E-Book, Deutsch, 368 Seiten
Beck Ewiges Blut
6. Auflage 2015
ISBN: 978-3-944737-89-8
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Vampirroman
E-Book, Deutsch, 368 Seiten
ISBN: 978-3-944737-89-8
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Alexander de Dahomey ist eine der Lichtgestalten im Reich der Schatten. Doch die Liebe zu dem Sterblichen Brian wird ihm fast zum Verhängnis. Immer tiefer gerät er in ein Netz aus Schmerz und Leidenschaft.
Autoren/Hrsg.
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2
Er wandelte verschlungene Pfade in seinem Bewusstsein –
ohne genau zu wissen, wo er sich befand.
Tief in seinem Innern brodelte etwas.
Das spürte er deutlich.
Eine eiskalte Wut erfasste ihn.
Animalisch und unberechenbar.
Als er die Augen aufschlug, wusste er es –
Zeit zum Jagen.
New York 1996
Virginia kuschelte sich tiefer in ihr Bett und schlug den Roman auf. Sie liebte Romane und verschlang sie geradezu. Einen gemütlichen Abend machen – ja, das klang gut. Nach all den Strapazen der Trennung von Thomas.
Asrael und Kleopatra, Virginias Katzen, hatten sich am Fußende des Bettes zusammengerollt.
Virginia war froh, dass sie die Katzen hatte, denn die Tatsache, von heute auf morgen allein in der Wohnung zu sein, hatte sie anfangs ziemlich nervös gemacht. Manchmal hatte sie sich Thomas sogar zurückgewünscht – trotz der Streitereien. Aber das war jetzt vorbei. Sie liebte ihn nicht mehr; sie hatte lediglich Angst vor dem Alleinsein gehabt.
Virginia fühlte sich behaglich. Sie hatte sich in ihre Bettdecke eingekuschelt, und es war mollig warm darunter. Sie liebte es, im Winter im Haus zu sein, wenn es draußen bitterkalt war und sie es in ihrer Wohnung gemütlich warm hatte.
Immer wenn sie von ihrem Buch aufblickte, sah sie durch ihr Fenster nach draußen. Da das Haus, in dem sie wohnte, auf einer kleinen Erhebung lag, hatte sie durch ihr Fenster einen wundervollen Blick über die Stadt. Sie sah die vielen kleinen Lichter der Häuser, Laternen und Autos, und dann stellte sie sich immer vor, dass die Stadt eine riesengroße Spielstadt wäre. Und sie wäre nicht mal erstaunt gewesen, hätte sie Kinderstimmen gehört, von den Kindern, die in der Spielstadt spielen durften.
Manchmal war die Welt doch ein idyllischer Ort; zumindest wenn man in einer wohlig warmen Wohnung saß und aus dem Fenster schaute. Und diese Ruhe ...
Virginia vertiefte sich wieder in ihr Buch.
Als sie das nächste Mal aufsah, war bereits eine Stunde vergangen. Asrael und Kleopatra schliefen eng aneinander gekuschelt und friedlich.
Entspannt lehnte sich Virginia zurück, um weiter die unheimlichen und unerklärlichen Vorfälle in ihrem Roman ergründen zu können. Sie liebte unheimliche Romane.
Dunkelheit umgab ihn, wie eine schwarze, zähflüssige Masse. Er röchelte gequält. Das Aufwachen dauerte endlos. Er versuchte vergeblich die Augen aufzuschlagen. Wieder ein langer quälender Atemzug. Dann Licht. Unglaublich grell. Verzweifelt und frustriert schloss er die Augen wieder. Manchmal verfluchte er sein Dasein.
Er hatte jedes Zeitgefühl verloren. Das passierte ihm jetzt öfter, denn er hatte einfach das Interesse an der Zeit verloren. Aber seit er sich das kleine Häuschen in Greenwich Village gekauft hatte, war es nicht mehr so schlimm. Die Leute hier waren einfach anders, nicht so entsetzlich neugierig. Außerdem fielen Außergewöhnlichkeiten nicht so auf – alles war außergewöhnlich hier. Hier mischte sich niemand mehr in seine Existenz, sein Leben ein.
In der Wohnung, die er zuvor eine Zeitlang bewohnt hatte, war es absolut unerträglich gewesen. Tote verwesen in der Nachbarwohnung. Kindesmisshandlung, und niemand hat es gewusst. Ehefrau brutal zusammengeschlagen, und keiner hat eingegriffen. – Es konnte ja niemand eingreifen. Alle waren viel zu sehr mit mir beschäftigt gewesen, dachte er zynisch. Hast Du unseren Nachbarn heute schon gesehen? – Ich seit Tagen nicht. – Kauft der eigentlich nie ein? – Also ich finde, er sieht irgendwie krank aus. – Vielleicht AIDS? – Vielleicht geht es ihm nicht gut? – Warum hat er keinen Damenbesuch? Er ist doch sehr attraktiv. – Vielleicht ist er ja schwul. – Na, dann hat er bestimmt AIDS.
Widerliches Volk. Mischt sich nur ein, wenn es was zu tratschen gibt, nicht wenn sie wirklich helfen können. Ach, wer braucht schon Hilfe. Mühsam setzte er sich auf. In seinem Kopf hämmerte es wie auf einer Baustelle. Er schloss die Augen wieder und begann, seine etwas konfusen Gedanken zu ordnen. Nicht überrascht stellte er fest, dass er beträchtlichen Hunger hatte. Wann hatte er das letzte mal gejagt? Wie lange hatte er geschlafen? Wieder erschien es ihm, als hätte die Gegenwart aufgehört zu existierten und als läge die Zukunft in unerreichbarer Ferne.
