Beatty | Serafina Black – Der Schatten der Silberlöwin | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 336 Seiten

Reihe: Serafina Black

Beatty Serafina Black – Der Schatten der Silberlöwin

Band 1
1. Auflage, Überarbeitete Neuausgabe 2021
ISBN: 978-3-7336-0431-8
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Band 1

E-Book, Deutsch, Band 1, 336 Seiten

Reihe: Serafina Black

ISBN: 978-3-7336-0431-8
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Verborgen in den Kellergewölben eines Herrenhauses lebt die junge Serafina Black mit ihrem Vater. Einst hatte er sie in den Wäldern gefunden und sie heimlich aufgezogen. Nur in der Dunkelheit wagt Serafina es, durch die herrschaftlichen Räume des Biltmore-Anwesens zu streifen. So beobachtet sie eines Nachts als Einzige, wie ein Mädchen verschwindet. Das Haus ist in Aufruhr: Sind auch die anderen Kinder in Gefahr? Wenn Serafina dem Mädchen helfen und die dunkle Bedrohung bekämpfen will, muss sie aus den Schatten treten. Und sie muss erkennen, wer sie wirklich ist. Ein spannendes Gestaltwandler-Mystery-Abenteuer mit Gänsehaut-Garantie! New-York-Times-Bestseller! Weitere Bücher von Robert Beatty bei Fischer KJB: »Willa of the Wood - Das Geheimnis der Wälder« »Willa of the Wood - Die Geister der Bäume«

Bei langen Waldspaziergängen mit seiner Tochter wurde Robert Beatty zu »Willa of the Wood« inspiriert. Sie schien die beiden stets in den Schatten der Bäume zu begleiten. Vor seiner Zeit als Autor war Robert Beatty ein sehr erfolgreicher IT-Unternehmer einer der Pioniere im Bereich Cloud Computing. Robert Beatty lebt inmitten von Bergen und Wäldern mit seiner Frau und drei Kindern in Asheville, North Carolina, USA.
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Biltmore-Anwesen

Asheville, North Carolina


1899

1


Serafina Black schlug die Augen auf und sah sich in der dunklen Werkstatt um. Sie hielt Ausschau nach Ratten, die dumm genug waren, ihr Revier zu betreten, während sie schlief. Serafina wusste, dass sie da draußen waren, knapp außerhalb der Reichweite, die ihr des Nachts zur Verfügung stand. Sie krochen in den Ritzen und Schatten des weitläufigen Kellers des großen Hauses herum, wild entschlossen, alles aus Küchen und Lagerräumen zu stehlen, was sie nur konnten. Serafina hatte den Großteil des Tages damit verbracht, das eine oder andere Nickerchen in ihren Lieblingsverstecken zu halten, doch genau hier auf der alten Matratze hinter dem verrosteten Wasserboiler, im Schutze der Werkstatt, fühlte sie sich am wohlsten. Hammer, Schraubenschlüssel und andere Werkzeuge hingen von den frei liegenden Deckenbalken, und der vertraute Geruch von Maschinenöl erfüllte die Luft. Während sie sich umsah und in die tiefe Schwärze horchte, kam ihr als Erstes in den Sinn, dass diese Nacht wie gemacht zum Jagen war.

Ihr Pa, der Jahre zuvor das Biltmore-Anwesen mit erbaut hatte und seit damals heimlich in dessen Keller wohnte, lag schlafend auf der selbst gezimmerten Pritsche, die er hinter den Vorratsregalen versteckt hatte. Asche glühte in der alten Metalltonne, über der er wenige Stunden zuvor ein Abendessen aus Hühnchen und Maisgrütze gekocht hatte. Sie hatten sich dicht an das Herdfeuer gesetzt, um sich zu wärmen, während sie aßen. Wie gewöhnlich hatte Serafina das Hühnchen gegessen, die Maisgrütze aber stehen lassen.

»Iss dein Abendessen«, hatte er gemurrt.

»Hab ich ja«, war ihre Antwort gewesen, als sie den halbleeren Zinnteller abstellte.

»Dein ganzes Abendessen«, sagte er und schob ihr den Teller wieder hin. »Sonst wirst du nie größer als ein kleines Ferkel.«

Ihr Pa verglich sie gern mit einem Schweinebaby, wenn er sie auf die Palme bringen wollte, weil er dachte, sie würde dann so wütend auf ihn werden, dass sie die widerliche Grütze in einem Happs hinunterschlang, egal, wie sehr sie sie verabscheute.

