Bast | Das Orangenblütenversprechen | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 350 Seiten

Bast Das Orangenblütenversprechen

Roman | Orangenduft, Mittelmeerwind und Familiengeheimnisse
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8437-3666-4
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman | Orangenduft, Mittelmeerwind und Familiengeheimnisse

E-Book, Deutsch, 350 Seiten

ISBN: 978-3-8437-3666-4
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zwischen Orangenduft und Mittelmeerwind - Familiengeheimnisse auf Mallorca Magdalena ist Patissière und lebt ihren Traum - gerade hat sie ihr eigenes erfolgreiches Café in London eröffnet. Da erfährt sie vom überraschenden Erbe eines alten Herrenhauses und einer Orangenplantage auf Mallorca. Aber wer sollte ihr etwas vererben, noch dazu auf einer Insel, auf der sie nie war? Neugierig macht sie sich auf den Weg und entdeckt nicht nur die Schönheit Mallorcas, sondern auch ein lang gehütetes Familiengeheimnis. Was hat das Schicksal der jungen Maria Lourdes Fuentes, die vor hundert Jahren auf der Plantage lebte, mit Magdalena zu tun?

Eva-Maria Bast, geboren 1978, ist Journalistin, Verlegerin und Autorin. Sie veröffentlichte mehrere Romane, unter anderem zusammen mit Jörn Precht unter den Pseudonymen Charlotte Jacobi und Romy Herold. Ihre Bücher standen mehrmals auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Autorin lebt am Bodensee.
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Kapitel 1


Magdalena, London 1978

Manchmal beginnt alles mit einer Kleinigkeit. Einem Duft, einer Geste, einer Ahnung. Während ihre Finger tief im Teig vergraben sind, hebt Magdalena den Kopf und blickt hinaus auf die belebte Straße, in der sich ihr kleines, aber charmantes Café befindet. hat sie es genannt – eine Hommage an eine Insel, die sie noch nie besucht hat, die jedoch eine unerklärliche Sehnsucht in ihr hervorruft. Unzählige Bücher über diesen Ort hat sie schon gelesen, unzählige Bilder betrachtet, aber hingereist ist sie noch nie. Hat es nicht gewagt. Warum, das weiß sie gar nicht so genau. Vielleicht, hat einer ihrer Stammgäste einmal zu ihr gesagt, habe sie Angst, entzaubert zu werden, wenn sie hinführe. Sorge, dass die Realität nicht so schön wäre wie der Traum. Möglich, hatte Magdalena erwidert und sich glücklich in ihrem Café umgesehen.

Das hier war ihr Traum, ihr wahr gewordener Traum, ein Ort, den sie so gestaltet hat, wie sie sich Mallorca vorstellt. Ein Ort voller Wärme, Farben und süßer Düfte. Ein Stück Süden inmitten von Londons Grau – das aber eigentlich gar nicht grau ist, sondern bunt und turbulent, wie Magdalena sich eingestehen muss, als sie nach draußen blickt. Dort schieben sich die Menschen in langsamer Geschäftigkeit durch die engen Straßen, vorbei an Antiquitätenläden, Ständen mit handgefertigten Keramiken, Vintage-Kleidung und duftenden Blumenarrangements. Der Frühling ist mild in London, aber der Himmel bleibt eben oft grau, und manchmal hat Magdalena das Gefühl, dass ihr Herz nach mehr Licht verlangt. Nach Licht, wie sie es auf Bildern von Mallorca so oft gesehen hat. Nach dem goldenen Schein der untergehenden Sonne, die durch Zitronenhaine fällt. Nach dem türkisblauen Glitzern des Mittelmeers.

Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, als sie sich mit einer schnellen Bewegung eine Haarsträhne aus der Stirn streicht. In der warmen Luft des Cafés mischt sich der Duft von frisch gebackenen Orangentörtchen mit dem Aroma von Espresso und Mandelgebäck.

