Baxter | Die Zeit-Verschwörung 1: Imperator | E-Book | www2.sack.de
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Baxter Die Zeit-Verschwörung 1: Imperator

Roman
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-08766-1
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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Eine Prophezeiung aus der Zukunft verändert die Vergangenheit

Wir schreiben das Jahr 300 nach Christus. Kaiser Konstantin plant, das Christentum als offizielle Staatsreligion anzuerkennen. Da wird eine Verschwörung mit dem Ziel, den Kaiser zu ermorden, aufgedeckt. Eine Verschwörung, deren Wurzeln jedoch nicht in der Vergangenheit liegen, sondern in der Zukunft: In dem Versuch, den Lauf der Geschichte nachträglich zu verändern. Doch wer steckt dahinter? Und was ist das Ziel?
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III


Sie verbrachten den Tag mit Spielen, Gesprächen, Essen und Trinken. Es war fast schon Hochsommer, das Licht schwand nur langsam vom Himmel. Nectovelin trank sogar – wenn auch widerstrebend – von dem römischen Wein, den Cunedda mitgebracht hatte.

Agrippina war froh über Mandubracius’ Anwesenheit. Er war ein gutherziges, liebevolles Kind und wollte nicht mehr, als dass alle sich wohl fühlten. Tatsächlich fragte sie sich, ob sie es unbewusst so geplant hatte, dass Mandubracius zur Verbesserung der Stimmung dabei war, wenn sie Nectovelin ihre Beziehung zu Cunedda eingestünde.

Als Erster erlag Mandubracius der Müdigkeit, dann Nectovelin, und sie zogen sich ins Zelt zurück.

Cunedda und Agrippina entfernten sich ein wenig vom Schein des Feuers. Sie hatten ein paar zusätzliche Kleidungsstücke dabei, die sie auf dem kühlen Sand ausbreiteten, und sie legten sich nebeneinander nieder und schauten zu, wie die Sterne allmählich herauskamen. Die Wellen plätscherten leise.

Cunedda nahm ihre Hand. »Glaubst du, er schläft wirklich? Ich habe gehört, dass alte Soldaten niemals schlafen.«

»Du machst dich über ihn lustig, aber er ist tatsächlich ein Krieger. Schließlich wurde seine Geburt von einer Prophezeiung begleitet!«

»Im Ernst? Erzähl«, bat Cunedda fasziniert.

Also erzählte ihm Agrippina, dass Nectovelins Mutter während der schweren Geburt angeblich angefangen hatte, vor sich hin zu brabbeln. »Brica konnte nicht mehr erklären, wieso sie auf einmal lateinische Sätze daherplapperte, denn sie starb bei der Geburt – aber das Kind, Nectovelin, hat überlebt.« Ihr Großvater Cunovic hatte eine recht gute Abschrift der »Prophezeiung« auf Pergament niedergelegt und sie Nectovelin gegeben, als dieser älter geworden war.

»Ich liebe solche Geschichten«, sagte Cunedda. »Wie lautete sie?«

»Das weiß ich nicht genau. Sie enthielt ein paar Worte über die Römer, über Freiheit und eine Menge Zeug, das überhaupt keinen Sinn ergab. Cunovics Ansicht nach war es eine Art Orakel, das jemand Nectovelins Mutter eingegeben hatte – ein Gott oder vielleicht ein Zauberer aus der Zukunft, der sich an der Vergangenheit zu schaffen machte. Ein ›Weber‹, wie Cunovic ihn nannte. Ich glaube, die Prophezeiung hat ihm ziemliche Furcht eingeflößt. Er hat es nicht gewagt, seine Abschrift zu vernichten, war aber froh, als er sie Nectovelin übergeben konnte … soweit ich weiß, trägt Nectovelin sie seither mit sich herum, obwohl er sie nicht lesen kann!«

»Und doch hat sie ihn geprägt.«

»Ja. Wegen der Prophezeiung glaubt Nectovelin, es sei ihm bestimmt, ein Krieger zu sein und gegen die Römer zu kämpfen – so wie sein Urgroßvater gegen Caesar gekämpft hat. Wahrscheinlich hat es nicht gerade geholfen, dass dieser Urgroßvater ihm auch seinen Namen gab.

