E-Book, Deutsch, 500 Seiten
Beck Leon und Mick: 24/7
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-96089-028-7
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 500 Seiten
ISBN: 978-3-96089-028-7
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mick betreibt mit seinem Kumpel zusammen ein privates Tierasyl. Die beiden sind ständig knapp bei Kasse. Als Mick eines Nachts mit dem Wagen liegenbleibt, wird er von Leon von Dohlenstein aufgesammelt, der auf dem Rückweg von einem Interview ist. Der wohlhabende Leon ist gleichermaßen schockiert wie fasziniert von dem unkonventionellen Mick. Und da Mick dringend Geld benötigt, treffen die beiden eine pikante Abmachung. Mick geht darauf ein, obwohl er ahnt, dass Leons Wünsche ihn an seine Grenzen bringen werden. Doch nicht nur für Mick bedeutet diese Beziehung Neuland.
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Leon
Ich werde den Hersteller des Navis verklagen. Und meinen Agenten, der mir dieses Interview aufs Auge gedrückt hat. Und den Restaurantbesitzer, dem ich das Essen zu verdanken habe, das wie ein Stein in meinem Magen liegt. Den Koch gleich mit. Die Kellnerin auch …. Den Grund überlege ich mir später.
Es regnet. Okay, den Regen kann ich nicht verklagen. Im Grunde mag ich Regen. Ich bin auch gern draußen, wenn es regnet. Aber jetzt bin ich genervt, weil ich in der Dunkelheit nicht richtig gucken kann. Was eine schlechte Voraussetzung ist, wenn man den Weg nach Hause sucht. Ich bin irgendwo falsch abgebogen und das Navi ist nach dem dritten Bitte-wenden-Hinweis verstummt. Ich warte noch auf die Navis, die einen bei falschem Abbiegen mit Schimpfwörtern belegen. „Du blöder Hornochse, das waren keine 100 Meter!“ Ist vielleicht eine Marktlücke.
Letztendlich liegt meine schlechte Laune wohl daran, dass ich heute meinen Parttime-Lover abserviert habe. Das stelle ich jetzt mal ganz selbstkritisch in den Raum. Aber hey, ich hatte einfach keine Lust mehr auf Kimi. Also auf Kimis Kimme schon, aber er selbst ging mir einfach nur noch auf die Nerven. Ich weiß, das ist ungerecht, denn unsere Beziehung bestand aus klaren Regeln und Absprachen. Ich mag Regeln und Absprachen und ich kann nicht behaupten, dass Kim eine gebrochen hätte. Wäre vielleicht interessanter gewesen.
Ich hatte ihn einfach über. So wie das meist ist. Länger als ein paar Wochen kann ich niemanden in meiner Nähe ertragen. Nicht mal meinen Freund Max, den ich tatsächlich recht häufig sehe. Solange es nicht an einem Stück ist. Das ist bei Max allerdings sehr unwahrscheinlich, da er eine Tierklinik leitet und insofern ziemlich busy ist.
Okay, aber die Überlegungen, die Kim, Max und generell meine Beziehungen betreffen, helfen mir gerade kein Stück weiter.
Ich fahre noch ein bisschen auf dieser Straße, bis zur nächsten Kreuzung, beschließe ich. In diesem Moment erwacht Dirk, meine Navigationsstimme, aus seinem Dornröschenschlaf.
„Es gibt eine alternative Route.“
„Ach nee“, sage ich und will gerade auf dem Bildschirm genau diese Route anklicken, da sehe ich etwas direkt vor mir. Hey wow! Was …?! Im letzten Moment erkenne ich den am Straßenrand stehenden Typen, reiße das Lenkrad zur Seite und schleudere um ihn herum. Ein paar Meter dahinter steht ein Van mit Warnblinker. Scheiße, fast hätte ich ihn erwischt! Direkt hinter dem Fahrzeug komme ich zum Stehen. Ich spüre meinen Herzschlag, er wummert in meinem Hals. Ich atme tief durch und zählte langsam bis zehn. Dieser Kerl … fast hätte ich ihn umgenietet. Hat der nicht mehr alle Tassen im Schrank?!
