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E-Book, Deutsch, 0 Seiten

Baxter Das Geflecht der Unendlichkeit

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-15160-7
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-15160-7
Verlag: Heyne
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Am Ende der Zeit

Die Menschheit steht am Abgrund: Lange schon wird sie von den außerirdischen Qax unterdrückt, als ein Schiff durch ein Wurmloch kommt. Die Cauchy startete in der Vergangenheit an der Spitze eines Wurmloches, das sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, und legte so 1.500 Jahre zurück. Dadurch bietet sich einer kleinen Gruppe Rebellen die Chance, durch das Wurmloch in die Vergangenheit zurückzukehren. Mit dabei ist ein junger Wissenschaftler, der sich nun gegen die Invasion, die eigentlich erst in der Zukunft stattfinden wird, wehrten will. Dabei gewinnt er Einblicke in eine Zukunft, die er lieber nicht gesehen hätte … Und auch die Qax sind fest entschlossen, die Reise in die Vergangenheit anzutreten, um auch dort die Menschheit zu versklaven …

Stephen Baxter, 1957 in Liverpool geboren, studierte Mathematik und Astronomie, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er zählt zu den international bedeutendsten Autoren wissenschaftlich orientierter Literatur. Etliche seiner Romane wurden mehrfach preisgekrönt und zu internationalen Bestsellern. Stephen Baxter lebt und arbeitet im englischen Buckinghamshire.
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1WIE EIN STEIN, der aus einer blauen Schüssel herausgeschleudert wurde, löste sich der Raumgleiter von der besetzten Erde. Glitzernd und taumelnd gewann das kleine zylindrische Raumschiff an Höhe.

Der Qax-Gouverneur auf Terra hatte an Jasoft Parz die Aufforderung ergehen lassen, sich in der Erdumlaufbahn zu einem Meeting einzufinden. Parz zermarterte sich das Gehirn, das seit den Jahren seines diplomatischen Dienstes nur noch in starren Mustern dachte, nach den möglichen Gründen dieser Vorladung. Natürlich; es musste mit dem Erscheinen dieses verdammten Wurmlochs zu tun haben, das die Qax wie einen Schwarm Hornissen aufgescheucht hatte.

Aber warum sollte er sich gerade jetzt melden? Was war geschehen?

Proportional zur zunehmenden Entfernung von der Erde wuchs auch Parz’ Besorgnis.

Parz war allein in dem automatisierten Raumer. Er sah, wie Bahnen von aquamarinfarbenem terrestrischen Licht durch die kleinen Bullaugen stachen, der Rotation des Bootes folgten und durch die staubige Atmosphäre schnitten. Wie immer nahm ihm die glühende Unschuld des Planeten den Atem. Zwei Jahrhunderte Besatzung durch die Qax hatten nur wenige sichtbare Narben auf der Erde hinterlassen – viel weniger jedenfalls, als die Menschen während ihres langsamen und unbedachten Aufstieges zu einer technischen Zivilisation verursacht hatten. Doch nach wie vor waren die von den Qax betriebenen Planktonfarmen, die sich als grüne Grenzen um jeden Kontinent legten, ein bedrückender Anblick; genauso wie die landeinwärts verstreuten glasierten Flächen, die vom kurzen und ruhmlosen Kampf der Menschheit gegen die Qax kündeten.

Wie oft schon hatte Parz diese spiegelnden Abschnitte aus dem Weltraum studiert? Hundertmal, tausendmal? Und jedesmal hatte er angestrengt versucht, sich an die Reaktion zu erinnern, mit der er als Jugendlicher zum ersten Mal die zerstörten Städte betrachtet hatte. Dieser befreiende, lodernde Zorn; die Entschlossenheit, keinen Mitläufer abzugeben, wie die anderen es getan hatten. Ja, er würde im Rahmen des Systems mitarbeiten – sogar eine Laufbahn im verhassten diplomatischen Dienst einschlagen, dieser kollaborativen Mittlerinstanz zwischen Menschen und Qax. Doch ihm war es dabei nur darum gegangen, einen Weg zu finden, der Menschheit ihren Stolz wiederzugeben.

