Bauer | Von Bäumen, Menschen und der Zeit | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 252 Seiten

Bauer Von Bäumen, Menschen und der Zeit

Essays und Lyrik
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-3148-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Essays und Lyrik

E-Book, Deutsch, 252 Seiten

ISBN: 978-3-7693-3148-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Von Bäumen, Menschen und der Zeit Was hat der Mensch mit Bäumen gemeinsam? Dieser Frage will ich in meinem Buch nachgehen. Lebensbäume werden in den Weltreligionen verwendet. Der Lebensbaum des Einzelnen ist der Stammbaum, in dem wir uns als Einzelne wiederfinden, in dem wir verbunden sind in einer Kette von Menschen vor und nach uns. Bäume tragen, ertragen Schicksale wie wir. Sie haben ein großes Lebens- und Leidenspotenzial. Bäume blühen, tragen Frucht, überstehen Wind und Wetter, sind Vorbilder für uns Menschen bezüglich der Resilienz, der Widerstandskraft. Im Leben der Bäume erkennen wir unser eigenes Leben als zyklisch, im Zyklus der Jahreszeiten den Zyklus unseres Lebens. Der Baum ist wie der Mensch Teil der Natur, ohne ihn ist Zivilisation nicht denkbar. Und so spielt der Baum auch in der Kunst eine große Rolle, etwa bei Malern wie Caspar David Friedrich, Paul Cézanne, Edvard Munch, Paul Klee oder Piet Mondrian. Der Baum steht zuweilen stellvertretend für den Menschen. In der Skulptur kommt es zu hybriden Darstellungen, die in die Abstraktion führen können. Während das Leben des einzelnen Menschen einem Wimpernschlag der Erdgeschichte gleicht, leben Bäume in anderen Zeiträumen. Das Erleben der Zeit ist dem Menschen wesentlich.Die mechanische Uhr stellt einen Einbruch dar, der Strukturierung bringt, aber auch Einengung.. Der Mensch wird in Schöpfungsgeschichten häufig mit Bäumen in Beziehung gebracht, in der Bibel, in der nordischen Mythologie. Im Gilgamesch-Epos spielt der Baum als schützenswert eine zentrale Rolle. Dantes Divina Comedia beginnt in einem Wald. Der ist auch häufig Schauplatz eines Märchens wie Hänselund Gretel. In Ostanatolien wird der Reisende eine Nähe der christlichen Tradition mit der islamischen Steinkunst erkennen. Was uns Ostanatolien lehrt In Stein gehauene, filigrane Motive: christliche Tradition eigenstädig verknüoft mit islamischen Elementen. Berührung der Kulturen, Annäherung an Ursprung. Ach, wüchse ein Begreifen: Nathans Ring und ein jeder verhalte sich so, als sei er ein Teil einer größeren Wahrhait.

Studium der Germanistik und Anglistik. Nach dem Staatsexamen als Studienrätin tätig. Volkshochschuldozentin in Esslingen: Englische Konversationskurse mit den Schwerpunkten: "Englischsprachige Literatur der Gegenwart", "Kunst und Architektur des 20./21. Jahrhunderts". Freiberufliche Mitarbeit in einer Galerie für zeitgenössische Kunst. Vernissagen, Texte für Kataloge, Lyrik u.a. zu Kunst und Künstlern wie Adolf Hölzel und Paul Klee. Reisebücher.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Von den Bäumen


Sämlinge


Ganz klein beginnt
was einmal
ein Baum werden könnte
groß und stattlich
und Teil eines Waldes.
Es wird dauern.
Er braucht Licht
und Raum und
Luft zum Atmen.

Wie Blumen zu Blüten
so wächst aus dem Samen
der Keim, den Keimblätter
bergend umschließen –
so warten in den winzigen
Trieben im Herbst
die Blätter und Blüten
der Bäume
bis die Sonne hoch
und warm genug
sie aus ihrer Hülle befreit
und sie wie Aschenbrödel
zu Prinzessinnen macht.

Im Geologischen Park
von Marienbad


Die kahlen Stämme der Buchen,
sonnenbeschienen,
von Schatten gestreift,
werfen ihrerseits Schatten
auf den von Buchenblättern
des vergangenen Jahres
bedeckten Waldboden,
in die der Fuß einsinkt.
Schattenfiguren tummeln sich
auf dem Waldboden.
Filigran und sich zum Netz
verdichtend steigt das Geäst

nach oben. Immer wieder
eine Bank als Ruhepol, der
Mensch
auf dem Weg zwischen
Bäumen und Stein, als ginge er
durch die Erdgeschichte
in seine eigene Zeit.

