Barz | Westend Blues | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 469 Seiten

Barz Westend Blues

Katharina Klein in Schwierigkeiten
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7485-6866-7
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Katharina Klein in Schwierigkeiten

E-Book, Deutsch, 469 Seiten

ISBN: 978-3-7485-6866-7
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



'Hast du heute böse Männer gefangen?' - Die vierjährige Laura ist Katharina Kleins größter Fan. Umgekehrt ist das nicht der Fall, schon gar nicht am zweitschlechtesten Tag ihres Lebens: In einer missglückten Polizeiaktion ist Katharinas Partner umgekommen - und sie selbst hat zwei Menschen erschossen. Jetzt ist sie suspendiert und sieht sich einer Mordanklage gegenüber. Doch als Lauras Mutter ermordet wird, muss Katharina Laura bei sich aufnehmen; und bald schon setzt die Kommissarin alles daran, das Versprechen, das sie dem kleinen Mädchen gibt, einzulösen und den Mörder von Lauras Mutter zu finden. Unerwartete Hilfe erhält Katharina durch den arroganten, undurchsichtigen und leider viel zu attraktiven Gerichtsmediziner Andreas Amendt - mit dem sie mehr verbindet, als gut für sie ist. Aber alles zu seiner Zeit: Erst muss sie Laura noch in den Kindergarten bringen ... Katharina liebt Oldtimer und Schusswaffen - und sie hasst Gewaltverbrechen. Um die Täter zu finden, geht sie stets auf Ganze. Sie ist Frankfurts chaotischste (und beste) Kriminalpolizistin. 'Sex mit Handschellen gleich auf der ersten Seite - na das kann ja heiter werden... Wird es auch. Außerdem noch abgrundtief spannend, vollgepackt mit Action, einer großzügigen Prise Erotik, Ironie, dabei aber auch was fürs Herz und fürs Hirn.' (Rezension im Krimiforum)

Helmut Barz, Jahrgang 1969, hätte nach seinem Ableben nichts gegen eine Existenz als Hausgeist der Deutschen Bibliothek. Eine Wiedergeburt als Panda wäre jedoch auch in Ordnung. Er wuchs in St. Peter-Ording an der Nordseeküste auf. 1990 begann er das Studium der Theaterwissenschaften in Gießen. Anschließend studierte er Theaterregie in Frankfurt am Main. Seit 1998 ist er freier Regisseur und Autor, Texter und Übersetzer. Er inszenierte unter anderem in Kapstadt, Stuttgart, Frankfurt und Celle. Helmut Barz hat in den letzten 10 Jahren sieben Romane veröffentlicht, darunter die Reihe um die Frankfurter Kriminalpolizistin Katharina Klein. Seit Juli 2009 ist er Mitglied im SYNDIKAT - der Autorengruppe für deutschsprachige Kriminalliteratur. Er wohnt in Offenbach am Main.
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Girl from Ipanema


Donnerstag, 22. November 2007


Das Klingeln des Handys verkündete den Beginn eines furchtbaren Tages.

Katharina kämpfte ungelenk mit ihrer Bettdecke, die sie in flauschig-fester Umarmung gefangen hielt und sich beharrlich weigerte, sie freizugeben.

Geschafft. Endlich.

Gleich darauf bereute sie die Befreiungsaktion. War das kalt! Eindeutig die falsche Jahreszeit, um nackt zu schlafen.

Aber …

Was war doch noch gleich? Ach ja, ihr Handy.

Die Uhr auf dem Nachttisch zeigte sechs Uhr. Welcher Barbar rief um diese Uhrzeit an?

Katharina tastete nach ihrer Jeans, fand sie neben dem Bett und zog das kleine Telefon aus der Tasche. Auf dem Display stand »Polizeipräsidium Frankfurt – Durchwahl: POLANSKI«.

Oh nein, nicht so früh am Morgen!

Sie drückte so lange auf die Taste mit dem roten Hörersymbol, bis sich ihr Handy ganz abschaltete. Sollte ihr Chef doch auf die Mailbox sprechen.

Erst mal wach werden. Was gegen die dröhnenden Kopfschmerzen tun. Und gegen den Geschmack nach toter Ratte in ihrem Mund. Was hatte sie gestern Abend nur angestellt?

Katharina ließ sich zurück aufs Bett sinken und schaute zur Decke.

Das Bett stand eindeutig falsch. Wann hatte sie denn –?

Sie fuhr hoch. Das hier war gar nicht ihr Schlafzimmer. Nicht einmal ihre Wohnung. Wo war sie?

Vorsichtig schaute sie zur Seite.

