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E-Book

E-Book, Deutsch, 227 Seiten

Becher Badewannengeschichten

Anekdoten und Schwänke
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-347-46008-9
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Anekdoten und Schwänke

E-Book, Deutsch, 227 Seiten

ISBN: 978-3-347-46008-9
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit seinen humorvollen Anekdoten und Schwänken erweckt der Verfasser längst vergangene Zeiten zu neuem Leben. Er stellt Menschen vor, die uns bekannt erscheinen. Wer hat nicht schon Erfahrungen mit Schlawinern und Schlitzohren gemacht, die mit Schläue und Gewitztheit manche Mängel und Unzulänglichkeiten zu ihrem Vorteil ausnutzten? Und bieten die skurrilen Welten der Militärs nicht viel zu häufig Stoff für satirische Betrachtungen? Die Kurzgeschichtensammlung ist nicht nur als Badewannenlektüre, Urlaubsfibel oder zum besseren Einschlafen geeignet, sondern auch als Unterrichts-, Verschenk- und Vorlesebuch. Sie regt zum Nachdenken über unsere Geschichte und die aktuellen Probleme an.

Peter Becher, ehemaliger Hochschullehrer und Wissenschaftler (Promotion 1981, Habilitation 1987) beschäftigte sich bereits neben seiner beruflichen Tätigkeit, mit den Ergebnissen der Casanova-Forschung. Mit dem Eintritt in den Ruhestand hatte er dann Zeit für umfangreichere Recherchen. Mit den immer mehr anwachsenden Material, verfestigte sich bei ihm der Gedanke, dieses in belletristischer Form einen breiteren Leserkreis zugängig zu machen. Er lädt nun, mit der wohl schönsten Liebesgeschichte des 18. Jahrhunderts ein, die Geheimnisse der Liebenden kennenzulernen.
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2. Immobilienflüsterer

2.1 Der Hobby-Immobilienmakler

Mieterauszug

Wir kamen gerade vom Gassi gehen, Piescheck zog mich in Richtung Haus, da erspähte er Herrn Wächter, unseren Mieter, einen Vollzugsbeamten. Wächter wartete mit wichtiger Miene auf uns. Er verkündete seine Versetzung zu dem neuen Knast ins Neunseeland, Umzug bereits in vier Wochen. Das Hundevieh bellte wie irrsinnig. Meine Frau behauptet immer, dass er alles verstünde.

Ich setzte meine Bären-Miene auf und zeigte aus Gemeinheit keinerlei Überraschung. Wir tauschten dann noch ein paar schöne Komplimente aus. Den Wuffi bestach ich mit einem Leckerli; endlich hielt er seine Klappe.

Da waren wieder die drei Sachen: kein Mieter, keine Ahnung von Mietersuche und weniger Geld. Als Erstes machte ich meiner Angetrauten behutsam die neue Lage klar. Als ich nach mehreren Kampfkurven endlich zur Sache kam, erklärte sie: „Nun ist mir auch klar, warum die Wächters schon drei Mal hintereinander nicht die große Hausordnung gemacht haben. Im Garten, den du ihnen unentgeltlich überlassen hast, steht das Gras auch schon bis zu einem Meter hoch, da wird sich mit Sicherheit auch nichts mehr tun.

Typisch Frau. Sie hatte erreicht, was sie wollte, mein schlechtes Gewissen meldete sich. Die Hausordnung war ja noch das geringste Übel. In leichter Umnachtung aber im festen Glauben an das Gute im Menschen, hatte ich den Wächters nicht nur den kleinen Garten, sondern auch ein Gartengerätehaus und eine Terrasse kostenlos überlassen. Einzige Bedingung: Pflege und Instandhaltung. Es ist selbstverständlich und braucht eigentlich nicht erzählt zu werden, dass sich diese Blauäugigkeit rächte. Die Mieter waren zuerst bemüht, handelten später aber nach der Devise: Was nichts kostet, ist nichts wert und dafür müssen wir nichts tun.

