E-Book, Deutsch, Band 5, 351 Seiten
Reihe: Doctor
Bay Doctor Single Dad
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7363-2426-8
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 5, 351 Seiten
Reihe: Doctor
ISBN: 978-3-7363-2426-8
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
WENN MAN PLÖTZLICH ALLEINERZIEHENDER VATER IST - UND SICH IN DIE NANNY VERLIEBT
Seit dem Tod ihrer Eltern kümmert Eira sich um ihre jüngeren Geschwister und arbeitet als Vollzeit-Nanny, um die Rechnungen begleichen zu können. Doch als sie ein lukratives Jobangebot von Dax Cove erhält, zögert sie. Zu groß ist die Angst, die professionelle Grenze nicht wahren zu können, denn der attraktive Arzt gefällt ihr viel zu gut. Aber Dax ist als neuerdings alleinerziehender Vater einer kleinen Tochter heillos überfordert, und Eira kann einfach nicht ablehnen. Während Dax sich langsam an seine neue Rolle gewöhnt, kommen die beiden sich immer näher. Und es wird von Tag zu Tag schwerer, die Grenze, die Eira sich gesetzt hat, einzuhalten ...
»Für alle Fans von Nanny Romance ist dieses Buch ein Must-Read!« THE BRITISH BIBLIOPHILE
Der fünfte und letzte Band der DOCTOR-Reihe
Louise Bayist eine erfolgreicheUSA-TODAY-Bestseller-Autorin. Sie schreibt Romane, wie sie sie selbst gern liest: sexy und romantisch. Die Autorin lebt in London und liebt neben Tagen ohne Make-up vor allem Elefanten und Champagner.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
DAX
Ich bin ein verdammtes Glückskind und gebe das nur zu gern zu.
Es gibt nichts in meinem Leben, was ich ändern würde, nicht mal diese Januarkälte, die heute früh besonders rau scheint.
Ich lebe im pulsierendsten Viertel der besten Stadt der Welt: London. Gleich vor meiner Haustür ist alles zu finden, was ich je brauchen werde, von Maßanzügen bis hin zu einigen der schönsten Frauen dieser Welt.
Am allermeisten liebe ich meine Arbeit. Nur dass ich sie nicht bloß liebe und dass es nicht bloß Arbeit für mich ist. Sie ist mehr als eine Passion – sie ist eine Berufung. Zu diesem Zweck bin ich auf dieser Welt.
Durch meine Arbeit in der klinischen Forschung wird sich das Leben von Millionen Menschen verbessern. Meine Laborarbeit ist mein Nachlass. Nicht viele Leute können von sich behaupten, dass man sich noch lange nach ihrem Tod an sie erinnern wird, doch da mein Team kurz vor einem frühzeitigen Durchbruch in der endokrinologischen Forschung ist, wird es zweifelsohne so sein.
Dieser Gedanke beflügelt mich immer, wenn ich auf dem Weg von meiner Wohnung in Marylebone zum UCH bin, dem University College Hospital. Es ist frühmorgens, noch nicht mal sechs, und noch dunkel, oder zumindest so dunkel es mitten in London jemals wird. Die meisten anderen aus meinem Forschungsteam kommen nicht vor neun, aber ein paar von uns starten gern mit einem Vorsprung in den Tag. Beziehungsweise ins Jahr, denn wir haben den zweiten Januar.
Gerade als die Automatiktür am Krankenhaushaupteingang aufspringt, spüre ich mein Handy in der Hosentasche vibrieren. Das muss einer meiner Brüder sein. Kurz überlege ich, es zu ignorieren – ich bin im Tunnel und will mich nicht mit einem ihrer sogenannten Notfälle befassen. Sie haben alle inzwischen Ehefrauen oder Freundinnen. Sie brauchen mich nicht. Doch ich grüße Mason, einen der Wachmänner am Empfangstresen, indem ich mir mit zwei Fingern an die Stirn tippe, und hole das Handy heraus.
Auf dem Display leuchtet eine Nummer in den USA, die ich nicht kenne.
Die Türen des Fahrstuhls gehen auf, doch ich betrete ihn nicht. Stattdessen nehme ich den Anruf an.
»Dax, hallo, hier ist Kelly«, sagt eine Frau.
Kelly … Kelly … Kelly?