Wütend, viel zu wütend, reiße ich die Tür meines Wagens auf. „Was soll denn so eine verdammte Scheiße!“, brülle ich in die Dunkelheit. Ich steige aus und stapfe durch den Regen auf diesen Kerl zu. „Bist du total bescheuert, du Vollhorst?!“ Ist jetzt vielleicht nicht so klug, jemand Fremdes derart anzupfeifen, aber mir gehen wirklich die Pferde durch.
Der Typ kommt langsam näher, ich erkenne trotz meiner Wut, dass er mich nicht angreifen will. „Mann, sorry, tut mir leid …“
„Ich hätte dich fast erwischt, du Idiot! Was kasperst du überhaupt an der Straße herum?“
„Ich musste mal pinkeln. Bin liegengeblieben.“
Mein Blick wandert zu seinem Wagen und zurück zu der Stelle, an der ich ihn fast auf der Kühlerhaube gehabt hätte. Dazwischen liegen locker 30 Meter.
„Und warum pisst du nicht an deinem Wagen?“
„Ich piss doch nicht an meinen Wagen!“, erwidert er empört.
„Nein, das meinte ich auch nicht.“ Ich versuche, das Grollen aus meiner Stimme herauszuhalten. Ich bin zwar immer noch aufgebracht, aber ich will ihn nicht zusätzlich erschrecken. Hat ihn sicher auch geschockt, unser Beinahe-Zusammenstoß. „Warum läufst du hier an der Straße entlang?“
Er wirft einen Blick über die Schulter. Da hinten steht tatsächlich ein Baum am Straßenrand. Ein Baum, ich muss mich zurückhalten, keinen Lachflash zu kriegen.
„Bitte sag mir nicht, dass du einen Baum zum Pinkeln brauchst.“
Er ist noch nähergekommen und ich sehe, dass er noch ziemlich jung ist, irgendwo so Anfang zwanzig. Und er ist total durchnässt, Wasser läuft ihm aus den Haaren durch das Gesicht. Auch sein Hoodie ist total nass.
Er strafft sich ein bisschen. „Wo du mich schon fast umgefahren hast – kannst du mich vielleicht mitnehmen? Ich steh hier seit Stunden, aber kein Schwein fährt hier lang. Mein Handy-Akku ist alle und der Wagen sagt keinen Piep. Das ist so ein verfickter Scheiß …“
Ich sehe mich rasch um. Für einen Hinterhalt mit räuberischer Absicht wäre diese Stelle tatsächlich völlig ungeeignet. Ich hab ja selbst seit Ewigkeiten keine Menschenseele mehr gesehen. „Wo musst du denn hin?“
Er zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung.“ Er schlingt die Arme um seinen Oberkörper, ganz offensichtlich friert er.
„Okay, hol dein Zeug. Wir setzen uns erst mal in meinen Wagen.“
Ich laufe rasch zurück zu meinem Wagen und setze mich hinein. Allein dieser kurze Ausflug hat mich schon ziemlich durchnässt. Mein Puls hat sich mittlerweile wieder normalisiert. Mal sehen, was ich da für ein kleines nasses Kätzchen aufgelesen haben. Was ich eben so sehen konnte, war schon ausgesprochen lecker.
Die Beifahrertür öffnet sich und mein Kätzchen schwingt sich pladdernass auf meine beigefarbenen Ledersitze. Und leider stinkt das Kätzchen nach ausgewachsenem Kater! Oh mein Gott, ich sterbe! Total geschockt halte ich die Luft an. Der Gestank ist nicht auszuhalten. Ich werde mein Angebot zurücknehmen und den Typen gleich wieder rausschmeißen. Himmel, ich kann nicht atmen. Okay, ja, mag sein, dass ich ein kleines bisschen geruchsempfindlich bin. Ich starte den Wagen und lasse sofort das Fenster herunterfahren.