Allerdings war er fast sein ganzes Leben lang ein Krieger ohne Krieg. In Brigantien gibt es nur hin und wieder ein paar kleine Viehdiebstähle, und das ist einfach zu magere Kost für einen Krieger! Und zum Bauern hat er sowieso nie getaugt. Er war ständig launisch und aggressiv. ›Als lebte man mit einem Gewitter zusammen‹, hat meine Mutter immer gesagt. Er hatte nie Kinder, weißt du – Geliebte, aber keine Kinder. Und als er hörte, dass ihr jungen Catuvellaunen abenteuerlustig würdet, kam er hierher, um ein bisschen zu kämpfen, obwohl er da schon in den Dreißigern war. Ein paar Trinovanten den Schädel einzuschlagen, das war ganz nach seinem Geschmack. Aber er ist immer noch ruhelos. Man merkt es ihm an …«

Seit den Zeiten des Cassivellaunus, als die Römer jenseits des Meeres vor sich hin gebrütet hatten, waren die Catuvellaunen damit beschäftigt gewesen, ein eigenes Reich zu errichten.

Die Catuvellaunen rühmten sich immer noch ihres »Sieges« über Julius Caesar, obwohl Cassivellaunus in Wirklichkeit nicht mehr als ein Patt gegen die überforderten Römer erreicht hatte. Bevor Caesar Britannien endgültig verlassen hatte, hatte er darauf bestanden, dass die Catuvellaunen ihre Nachbarn, die Caesar freundlich gesonnenen Trinovanten, respektierten. Nun, daraus war nichts geworden; binnen kurzem hatten die Catuvellaunen mit unverschämter Dreistigkeit Camulodunum, den Hauptsitz der Trinovanten, eingenommen und zu ihrer eigenen Hauptstadt gemacht.

Unter der anschließenden jahrzehntelangen Regentschaft von Cassivellaunus’ Enkel Cunobelin hatten sich die Catuvellaunen damit begnügt, in ihrem kleinen Reich auszuharren. Agrippina hatte den Eindruck, dass Cunobelin ein kluger und pragmatischer Herrscher gewesen war, der es geschafft hatte, die widerstreitenden Kräfte des volkseigenen Stolzes und der fortwährenden Bedrohung durch die römische Macht auszugleichen – und dabei durch den lukrativen Handel mit Rom reich zu werden.

Doch dann war Cunobelin gestorben. Sein Reich war in die Hände zweier seiner vielen Söhne übergegangen, Caratacus und Togodumnus – beides Onkel von Cunedda, obwohl sie nicht viel älter waren als er. Für sie lag Caesars Einfall in grauer Vorzeit. Und unter ihnen hatten die Catuvellaunen eine aggressive Expansion begonnen.

Im Verlauf der darauf folgenden Überfälle und kleinen Scharmützel war Nectovelin rasch aufgestiegen und hatte einen Platz in den Räten der Fürsten gefunden.

Während sein Reichtum wuchs, hatte Nectovelin einige Angehörige aus Brigantien zu sich geholt, die ihm helfen sollten, das Geld auszugeben. Aber er war nicht immer erfreut über die Resultate gewesen, zum Beispiel, als Agrippinas Mutter das Angebot angenommen hatte, ihre junge Tochter im Reich erziehen und ausbilden zu lassen, so wie zwei von Cunobelins jüngeren Söhnen. Die Römer behaupteten, dies stärke die Verbindungen zwischen den Völkern, aber nüchternere Denker bezeichneten es als »Geiselnahme«. Dennoch hatte Agrippinas Mutter die Vorteile einer römischen Ausbildung erkannt. Sie hatte ihrer Tochter sogar einen römischen Namen gegeben.

Infolgedessen hatte Agrippina drei Jahre ihres Lebens in Massilia an der Südküste Galliens verbracht, wo sie Latein gebüffelt, Lesen und Schreiben gelernt, Rhetorik und Grammatik und die anderen Elemente einer römischen Ausbildung in sich aufgenommen und das mediterrane Licht aufgesaugt hatte. Das hatte sie in jeder Hinsicht verändert, wie sie wusste. Und doch hatte sie nicht gezögert, nach Hause zu kommen, als die Zeit um war.

