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E-Book

E-Book, Deutsch, 704 Seiten

Baxter Sternenkinder

Roman
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-08767-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 704 Seiten

ISBN: 978-3-641-08767-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Seit Jahrtausenden hat sich parallel zu unserer Zivilisation eine andere Form der menschlichen Evolution entwickelt, unerkannt bisher. Doch als es in der Galaxis zu einem Konflikt mit einer außerirdischen Spezies kommt, wird das Geheimnis gelüftet: Die Sternenkinder sind längst unter uns!

Stephen Baxter, 1957 in Liverpool geboren, studierte Mathematik und Astronomie, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er zählt zu den international bedeutendsten Autoren wissenschaftlich orientierter Literatur. Etliche seiner Romane wurden mehrfach preisgekrönt und zu internationalen Bestsellern. Stephen Baxter lebt und arbeitet im englischen Buckinghamshire.
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1


Weit vorn, ins Licht des galaktischen Zentrums getaucht, stiegen die Nachtjäger empor.

Von seiner Position aus sah Pirius, wie sich die schwarzen Gebilde von den Wänden ihrer Zuckerwürfelträger lösten. Sie breiteten anmutige Schwingen aus, so schwarz, dass sie wie aus dem glühenden Hintergrund des Kerns ausgeschnitten wirkten. Einige von ihnen hatten eine Spannweite von mehreren Kilometern. Es waren Xeelee-Nachtjäger, aber bei Strike Arm hießen sie immer nur »Fliegen«.

Sie hielten auf die vordersten Schiffe der Menschen zu, und Pirius sah kirschrotes Licht aufflammen.

Sein fragiles Grünschiff schwebte über dem zerklüfteten Boden eines Steinbrockens. Dieser Steinbrocken war ein schwarzgrauer Asteroid mit einem Durchmesser von einem Dutzend Kilometern. Seine gesamte Oberfläche war von miteinander verbundenen und sich kreuzenden Schützengräben durchzogen, sodass er wie ein freigelegtes Gehirn aussah. Lichtfunken krochen durch dieses Liniengeflecht: Infanteriesoldaten, die unablässig gruben und gruben und sich auf ihre eigenen Zusammenstöße mit dem Schicksal vorbereiteten. Es würde noch eine gute Stunde dauern, bis dieser Steinbrocken und Pirius’ Grünschiff das Schlachtfeld erreichten, doch auch jetzt schon kämpften und starben Männer und Frauen.

Er konnte nichts anderes tun als zuschauen und vor sich hingrübeln. Man spürte nicht einmal eine Bewegung. Der pulsierende Unterlichtantrieb der Assimilator’s Claw vermittelte ihm den Eindruck, als hinge er regungslos im überfüllten Herzen der Galaxis. Pirius fragte sich besorgt, welche Wirkung die Warterei wohl auf seine Besatzung hatte.

Pirius war neunzehn Jahre alt.

Er befand sich tief in der Masse, wie die Piloten es nannten  – offiziell die zentrale Sternenmasse, ein Dschungel aus Millionen von Sternen, die in eine Kugel von nur dreißig Lichtjahren Durchmesser gestopft waren, ein Kern innerhalb des Kerns. Vor ihm hing ein Sternenschleier vor einem Hintergrund aus turbulentem leuchtendem Gas; er sah Lichtjahre lange Fäden und Streifen, die vom Magnetfeld der Galaxis auseinander gezogen wurden. Dieses stellare Chaos blubberte und brodelte in höheren Raumzeitdimensionen als jenen der Menschen, so als wäre er im Zentrum einer eingefrorenen Explosion gefangen. Der Himmel war hell, voller Sterne und Wolken, nirgends war auch nur ein Fitzelchen Dunkelheit auszumachen.

Und hinter den Sternen sah er den Hohlraum, eine durch gewaltige astrophysikalische Kräfte von sämtlichen Gasen befreite zentrale Blase, und darin wiederum die Babyspirale, einen Wirbel aus Sternen und molekularen Wolken, wie eine Spielzeugversion der Galaxis selbst, fraktal in die größere Scheibe eingebettet. Das war das galaktische Zentrum, eine in Schichten aufgebaute astrophysikalische Maschinerie, deren Motor Chandra war, das brütende schwarze Loch im innersten Herzen der Galaxis.

