Bauer | Nach Achtzehn Uhr | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 318 Seiten

Bauer Nach Achtzehn Uhr


2. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7392-8706-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 318 Seiten

ISBN: 978-3-7392-8706-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses Buch erzählt von den Höhen und Tiefen, die das Leben so schreibt. Von vielen Zufällen, die wirklich passiert sind. Von Menschen, die sich dadurch kennen und lieben gelernt haben. Verglichen mit dem 21 Jahrhundert, war die Zeit, in der wir groß geworden sind, schon komisch, wenn nicht sogar bekloppt, aber auch schön. Aber eben anders. Wer dieses Buch liest, wird vielleicht einige Ähnlichkeiten oder Parallelen zu seiner eigenen Vergangenheit feststellen.

Ich, Simone Bauer wurde 1969 in Winz-Niederwenigern geboren. Als viertes Kind von Hans und Marianne Kamperhoff wurde ich auf dem Land recht konservativ erzogen. In diesem Buch gebe ich meine persönliche Meinung und meine Eindrücke, wie ich sie damals empfunden und erlebt habe wieder. Unseren Kindern möchte ich hiermit schwarz auf weiß erzählen, dass wir völlig anders groß geworden sind, als sie heute. Ohne Handy und modernen schnick schnack, aber mit vielen werten und glücklich. Ob das so richtig ist oder vielleicht auch nicht, möchte ich jedem selbst überlassen. Für mich war es so wie ich es verfasst habe, meine Welt. Ich wünsche viel Spaß beim lesen.
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1. Raus aus der Mutter und ab nach Hause.


Es muss wohl ein grauer Wintertag gewesen sein. Weiß keiner mehr so genau, aber es war auf jeden Fall schon dunkel.

Mama hatte an diesem Tag Bauchschmerzen, oder wie ich es heute besser weiß, Wehen. Es war der 15.12.1969. und für mich wurde es auch langsam Zeit mein dunkles Nass zu verlassen. Ich machte mich auf den Weg. Als es nach diesem Gedrücke und Gequetsche endlich hell aber auch kalt wurde, hörten wir alle die Glocken vom Wennischen Dom läuten. Es muss 18 Uhr gewesen sein. Wie unsere Mutter später zu sagen pflegte: „ Da war sie zum ersten und letzten mal pünktlich“, denn mein Geburtstermin war erst für Januar errechnet. Macht aber nix, denn nun ging es erst mal richtig los.

Omma und Papa, die mit meinen drei Geschwistern, meinem großen Bruder Wilhelm und den Zwillingen Frieda und Ida, die ich heute „Geschwister Fürchterlich“ nenne, warteten zu Hause auf Mama und mich. Ich, die es also mit dem pünktlich sein nicht so genau nimmt, wo ich aber auch nicht immer Schuld dran habe, möchte mich erst einmal vorstellen. Ich heiße Simone und ich denke mal, dass es noch rechtzeitig genug war. Mein Bruder Wilhelm der 4 ½ Jahre älter ist als ich, und „die Beiden“ damit sind Frieda und Ida gemeint, die hab ich immer so gerufen, auch wenn nur eine von Beiden da war, sind 2 ½ Jahre älter als ich.

Meine Eltern hatten eigentlich die Familienplanung nach ihrem so heiß ersehnten Kronensohn und dem Doppelpack abgeschlossen. Aber die Lust muss wohl ihre Vernunft und ihr Gedächtnis ausgeschaltet haben und nachdem ich „Unfall“ schon mal da war, hieß es „wo Drei groß werden, wird auch ein viertes groß. Papa wollte eigentlich nicht, dass ich erfahre dass ich ein Unfall bin. Mama hatte sich aus Versehen mal verplappert und da war es nun mal raus. Ich meinerseits hatte da nie ein Problem mit. Da mussten Mama und Papa schon alleine mit fertig werden.

