E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Bauer Der Goldene Schnitt
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-1931-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Teil II: Kunst und Architektur - Das Bauhaus, seine Vorläufer, seine Strömungen
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-7526-1931-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Goldene Schnitt Teil II Kunst und Architektur Das Bauhaus, seine Vorläufer, seine Strömungen Im 20. Jahrhundert kommt es zu einer Erneuerung, die sich wieder auf die Geometrie beruft. Die Grundformen von Kreis, Quadrat und Dreieck sind geradezu das Logo des Bauhauses. Es hat nur eine kurze Zeit existiert. Seiner Konzeption gehen andere Strömungen voraus. Sie alle wenden sich gegen den Historismus, der die alten Stile wiederbeleben will. Künstlerfürsten wie Lenbach und Stuck stehen am Scheideweg. In England ist die Arts-and-Crafts-Bewegung ein Impuls. Der Jugendstil ist eine Bewegung, die in europäischen Ländern zu unterschiedlichen Formen führt und unterschiedliche Namen annimmt: den Modernisme von Gaudì in Barcelona, Eisenstein in Riga, Lalique und Mucha in Paris, die Secession und die Wiener Werkstätten in Wien, die Mackintoshs in Glasgow, die Mathildenhöhe in Darmstadt. Das Bauhaus wächst aus der Arts-and-Crafts-Bewegung. Auch die geometrische Fraktion des Jugendstils kann als Vorläufer betrachtet werden. Die Reformbewegungen der Zeit spielen herein wie die esoterischen Bewegungen der Theosophie, ergänzt von der Reformpädagogik, die sinnliche, ganzkörperliche Elemente wie den Tanz einbezieht. Schlemmers Triadisches Ballett gehört zum künstlerischen Bereich, der immer mitgedacht werden muss, wenn wir an Bauhausmeister wie Feininger, Klee und Kandinsky denken, die schwerpunktmäßig in Teil III besprochen werden. Was wollte das Bauhaus? Eine von der Kunst herkommende Richtung sollte mit der handwerklichen Seite kombiniert werden. Der Künstler sollte dem Handwerk dienen, der Handwerker dem Künstler. Das Gesamtkunstwerk wird angestrebt. Die industrielle Entwicklung, neue Materialien kommen hinzu. Viele Impulse, was Architektur und Kunst betrifft, gehen vom Bauhaus aus in die Welt, bis zum heutigen Tage. Doch gibt es auch andere Strömungen in der Architektur des 20. Jahrhunderts, die in Teil II zur Sprache kommen.
Studium der Germanistik und Anglistik. Nach dem Staatsexamen als Studienrätin tätig. Volkshochschuldozentin in Esslingen ( Englische Konversationskurse mit den Schwerpunkten "Englischsprachige Literatur der Gegenwart", "Kunst und Architektur des 20. Jahrhunderts"). Freiberufliche Mitarbeit in einer Galerie für zeitgenössische Kunst, Vernissagen, Texte für Kataloge.
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Kasimir Malewitsch (1878-1935) und der Suprematismus
Wie bei Wassily Kandinsky stehen am Anfang seines Schaffens folkloristische Bilder. Über den Symbolismus und frühe abstrakte Bildfindungen des Kubofuturismus und Suprematismus kehrt er schließlich zurück zu figürlichen Darstellungen der späten Jahre, die er zunächst zurückdatiert. Ab 1915 sind es bei Malewitsch geometrische Grundformen, die aber anders als bei De Stijl ohne Raster auf der Fläche verteilt werden. Auch er hält sich an die Grundfarben. Malewitsch ist inspiriert von neuen technischen Möglichkeiten wie vom Photographieren aus der Luft. Und so wirken seine Werke auf dem Höhepunkt der suprematistischen Phase - Kompositionen mit farbigen Rechtecken auf weißem Grund - wie Gebäude aus der Luft. Doch besteht bei Malewitsch ein Bezug zur Spiritualität von Ikonen, die nach seiner radikalen Phase, die im „Schwarzen Quadrat“ gipfelt, wieder deutlich in Erscheinung tritt. „Der Kopf eines Bauern“ von Kasimir Malewitsch aus den Jahren 1928/30 ist ein Ölbild, das zwar nicht in der spezifischen Ikonentechnik gemalt ist, die auf religiösen Riten basiert, aber doch