Sie liebt diesen Ort, liebt die kleinen Momente, in denen alles stillzustehen scheint – ein Löffel, der gegen eine Tasse klirrt, ein leises Lachen aus einer Ecke, das Kratzen eines Füllers auf Papier.

Am Fenster sitzt Emily, die junge Schriftstellerin, die fast jeden Tag hier ist. Mit ihrem Notizbuch in der einen Hand und einer dampfenden Tasse in der anderen verliert sie sich in ihren Gedanken. Manchmal fragt Magdalena sich, was Emily wohl schreibt – ob es Geschichten sind, die wie ihre eigenen von Orten handeln, an denen sie noch nie war, von Menschen, die sie vielleicht eines Tages treffen wird.

Die Türglocke klingelt sanft, als ein neuer Gast eintritt. Sie blickt auf und erkennt Mr Faber, den alten Antiquar von gegenüber, der jeden Nachmittag für seinen Espresso und sein Orangentörtchen vorbeischaut. Er hebt grüßend die Hand, und sie erwidert die Geste, dann reicht sie ihm einen frischen Kaffee. Sie kennt seine Vorliebe für starke Aromen, für Geschichten auf vergilbten Seiten und für eine vergangene Welt, die in den alten Büchern seines Ladens noch lebendig ist.

Der Tag vergeht in einer Mischung aus Arbeit und Momenten der Ruhe. Immer wieder ertappt sich Magdalena dabei, wie sie hinausblickt, wie sie sich in den Strahlen des Lichts verliert, die durch das Fenster tanzen. Die Stunden ziehen dahin, bis der Abend sich ankündigt. Die Kundschaft wird weniger, und als die Straßenlaternen ihr sanftes Licht auf das nasse Pflaster werfen, schließt sie das Café ab.

Der Weg nach Hause ist kurz. Die feuchte Luft ist geschwängert von dem Geruch von Regen und alten Steinen, und in der Ferne spielt ein Straßenmusiker eine melancholische Melodie auf seiner Gitarre.

Ihre Wohnung liegt in einem der alten viktorianischen Häuser Notting Hills, deren hohe Fenster und kunstvolle Balkone Geschichten von längst vergangenen Zeiten erzählen.

Als sie die Tür öffnet, tritt sie fast auf den Umschlag, der auf dem Boden liegt und den der Postbote wohl am Morgen durch den Schlitz geworfen hat. Verwundert hebt Magdalena das Schreiben auf. Sie bekommt eigentlich nie Post nach Hause, sondern immer nur ins Café. Und es handelt sich meist nur um amtliche oder geschäftliche Schreiben. Mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter kommuniziert sie, ebenso wie mit ihren Freundinnen, ausschließlich per Telefon.

Sie hebt den Brief auf. Er sieht offiziell aus. Doch Briefe von Behörden stecken meist in hässlichen grauen Umschlägen. Dieser hier ist jedoch schwer, edel und cremefarben. Ratlos dreht sie das Kuvert um.

Der Absender ist eine Anwaltskanzlei:

Ein unangenehmes Gefühl krampft in ihrem Magen. Ein Schreiben von einem Anwalt? Fieberhaft geht sie in ihrem Kopf die letzten Wochen und Monate durch. Hat sie sich etwas zuschulden kommen lassen? Vielleicht ein Gast? Sie erinnert sich daran, dass vor einigen Wochen einmal eine Frau behauptet hat, sie habe von dem Kuchen, den sie am Vortag im gegessen hatte, schreckliche Bauchschmerzen bekommen. Ob die Frau sie nun verklagen will? Vielleicht hetzt sie ihr die Gesundheitsbehörde auf den Hals, und sie muss ihr Café schließen.

Beruhige dich, Magdalena, ruft sie sich zur Ordnung. Du öffnest jetzt einfach den Brief, und dann wirst du eine Antwort auf deine Fragen erhalten.

