E-Book, Deutsch, 1586 Seiten
Barkawitz 10 Killer Krimis
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96465-138-9
Verlag: Elaria
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, 1586 Seiten
ISBN: 978-3-96465-138-9
Verlag: Elaria
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
Der Inhalt dieses E-Books entspricht ca. 1.500 Taschenbuchseiten. Es geht um eiskalte Profikiller, durchgeknallte Psychopathen oder Mörder aus Leidenschaft. Alle Romane können unabhängig voneinander gelesen werden, obwohl einige aus den Serien SoKo Hamburg und Jack Reilly stammen. Der Sammelband enthält folgende Krimis: - Mordkuhle - Killer Girl - Fleetenkiller - Der Schauermann - Alster Clown - Frauentöter - Killer Hotel - Satansmaske - Die Brooklyn Bleinacht - Höllentunnel Der Autor Martin Barkawitz schreibt seit 1997 unter verschiedenen Pseudonymen überwiegend in den Genres Krimi, Thriller, Romantik, Horror, Western und Steam Punk. Er gehörte u.a. zum Jerry Cotton Team. Von ihm sind über dreihundert Heftromane, Taschenbücher und E-Books erschienen. Aktuelle Informationen, ein Gratis-E-Book und einen Newsletter gibt es auf der Homepage: Autor-Martin-Barkawitz.de
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Lea traute ihren Ohren kaum. Wusste ihr älterer Kollege, wer Tanja Welling getötet hatte? Oder gab es zumindest einen begründeten Verdacht? Sie hätte es gut gefunden, wenn er sich zuerst mit ihr beraten hätte. Doch das konnte sie von Rupp kaum erwarten. Obwohl sie noch nicht lange mit ihm zusammenarbeitete, glaubte sie ihren Kollegen gut einschätzen zu können. Er behandelte sie nicht schlecht, sondern mit distanzierter Höflichkeit. Und das konnte sie ihm nach Lage der Dinge nicht verübeln. Lea wollte sich gar kein Bild davon machen, was für Gerüchte über sie innerhalb der Polizei kursierten. Hinzu kam, dass der Kommissar über mindestens dreißig Jahre mehr Diensterfahrung verfügte als sie selbst. Rupp würde sich also kaum von Leas Überlegungen oder ihrer Meinung abhängig machen, bevor er eine Entscheidung träfe. „Nach Mönchsfelden geht es dort entlang, nicht wahr?“ Der Radtourist deutete nach links. Rupp nickte. „Ja, Sie erreichen den Ortsrand nach ungefähr drei Kilometern.“ Der ältere Mann schwang sich erleichtert in den Sattel seines Gefährts und war wenig später auf dem schmalen Radweg zwischen den Bäumen verschwunden. Die Polizisten hatten ihren Streifenwagen an der Kreisstraße zurückgelassen, die das Gehölz fünfhundert Meter von der Senke entfernt durchschnitt. „Wer ist denn der Mörder?“ Lea kam sich dumm vor, als sie ihrem Kollegen diese Frage stellte. Doch sie wollte nicht den Eindruck erwecken, dass die Arbeit ihr egal wäre. Außerdem wurde sie von Neugierde geplagt. Es hatte eine Zeit gegeben, als sie den Polizeidienst hatte quittieren wollen. Das war noch nicht allzu lange her. Doch Lea gab nicht so schnell auf. Sie hatte Fehler begangen, für die sie nun einstehen musste. Und Mönchsfelden war ein Ort, der sich hervorragend für eine Strafversetzung eignete. Womöglich existierte die hiesige Polizeiwache nur noch aus diesem Grund? „Ich weiß natürlich nicht, ob dieser Kerl, an den ich denke, das Mädchen auf dem Gewissen hat“, räumte Rupp ein. „Aber wir sollten ihn mal genauer unter die Lupe nehmen.“ „Ist der Mann vorbestraft? Oder war er mal in der Nervenheilanstalt? Es ist doch wohl nicht normal, das Opfer so zu verunstalten“, sagte Lea. Sie zeigte auf Tanja Wellings Bauch, in den jemand mit einem spitzen Gegenstand die Buchstaben M und Z geritzt hatte. Der alte Polizist zuckte mit seinen breiten Schultern. „Ich weiß nicht, ob der Vogel schon mal gesessen hat oder ob er in der Klapsmühle war. Ich kenne ihn nicht.“ „Wer ist es?“ „Wirst du gleich sehen. Komm, wir haben es nicht weit.“ Rupp marschierte quer durch den Wald, und Lea folgte ihm. Zum Glück standen die Bäume nicht überall so dicht beieinander wie am Rand dieser Lichtung. Die Vögel zwitscherten, und kleine Tiere huschten über den Waldboden. Ohne den Leichenfund wäre es ein schöner Tag für eine Wanderung gewesen. Ob das Opfer missbraucht worden war? Diese Frage beschäftigte die Polizistin. Zwar hatte die Tote noch ihren Slip an, doch das musste nichts bedeuten. Lea wollte jedenfalls nicht mit ihrem Kollegen über dieses Thema sprechen. Rupp redete sowieso nur mit ihr, wenn es sich keinesfalls vermeiden ließ. Lea fragte sich, wie lange sie noch mit diesem maulfaulen Kerl zusammenarbeiten musste. In absehbarer