auf Holz und in einem durchaus üblichen Ikonenformat (71,7x53,8 cm). Es hängt heute im Staatlichen Russischen Museum in St. Petersburg. Der Maler der Avantgarde, der eigentlich das Ende des Tafelbilds einläuten wollte, kehrt nun zurück in die Tradition der orthodoxen Ikonenmalerei. Infolge der Russischen Revolution von 1917 ist Russland gewaltsam in eine neue Zeit eingetreten. Auch Malewitsch will die neue Zeit, den neuen Menschen. Das verbindet ihn mit Malern und Schriftstellern in anderen Ländern Europas. Diese Vorstellungen verfolgt auch das Bauhaus. In Russland sollen Arbeiter und Bauern an die Stelle der Heiligen treten. Doch wählt Malewitsch für sein Porträt eines Bauern den traditionellen Bildträger, das Holz, und auch die kanonische Darstellung von Ikonen. In den Grundfarben Rot und Gelb, sowie Weiß gibt er dem Kopf geometrische Formen, zeichenhaft fügt er in Schwarz Augen und Nase ein. Der nicht vorhandene Hals erinnert an das Mandylion (angeblich vom Evangelisten Lukas Christus mittels eines Tuchs abgenommenes Porträt) und gibt dem Porträt einen spirituellen Touch. Den obligatorischen Goldgrund ersetzt Malewitsch allerdings zeitgemäß durch weite, von einem Frauenkollektiv bestellte Felder, über die ein Geschwader von Flugzeugen hinwegdröhnt. Um 1917, zur Zeit der Russischen Revolution waren Kasimir Malewitsch (1878-1935) und seine Kollegen der russischen Avantgarde, darunter El Lissitzky, überzeugt davon, dass ihre Kunstauffassung die einer neuen Zeit sei. Farbe und Form, die im „Schwarzen Quadrat“ den für die Bewegung adäquaten Ausdruck finden, sprechen im Suprematismus eine neue Sprache, die in ihrer reduzierten Form dennoch, wie oben dargestellt, eine Verwandtschaft zur russischen Ikone aufweisen. Malewitsch selbst sieht in dieser Reduktion eine zeitlose Form, die einen Endzustand darstellt. Hinter das „Schwarze Quadrat“ kann man nicht zurückgehen. Er weiß auch um den Bezug des Quadrats zu Architektur und Design und ähnlich wie die holländische De-Stijl-Bewegung und das Bauhaus sieht er sein Werk als Beitrag zur zeitgenössischen Entwicklung auf diesem Gebiet. Es soll das Leben als Ganzes umfassen, den „neuen Menschen“ schaffen. Kompositionen der Suprematisten wollen die Dynamik der Planeten, sich krümmende Bakterien, das Lebendige und das Leblose, die sichtbare und unsichtbare Natur in „reiner“ Farbe und Form darstellen. Malewitsch glaubt, diese neue Sprache sei unabhängig von der Zeit. Auch glaubt er, dass der Suprematismus alle Aspekte des modernen Lebens umfassen, seinen Einfluss auf die Architektur und das Design ausweiten könne. In ähnlicher Weise und etwa zur selben Zeit will die holländische De-Stijl-Bewegung zur Gestaltung der zeitgenössischen Welt beitragen. Und ganz Ähnliches geschieht am Bauhaus. Eliezer „El“ Lissitzky (1890 – 1941)
Neben Kasimir Malewitsch und Theo van Doesburg muss auch Eliezer „El“ Lissitzky (1890-1941) als Mitbegründer des Konstruktivismus erwähnt werden. El Lissitzky wird seiner jüdischen Abstammung wegen 1909 von der Kunsthochschule in Sankt Petersburg abgewiesen. Daraufhin geht er nach Deutschland und beginnt an der Technischen Hochschule in Darmstadt Architektur und Ingenieurwissenschaften zu studieren, schließt das Studium aber 1915 in Moskau ab. In der Oktoberrevolution 1917 sieht er einen künstlerischen und sozialen Neubeginn für die Menschheit. Sein Werk ist nun stark von seinen politischen Überzeugungen geprägt. Wie Malewitsch arbeitet er ab 1919 durch Vermittlung von Marc Chagall an der Kunsthochschule in Witebsk. Chagall ist zu der Zeit Direktor des Instituts. Lissitzkys Arbeiten liegt der Konstruktivismus zu Grunde, den er mit prägt, auch ist er stark beeinflusst vom Suprematismus von Malewitsch. Geometrische Elemente werden mit einem politischen Symbolismus verknüpft, der für jedermann verständlich sein soll. Seine Experimente nennt er „Proun“, ein Akronym