E-Book, Deutsch, 220 Seiten
Bauer Friends and Heartbreak Princes
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-96148-151-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Eine RomCom voller Gefühl, Spritz und Witz
E-Book, Deutsch, 220 Seiten
ISBN: 978-3-96148-151-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Simone Bauer, geboren 1990 in der Nähe von Regensburg, lebt heute im Herzen Münchens und arbeitet als Spezialistin für Öffentlichkeitsarbeit in einem großen DAX-Unternehmen. Seit fast fünfzehn Jahren ist sie als Journalistin für Print und Online, TV und Radio tätig, unter anderem für den Bayerischen Radiosender egoFM, das Missy Magazin, MyFanbase, die Süddeutsche Zeitung und das Anime- und Cosplay-Magazin Koneko. Die Autorin im Internet: instagram.com/howmanyheartaches facebook.com/SimoneBauerAutorin Bei dotbooks veröffentlichte Simone Bauer ihren Roman »Friends und Heartbreak Princes«.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
»Elisa, weißt du, was ich mich seit jeher frage?«
»Nein, Fräulein Kyewski, das weiß ich nicht.«
»Warum sich in amerikanischen Sitcoms Mann und Frau nach dem Sex immer nebeneinander in die Kissen werfen und schnaufen, als hätten sie gerade einen Marathon hinter sich gebracht. So funktioniert das doch gar nicht.«
Ich zuckte mit den Schultern. »Hattest du noch nie die Art von Sex, nach der man sich einfach nur ein Schnitzel wünscht?«
Bonnie war mit meiner Antwort unzufrieden, das merkte ich sofort, denn sie presste ihre Lippen so fest aufeinander, dass sie eine dünne Linie bildeten. Ich mochte es nicht, wenn sie so guckte, das verhieß meistens nichts Gutes, also legte ich schnell nach: »Ich finde es eher unrealistisch, dass die Frauen dabei fast ausschließlich ihre BHs tragen, so als ob das das Normalste auf der Welt wäre.«
»Da lobe ich mir doch den Sex aus Berlin – Tag & Nacht. Stets auf dem Herd in der Küche.« Bonnie hielt kurz inne und begann zu lachen.
Ich hingegen war nicht in der Verfassung zum Loskichern, meine Laune war immer noch unverändert im Keller, schon seit ich heute Morgen aufgestanden war. Völlig lustlos schleppte ich mich hinter meiner Mitbewohnerin her über die Hinterhofflohmärkte meines Viertels. Es war ein sonniger Samstag, doch auch dem konnte ich nichts abgewinnen. Der Aufenthalt auf diesen speziellen Flohmis bedeutete, im letzten Ramsch der Nachbarschaft zu kramen, und auch wenn man sein ganzes Kleingeld ausgab, kam man immer mit einer Wagenladung Blödsinn nach Hause, den man dann selbst nie wieder loswurde. Zumal man sich hier in der Theresienstraße nur durch die abgegriffenen Bücher von Studenten wühlen konnte, die gerade zum fünften Mal ihr Fach gewechselt hatten und aus diesem Grund ihre alten Arbeitsmaterialien abstoßen wollten.
Das hatte ich ja gerade hinter mir. Ich musste erst einmal eine Verwendung für mein Vergangenes finden. Und Bonnie war, trotz ihrer Vorliebe für intellektuell weniger anspruchsvolle Soaps, Serien und Scripted-Reality-Shows, sehr glücklich mit ihrem Medizinstudium. Vermutlich, weil sie unterscheiden konnte zwischen Fiktion und Realität. Die Anfänge im Krankenhaus bestanden manchmal aus Pflaster verteilen, EKG, Blutabnehmen und dem Test der Lungenfunktion, nicht darin, den heißen Assistenzarzt im Aufenthaltsraum zu knallen.
Ich drehte ein paar Plastikfiguren unschlüssig in meinen Fingern herum, die auf einer Bierbank aufgereiht waren.