Diese ungeheure Sternenfülle hätte einen Erdenbürger überwältigt – aber die Erde mit ihrer geduldigen, langlebigen Sonne draußen in der ordentlichen Sternenfabrik der Spiralarme war achtundzwanzigtausend Lichtjahre von hier entfernt. Pirius allerdings war mit solchen Anblicken aufgewachsen. Er war das Produkt von hundert Generationen, die den Gebärtanks der Bogen-Basis – offizielle Bezeichnung: Basis 2594 – ein paar Lichtjahre außerhalb der Masse entstammten. Dennoch war er ein Mensch mit menschlichen Instinkten. Und als er zu der dreidimensionalen Komplexität hinausschaute, die sich um ihn herum erstreckte, krallte er die Hände in das abgewetzte Material seines Sitzes, als verlöre er sonst womöglich das Gleichgewicht.

Wohin Pirius’ Blick in diesem astrophysikalischen Diorama auch fiel, überall sah er Zeichen des Krieges.

Sein Schiff war einer von hundert grünen Funken, zehn kompletten Staffeln, die allein als Eskorte dieses einen Steinbrockens abgestellt waren. Als Pirius aufblickte, sah er weitere Steinbrocken, einen ganzen Strom, ausgesandt von den um die Masse herum errichteten riesigen menschlichen Stützpunkten.

Jeder wurde von einem eigenen Schwarm von Grünschiffen begleitet. Stromaufwärts und stromabwärts wurde die Kette der Steinbrocken immer kleiner, bis sich kilometerdicke kleine Welten wie Kiesel im grellen Lichtschein verloren. Hunderte von Steinbrocken, tausende vielleicht, waren für diesen einen Angriff aufgeboten worden. Es war ein gigantischer Anblick, eine eindrucksvolle Zurschaustellung menschlicher Macht.

All dies wurde jedoch von dem Feind in den Schatten gestellt. Der Asteroidenstrom war auf eine Flotte von Zuckerwürfeln gerichtet, wie man die Xeelee-Raumfahrzeuge nannte, riesige kubische Schiffe, die selbst hundert Kilometer Durchmesser hatten – manche waren sogar noch größer, und einige glichen Schachteln, in die man eine ganze Welt packen konnte.

Die Taktik war primitiv. Die Steinbrocken wurden kurzerhand auf die Zuckerwürfel abgeschossen, und ihre Verteidiger bemühten sich, sie so lange zu schützen, bis sie nah an die Würfel herankamen und ihre mächtigen Monopolkanonen zum Einsatz bringen konnten. Wenn alles gut ging, würden die Xeelee Schaden nehmen, und die Steinbrocken würden um eine geeignete Sternenmasse herumgeschleudert und wieder zur Peripherie hinauskatapultiert werden, wo man sie sodann neu ausrüstete, bemannte und für einen weiteren Angriff präparierte. Wenn es nicht gut ging – nun, in diesem Fall hatten sie wenigstens ihre Pflicht getan.

Während die Claw sich stetig der Zone des aufblitzenden Kampfgeschehens näherte, tauchte ein Schiff aus der Formation ab, stieß im Sturzflug auf den Steinbrocken hinunter und drehte eine Reihe von Rollen, während es über ihn hinwegschoss. Das musste Dans sein, eines von Pirius’ Kadergeschwistern. Pirius war bereits zweimal mit ihr geflogen, und jedes Mal hatte sie eine solche Show abgezogen und den sich abrackernden Bodentruppen die mühelose Überlegenheit von Strike Arm und insbesondere der Bogen-Staffeln demonstriert  – und dabei jedermanns Kampfgeist gehoben.

Aber es war eine winzige menschliche Geste, die in dem monumentalen Panorama unterging.

Pirius sah die Mitglieder seiner Crew in ihren eigenen Blasen: seine Navigatorin Cohl, eine schlanke Frau von achtzehn Jahren, und seinen Ingenieur, Bleibende Hoffnung, einen ruhigen, stämmigen jungen Mann, der zwar erst siebzehn Lenze zählte, aber älter aussah. Im Vergleich zu den Anfängern Cohl und Hoffnung war der neunzehnjährige Pirius bereits ein Veteran. Bei den Grünschiffbesatzungen betrug die durchschnittliche Überlebensrate eins Komma sieben Missionen. Dies war Pirius’ fünfte Mission. Er schuf sich allmählich einen Namen als vom Glück begünstigter Pilot, zu dessen Crew man gehören wollte.