für „Projekt für die Behauptung des Neuen“. Er will damit den Suprematismus in die dritte Dimension überführen. Diese Bilder sind Bildkompositionen aus geometrischen Figuren, die eine Raumwirkung auf der zweidimensionalen Fläche erschaffen. Seine Ausbildung zum Architekten führt zu einer Verbindung von Architektur und Malerei. Insofern beeinflusst auch er die De-Stijl-Bewegung und das Bauhaus, wo diese Probleme zum Teil kontrovers diskutiert werden. Wie die Delaunays pflegt er Kontakte zu den Arps und zu Willi Baumeister. Lissitzky pendelt zwischen Russland und Deutschland, und so weist sein Schaffen Züge der Avantgarde beider Welten auf. Farbfeldmalerei – De Stijl- Bewegung
Im selben Jahr, in dem Kasimir Malewitsch mit seinem Suprematismus an die Öffentlichkeit tritt, gründet sich in Holland die De Stijl-Bewegung (um 1917-1931), die als kollektive Bewegung betrachtet wird, obwohl ihre einzelnen Vertreter wie Piet Mondrian, Gerrit Rietveld und Theo van Doesburg, durchaus unterschiedliche Vorstellungen vertreten. Die von allen akzeptierten Prinzipien beziehen sich auf die Primärfarben, die Ablehnung einer Differenzierung von Vordergrund und Hintergrund in einem Bild, das aus einer Ebene, einer Fläche bestehen soll. Diese Bildsprache eignet sich für die grafische Darstellung und damit auch für die Werbung. Sie lässt sich aber auch in den räumlichen Kontext übertragen, in die Architektur, in das Design von Innenräumen, in die Gestaltung von Haushaltsgegenständen. Trotz der oft auseinandergehenden Vorstellungen der einzelnen Mitglieder von De-Stijl, lässt sich ihre Optik auf unterschiedliche Aspekte des Lebens anwenden, das gilt vor allem für Holland. Gerrit Rietveld (1888 – 1964)
Im Stedelijk-Museum in Amsterdam befindet sich seit 1971 eine Rekonstruktion des Schlafzimmers, das Gerrit Rietveld für den Kinderarzt Rein Harrenstein und seine Frau An Harrenstein-Schräder entworfen hat. Während seiner ganzen Karriere arbeitet Rietveld mit Truus Schröder-Schräder zusammen an einigen seiner bedeutendsten Aufträge, die das spektakuläre 1924 fertiggestellte Rietveld-Schröder-Haus in Utrecht einschließen. Auch führen die beiden einige kleinere Aufträge aus wie das Schlafzimmer der Harrensteins. Der Kinderarzt R.J. Harrenstein ist verheiratet mit der Schwester von Schröder-Schräder. Besagtes Schlafzimmer besteht aus fünfzehn Teilen von Mobiliar, Wandpaneelen und Raumteilern, die zusammen ein Ambiente herstellen, in dem jedes Detail zu einer harmonisch ausbalancierten konstruktiven Gesamtkomposition beiträgt. Diese Einrichtung transferiert das konstruktive Konzept der De-Stijl-Bewegung in die Architektur des Raumes. Auch die Farbpalette reflektiert De-Stijl, indem sie sich nicht nur auf die geometrische Grundform des Rechtecks, sondern auch auf die Primärfarben sowie Schwarz, Weiß und Grau beschränkt. Bei dieser Nähe zum Bauhaus verwundert es nicht, dass der Lattenstuhl von Marcel Breuer stark von Gerrit Rietvelds „Rot-Blau-Stuhl“ von 1917 beeinflusst ist. Beim „Rietveld-Stuhl“ sind die universalen Gestaltungselemente das Quadrat, das Rechteck und die Linie, die in Beziehung zum Raum gesetzt werden. Das Gestell des Stuhls, eine Raumkonstruktion, kann vollständig in einzelne Flächen zerlegt werden. Auf diese Weise leben die formalen und farblichen Beziehungen der malerischen und skulpturalen Elemente im Gebrauchsgegenstand weiter. „Deswegen können auch die gleichen Gestaltungsprinzipien vom Buchumschlag über ein Gemälde bis zu einem Gebäude […] gelten.“ 4 Das Rietveld-Schröder-Haus entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Bauherrin Truus Schröder-Schräder. Nach dem Tod ihres Mannes bittet sie Rietveld, ihr bei der Suche nach einer neuen Bleibe zu helfen. Doch entschließt man sich zu einem Neubau am Stadtrand von Utrecht. Die Bauherrin ist selbst Innenarchitektin, und so einigen sich die beiden erst auf...