Der Mann neben ihr schlief. Er war nackt bis auf eine mit rosa Plüsch bezogene Handschelle um sein rechtes Handgelenk. Sein Penis steckte noch in einem Kondom. Das musste eine aufregende Nacht gewesen sein.

Leise stand Katharina auf. Sie raffte ihre auf dem Boden verstreuten Kleider zusammen und machte sich auf die Suche nach dem Badezimmer.

***

Das Mundwasser, das sie auf der Ablage über dem Waschbecken fand, vertrieb wenigstens den schlechten Geschmack. Als sie ausgespuckt hatte und sich wieder aufrichtete, fiel ihr Blick in den Spiegel:

Das Neonlicht war wirklich wenig schmeichelhaft. Andererseits hätte wohl auch das sanfteste Licht den Anblick, der sich ihr bot, nicht schönen können: Ihre sonst so klaren, mandelförmigen Augen waren blutunterlaufen. Außerdem hatte sie vergessen, sich abzuschminken; der verschmierte Lidstrich ergänzte sich mit den Ringen unter ihren Augen zu einer Maske des Grauens. Wenigstens ihr Teint war klar; sie hatte die reine, helle Haut ihrer koreanischen Mutter geerbt. Leider auch ihre begrenzte Trinkfestigkeit. Was hatte sie nur geritten? Sie soff doch sonst nicht.

Egal! Erst mal unter die Dusche.

Der Strahl heißen Wassers reduzierte Katharinas Kopfschmerzen auf ein erträgliches Maß. Sie nahm ein wenig von dem sündhaft teuren Duschgel auf der Ablage und seifte sich ein.

Die Seife brannte auf ihrem rechten Handrücken. Warum das denn?

Zwei parallele Kratzer – auf der empfindlichen Haut zwischen Daumen und Zeigefinger. Der Schorf eines Kratzers hatte sich gelöst; ein Blutstropfen rann langsam die Hand hinab und fiel schließlich in die Wanne.

Katharina betrachtete die Verletzung. Das war ein Gunbite, ein Pistolenbiss. Das passierte, wenn man die Pistole so hielt, dass der Schlitten beim Schuss über die Haut schürfte.

Das war ihr seit Jahren nicht mehr passiert. Und wann hatte sie überhaupt geschossen?

Der gestrige Tag war ein einziges verschwommenes Etwas in ihrem Kopf. Thomas würde ihre Erinnerungslücken füllen müssen.

Thomas. Ihr Partner. Ihr bester Freund. Was er jetzt wohl machte?

Vermutlich war er schon längst auf dem Weg ins Präsidium, Polanskis Lockruf umstandslos folgend. Vorher würde er noch rasch seine beiden Kinder in den Kindergarten bringen. Und wenn er das Haus verließ, gab er seiner Frau immer einen langen Abschiedskuss. Man weiß ja nie –

Parkhaus. Treppe. Schüsse.

Katharina musste sich an der Seifenablage festklammern, um nicht zu stürzen.

Thomas war tot. Er war gestern Abend getötet worden.

Und sie selbst hatte zwei Menschen erschossen.

Ihr Kollege, tot auf der Treppe. Die vier Jugendlichen, die in einer Ecke des Treppenabsatzes kauerten. Die beiden Mädchen weinten. Mehr Polizei war gekommen, Krankenwagen, ein Notarzt.

Paul Polanski, ihr Chef, hatte sie nach Hause gefahren. Nicht ins Präsidium.

Aber sie musste doch ihre Aussage –

»Morgen, Katharina.« Polanski hatte beruhigend den Arm um sie gelegt.

Katharina hatte ihn abgeschüttelt und war aus dem Auto gesprungen.

Und dann? Sie hatte es zu Hause nicht ausgehalten. War in die Nacht hinausgerannt. Hatte getrunken. Und dann war da dieser Mann, schön, nett – warum nicht?

Katharina drehte das kalte Wasser bis zum Anschlag auf. Langsam verschwanden die Bilder. Sie stieg aus der Dusche. Trocknete sich ab. Schlüpfte in ihre Kleider. Im Badezimmerschrank fand sie zwei Aspirin. Dann schlich sie leise aus der Wohnung.

***

Kriminaldirektor Paul Polanski blätterte fahrig in einer Akte. Schließlich warf er den Hefter auf den Tisch: »Berndt Hölsung sagt, er habe die Situation unter Kontrolle gehabt. Er wäre gerade dabei gewesen, die beiden Täter festzunehmen, als Sie … und ich zitiere wörtlich: ›wie eine wild um sich schießende Furie‹ dazwischen gestürmt sind«.

