

Der Typ macht einen Scherz, ganz offensichtlich. Aber ich kann trotzdem nicht widerstehen. Scheiß große Klappe!

„Kein Problem.“

Torge starrt mich an, ich starre zurück.

Zum Glück drängt sich in diesem Moment ein zotteliger, ebenso nasser Schäferhundmischling durch die Tür, der mich allerdings mit völliger Missachtung straft.

„Dauert nicht lange bei mir“, sagt Torge schließlich.

Ich schlucke ein dämliches ‚bei mir dauert’s auch nie lange‘ hinunter. Kein Stress, nicht schon am ersten Tag.

„Ich zeige dir das Gästezimmer.“ Mum ist ebenfalls aufgestanden. „Du hast doch keine Angst vor Hunden, oder?“

„Hunde?“, wiederhole ich irritiert. Ach ja, der Hund … „Nein. Oder schläft der bei mir im Zimmer?“

„Nö, es sei denn, du bestehst darauf“, sagt Torge. „Das ist übrigens...



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