Sie geht zu dem kleinen Sekretär, der unter einem der Fenster steht und von dem aus sich ein herrlicher Blick nach draußen eröffnet, greift nach dem silbernen Brieföffner, der dort stets bereitliegt, schiebt die Klinge in das stabile Büttenpapier, schlitzt den Umschlag auf und zieht einen ebenso nobel wirkenden Briefbogen heraus.

Sie liest:








Magdalena liest den Brief dreimal in der Hoffnung, irgendetwas übersehen zu haben, etwas zu finden, das ihr Aufschluss darüber geben kann, was sie erwartet. Doch die Worte auf dem Papier bleiben natürlich die gleichen. Mit einem Seufzen legt sie das Schreiben langsam auf den Tisch. Noch nie in ihrem Leben hat sie eine Anwaltskanzlei betreten müssen.

Natürlich hat sie am Dienstag Zeit – sie öffnet ihr Café erst um 10 Uhr. Und wenn sie keine Zeit hätte, würde sie sie sich nehmen und das Café schließen.

Keine Sekunde länger als nötig hält sie diese Ungewissheit aus! Aber bis Dienstag ist es noch so lang hin! Das ganze Wochenende liegt dazwischen. Sie wird Ablenkung haben, am Wochenende ist ihr Café immer zum Bersten voll, dennoch ist es quälend, so lange warten zu müssen.

Am Dienstagmorgen wacht Magdalena bereits um fünf Uhr auf. Noch vier Stunden bis zu ihrem Termin. Sie weiß, dass diese Stunden unendlich langsam vergehen werden, wenn es ihr nicht gelingt, wieder einzuschlafen.

Natürlich scheitert sie. Unruhig wirft sie sich hin und her, bis sie schließlich um sechs Uhr seufzend aufsteht und beginnt, ihre Wohnung zu putzen. Magdalena geht gründlich vor, räumt Schubladen aus und wieder ein, schrubbt sogar mit einer alten Zahnbürste die Fugen im Bad. Die Minuten kriechen dahin. Die Sekunden auch.

Um acht Uhr ist ihre Wohnung sauber wie nie zuvor, sie kleidet sich sorgfältig an – Jeans, Bluse und einen Samtblazer, bindet sich das dunkle, lange Haar zu einem Pferdeschwanz, wirft noch einen prüfenden Blick in den Spiegel, lächelt sich ermutigend zu, schnappt sich ihre Tasche und verlässt das Haus.

Die Straßen Londons sind an diesem Morgen belebt wie eh und je, doch Magdalena fühlt sich, als bewege sie sich in einer anderen Welt, in einem Traum. Unruhe rumort in ihrem Magen, ihre Nervosität steigert sich mit jedem Schritt, den sie der Kanzlei näher kommt.

Und dann betritt sie es, dieses altehrwürdige Gebäude mit Marmorböden, dunkler Holzvertäfelung und schweren Regalen voller ledergebundener Bücher. Die Empfangsdame begrüßt sie freundlich und bittet sie, Platz zu nehmen. Magdalena starrt auf die bunten Zeitschriften, die auf einem antiken Tisch liegen. Sorgfältig gefächert und so, dass man eine perfekte Komposition zerstören würde, wenn man eines der Magazine zur Hand nähme. Sie wirken fehl am Platz. Zu modern, zu banal für diesen Ort, und Magdalena fragt sich, ob es wohl Kunden gibt, die sich trauen, danach zu greifen. Sie hat ihre Überlegungen noch nicht zu Ende gebracht, als die Empfangsdame, eine recht streng wirkende Britin um die dreißig, schon wieder vor ihr steht und sie bittet, ihr zu folgen.

Die Dame führt sie in ein riesiges Büro, in dessen Mitte ein ausladender Besprechungstisch steht. Ein Mann mit silbergrauem Haar erhebt sich hinter einem massiven Schreibtisch. Er mustert sie aufmerksam, dann geht er auf sie zu und streckt ihr die Hand...



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