Schattenschraffuren –
der Mensch und der Baum
und die Verquickung
von beiden mit dem Urgestein,
dem erhärteten Magma
aus dem Erdinnern:
Ursprung unserer Erde,
Beginn der „chain of being“
der Verkettung des Seins.

Der Bach löste die Steinbrocken,
rollte sie den Hang hinunter,
Moos bedeckt sie nun, bringt Farbe
ins monochrome Winterbild.
Grüne Frösche hocken so
zwischen den sprudelnden
kleinen Wasserfällen.
Die kahlen Stämme der Buchen
schicken ihre Kronen ins Himmelsblau
des Vorfrühlingstags. Sie werfen
ihre Schattenschraffur wie einen
Lattenzaun über die Wege, nicht
wirkliche Hindernisse. Der Mensch
auf dem Weg zwischen Bäumen
und Stein, als ginge er
durch die Erdgeschichte und doch
wieder hinein in die eigene Zeit.

Die Buchen und andere Bäume
der Schwäbischen Alb

Baumskulpturen vor
verblauendem
Albtrauf und
März-weißem
Himmel – jeder
Baum verströmt
seine eigene
Physiognomie.

Hier dominieren die Buchenwälder wie auf Jasmund / Rügen, nur ohne Meeresrauschen. Buchen „bauen“ Laubdächer, wo Sonnenstrahlen sie erreichen. Die Hängevon der Traufkante abwärts sind bewaldete Blockschutthalden. In dem hier wachsenden Kalkbuchenwald stehen neben vielen Rotbuchen auch Stieleichen, Hainbuchen und Bergahorn.

Weißer Jura, von
lichten Buchen beschattet – steinig
die Wurzelpfade.

Zwischen Kiefern und
Buchen freier Raum – Schreiten
auf weichem Boden.

Grüne Schleier aus
Laub filtern Luft und Licht und
vermitteln Freiheit.

Ausgreifend die
Gestik der Kiefern – leiser
tönen die Buchen.

Gehen am Albtrauf –
von Wurzeln durchzogene
Pfade – sonnensatt.

Durchsonntes Buchen-
Laub legt seine Schleier auf
drohende Tiefe.

Weicher Waldboden
vibriert unter unseren
Schritten – durchzogen
von Wurzeln und dem Spiel des
Lichts mit dem Laub der Buchen.

Zarte Schleier aus
Buchenlaub verhüllen den
drohenden Abgrund.

Stämme von Narben
gezeichnet, die der Wunden
gewärtig, während
beschattendes Blätterdach
Pflaster auf die Wunden legt.

Baumwurzelwerk, gleich
den Leibern urzeitlicher
Reptilien, die zahm
geworden, einer Wandlung
unterzogen, verstummt sind.

Baumwurzeln, geballt
ist die Kraft, die sich hält am
Stein dieser Erde.

(Haikus und Tankas)

Baumwurzelwerk erstreckt sich über die Fläche. Geballte Kraft hält sich zwischen spärlichem Humus und uraltem Stein (den Gebeinen der Mutter Erde!). Auch diese Bäume sind Spätgeborene, Nachfahren einer uralten Art. Sie werden uns überleben.

Zerborstener Stamm, sich auflösend, bloßlegend sein Innerstes, begleitet von noch sehr jungen grünen Nachkommenden, die sich um ihn scharen, sich nähren von seinem Verfall.

Der Albtrauf
im Sommer –
Blick vom
Breitenstein
ins Tal –
Erosion nagt
am Fels

Der Albtrauf mit seinen
senkrecht empor-
strebenden Stämmen
am steilen Hang
wirkt in seiner
Schraffierung
wie ein Kunstwerk.

Bäume des Nordens


Birken


Ein Liedtext, der sich erhalten hat: Wuchsen einst fünf junge Birken, grün und frisch an Baches Rand. / Sing, sing, was geschah? / Keine in Blüte stand.“ Der Text entstand aus mündlicher Überlieferung in Westpreußen und wurde 1906 von Johannes Patock zum ersten Mal aufgezeichnet. Der Ursprung des Liedes liegt wahrscheinlich im Bereich der Danziger Bucht, wo der Verfasser lebte. Dafür spricht auch, dass der Memelstrand früher Ostseestrand hieß. Das Lied zieht eine Parallele zwischen Baum und Mensch, den Burschen, die nicht (aus dem Krieg) zurückkamen und den Mädchen, die wuchsen wie die Birken und ohne einen Brautkranz, also unverheiratet blieben. Es muss sich um einen Krieg vor dem Ersten Weltkrieg handeln und entstand wohl aus einer mündlich überlieferten Version. Bäume werden parallel zum Leiden der Menschen durch Kriege gesehen.

