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E-Book, Deutsch, Band 1, 412 Seiten
Reihe: Die Zeitschleife
Bay Die Zeitschleife
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-5358-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Lauf in die Vergangenheit
E-Book, Deutsch, Band 1, 412 Seiten
Reihe: Die Zeitschleife
ISBN: 978-3-6957-5358-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Es ist heiss. Die schottischen Freunde Tom und Frank laufen durch die ägyptische Wüste den Marathon ihres Lebens. Für den Wüstenlauf haben sie lange trainiert. Unvorbereitet wird Tom von einem Sandsturm, der aus dem Nichts kommt, verschlungen. Als er wieder zu sich kommt, befindet er sich im Ägypten im Jahr 3000 v. Chr. Träumt er? Ist das alles wahr? Die Pyramiden von Gizeh strahlen gleissend hell und blenden Tom. Woher haben die alten Ägypter nur dieses Wissen? Wurden sie wirklich von den Ägyptern gebaut? Von Ausserirdischen? Er erhält vom Pharao einen Auftrag und zeichnet für ihn
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Noch zehn Wochen
03.03.2006 – 04.03.2006
Eins, zwei, drei, vier … gleichmäßig atmen – Puls 144. Erneut kontrollierte ich mein Tempo. Zwölf Kilometer hatte ich bereits zurückgelegt und hatte dafür gerade mal eine Stunde benötigt. In Gedanken rechnete ich schnell hoch, dass ich mit leicht erhöhtem Tempo auf etwas anderthalb Stunden für einen 20-Kilometer-Lauf kommen müsste. Immer und immer wieder kalkulierte ich während des Laufes meine Zeit, schließlich wollte ich beim bedeutsamen Wüstenlauf wenigstens einen guten Eindruck hinterlassen. Innerlich musste ich ja wegen meiner Rechnerei schon wieder lächeln. Aber das war mein Naturell. Meine Welt bestand aus Zahlen, und die Mathematik hatte mich so begeistert, dass ich alles in meinem Leben ausrechnen musste.
Ich bin Tom Berendt. Seit einigen Monaten habe ich das 34. Lebensjahr erreicht und arbeite seit einigen Jahren als Softwareentwickler für Übersetzungsprogramme in einer Firma, die sich auf die Übertragung alter Dokumente spezialisiert hat. Um mich zu qualifizieren, hatte ich fast zehn Jahre an der Universität von Edinburgh studiert. Anfangs stand ein reines Informatikstudium auf dem Plan, um eventuell in der Informatikabteilung einer Bank zu arbeiten. Die Lektüre vieler alter Bücher über Ägypten und das alte Mesopotamien weckte meine Begeisterung für die Archäologie und die alten Sprachen. So entschied ich mich, weitere Studiengänge zu belegen, in denen man mir Sprachen wie Altgriechisch und Hebräisch sowie das Lesen der Hieroglyphen lehrte. So verband ich meine Leidenschaft und beide Ausbildungen mit meinem jetzigen Beruf. Als Ausgleich zu dem doch außergewöhnlichen Beruf hatte ich mich für das Joggen entschieden, welches mich bereits seit fünf Jahren begleitete.
Der imposante Wüstenlauf von Luxor, der in diesem Jahr erst zum dritten Mal stattfand, war das Ereignis, für das ich so hart trainierte. Lange hatte Frank, mein alter Schulfreund, auf mich eingeredet und versucht, mich davon zu überzeugen, dass auch ich einen solchen Lauf schaffen könnte. Ich weiß nicht mehr, wie lange, aber wochenlang malträtierte er mich damit. „Ein einmaliges Erlebnis!“, meinte er. „Besser als jeder Abenteuerurlaub!“ Ich musste natürlich nicht nur mich, sondern auch Carrie, meine Frau, davon überzeugen. Schon zu oft war ich unter der Woche mit dem Laufen unterwegs und so schaute sie mich meist mahnend an, ich solle es nicht übertreiben.