Außerdem wollten sie sowieso immer ein paar Kinder haben. Ob Paar dann klein oder groß geschrieben wird, ist doch letztlich völlig egal. Hauptsache gesund. Die Drei sind auch waschechte Wennische. Sie wurden in Niederwenigern, aber im alten Krankenhaus geboren, ich hingegen durfte das Licht der Welt im neuen Gebäude erblicken. Da zu dieser Zeit das Krankenhaus in Niederwenigern für Geburten aus den umliegenden Orten heiß begehrt war, wurden auch für mich zumindest dort wichtige Persönlichkeiten zur Welt gebracht. Ich könnte vieleicht behaupten, dass das Kinderzimmer der Neugeborenen ein Familientreff war. Zum Beispiel wurden dort am 14 August 1967 Frieda, Ida und eine Angela geboren. Angela machte später nähere Bekanntschaft mit unserem Bruder, der 1965 das Kinderzimmer belegte. Ebenfalls 1965 ein Steffen, der große Bruder von Angela, und 1964 der kleine Rolf. Die beiden Großcousins Steffen und Rolf bemühten sich später erfolgreich um Frieda und Ida. Oder Oliver, der 1969 per Kaiserschnitt auf die Welt geholt wurde. Olli ist der Cousin eines Jungen aus Burgaltendorf, der für mich schon aus dem Ausland kam, weil er ja ein Essener war. Dieser Junge hieß Jörg, was im griechischen „Bauer“ bedeutet.

Jörg war dort ein auffälliges Kind, denn er hat ziemlich viel gekotzt. Aus diesem Grund musste der kleine Kotzbrocken, der am 9.12.1969 zur Welt gekommen war, länger im Krankenhaus bleiben, wodurch ich seine Bekanntschaft machen konnte.

Heute könnte ich mir vorstellen warum Jörgs Beschwerden nicht besser wurden.

Wir beide waren in diesem Kinderzimmer 1969 und ich war nicht gerade ein hübsches Mädchen. Der Blick von Jörgs Bettchen in mein Bettchen muss für ihn wohl ein übler Anblick gewesen sein, was seinem empfindlichen Magen noch mehr reizte und ihm ziemlich zu schaffen machte. Aus meinem Augenwinkel betrachtet, war er für mich mein kleiner Prinz. Ja, es kam so wie es kommen musste. Sie trennten uns, was für Jörg, glaube ich, erholsamer war. Jeder durfte, wie schon erwähnt, nach Hause. Ich blieb in Niederwenigern, Niederwenigern gehört zum Enneppe Ruhr-Kreis, Jörg hingegen wurde nach Essen-Burgaltendorf gefahren. Es war wohl Gottes Fügung, dass wir uns kurz kennenlernen durften.

Mein großer Bruder Wilhelm wartete wohl zu Hause auf mich, als wenn ich das Christkind zu Weihnachten wäre, da er sich als Einzelgänger fühlte, weil Frieda, die Ida hatte, und er niemanden. Papa hatte ihm daraufhin erklärt, dass er einen Bruder bekommen würde, was sich für ihn als Fehleinschätzung herausstellte nachdem, ich zu Hause angekommen war.

Wilhelm war damals schon ein ganzer Kerl und seinem Kommentar zu Folge „ Egal, wenn´s kein Bruder ist, ich behalte sie trotzdem“, trug er es mit ehrlicher Gelassenheit. Von da an war klar, dass die „Beiden“ nichts mehr zu lachen hatten.

Auf dem Hof, den wir Vier uns nun mal teilen mussten, da er unser aller Zuhause war, hatten sich die Machtverhältnisse ausgeglichen.