»Hey«, rief er jetzt. »Ich weiß, wie ihr euch fühlt. Man sagt immer, das sei der schlimmste Teil der Schlacht, die neunundneunzig Prozent, in denen man nur wartet, die reine, ätzende Langeweile. Wenn jemand das kennt, dann ich.«

Bleibende Hoffnung schaute zu ihm herüber und winkte. »Und wenn ich kotzen will, muss ich vorher das Visier hochklappen. So macht man das doch, oder?«

Pirius rang sich ein Lachen ab. Ein Witz, immerhin. Wenn auch kein guter.

Bleibende Hoffnung: Wider alle Vorschriften ließ sich der Ingenieur nicht mit seinem richtigen Namen anreden, den er zugeteilt bekommen hatte – einer willkürlichen Abfolge von Buchstaben und Silben –, sondern mit einem ideologischen Slogan. Er war ein »Freund«, wie er sich nannte, Mitglied einer ganz und gar illegalen Sekte, die in den dunkleren Winkeln der Bogen-Basis und, wie es hieß, unmittelbar an der Front gedieh, jener ausgedehnten Konfliktsphäre um das Herz der Galaxis herum. Illegal hin oder her, in diesem Moment, in dem die Fliegen aufstiegen und die Menschen vor ihren Augen zu sterben begannen, schien sein Glaube ihm Trost zu spenden.

Navigatorin Cohl, die nach vorn in die Kampfzone schaute, war jedoch völlig in sich versunken.

Die Claw war ein Grünschiff, eine schlichte Konstruktion, das Arbeitspferd von Strike Arm; Millionen ihresgleichen waren überall in der Kampfzone im Einsatz. Das zentrale Element ihres Rumpfes war eine knollige Kapsel, die den größten Teil der Schiffssysteme beherbergte: die Waffenbank, den Überlichtantrieb und die beiden Unterlichtantriebssysteme. Vom vorderen Teil der Hülle ragten drei Spiere nach vorn, die dem Schiff das Aussehen einer Klaue mit drei Krallen gaben, und an der Spitze jeder Kralle war eine Blase, eine durchsichtige Kugel, die eines der drei Besatzungsmitglieder der Claw beherbergte. Für Grünschiffcrews zählten lediglich die anderen Besatzungsmitglieder; sie waren nur zu dritt, auf sich allein gestellt in einem gefährlichen Himmel – Drei gegen den Feind, wie das Motto von Strike Arm lautete.

Pirius wusste, dass es gute Gründe für die dreizackige Grünschiffkonstruktion gab. Es hatte mit Redundanz zu tun: Selbst wenn das Schiff zwei seiner drei Blasen verlor, konnte es seine Aufgaben noch erfüllen – zumindest theoretisch. Aber im Augenblick wäre Pirius gern imstande gewesen, diese transparenten Wände mit der Hand zu durchstoßen und seine Kameraden zu berühren.

»Navigatorin?«, sagte er. »Bist du noch bei uns?«

Er sah, wie Cohl flüchtig zu ihm herüberschaute. »Wir liegen voll auf Kurs, Pilot.«

»Ich habe nicht nach dem Kurs gefragt.«

Cohl zuckte die Achseln, als wäre sie verärgert. »Was soll ich denn sagen?«

»Du hast all das hier beim Briefing gesehen. Du wusstest, dass es so kommen würde.«

Das stimmte. Die Kommissare hatten ihnen eine Vorschau der gesamten Operation mit detaillierten virtuellen...


Baxter, Stephen
Stephen Baxter, 1957 in Liverpool geboren, studierte Mathematik und Astronomie, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er zählt zu den international bedeutendsten Autoren wissenschaftlich orientierter Literatur. Etliche seiner Romane wurden mehrfach preisgekrönt und zu internationalen Bestsellern. Stephen Baxter lebt und arbeitet im englischen Buckinghamshire.



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