Meine Tante Anna, Gott habe sie selig, hätte da wieder eine ihrer berühmten Lebensweisheiten beigesteuert: „Tue Niemanden was Gutes, widerfährt dir auch nichts Böses.“

Noch viel schlimmer war, dass im Mietvertrag keine eindeutige Pflicht zur Durchführung von Schönheitsreparaturen beim Auszug formuliert war. Am allerschlimmsten aber, es gab keine Kaution und damit kein Mittel etwas einzufordern. Ich hatte also nicht nur ein Problem, sondern gleich mehrere. Das Gemeinste war, dass ich selbst schuld war und meine Anfängerfehler nicht auf andere schieben konnte.

Hauptproblem war natürlich, wie vermietet man eine Wohnung in einer kleinen Gemeinde am Rande einer Ost-Großstadt, gleich nach der Wende. Im Online-Immobilienmarkt der Stadt wurden 5.545 Wohnungen zur Miete angeboten; noch sehr viel mehr standen frei. Zählt man die Wohnungsangebote der an die Stadt angrenzenden Landkreise hinzu, so ergaben sich ca. 7.500 zur Vermietung stehende Wohnungen. Den Mietangeboten standen 29 Mietgesuche gegenüber.

Wenn man keine Ahnung von der Vermietung von Immobilien hat, hilft normalerweise ein Makler. Aber welcher Makler gibt sich angesichts des Überangebotes von Wohnungen mit meiner popligen Wohnung auf dem Lande ab?

Ich werde Immobilienmakler

In dieser Lage gab es nur einen Ausweg: Ich musste mein eigener Immobilienmakler werden. Zunächst schaute ich mir die Annoncen der Profis an.

Einige von diesen Angeboten hatten nicht das Mindeste mit der Suche nach Wohnungen zu tun. Makler boten lediglich ihre Dienste an. Typisch: Wir vermieten auch ihre Wohnung oder Achtung Eigentümer!, Wir als langjähriges Vermietungsteam …

Ein Gesuch gab mir zu denken. Unter der Überschrift: Guten Makler gesucht war zu lesen: Wir suchen Makler der uns wirklich hilft, eine gute Wohnung zu finden. Gerne zahlen wir dann auch Provision. Die Erfahrungen mit Maklern waren bisher schlecht, vielleicht ist hier jemand der uns vom Gegenteil überzeugt.

Klang ganz so, als ob sich unter den Maklern schwarze Schafe befänden. Man denkt da gleich an Schlimmes. Möglicherweise werden Scheinaktivitäten der Kundschaft verkauft, Null-Acht-Fünfzehn-Annoncen formuliert und Mitarbeiter und Bekannte als Interessenten zu Wohnungsbesichtigungen geschickt. In dieser verrückten Welt ist doch alles möglich.

Vielleicht sind die Makler aber auch grundehrliche Seelen, die das Beste für ihre Kundschaft wollen aber angesichts des Ost-Wohnungsmarktes nur hoffnungslos überfordert sind. Miese Kritiker tun einem Berufsstand vielleicht nur bitteres Unrecht an.

Gewöhnlich gab es da eine fettgedruckte Überschrift als Blickfang, in der Maklerfachsprache als „Aufreißer“ bezeichnet. Typische Wendungen:

Traumhafte-, tolle-, schicke-, reizende-, schöne-, attraktive-, nette-, freundliche-, hübsche- Wohnung. Mit Wohnung zum Schnäppchenpreis, Wohnung für den schmalen Geldbeutel und preiswerte Wohnung dichterisch wertvoll, für die unsanierte Wohnung mit Ofenheizung.

Die herrschaftliche Wohnung bezeichnete eine Altbauwohnung in einer ziemlich finsteren Gegend mit einer Zimmerhöhe von 3,30 Meter. Großzügige Wohnungen waren schwer vermietbare Wohnungen mit Grundflächen von 100 m² aufwärts.

Leicht makaber, die Wohnung in der Nähe des Krankenhauses. Es muss aber auch kreative Feingeister unter den Maklern geben. Unter der Überschrift Lassen Sie Ihre eigenen Blumen auf dem Balkon blühen nebst Abbildung einer roten Rose, wurde eine Wohnung mit einem Balkon vermarktet.