„Ähm, es regnet“, werde ich informiert.
„Ja“, erwidere ich gepresst. „Aber mir scheint, als wäre die frische Luft plötzlich knapp geworden.“
Es dauert nur einen Moment, bis er versteht. Vorsichtig riecht er an seinen Sachen.
„Hm, sorry, kann sein, dass ich etwas … ähm, streng rieche.“
Ich wage kaum, mich zu meinem Navi nach vorn zu beugen, aus Angst, ihm näherzukommen. „Streng rieche?“, wiederhole ich schwach.
„Ich hab die Zimmer für die Tiere saubergemacht.“
Was auch immer das heißen mag … „Und, wo soll ich dich rausschmeißen … ähm, absetzen?“, frage ich und atme nur ganz flach durch den Mund.
Er seufzt herzerweichend. „Ich hab keine Ahnung. – Kannst du die Heizung etwas wärmer machen? Mir ist total kalt.“
Keine Ahnung? Wo soll das sein? Ich kann überhaupt nicht klar denken bei diesem Gestank! Mehr als Unwillen keimt in mir auf. Ja, ich geb zu, ich neige zu Reizbarkeit. Aber das ist wirklich hardcore.
Automatisch drehe ich die Heizung hoch. Der Stinkekater klappert nämlich bereits mit den Zähnen.
„Danke. Weißt du, ich … Mo hat mich nämlich rausgeworfen. Der ist nicht lange sauer, das weiß ich schon. Aber heute kann ich nicht zurück. Und der Wagen sagt echt keinen Mucks mehr, keine Ahnung, was der schon wieder hat. Aber ich weiß, was Mo sagen würde – musst ja auch keine Damenbinde fahren, Alter. Nur hilft mir das jetzt auch nicht weiter. Eigentlich wollte ich im Auto übernachten. Aber das ist so scheiße kalt! Aber ich hab auch nur noch …“ Er unterbricht seinen Redeschwall und zieht offenbar sein Portemonnaie aus seiner Hosentasche. Nach einer Pause sagt er: „Ich hab nur 13 Euro und 94 Cent. Damit kann ich auch nirgendwo übernachten.“
Mir schwirrt der Kopf, aber ich kann schon die Verzweiflung in seiner Stimme hören.
„Und dein Auto? Wie kriegst du das zur nächsten Werkstatt?“, frage ich matt.
„Werkstatt? Wer soll denn das bezahlen?“, fragt er zurück.
Oh. Mein. Gott. In was bin ich hier nur hineingeschlittert? Vielleicht sollte ich dieses räudige Etwas einfach mit nach Hause nehmen. Macht man das nicht so, wenn man was Hilfebedürftiges auf der Straße findet?
Man vielleicht, ich normalerweise nicht. Ich sollte ihn im Tierheim abgeben, den passenden Geruch hat er ja bereits.
„Willst du mit zu mir kommen?“, höre ich mich fragen. Oh nein, der Gestank hat mein Gehirn bereits vernebelt!
„Oh, äh, echt jetzt? Das wäre super! – Wie heißt du überhaupt?“
„Leon. Aber meine Freunde nennen mich Lee.“ Ich habe keinen blassen Schimmer, warum ich ihm das sage. Er wird mit Sicherheit nie dazugehören!
„Ich bin Mick.“
***
Mick betritt mit ehrfürchtigem Blick mein Haus. Ich bemühe mich noch immer, Abstand zu halten.
„Willst du vielleicht duschen?“
Er nickt sofort, aber wahrscheinlich eher, weil er so friert. Ich sehe, wie seine Kiefermuskeln zucken, damit seine Zähne nicht klappern.
Er ist ein hübscher Junge, stelle ich fest, als ich ihn endlich bei Licht betrachte. Kurze, dunkelblonde Haare, eine kleine Stupsnase und Sommersprossen – oder Dreck, das kann ich nicht so genau erkennen. Ein Augenbrauenpiercing und in seinem rechten Ohr sehe ich fünf kleine silberne Ringe...