Jetzt müsste ich 14,5 Kilometer erreicht haben. Nervös schaute ich auf meine Pulsuhr, wieder und wieder. „74 Minuten!“, ich war etwas langsamer geworden. Noch hatte ich etwa neun Wochen Zeit für das Training. Frank war mit meiner Leistung bisher sehr zufrieden und motivierte mich immer wieder aufs Neue. Ja, Frank, dieses wahnsinnige Lauftier, mein Arbeitskollege und auch mein bester Freund. Er war es, der mich an manchen Tagen richtig antrieb, und er war es, der während des Spurts noch kleine Witze riss, sodass ich fast einen Lachanfall bekam.
Vor mir wurde es heller und ich konnte das Ende des Waldes erkennen. Ich bog vom Wald auf einen Feldweg ab. Von hier aus waren bereits die ersten Häuser von Falkland zu erkennen, einem kleinen Dorf mit 1.200 Einwohnern, ungefähr 50 Kilometer nördlich von Edinburgh. Sehr idyllisch lebte man hier, ruhig und weit ab vom Stress der Großstadt. Nun musste ich, um mein heutiges Ziel zu erreichen, nur noch knappe drei Kilometer laufen. Daher versuchte ich, das Tempo nochmals anzuziehen. Es ging jetzt leicht bergauf und ich mobilisierte meine letzten Kräfte zum Ende des heutigen Laufes. „Puls 157 … eins, zwei, drei, vier.“ Wieder fing ich an, die Schritte zu zählen. Meine Uhr zeigte eine Stunde und 33 Minuten an, und es war noch ein halber Kilometer zu laufen. Erneut rann mir der Schweiß die Wangen herunter. Wie bereits in der vergangenen Woche war der heutige Tag ungewöhnlich warm für die aktuelle Jahreszeit und für Schottland. Obwohl es im März sonst nur geregnet hatte, war es in diesem Jahr wesentlich wärmer gewesen als in den Jahren zuvor. Bei 20 Grad war ich gestartet, und es kam mir in diesem Augenblick richtig heiß vor, obwohl wir heute erst den 9. März hatten.
Ich musste innerlich grinsen, als Frank bei einem unserer Läufe der letzten Wochen meinte: „Wir laufen in der Wüste übrigens bei über 40 Grad und da wirst du lernen, was Schwitzen wirklich heißt.“
Vorstellen konnte ich mir das nicht, denn im Urlaub war es mir bei 27 Grad schon viel zu heiß. Jetzt kam gleich die Einfahrt zu meinem kleinen Haus und ich bog ab. Mein Ziel, die Strecke in 1 Stunde und 35 Minuten zu absolvieren, war heute doch nicht mehr zu schaffen. Knappe drei Minuten länger war ich an diesem Tag auf den Füßen gewesen. Vor der Haustüre lief ich noch etwas aus und bewegte mich locker durch unseren Vorgarten. Fünf Jahre wohnten wir jetzt schon hier. Nach langem Suchen hatte Carrie es doch gefunden. Gerade sie wünschte sich stets ein kleines Haus mit Garten. Es war klein, gebaut im viktorianischen Stil, mit 120 qm Wohnfläche auf zwei Ebenen. Das Haus war ausreichend für uns beide und hatte einen wunderschönen Garten, der ideal für Carrie war. Ich war da eher der praktische Mensch. Für mich war es nicht so wichtig, ob wir nun einen Garten hatten oder nur eine kleine Rasenfläche. Wobei ich natürlich zugeben musste, dass ich abends den kurzen Sprung in den Naturgarten genoss. Vor allem die Stille am nahegelegenen Wald und die umliegenden Felder des Dorfes boten ideale Möglichkeiten zur Entspannung. Allein die Vorstellung, ich würde direkt in Edinburgh wohnen und müsste zwischen parkenden Autos joggen, inmitten von Abgasen und Schmutz, war mir zuwider.