Als er nach draußen sah, bemerkte er, dass die Nacht bereits hereingebrochen war. Leider war der Winter keine besonders ertragreiche Zeit für ihn. Und das Letzte, woran er sich erinnern konnte, war, dass er seine Dauernahrungsquelle beseitigt hatte.
Immer noch hatte er den Eindruck, dass seine Gedanken etwas wirr waren. Er setzte sich aufrecht hin und fuhr sich mit den schlanken Händen durch sein dichtes tiefschwarzes Haar.
Sollte er sich auf die Suche nach etwas Bestimmten begeben, oder sich einfach bemühen, dieses gewisse Hungergefühl zu befriedigen; er lächelte. Eigentlich war es gleichgültig. Denn beide Möglichkeiten hatten durchaus ihren Reiz.
Alex stand auf und zog sich an. Sein Hunger verstärkte sich mit jeder Minute, und als er bereit war das Haus zu verlassen, hatten seine Hände angefangen zu zittern.
Sein Weg führte ihn in einem atemberaubenden Tempo durch die Stadt. Nicht in die Gegend, die beleuchtet war, wo Kneipen und Clubs und Discos waren – nein, sein Ziel war ein kleiner Park, der in der Nähe einiger Häuserblocks lag.
Er entdeckte eine von Büschen verdeckte Parkbank und ließ sich darauf nieder. Die Kälte, die fast augenblicklich in seine Kleidung drang, war kein Problem für Alex. Er bemerkte sie kaum. Die Bäume rauschten angenehm und beruhigend. Sie waren schon alt – vielleicht sogar so alt wie er.
Und sie konnten soviel erzählen, wenn man sie nur ließ. Alex vernahm die wuselnden Geräusche der kleinen Tiere im Gebüsch. Er lächelte über ihre hektische Betriebsamkeit, aber sie hatten nicht viel Zeit; das Leben war kurz.
Alex musste nicht sehr lange warten, trotzdem hatte sich das anfängliche Zittern seiner Hände bereits auf große Teile seines Körpers ausgedehnt. Trotz allem war sein Verstand klar und seine Wahrnehmung geschärft.
Als Alex die ersten Geräusche vernahm, war sein Opfer noch einige Hundert Meter weit entfernt. Er brauchte nicht lange, um die Richtung herauszufinden, und nach kurzer Zeit wusste er auch, dass sie die Richtige war. Seine Nase hatte es ihm verraten, und eigentlich konnte er sich immer auf seinen Geruchssinn verlassen.
Sie war nervös. Das hörte er an ihren raschen, hastigen Schritten. Um so interessanter ...
Alex vermutete, dass sie in einer der Wohnungen am Ende des Parks wohnte. Aber bis zum Ende des Parks war noch ein langer Weg. Ein verdammt langer Weg.
Schon von Weitem sah Alex ihre leuchtend blonden Haare. Ein Engel, dachte er und lächelte boshaft. Immer wieder sah sie sich ängstlich um, und ihre hohen Absätze klapperten laut auf dem teilweise gepflasterten Weg des Parks.
Gierig fuhr sich Alex mit der Zunge über die kalten Lippen. Es würde ihm eine ganz besondere Freude bereiten.
Als die blonde Frau an seiner Bank vorbeihastete, war er plötzlich neben ihr. Ein Schrei wollte sich aus ihrer Kehle lösen, doch Alex war schneller und verschloss mit eiserner Hand ihren Mund.
Angsterfüllt sah sie ihn an.
»Ich werde jetzt die Hand von deinem Mund nehmen, und du wirst keinen einzigen Laut von dir geben. Wenn doch, bist du tot. Klar?« Die Frau nickte mit schreckgeweiteten Augen.
Alex löste seinen schraubstockartigen Griff. Dann musterte er sie von oben bis unten. Sie war überdurchschnittlich groß, sicherlich keine überragende Schönheit, aber darauf kam es Alex auch nicht an.
»Du wirst mich jetzt zu deiner Wohnung bringen – du wohnst doch hier – und wenn du versuchst, mich auszutricksen, werde ich auch ein paar schöne Tricks mit dir machen. Haben wir uns da verstanden?«
Wieder nickte sie. Wahrscheinlich hatte sie irgendwann einmal gehört, dass man Psychopathen keinen Widerstand leisten sollte, wenn man mit heiler Haut davonkommen wollte. Alex lachte innerlich über diesen Gedanken; denn ein Psychopath war er sicher nicht.
Lautlos ging er neben ihr und suhlte sich in ihrer Angst. Er wusste, dass sie alles tun würde, um ihr Leben zu retten. Er würde auch alles verlangen – aber es gab keine Rettung. Diese Macht war wundervoll und doch beängstigend.
Er machte keinerlei Geräusche – während er neben ihr ging – und als sie ihn angsterfüllt ansah, schenkte Alex ihr ein wunderbar grausames Lächeln, welches seine schönen Gesichtszüge für kurze Zeit entstellte.
Virginia war über ihrem Buch eingeschlafen. Eigentlich hatte sie noch mehr über die undurchsichtigen Vorgänge in ihrem Roman erfahren wollen, aber sie wurde von einer Müdigkeitswelle erfasst und mitgerissen.
Virginia träumte. Das Gesicht eines jungen Mannes. Erst unklar, dann deutlicher. Das Gesicht war ausgesprochen attraktiv, nein, es war schön. Es war so unglaublich schön, als wäre es nicht von dieser Welt. Noch nie zuvor hatte Virginia so vollkommene Schönheit gesehen. Solche Reinheit. Doch irgendetwas ängstigte sie daran. Die Augen ... Faszinierend dunkel und beängstigend. Tiefes Meerblau. Tiefe und Ruhe in seinem Blick.
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