Ich versuche, in meinem Hippocampus eine Verbindung herzustellen. Wer zum Teufel ist Kelly? Zum Glück macht sie es mir leicht.
»Vom Santorini.«
Sie meint nicht etwa die Insel, sondern das Restaurant am Ende meiner Straße. Allmählich macht es klick. Wenn ich spät aus dem Labor komme, gehe ich manchmal im Santorini auf einen Teller Tomaten-Keftedes vorbei, die sensationell schmecken. Kelly war dort Kellnerin. Eine Amerikanerin mit tiefschwarzen Haaren, olivgrünen Augen und einer klangvollen Stimme, als sollte sie Profi-Jazzsängerin werden.
Weitere Erinnerungen sickern durch. Vor ein paar Monaten stolperte ich in ihre Abschiedsparty hinein, als ich mich mit Vincent auf ein schnelles Feierabendbier traf. Sie erkannte mich. Wir verbrachten eine schöne Nacht zusammen. Shots. Sex. Ein super Frühstück am Morgen danach. Soweit ich mich erinnere, kehrte sie eine Woche später heim in die USA.
Wahrscheinlich ist es länger her als ein paar Monate. Eher … fast ein Jahr. Seitdem habe ich nichts von ihr gehört. Soweit ich mich erinnere, haben wir uns nie geschrieben, geschweige denn miteinander telefoniert. Haben wir überhaupt Nummern ausgetauscht?
Schätze schon.
»Hallo, Kelly.«
»Wie geht’s dir, Dax? Lange nichts voneinander gehört.«
Kann doch nicht sein, dass sie anruft, um mal zu quatschen. Was will sie? Ich kapiere schlicht nicht, wieso sie anruft. »Bin gerade bei der Arbeit angekommen. Was kann ich für dich tun?«
»Du musst einige Formulare unterschreiben. Damit sie Gültigkeit haben.«
»Ich glaube, du hast dich in der Nummer geirrt, Kelly. Hier ist Dax Cove. Wir haben uns fast ein Jahr nicht gesehen.«
Überzeugt, dass sie mich mit jemand anderem verwechselt, bin ich im Begriff aufzulegen, als sie sagt: »Tatsächlich haben wir uns vor neun Monaten zuletzt gesehen.«
Das kommt ungefähr hin, klingt allerdings seltsam präzise.
»Die Nacht war toll«, sagt sie. »Und als ich zurück in den Staaten war, stellte ich fest, dass ich schwanger bin.«
Hitze fährt mir in die Brust, und mir bleibt die Luft weg. »Ah.« Ich presse die Silbe hervor, als wäre sie ein Felsbrocken, den ich über eine Klippe hieve.
Neun Monate.
»Du brauchst dir deswegen keine Gedanken zu machen. Ich habe mich darum gekümmert.« Sie stößt ein Lachen aus. »Ich bin noch nicht bereit fürs Muttersein.«
Sich darum gekümmert? Was heißt das? Ich bin ganz sicher nicht bereit fürs Vatersein. Jetzt nicht und niemals. Dafür bin ich nicht auf dieser Welt. Anders als meine Brüder, die sich alle irgendwann vorstellen konnten, einmal Vater zu werden, wollte ich noch nie jemandes Dad sein.
»Wie gesagt, ich brauche nur deine Unterschrift auf einigen Formularen. Du stehst als Vater des Babys in der Geburtsurkunde, deshalb musst du die Adoptionseinwilligung unterzeichnen.«
Mehr Hitze fährt durch meinen Körper und in meine Glieder. Eine oder zwei oder drei Sekunden lang bin ich sprachlos. Ich kann kaum einen Gedanken fassen. »Du hast ein Baby gekriegt?«
»Ja«, sagt sie leicht gepresst. »Ich habe dich um nichts gebeten. Ich hab das alles über die Krankenversicherung meines Dads geregelt.«
Es dröhnt in meinen Ohren, ohne dass ich sagen kann, ob das Geräusch durchs Telefon dringt oder in meinem Kopf ist. Ich versuche zu schlucken, damit es weggeht, doch es bleibt. »Du … hast ein Baby gekriegt?«, frage ich, um zu verstehen, was genau geschehen ist.
»Ja. Sie wurde vor gut einer Stunde geboren.«
Sie.