Der Hof, schön im grünen gelegen, am Rande von Niederwenigern, wurde seit Generationen mit Ackerbau und Viehzucht bewirtschaftet. Er war immer, und ist es auch heute noch, ein Treffpunkt für junge Leute. Unsere sozial eingestellten Eltern hielten für alle Menschen, auch Fremden immer die Türen offen, was für uns Vier auch großartige Freiheiten ermöglichte. Omma Christine, die ursprünglich auch eine aus dem B-Dorf (Burgaltendorf) war, bewohnte im Haus zwei Zimmer und wurde von unseren Eltern mitversorgt, was damals selbstverständlich war. Omma wurde später schwer Rheumakrank und konnte ihren Alltag nur mit Hilfe meistern. Sie war eine Liebe und gute Omma und musste in ihrem Leben viel Leid ertragen. Allerdings schränkte Sie unsere Freiheit ab und an ein bisschen ein, was unsere Aktionen nicht wesentlich bremste. So ein bisschen Chefin war sie auch auf dem Hof und hatte mit ihren Kindern, also Papa, meinen Tanten und Onkels versucht, für mich einen passenden Namen zu finden. Eine Bettina sollte ich ihrer Auffassung nach werden. Mit diesem Namen konnte sich Mama gar nicht anfreunden. Sie konnte sich auch nur schwer gegen ihre Verwandtschaft und Schwiegermutter durchsetzen, die ja nun mal meinten, das Sagen auf dem Hof zu haben, also auch bei der Namensgebung des vierten Wunschkindes, da man sich ja gewünscht hatte, dass ich nie komme. Mama meinte eine Bettina wird schnell zu Betti, was die Verwandten völlig anders sahen. Eine Tante hingegen, die mir damals wie eine gute Fee vorkam, unterstützte Mama bei ihrer Meinung, mich Simone zu nennen.

Mama kam ursprünglich auch von einem Bauernhof aus Hagen vor Halle. In ihrer Nachbarschaft wohnte eine Familie, dessen Tochter Simone hieß. Mama fand es toll, wenn diese zum Essen gerufen wurde und somit auch der Name. Da hatte ich aber Glück, dass dieses Mädchen nicht Ottilie hieß oder einen anderen schrecklichen Namen hatte, denn seinen Namen hat man nun mal sein Leben lang und darüber hinaus.

Meine Tante Luise, die gute Fee, kannte diese Geschichte von Mama. Sie mischte sich Gott sei Dank ein, bestand mit Mama darauf, mich Simone zu nennen, sonst würde sie die vorgesehene Patenschaft nicht übernehmen. Daraufhin lenkten die Anderen ein und ich hatte einen vernünftigen Namen. Die Tante, die zuerst meine Patentante werden sollte, konnte diese Aufgabe nämlich nicht übernehmen, weil sie selber zum dritten Mal Mutter geworden war. Franz war schneller als ich. Dass meine Tante Nachwuchs erwartete, wusste damals komischerweise keiner, weil diese mit ihrer Familie weiter weg am Rhein wohnte. So`n Hick-Hack hätten sie sich auch sparen können, denn weiß der Geier warum, nennen mich alle, vielleicht auch deshalb, nur Moni.

1970 konnte ich im Dom zu Niederwenigern römisch katholisch getauft werden, in einem Taufkleid, das meine drei Geschwister auch schon bei ihrer Taufe angehabt hatten. Jeder Name wurde zuvor in verschiedenen Farben von Hand eingestickt. Wie ich finde, eine sehr schöne Tradition, die von Generation zu Generation weiter geführt wurde. Naja, also nicht direkt in der Kirche wurde ich getauft, sondern in der Sakristei, weil die Kirche zu kalt war. Frag mich nur wie die Großfamilie darein gepasst hatte. Aber man sagt ja, Platz ist in der kleinsten Hütte. Es kann schon sein, dass ich mir da einen weg geholt habe, denn kurze Zeit später wurde bei mir eine doppelseitige Lungenentzündung diagnostiziert. Im Wennischen Krankenhaus meinten sie: „Sofort mit dem Kind nach Bochum zur Kinderklinik. Hier können wir nichts für sie tun“. Mama, die mich schön warm in Decken eingewickelt hatte, hielt mich fest im Arm, während Onkel Wolle, der zweitjüngste Bruder von Papa, wie ein geölter Blitz nach Bochum sauste. Papa besaß keinen Autoführerschein. Nur für einen Trecker, und mit dem Trecker bis nach Bochum wollte Mama auch nicht fahren.

Hätte auch etwas länger gedauert.

Familien müssen nun mal zusammen halten, wenn es ernst wird. Das Onkel Wolle sich als Chauffeur angeboten hatte, fand ich total super. Ein paar Wochen musste ich dort bleiben. Mama und Papa durften mich nur einmal in der Woche im Krankenhaus besuchen. Wie sie mir später...



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