Ein „Aufreißer“ ist noch nicht alles. Das Internet ermöglicht die Veredlung der Exposés mit Fotos von Außenansichten und Grundrissen. An dieser Stelle schlagen die Profis so richtig zu. Was kann man nicht alles mit Mitteln der modernen Bildbearbeitung aus mäßigen Ansichten machen!

Eine einigermaßen ansprechende Stelle findet sich an jedem Gebäude. Es müssen ja nicht unbedingt die Fenster der angebotenen Wohnung sein.

Ein Wäschetrockenplatz mit schönem grünem Gras, sauber fotografiert, kann eine grüne Lage suggerieren. Man muss doch nicht unbedingt erwähnen, dass ihn acht Familien nutzen.

Zugegeben in der Stadt fehlt es inzwischen an Grünen. Ein zweisprachiger katholischer Leihbeamter aus Niederbayern hat mir das so erklärt: „Ich verstehe nicht“, sagte er, „dass es hier mitten in der Stadt so viel Grünflächen gibt. Da liegt doch pures Geld auf der Straße.“ Ich verdanke ihm viel, nicht nur, weil er mir genial vorausschauend erklärte, was sich alles ändern muss, sondern auch, weil er mir selbstlos zur inneren Erbauung eine Bibel schenkte.

Auge und Gefühl mieten mit. Was sind dürre Zahlen und Fakten, Länge, Breite, Quadratmeter – die Phantasie der potentiellen Mieter muss in Schwung gebracht werden. Eine ganz tolle Sache sind die Grundrisse der Wohnungen. Es gehe dabei aber gar nicht um Maßpfeile, die Länge und Breite von Zimmern und ähnlichen.

Na ja, mitunter auch, aber mehr so am Rande und sehr sparsam. Die cleveren Makler haben in die Grundrisse niedliche kleine Einrichtungsgegenstände, schön farbig, eingefügt. Die Platzierung der Sitzgruppen, Schränke, Betten und Tische mag vielleicht nicht immer genau den Geschmack der künftigen Mieter treffen, sie regt aber an, schon selbst einmal auf dem Papier Einrichtung zu spielen.

Genauigkeitsfanatiker werden vielleicht bemerken, dass der Maßstab des Grundrisses und der Maßstab der Möbel mitunter ein wenig voneinander abweichen, die wahren Verhältnisse dadurch etwas geschönt erscheinen und sich die gedankliche Einrichtung später als Schwachsinn erweist.

Aber wo gibt es keine Fehler? Wer keine Exposés erfindet, macht auch keine Fehler. Wichtig ist, dass der Kunde anbeißt. Ich entschließe mich jedenfalls diese schöne Anregung, in meine eigene Annonce aufzunehmen.

Mietpreise

Eigentlich wollte ich mir im Internet noch die Sache mit den Mietpreisen ansehen. Das muss ich leider verschieben. Piescheck wollte sein Abendessen. Der Köter glaubt, dass er alles bestimmen konnte, nur weil er 17 Pokale auf fragwürdigen Hundeausstellungen gewonnen hatte.

Wesstis sind davon überzeugt, dass sie die Größten sind. Die wissen gar nicht, dass sie eben nicht die Größten sind. Er winselte immer genau um 18.00 Uhr nach Futter. Meine Frau behauptete, er habe eine Uhr im Bauch. Ich glaubte das aber nicht.

6 Piescheck mit zwei neuen Pokalen

Wie kam ich nun zu einem vernünftigen Mietpreis? Einen Mietspiegel für unsere 23 Häuser im Ort gab es nicht, noch nicht einmal für die weitere Umgebung. Ein Vergleich mit unserer Nachbargemeinde, dort wurden immerhin mehr als 20 leerstehende Mietwohnungen angeboten, war kaum möglich.

Meine Vergleichsobjekte wären schnell zusammengeschossene Plattenbauwohnungen. Die Gemeinde hatte nach der Wende, wie viele andere auch, den Bau eines völlig überdimensionierten Gewerbegebietes beschlossen. Als sich aber kein Gewerbe ansiedelte, baute man Lagerhallen, mit deren Hilfe die...



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