»Ich bin gegen Nectovelins Willen nach Massilia gegangen«, sagte Agrippina. »Aber ohne ihn wäre ich nicht hier im Süden gewesen. Ich hätte dich nicht kennengelernt. Und nichts von alledem wäre ohne die Prophezeiung geschehen.«

Cunedda schüttelte den Kopf. »Eine seltsame Geschichte. Was für ein dramatischer Augenblick das gewesen sein muss – die qualvollen Wehen, die Frauen um Brica herum, die Brüder, der vor sich hin brütende Großvater –, und dann sprudeln auf einmal diese lateinischen Wörter aus ihr heraus! Und das Echo dieses einen, in der Vergangenheit verlorenen Augenblicks hat sich durch Nectovelins ganzes Leben fortgepflanzt.«

Diese romantischen Gedanken erinnerten Agrippina daran, weshalb sie sich so heftig in Cunedda verliebt hatte. Sie krümmte die Finger und strich ihm mit den Nägeln sanft über die Handfläche. »Aber obwohl sie sein Leben geprägt hat, kann Nectovelin seine eigene Prophezeiung nicht lesen.«

»Du könntest sie ihm vorlesen.«

»Ich habe es ihm einmal angeboten. Er hat so getan, als hätte er es nicht gehört. Er kann es nicht ausstehen, wenn ich römische Schriften lese. Ich hätte ihm ebenso gut mit einem Legionsadler vor der Nase herumwedeln können.« Sie unterdrückte ein Seufzen. Sie hatte mit ihrem Vetter schon oft darüber diskutiert. »Worte verleihen einem solche Macht. Wenn er lesen könnte, wäre er jedem Römer ebenbürtig, sogar Kaiser Claudius selbst.«

Er blickte zu ihr auf. Die Sterne spiegelten sich in seinen Augen. »Liebe Pina. Ein Kopf voller Worte und Träume!«

»Träume?«

»Wir müssen über die Zukunft sprechen. Über unsere Zukunft.« Er zögerte. »Pina – Claudius Quintus hat mir eine Stellung in Gallien angeboten.«

Diese plötzliche, unerwartete Neuigkeit versetzte ihr einen argen Dämpfer. Sie wusste, dass Quintus eine von Cuneddas wichtigsten Kontaktpersonen in seinem Tonwarengeschäft war.

»Quintus expandiert«, fuhr Cunedda fort. Er wusste nicht genau, was in ihrem Kopf vorging. »Meine Arbeit gefällt ihm. Er wird sich als Partner an dem neuen Unternehmen beteiligen, aber ich werde die Geschäfte führen, genauso wie hier.«

»Und du hast es nicht der Mühe für wert befunden, mir etwas von all dem zu sagen?«

»Ich wollte erst sicher sein, dass der alte Nectovelin mich nicht sowieso von dir fernhält. Aber er scheint mich zu akzeptieren, nicht wahr? Also müssen wir nun entscheiden, was wir tun wollen. Denk darüber nach, Agrippina. Wenn ich nach Gallien gehe, stehen mir die Handelswege des ganzen Reiches weit offen. Und ich muss nicht jedes Mal, wenn ich eine neue Produktreihe herausbringe, einen weiteren schafsköpfigen Britannier anlernen!«

»Jetzt klingst du selbst wie ein Römer«, sagte sie.

Er sah sie an. Offenkundig versuchte er, ihre Stimmung einzuschätzen. »Und, ist das so schlimm? Du bist doch in Gallien aufgewachsen.«

»Aber ich bin zurückgekommen«, erwiderte sie leise.

Er runzelte die Stirn. »Hör zu, wenn es dich unglücklich macht, lassen wir es bleiben. Ich finde schon einen anderen Weg, aus Quintus’ Vertrauen in mich Nutzen zu ziehen.«

»Das würdest du für mich tun?«

»Natürlich. Ich wünsche mir eine gemeinsame Zukunft mit dir, Pina. Aber es muss eine Zukunft sein, die wir beide...


Baxter, Stephen
Stephen Baxter, 1957 in Liverpool geboren, studierte Mathematik und Astronomie, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er zählt zu den international bedeutendsten Autoren wissenschaftlich orientierter Literatur. Etliche seiner Romane wurden mehrfach preisgekrönt und zu internationalen Bestsellern. Stephen Baxter lebt und arbeitet im englischen Buckinghamshire.



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