Während ich mit Kindern herzlich wenig anfangen kann, verhält es sich mit ihrem Spielzeug genau umgekehrt. Bonnie betonte manchmal, wenn sie Cartoons guckte – noch ein guilty pleasure ihrerseits –, Kind geblieben zu sein. Ich dagegen war mir ziemlich sicher, dass mein inneres Kind gerade eine Rentenversicherung abgeschlossen und einen Kombi erworben hatte. Nur bei Spielzeug wurde ich noch immer schwach. Zum Beispiel jetzt, oh, Karla Kolumna!
Die Farben, gelb und petrol, waren schon etwas abgenutzt, aber ich konnte das Idol meiner Kindheit noch gut wiedererkennen. Wegen ihr hatte ich in der fünften Klasse eine Schülerzeitung gegründet. Bonnie war damals eine wirklich große Hilfe gewesen, die Lehrer in prekäre Situationen zu bringen und deren Zitate aufzuschreiben, während ich Dieter-Bohlen-mäßig das Schulorchester in Grund und Boden kritisierte.
In den Jahren darauf war für mich klar gewesen: Ich würde Journalistin werden. Doch irgendwie bekam ich kein großartiges Feedback auf mein Editorial über fehlende Parkplätze an der Schule und außerdem waren meine Eltern sehr resolut bezüglich der Konditionen, wann sie meine Uni bezahlen würden, nämlich nur, wenn ich etwas Ordentliches studieren würde. Meine Mutter war beim Finanzamt und mein Vater Uniprofessor, sie wollten nicht das unstete Reporterleben für ihre Tochter, sondern einen festen Arbeitsplatz für den einzigen Sprössling der Familie Barwasser. Und diese sichere Anstellung fand ich nach meinem anständigeren Studium ja auch, sehr zu ihrer Freude. Statt die Journalistenlaufbahn einzuschlagen und dann von einer PR-Agentur Mails zu bekommen, arbeitete ich also bei der PR-Agentur, die diese Mails verschickte.
Mit einem Seufzer legte ich die Spielzeugfigur zurück und wandte mich einer Bananenkiste voller alter Platten zu, die auf einem der Tapeziertische neben anderem Gerümpel stand. Musik war mein Ein und Alles. Und auch, wenn ich meinen Traum, Journalistin zu werden, an den Nagel gehängt hatte, über Musik schrieb ich noch immer. Ich rezensierte ab und an Platten und Konzerte für verschiedene Münchner Onlinemagazine. So konnte ich mit meinem alten Ich immer in Verbindung bleiben.
Hätte ich für meinen Traum mehr kämpfen können? Sicher. Vielleicht manövrierte ich mich auch allzu gerne in mein eigenes Unglück. Als ginge es mir nicht gut ohne ein paar Fragezeichen. Wie geht es weiter nach dem Abitur? Wie geht es weiter nach dem Bachelor? Keine Zeit zum Verschnaufen. Nur Zeit zum Hyperventilieren.
Sicherlich war 22 nicht wirklich ein gutes Alter, um zum ersten Mal die Gefühle zu bekommen, die 50-jährige Männer zum Kauf eines Cabrios verleiteten, aber was sollte ich denn bitte tun? Der Genuss von Eulenbabyvideos auf YouTube und das Anstarren von Zac Efron in verschiedenen Klatschblättern konnten meinen Frust auch nur für einen kurzen Zeitraum unterdrücken. Bonnie merkte nichts von meiner Stimmung. Sie philosophierte sich seelenruhig durch die letzten, gefühlt tausend Folgen von Berlin – Tag & Nacht, während sie mit ihrem 24-jährigen Hintern über den Schwabinger Hinterhof wackelte und sich die Strähnen ihrer langen, haselnussbraunen Haare hinters Ohr schob.
Klar, sie war noch ein Weilchen mit ihrer Ausbildung beschäftigt. Aber ich? Uni abgeschlossen, Bachelorette der Kommunikationswissenschaften geworden, und doch dieser ständige Wunsch, mehr zu sein. Ich fragte mich andauernd, was wohl als Nächstes kommen würde, doch keiner konnte mir das so richtig beantworten. Mama meinte: Was soll schon sein? Wenn sie das sagte, hatte ich das Gefühl, kurz davor zu sein, die Schwelle zur Spaßlosigkeit überschreiten zu müssen. Die Schwelle zu einem endlos langen Tunnel, den ich ohne weitere Vorkommnisse durchwandern sollte bis zum Licht an seinem Ende.