Na, Jasoft, fragte er sich; und was ist aus all den hehren Zielen geworden? Wo sind sie abhanden gekommen, in all diesen düsteren Jahren? Parz stocherte in seinen abgestumpften alten Emotionen. Manchmal fragte er sich, ob er überhaupt noch in der Lage war, echte Gefühle zu entwickeln; sogar die zerstörten Städte wirkten jetzt nicht mehr so deprimierend auf ihn und dienten vielmehr dazu, nostalgische Erinnerungen an seine Jugend hervorzurufen.

Natürlich hätte er die Qax im Bedarfsfall sogar für die biologische Tatsache verantwortlich machen können, dass er älter wurde. Hatten diese nämlich nicht wenige Monate nach ihrer Invasion die Grundlagen der menschlichen AntiSenescence-Technologie zerstört?

Manchmal fragte sich Parz, wie man sich wohl als AS-konservierter Mensch fühlen würde. Welchen Wert sollte Nostalgie für einen Unsterblichen dann noch haben?

Ein leises Klingeln lief durch den Raumer und wies Parz darauf hin, dass seine Begegnung mit der Spline-Flotte in weniger als fünf Minuten bevorstehen würde. Parz lehnte sich in seinem Sessel zurück und schloss die Augen; er seufzte leise, als die semi-adaptiven Polster sich der Kontur der Wirbelsäule anpassten und die schmerzende Rückenmuskulatur massierten, und legte die knochigen, leberfleckigen Hände auf die Brieftasche auf der kleinen Ablage vor sich. Er versuchte, sich auf das baldige Treffen mit dem Gouverneur einzustimmen. Es würde eine schwierige Angelegenheit werden – aber war es jemals einfach gewesen? Parz stand vor der Herausforderung, den Gouverneur irgendwie milde zu stimmen: ihn dazu zu bewegen, angesichts des Wurmloch-Zwischenfalls nicht zu drastischen Maßnahmen zu greifen und das Besatzungsregime nicht weiter zu verschärfen.

Als ob dies das Stichwort gewesen wäre, schob sich das mehrere Kilometer durchmessende Spline-Flaggschiff des Gouverneurs in sein Blickfeld und ließ die Erde plötzlich ganz klein erscheinen. Parz konnte sich der Wirkung des Anblicks dieses riesigen Schiffes nicht entziehen. Das Flaggschiff war eine Kugel, frei von den Aufschriften und Markierungen, mit denen vor einigen Jahrhunderten die Raumschiffe der Menschheit versehen waren. Die Hülle bestand weder aus Kunststoff noch aus Metall, sondern aus einem runzligen, lederartigen Überzug, der an die Haut eines vernarbten alten Elefanten erinnerte. Diese ›Haut‹ war mit metergroßen Pockennarben übersät, großen Stückpforten, in denen unübersehbar Sensoren und Waffen glitzerten. In einem dieser Löcher rollte ein Auge und fixierte Parz eindringlich; das Auge war eine drei Meter breite Kugel und wirkte erschreckend menschlich; ein Zeugnis der Macht konvergenter Evolution. Parz wandte sich ab und fühlte sich fast schuldig deswegen. Wie die übrigen Organe des Spline war das Auge vergütet worden, um die Belastungen eines Raumfluges überstehen zu können – einschließlich der verschärften Bedingungen im Hyperraum – und für die Bedürfnisse der Raumschiffbesatzung modifiziert. Doch Parz wusste, dass der Spline nach wie vor ein eigenes Wahrnehmungsvermögen besaß; und er fragte sich, in welchem Maße die Intensität dieses großen Blicks durch das Bewusstsein des Spline selbst, beziehungsweise durch die Sekundärbeobachtung der Besatzung hervorgerufen wurde.

Parz schob das Gesicht näher an das Bullauge. Oberhalb des fleischigen Horizontes des Spline hob sich die Krümmung eines blauen Segmentes der Erde gegen die Dunkelheit ab, und dem alten Mann war es, als ob ein Stahlseil sein Herz zu diesem unerreichbaren Stück seines Heimatplaneten zerren wollte. Und über dem blauen Segment ortete er ein weiteres Spline-Schiff, das perspektivisch auf die Größe seiner Faust reduziert wurde. Er erkannte, dass es sich bei diesem Raumer um ein Kriegsschiff handelte; seine biologische Hülle starrte vor Geschützständen – die meisten waren drohend auf Parz gerichtet, als ob sie ihn dazu auffordern wollten, es doch mal zu versuchen. Die massive Drohung des kilometergroßen Schlachtschiffes wirkte lächerlich auf Parz; er schüttelte eine knochige Faust gegen den Spline und streckte ihm die Zunge heraus.