Birken gehören zu den ersten Bäumen, die im Frühjahr frisches Grün über das Land streuen, zarte Tupfer stehen für einen Neubeginn. Der Baum hat seit jeher künstlerisches Schaffen inspiriert. Im europäischen Norden, etwa in Russland gilt die Birke als nationales Wahrzeichen. Die Birke hält zweistellige Minusgrade aus, mag aber keine große Hitze, darum gehören Birkenwälder in den Norden. Wassily Kandinsky hat in seiner frühen folkloristischen Phase ein „Reitendes Paar“, zwei sich eng umschlungen haltende Liebende auf einem Pferd von Birken umgeben dargestellt, Birken, deren Blätter zu funkeln scheinen. Gustav Klimt malt in „Seeufer mit Birken“ zwei Bäume an einem magisch schimmernden Gewässer.

Fritz Overbeck (1869-1909): März (Vorfrühling), 1908

Vor dem weiten, moorigen Land, dunkelbraun und ocker mit Resten von Schnee, erheben sich Moorbirken mit ihrer hellen Rinde, noch unbelaubt an diesem Vorfrühlingstag. In blauen Pfützen spiegeln sich der gedämpfte Himmel des Nordens und eigenwillig verformte Stämme der Birken. Leichte Melancholie liegt über dieser Worpsweder Landschaft.

Im Frühjahr produzieren Birken literweise farblosen, leicht süßlichen Saft, der reich ist an Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren, den schon die Germanen und die Wikinger nutzten. Um die Flüssigkeit zu gewinnen, bohrt man ein Loch in die Rinde und leitet den Saft über einen Schlauch in ein Gefäß.

Die Birke, mit dem lateinischen Namen Betula, kann innerhalb von drei Jahrzehnten mehr als 30 Meter Höhe erreichen und bleibt bei einer Lebensdauer von bis zu 130 Jahren unter Bäumen eine ewig Jugendliche.

Birkenholz ist vergleichsweise hart und eignet sich für den Bau von Möbeln, auch wegen seines geringen Harzgehalts. Besonders die Weißbirke besticht durch ihre leuchtend weiße Rinde, die sich durch eine große Vielfalt an Musterung auszeichnet, die sich abrollt zu papierartigen Streifen und so skulpturalen Charakter annimmt. Diese Rinde ist biegsam und zugleich stabil. Der Mensch hat in diese Rinde schon vor 1000 Jahren kurze Botschaften eingeritzt, was sich durch archäologische Funde in Nowgorod nachweisen lässt. Es gibt auch die Tradition des Birkenbuschen, der vor der Tür der Angebeteten angebracht wird. Auch das anfangs zitierte Lied stellt sich in eine solche Tradition, die die Schicksale von Mensch und Baum verbindet.

Birken im Februar


Birkenstämme drücken ihr Weiß
ins Himmelsblau –
das Aufbrechen der Rinde
die berstenden Ringe
öffnen verdeckte Strukturen –
Lebenszeichen
unblutig
vernarbt
nach außen gekehrt
und Kirschbäume

die Botschaft
der Kirschbaumrinde
aufgebrochen zu
bizarren Mustern
gelebter Jahre

Flechten und Moose
haben sich ausgebreitet –
Äußeres hat sich
auf Inneres gelegt
ach, legte sich Sinn
wie Schorf über die
offenen Wunden!

Das Moos schon grün –
auf der schneewasser-
trunkenen Wiese
hinterlassen meine Schritte
Spuren.

Im Skulpturenpark der Villa Domnick


Birken auf durchlichtetem
Rasen erweitern den Raum
geben den Skulpturen
die Luft zum Atmen
so dass sie beflügelt
ihre Botschaft
im Schleier des Geheimen
verhüllend verbreiten
Begegnung schaffen.

Zwischen Birken
noch kahl, so dass
die weißen Stämme
ihren vollen
Glanz verbreiten
im frischen Grün
mit Schneeglöckchen-
und...



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