»Ich werde die Grütze nicht essen, Pa«, sagte sie mit einem feinen Lächeln, »egal, wie oft du sie mir hinstellst.«

»Es ist nichts weiter als gemahlener Mais, Mädel«, brummte er. Er stocherte mit einem Ast im Feuer herum, um das Brennholz nach seiner Vorstellung zu ordnen. »Mais mag doch jeder, mal abgesehen von dir.«

»Du weißt, dass ich nichts Grünes oder Gelbes oder Grässliches wie das da runterkriege, Pa, also hör auf rumzumeckern.«

»Wenn ich tatsächlich rummecker, klingt das anders«, sagte er und stieß den Ast, der ihm als Schüreisen diente, ins Feuer.

Nach und nach geriet die Grütze in Vergessenheit, und sie sprachen über andere Dinge.

Serafina musste lächeln, als sie an das Essen mit ihrem Vater zurückdachte. Nichts machte ihr mehr Spaß als ein kurzer Schlagabtausch mit ihrem Pa – mal abgesehen von einem Schläfchen in der wohligen Wärme eines sonnendurchfluteten kleinen Kellerfensters vielleicht.

Sie rutschte vorsichtig von der Matratze, um ihn nicht zu wecken, tapste über den sandigen Steinboden der Werkstatt und stahl sich hinaus in den schmalen Korridor. Während sie sich den Schlaf aus den Augen rieb und Arme und Beine streckte, begann ihr Körper zu kribbeln. Das aufregende Gefühl, eine brandneue Nacht zu beginnen, ließ ihr Herz schneller schlagen. Sie spürte, wie all ihre Muskeln und Sinne erwachten, so als wäre sie eine Eule, die ihre Schwingen ausbreitete und die Fänge spreizte, bevor sie in die Nacht flog, um ihre gespenstische Jagd zu beginnen.

Serafina bewegte sich lautlos durch die Dunkelheit, vorbei an der Wäscherei, den Speisekammern, den Küchen. Im Erdgeschoss waren den ganzen Tag die Dienstboten beschäftigt gewesen, doch jetzt lagen die Räume verlassen und dunkel da, genau wie sie es am liebsten hatte. Sie wusste, dass die Vanderbilts und ihre zahlreichen Gäste in den Stockwerken über ihr schliefen, doch hier unten war alles ruhig. Serafina liebte es, durch die endlosen Flure und dunklen Vorratskammern zu streifen. Sie kannte Licht und Schatten eines jeden Schlupflochs, eines jeden Winkels, wusste sie zu ertasten, zu erspüren. Bei Nacht war dies ihr Revier, und zwar ihres ganz allein.

Sie hörte direkt vor sich ein leises Schlittern. Die Nacht brach schnell herein.

Sie blieb stehen. Sie lauschte.

Da! Zwei Türen voraus, das Trippeln winziger Füße auf nacktem Grund.

Sie schlich an der Wand entlang vorwärts.

Wenn das Geräusch erstarb, erstarrte auch sie. Wenn es erneut begann, stahl auch sie sich wieder vorwärts. Es war eine Taktik, die sie bereits im Alter von sieben Jahren verinnerlicht hatte: Bewege dich, wenn sie sich bewegen. Sei still, wenn sie still sind.

Inzwischen vernahm sie das Atmen der Tiere, das Kratzen ihrer Zehennägel auf dem Boden und das Schlurfen ihrer Schwänze. Sie spürte das vertraute Kribbeln in den Fingern und die Spannung in den Beinmuskeln.

Sie huschte durch die halb geöffnete Tür in den Vorratsraum und sah sie in der Dunkelheit: Zwei riesige Ratten mit fettig glänzendem braunen Fell waren durch das Abflussrohr hineingeschlittert. Die Eindringlinge waren offenbar zum ersten Mal hier, denn sie suchten dummerweise nach Küchenschaben, wo sie doch wenige Räume weiter die Vanillecreme von den frisch gebackenen Teilchen hätten schlabbern können.

Ohne ein Geräusch zu machen, ja ohne dass sich die Luft bewegt hätte, schlich sie langsam auf die Ratten zu. Ihre Augen fixierten sie. Ihre Ohren fingen jedes Geräusch auf, das sie machten. Sie konnte sogar den fauligen Abwassergeruch riechen, den sie verströmten. Die ganze Zeit über gingen sie ihren garstigen Geschäften nach und hatten keinen blassen Schimmer, dass Serafina da war.

Sie blieb wenige Schritte hinter ihnen stehen, verborgen in den Schatten, bereit zum Sprung. Diesen Moment liebte sie am meisten, den Moment kurz vor dem Sprung. Ihr Körper schwang langsam vor und zurück, pendelte den besten Winkel für den Angriff aus. Dann schlug sie zu. Mit einer blitzschnellen Bewegung schnappte sie die quietschenden, sich wehrenden Ratten mit bloßen Händen.

»Hab ich euch, ihr niederträchtigen Nager!«, fauchte sie.