Zugegeben, die PR-Agentur, in der ich einen Job bekommen hatte, war ganz cool. Dennoch haderte ich mit mir. Ich war nicht wie die Karrieremenschen dort. Weil ich gar nicht genau wusste, was meine Karriere eigentlich war. War es mein Hobby? Ich stand ja irgendwie schon mitten im Berufsleben, und war es das, womit ich die kommenden 40 Jahre meine Stullen verdienen würde? Vermutlich war eben die Schwierigkeit, meinen genauen Wunsch nicht in Worte fassen zu können.
René hatte das ja immer bemängelt. Ach, René.
Er hatte die blauesten Augen der Welt und ich hatte sofort das Gefühl gehabt, mich ihm anvertrauen zu können. Bei René konnte ich mich komplett fallen lassen. Er war die Person, die jeden meiner Sätze hatte vollenden können.
Er war vermutlich diese eine große Liebe, von der sie immer in den Filmen schwärmten. Über die bedeutende Romane geschrieben wurden und Popsongs. Rein, wahr, groß.
Meine Mutter, in ihren Wechseljahren schnell gereizt, war schon ziemlich genervt, wenn ich mal wieder Trübsal blies wegen René. Dann rutschte ihr auch schon mal raus: »Elisa, du weißt es nicht besser, er könnte auch nur irgendwer gewesen sein.«
Und selbst Bonnie ertrug langsam nicht mehr, dass ich immer wieder diesen einen Satz wiederholte: »Er hatte das Gefühl, ich würde mich in unserer Beziehung zu sehr verbiegen!«
»Das wissen wir langsam alle schon, Elis’«, knurrte sie dann nur. Aber verdammt. Ich hatte ihn vergöttert. Und ich kam genau darüber nicht hinweg.
Wahrscheinlich hatte ich mich aus lauter Liebe selbst nicht mehr gekannt.
Jetzt erst dämmerte mir, dass ich immer noch auf dem Flohmarkt stand, vor dem Stapel Schallplatten, und ein Cover von Phil Collins anstarrte. Take a look at me now.
Schnell begann ich, die Langspieler durchzublättern.
Bonnie war neben mich getreten. »Na ja, aber bevor du wieder sagst, keine Serie kann Gossip Girl das Wasser reichen – du hast recht!«
Sie hatte erst kürzlich auf mein vehementes Drängeln hin alle Staffeln durchgeguckt.
»Und ich habe mir etwas überlegt – als Dan in einer der letzten Folgen gerade wieder mit Serena zusammenkommt und im Bett ins Handy spricht: ›I’m writing a Serena chapter!‹ – vielleicht sollte das der neue Code werden!«
»Für was?«
»Für Sex natürlich! Das klingt doch wie eine verdammt gute Anmache. ›Willst du mit mir ein Buch schreiben?‹ als Aufforderung, in die Kiste zu steigen. Fantastisch«, führte Bonnie ihren Gedanken fort, während sie ein Werk von Sonny und Cher betrachtete. »Ich meine, du als Journalistin solltest das doch toll finden – einen Typen anquatschen mit den Worten ›Willst du mein Co-Autor werden?‹«
»Und wo willst du die anbringen? Du gehst so gut wie nie weg.«
»Beim Mediziner-Stammtisch?«
»Bei den Nerds?«
»Nerds sind die neuen Adonisse. Das weiß jeder.«
»Mag sein«, gab ich ihr recht. »Dennoch versteht diese Anspielung niemand außer … ziemlich sicher uns zweien.«
»Weil du ja die Flirtexpertin bist, musst du es wohl wissen.«
Verletzt sah ich meine brünette Freundin an.
»‘Tschuldigung.« Sie konnte sich aber nicht verkneifen, die Augen zu verdrehen. Klar, sie war ja nicht die Einzige, die mir sagte, ich sollte über René hinwegkommen, doch ich fand, dass die Zeit noch nicht reif dafür war. Momentan schrie alles nach Schokoeis...