Sie.
Sie.
»Und wann genau hattest du vor, mir das zu sagen?«
»Nie!«, antwortet sie. »Ich habe eine Familie gefunden, die sie adoptieren möchte. Ich habe alles geregelt. Mir war nur nicht klar, dass du die Papiere persönlich unterschreiben musst. So lauten die Vorschriften der Adoptionsagentur oder so. Mit den Einzelheiten bin ich durcheinander. Ich habe eben erst ein Kind zur Welt gebracht.«
»Die Adoptionspapiere«, versuche ich, den Wust an Informationen zu durchdringen, mit denen ich gerade beworfen werde. »Du wurdest also schwanger, hast heute das Kind bekommen und versuchst jetzt gerade in dem Moment, wo wir sprechen, das Kind zur Adoption freizugeben.«
Ich habe ein Kind. Auf dieser Welt. In diesem Moment.
Ich versuche, logisch vorzugehen. Die Informationen zu sortieren und zu überlegen, was ich tun, wie ich reagieren sollte. Meine Knie geben nach, als ich zu begreifen beginne, was gerade geschieht. Ich taumele Halt suchend Richtung Wand, ehe ich noch hinfalle. Das Dröhnen wird lauter, und ich halte mir das freie Ohr zu.
Ich weiß weder, was ich sagen, noch, was ich tun oder denken soll. Es ist, als hätte mein Hirn die exekutiven Funktionen eingebüßt oder so.
»Genau«, sagt sie. »Du musst in einem Videoanruf deinen Pass hochhalten, damit der Mann von der Adoptionsagentur weiß, dass du dein Einverständnis gibst. Dann musst du die Einwilligung unterschreiben. Mehr nicht.«
Ich habe ein Kind.
Eine Tochter.
Ich will kein Kind. Niemals. Kinder gehören nicht zu meinem Lebensplan. Ich habe null Interesse daran, es meinen Brüdern nachzutun – eine Familie zu gründen, Babys in die Welt zu setzen.
Nicht, dass ich meine Nichten nicht liebhabe. Schon. Ich kann bloß das Bedürfnis meiner Brüder nicht nachvollziehen, die eigene Zielstrebigkeit zu trüben. Eine unnötige Ablenkung zu schaffen. Popos abzuwischen und auf Bäuche zu prusten, statt Bedeutendes zu vollbringen, wie sie es alle durchaus könnten. Ich verstehe nicht, warum sie für so etwas Kleines so viel aufgeben wollen.
Sie haben sich dazu entschieden. Meine Eltern entschieden sich dazu. Ich definitiv nicht.
Ich habe Arbeit – eine, die Millionen Menschenleben verändern wird. Einen Menschen großzuziehen, kann nicht wichtiger sein als die vielen anderen, um die es geht.
Nichts von alledem ändert etwas an der Tatsache, dass ich jetzt zu diesem Zeitpunkt Vater bin. Ich habe ein Kind, das kurz davor ist, adoptiert zu werden … und obwohl ich überhaupt keine Tochter will, behagt mir etwas an der Vorstellung nicht, sie von anderen großziehen zu lassen.
Ich wurde von einem Ärztepaar erzogen, das es gewohnt war, Verantwortung für das Leben anderer zu tragen, und ebendieses Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein haben sie auch allen meinen Brüdern und mir beigebracht. Anderen die Fürsorge für ein Kind zu überlassen, das ich in die Welt gesetzt habe, widerspricht meinen grundlegenden Überzeugungen – meinem Verständnis von der Welt.
Gleichzeitig war es nicht meine Entscheidung. Stimmt, ich habe entschieden, Sex mit Kelly zu haben. Stimmt, wer mit Sex einverstanden ist, erklärt sich implizit auch einverstanden, die Konsequenzen zu tragen. Aber ich habe wie immer Schritte unternommen, um die Wahrscheinlichkeit dieser Konsequenzen zu minimieren. Es war ein Unfall. Ein Fehler. Und das ändert nichts an der Tatsache, dass ich kein Vater sein will. Ich habe Höheres, Wichtigeres zu tun.
Ich brauche nur ein paar Formulare zu unterschreiben und mein Leben wird so sein wie vor weniger als fünf Minuten.
Also werde ich das machen. Unterschreiben....