Jetzt registrierte er, dass oberhalb des Kriegsschiffes noch ein weiteres Spline-Schiff stand, und zwar in einer solchen Entfernung, dass Parz es trotz der durch Horn- und Netzhautverstärkung optimierten Optik nur als pinkbraunen Punkt ausmachen konnte. Und hinter diesem Raumer rollte noch ein Spline durch das All. Wie fleischgewordene Monde umkreiste die Flotte die Erde mit spielerischer Dominanz.

Parz war einer von einer Handvoll Menschen, die seit der Implementierung des Besatzungsstatuts durch die Qax die Erde hatten verlassen dürfen, und einer von noch wenigeren, die sich überhaupt einem Abschnitt der Hauptflotte der Qax genähert hatten.

Die Menschheit war vor zweieinhalbtausend Jahren zum ersten Mal ins All gestartet, optimistisch, expandierend und voller Hoffnung … oder so kam es Jasoft jetzt zumindest vor. Dann war es zur ersten Kontaktaufnahme mit einer extraterrestrischen Spezies gekommen – einem geistigen Kollektivlebewesen mit der Bezeichnung Squeem – und alle Hoffnungen wurden zu Grabe getragen.

Die Menschheit wurde unterworfen, und die erste Besetzung der Erde begann.

Doch schließlich wurde die Herrschaft der Squeem abgeschüttelt, und die Menschheit bereiste erneut den Weltraum.

Dann waren die Qax auf ein terranisches Raumschiff gestoßen.

Zunächst war alles eitel Sonnenschein gewesen. Mit den Qax wurden Handelsbeziehungen aufgebaut und ein Kulturaustausch vorbereitet.

Aber die Freude war nur von kurzer Dauer.

Als die Qax gemerkt hatten, wie schwach und naiv die Menschen im Grunde waren, schickten sie die Spline-Kriegsschiffe los.

Dennoch hatte die Menschheit in dieser kurzen Phase der ersten Kontaktaufnahme schon am meisten über die Qax und den Grund ihrer Überlegenheit gelernt. So hatte man zum Beispiel erfahren, dass die von den Qax eingesetzten Spline-Raumschiffe von riesigen Meereslebewesen mit ausgeprägten Extremitäten abgeleitet waren, die einst die Tiefen eines planetenumspannenden Ozeans durchpflügt hatten. Die Splines hatten die Raumfahrt entwickelt und für Jahrtausende die Sterne bereist. Dann, vor etwa einer Million Jahren, hatten sie eine strategische Entscheidung getroffen.

Sie ›konstruierten‹ sich neu.

Sie beschichteten ihre Haut, vergüteten ihre inneren Organe – und erhoben sich von der Oberfläche ihres Planeten wie kilometergroße, mit Auswüchsen besetzte Ballons. Sie waren zu lebendigen Raumschiffen geworden, die sich von der kargen Materie im interstellaren Raum ernährten. Die Spline hatten sich in Trägerschiffe verwandelt, die sich durch ihre eigene Vermietung an hundert verschiedene Spezies einen Platz im Universum sicherten.

Das war keine schlechte Überlebensstrategie, sinnierte Parz. Das Operationsgebiet der Spline musste sich weit über den Raumsektor hinaus erstrecken, den die Menschheit vor der Invasion der Qax erschlossen hatte – sogar über die größere Einflusssphäre der Qax, in welche das traurige, kleine Reservat der Menschen eingebettet war.

Eines Tages würden die Qax wieder verschwinden, wusste Parz. Vielleicht würde die Menschheit das selbst besorgen; vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall würde unter der Herrschaft einer neuen Rasse Handel getrieben, Informationen und Güter zwischen den Sternen ausgetauscht werden. Und...


Baxter, Stephen
Stephen Baxter, 1957 in Liverpool geboren, studierte Mathematik und Astronomie, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er zählt zu den international bedeutendsten Autoren wissenschaftlich orientierter Literatur. Etliche seiner Romane wurden mehrfach preisgekrönt und zu internationalen Bestsellern. Stephen Baxter lebt und arbeitet im englischen Buckinghamshire.



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