Die kleinere Ratte wand sich panisch in ihrem verzweifelten Bemühen zu entkommen, die größere dagegen drehte sich einfach um und biss Serafina in die Hand.

»Schluss mit dem Unsinn!«, knurrte sie, ohne den eisernen Griff zu lockern, mit dem sie die Ratten im Genick gepackt hielt.

Die Ratten zappelten wild, aber Serafina ließ sie nicht los. Es hatte einige Zeit gedauert, bis sie diese Lektion gelernt hatte. Wenn man die Ratten erst einmal hatte, durfte man sie nicht loslassen, egal, was passierte – selbst wenn ihre kleinen Krallen einen kratzten und ihre schuppigen Schwänze sich einem wie eklige graue Schlangen um das Handgelenk legten.

Nachdem sie eine Zeitlang wie rasend gekämpft hatten, erkannten die erschöpften Ratten endlich, dass sie nicht entkommen konnten. Sie wurden ganz ruhig und fixierten Serafina misstrauisch mit ihren schwarzen Knopfaugen. Ihre feuchten kleinen Nasen und endlos langen Schnurrhaare vibrierten vor Angst. Die Ratte, die sie gebissen hatte, schlang langsam den langen schuppigen Schwanz um Serafinas Handgelenk, weil sie hoffte, damit ihre Flucht einleiten zu können.

»Denk nicht mal dran«, sagte Serafina warnend. Die Bisswunde blutete immer noch, auf derart miese Spielchen konnte sie also gut verzichten. Es war nicht das erste Mal, dass sie gebissen worden war, aber das machte es nicht gerade besser.

Sie schleppte die niederträchtigen Biester in den geschlossenen Fäusten den Flur entlang. Es war ein gutes Gefühl, zwei Ratten gefangen zu haben, ehe es zwölf schlug, und es waren zwei Exemplare mit ausgesprochen fiesem Charakter. Die Sorte, die sich geradewegs durch einen Jutesack nagte, um an das Korn darin zu gelangen, oder die Eier vom Regal schubste, damit sie die Sauerei vom Boden aufschlecken konnte.

Sie stieg die alten Steinstufen hinauf, die ins Freie führten, und lief quer über das ganze Anwesen bis zum Waldrand. Dort schleuderte sie die Ratten ins Unterholz. »Jetzt haut ab und kommt ja nie wieder!«, rief sie ihnen zu. »Nächstes Mal bin ich nicht mehr so nett!«

Die Kraft ihres Wurfs katapultierte die Ratten auf den Waldboden, wo sie sich überschlugen und in Erwartung des tödlichen Hiebs zitternd vor Angst liegen blieben. Als er nicht erfolgte, drehten sie sich um und sahen Serafina erstaunt an.

»Macht schon, bevor ich es mir anders überlege«, sagte sie.

Ohne noch länger zu zögern, preschten die Ratten davon.

Es hatte eine Zeit gegeben, da die Biester noch nicht so viel Glück gehabt hatten. Damals hatte Serafina ihre Körper vor das Bett des Vaters gelegt, um ihm zu zeigen, was sie in der Nacht vollbracht hatte. Aber das hatte sie schon eine Ewigkeit nicht mehr...


Beatty, Robert
Bei langen Waldspaziergängen mit seiner Tochter wurde Robert Beatty zu 'Willa of the Wood' inspiriert. Sie schien die beiden stets in den Schatten der Bäume zu begleiten. Vor seiner Zeit als Autor war Robert Beatty ein sehr erfolgreicher IT-Unternehmer einer der Pioniere im Bereich Cloud Computing. Robert Beatty lebt inmitten von Bergen und Wäldern mit seiner Frau und drei Kindern in Asheville, North Carolina, USA.

Robert BeattyBei langen Waldspaziergängen mit seiner Tochter wurde Robert Beatty zu 'Willa of the Wood' inspiriert. Sie schien die beiden stets in den Schatten der Bäume zu begleiten. Vor seiner Zeit als Autor war Robert Beatty ein sehr erfolgreicher IT-Unternehmer einer der Pioniere im Bereich Cloud Computing. Robert Beatty lebt inmitten von Bergen und Wäldern mit seiner Frau und drei Kindern in Asheville, North Carolina, USA.

Bei langen Waldspaziergängen mit seiner Tochter wurde Robert Beatty zu »Willa of the Wood« inspiriert. Sie schien die beiden stets in den Schatten der Bäume zu begleiten. Vor seiner Zeit als Autor war Robert Beatty ein sehr erfolgreicher IT-Unternehmer einer der Pioniere im Bereich Cloud Computing. Robert Beatty lebt inmitten von Bergen und Wäldern mit seiner Frau und drei Kindern in Asheville, North Carolina, USA.



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