Ich lehnte mich an die Haustür und atmete tief durch. Es war heute nicht mein bester Lauftag gewesen. Vielleicht war ich in den letzten Tagen einfach zu oft gelaufen und sollte meinem Körper mal wieder etwas Pause gönnen? Tausend Gedanken gingen mir gerade durch den Kopf, als mir ein Handtuch auf den Kopf fiel. Ich schaute nach oben und sah Carrie grinsen.
„Möchtest du heute noch hereinkommen oder soll ich das Essen alleine zu mir nehmen?“, fragte Carrie.
„Nein, nein – ich springe schnell unter die Dusche und bin dann bei dir.“
„Will ich auch hoffen.“ Sie schloss das Fenster und öffnete mir kurz darauf die Eingangstüre. Liebevoll zwinkerte sie mir zu. Ich wollte ihr einen Kuss geben, sie wich aber gleich angewidert zurück. „Pfui, du riechst aber“, und jagte mich ins Bad. Keine zehn Minuten später saß ich hungrig, ein wenig erschöpft, aber gut gelaunt am Tisch.
„Schollenfilet und Bratkartoffeln … Mmmhhh“, schwärmte ich. Es war ausgezeichnet, was Carrie immer für uns zubereitete. Dafür liebte ich sie, denn meine Frau war für ihre Kochkünste und ihre Art, wie sie das Essen anschließend präsentierte, bekannt. Das Auge aß bei ihr immer mit. Den Abend verbrachten wir oft bei einem Glas Wein, wie so oft vor unserem Kamin, und lästerten über dies und das. Die Abendstunde verging wie im Fluge und einen gefühlten Augenblick später standen die Zeiger unserer Wanduhr auf 22:30 Uhr. Morgen war das entspannende Wochenende wieder vorbei, und wir planten, an diesem Abend noch vor Mitternacht schlafen zu gehen.
Das Gluckern von laufendem Wasser auf dem Dach holte mich aus dem Tiefschlaf.
„Oh, schon halb sieben“, murmelte ich, nachdem ich auf den Wecker geschaut hatte, und spürte schon den sanften Schubs von Carrie.
Wie jeden Montag schob ich mich als Erster verschlafen ins Bad. Es begann der routinemäßige Ablauf. Haare waschen, Zähne putzen und vor dem Spiegel ein paar Grimassen ziehen, wobei ich dann automatisch lachen musste. Es sah einfach zu blöd aus, wenn meine Haare in alle Himmelsrichtungen standen. Mein Körper dagegen präsentierte mir eindrucksvoll die Rechnung für meinen unkontrollierten Selbstantrieb beim Training. Nur kurz danach klopfte Carrie leise an die Tür.
„Ist mein Sportler schon so weit?“, fragte Carrie.
Ich öffnete die Tür und drückte sie fest an mich.
„Hi Babe. Du kannst jetzt ins Bad, und ich bereite inzwischen das Frühstück vor“, flüsterte ich in ihr Ohr.
Ich gab ihr einen sanften Kuss auf die Schläfe und machte mich auf den Weg in die Küche.
„Du solltest schneller gehen, sonst knabbere ich dich noch an. Du riechst so unverschämt gut“, hauchte Carrie.
Ja, meine Carrie war außergewöhnlich. Ich hatte sie bei einem Treffen an Harrys Geburtstag kennengelernt und Frank lernte seine Freundin Andrea im Gegenzug über Carrie kennen. Sie besaß eine kleine Anwaltskanzlei und verdiente dabei mehr als ich. Mit ihren 1,69 Metern lag sie im schottischen Durchschnitt, aber mit ihren brünetten Haaren und ihrer tadellosen Figur war sie ein wahrer Blickfang.
Im Erdgeschoss angekommen, deckte ich schnell den Tisch, und gerade als ich die fertigen Toasts auf die Teller legte, kam Carrie vom Duschen in die Küche zurück. Sie war mit der Tageszeitung unter ihrem Arm...