Katharina musste tief Luft holen, um nicht auf der Stelle loszubrüllen. »Seit wann kniet man mit erhobenen Händen vor einer Wand, wenn man jemanden festnehmen will?«

»Das sagen Sie. Hölsung sagt –«

»Befragen Sie doch die vier Geiseln.«

»Das werde ich tun. Verlassen Sie sich drauf. Sobald sie vernehmungsfähig sind. Die stehen immer noch unter Schock. Wissen Sie eigentlich, was Sie denen angetan haben?«

»Ihre Leben gerettet?«

»Sie haben vor ihren Augen zwei Menschen erschossen. Die haben doch ein Trauma fürs Leben. – Zu allem Unglück war eine der Geiseln Frank Grüngoldt.«

»Der Sohn der Oberbürgermeisterin?«

»Genau.« Polanski nickte matt.

Katharina musste schlucken. Walpurga »Für ein sicheres, sauberes Frankfurt« Grüngoldt. Ausgerechnet ihr Sohn musste in eine Geiselnahme mit tödlichem Ausgang geraten. »Oh je!«

»Das können Sie laut sagen, Katharina: Oh je! Walpurga Grüngoldt bombardiert mich seit Mitternacht mit Anrufen. Und das ist noch das kleinste Problem. Hölsung will Ihren Kopf. Auf einem Silbertablett.«

»Dafür, dass ich seinen Arsch gerettet habe?«

»Sie haben ihn mit einer Waffe bedroht. Und ihn festgenommen.«

»Wenn ich einen Mann sehe, der einen großen Koffer mit Geld und einen noch größeren mit Kokain umklammert, nehme ich ihn fest. Egal, ob Kollege oder nicht.«

»Berndt Hölsung hat verdeckt ermittelt.«

»In wessen Auftrag?«

Polanski zögerte.

Katharina hätte es sich ja denken können: »War das wieder einer seiner Alleingänge?«

»Er behauptet, er habe einen sicheren Tipp bekommen. Er musste schnell handeln. – Jedenfalls sagt nun Hölsung –«

»Hölsung sollte besser überhaupt nichts sagen! Welcher Schwachkopf kommt denn auf die Idee, eine fingierte Drogenübergabe in einem öffentlichen Parkhaus zu machen? Zur Hauptgeschäftszeit? Allein? Wofür gibt es denn eigentlich den Osthafen? Ein schönes Lagerhaus mit guter Deckung für das SEK. Das man bei so einem Einsatz natürlich alarmiert. Aber dann steht der Name Hölsung ja nicht so groß in der Presse.«

»Ich weiß das alles, Katharina!«

»Aber?«

»Hölsung hat mächtige Freunde.«

»Er spielt mit dem Innenminister Golf, ich weiß.«

»Und wem, denken Sie, wird man eher glauben? Dem Beamten mit der weißen Weste oder …?« Polanski ließ sich in seinen Sessel zurücksinken und öffnete die Akte wieder. »Hier! Ihre Personalakte. Fünf Schusswaffeneinsätze in den drei Jahren, die Sie jetzt bei mir im KK 11 sind. Drei Anzeigen wegen Tätlichkeiten gegen Verdächtige. Und jetzt auch noch zwei Tote. Mit Kopfschüssen.«

»Alle Verfahren wurden eingestellt. Wegen erwiesener Notwehr!«

»Sie wissen doch genau, wie das läuft. Etwas bleibt immer hängen. Und ich darf gar nicht an die Presse denken: ›Schießwütige Polizistin läuft Amok‹ – Ich sehe es doch schon vor mir.« Polanski musterte sie über den Rand seiner Lesebrille hinweg. »Katharina, ich verstehe Sie nicht. Warum sind Sie so …?«

»So – was?«

»Prädikatsexamen. Sonderausbildung beim FBI in Quantico. Mehrere vorzeitige Beförderungen. Angebote von LKA und BKA. Aber Sie wollten unbedingt zu uns nach Frankfurt. Und seit Sie hier sind –«

»Eine Aufklärungsquote von hundert Prozent.« Dieses Argument stach meistens.

»Und das ist das Einzige, was bisher Ihren Kopf gerettet hat. Sie setzen sich fröhlich über Dienstvorschriften hinweg. Ermitteln gegen strikte Anweisungen. Unterhalten private Kontakte zur Unterwelt –«

»Was?«, fuhr Katharina auf.

»Kommen Sie! Ich weiß, dass Sie mit Antonio Kurtz befreundet sind.«

»Ein alter Bekannter meiner Eltern. Ich kenne ihn seit meiner Kindheit.«

»Gegen Kurtz wurde schon Dutzende Male ermittelt.«

»Und man hat nie etwas gefunden.«

»Aber Sie wissen doch, was man reden wird.«

...



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