Zeit würde er pensioniert werden. Und danach? Wahrscheinlich bin ich nach Rupps Ruhestand die dienstälteste Polizeibeamtin in Mönchsfelden. Und ich werde dann den nächsten Disziplinarfall einarbeiten, dachte sie bitter. Es waren keine zehn Minuten vergangen, als ihr Kollege seine Schritte verlangsamte. Er legte seine rechte Hand auf das Pistolenholster, während er sich zu Lea umdrehte und den linken Zeigefinger vor seine Lippen legte. Die Geste konnte sie nicht missverstehen. Auch Lea tastete nun nach ihrer Waffe und hoffte, sie nicht einsetzen zu müssen. Doch falls sie wirklich gleich den Mörder von Tanja Welling vor sich hätten, würde er sich gewiss nicht widerstandslos festnehmen lassen. Lea linste an Rupps breitem Kreuz vorbei und erblickte eine Art Lagerplatz. Hier standen die verkohlten Stümpfe einiger Bäume, die vermutlich vom Blitz getroffen worden waren. Zwischen den jämmerlichen Resten der Stämme hatte jemand ein billiges Ein-Mann-Zelt aufgebaut. Es lag Krimskrams herum, wie man ihn manchmal vor der Sperrmüllabfuhr sah. Zwischen dem nutzlosen Plunder erblickte Lea ein paar weibliche Kleidungsstücke: Büstenhalter, Top, Schuhe. Ganz zu schweigen von dem Damenfahrrad, das halb unter einem Gebüsch verborgen lag! „Ich schnappe mir den Verdächtigen, du sicherst“, bestimmte der ältere Polizist. Und bevor Lea etwas entgegnen konnte, hatte Rupp den Zelt-Reißverschluss geöffnet. Er kniete vor der dreckigen Behausung und tauchte so weit hinein, dass man nur noch seinen Unterleib sehen konnte. Sie fragte sich, ob ihr Kollege besonders mutig oder einfach abgestumpft war. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Rupp schon oft mit Mördern zu tun gehabt hatte. Normalerweise musste man bei solchen riskanten Lagen eine SEK-Einheit anfordern. So sahen es zumindest die Dienstbestimmungen vor. Doch Rupp schien fest überzeugt davon zu sein, dass er mit dem Waldcamper fertig werden würde. Und zwar allein. Lea kam sich überflüssig vor. Eigentlich konnte sie ihrem Kollegen seine Haltung nicht übelnehmen. Ihr war bekannt, dass die Wache in Mönchsfelden schon seit Jahren nur mit einem Beamten besetzt war. Nämlich mit Rupp. Er musste sie als Klotz am Bein empfinden, obwohl er es sie nicht spüren ließ. Jedenfalls nicht zu offensichtlich. Während Lea diese Gedanken durch den Kopf gingen, fand in dem Zelt ein Handgemenge statt. Sie hörte lallende Geräusche und ein Ächzen, das von Rupp zu stammen schien. Dann fiel die Mobilbehausung in sich zusammen, und der Polizist zerrte den mutmaßlichen Mörder hervor. Lea schätzte den Verdächtigen auf ungefähr dreißig Jahre, obwohl sein genaues Alter schwer zu schätzen war. Ein wild wuchernder Bart und langes verfilztes Haar deuteten auf ein jahrelanges Leben auf der Straße hin. Sie hatte solche Elendsgestalten oft genug gesehen, als sie noch auf Innenstadtwachen in einer Großstadt eingesetzt war. Und obwohl Lea mehrere Meter von den Männern entfernt stand, konnte sie die Schnapsfahne des Kerls deutlich riechen. Seine Kleider stammten offensichtlich aus der Altkleidersammlung. Rupp hatte ihm den rechten Arm auf den Rücken gedreht. „Handschellen, Lea!“, forderte er. „Und die Mordwaffe liegt da drüben!“ Der Polizist deutete mit einer Kopfbewegung nach links. Nun bemerkte sie ebenfalls ein Messer mit dunklen Flecken auf der Klinge. Es musste sich im Zelt befunden haben und bei der Verhaftung herausgerutscht sein. Immerhin leistete der Täter keinen ernsthaften Widerstand. Rupp war stark, und der jüngere Mann offensichtlich volltrunken. Das vermutete sie zumindest, als sie die leere Weizenkornflasche sah. „Du kannst schon mal Funkkontakt mit dem Kommissariat in der Kreisstadt aufnehmen“, ordnete Rupp an. „Ich bringe dann den Mörder zum Streifenwagen. Die Kollegen sollen uns möglichst bald einen Gefangenentransporter schicken. Ich will den Kerl nicht so lange in unserer Arrestzelle haben.“ Warum nicht?, dachte Lea. Doch sie wollte keine Diskussion vom Zaun brechen. Die junge Polizistin war viel zu erleichtert, weil die Festnahme unblutig über die Bühne gegangen war. Sie hatte sich in ihrer Fantasie schon selbst mit eingeritzten Buchstaben auf ihrem Körper gesehen. Lea griff zum Funkgerät und tat, worum ihr Kollege sie gebeten hatte. Der Kontakt dauerte nicht lange. Doch als sie sich umdrehte, waren Rupp und der Verhaftete bereits verschwunden. Sie kniff die Augen zusammen. Lea war sicher, dass sie nicht länger als drei Minuten mit der Funkzentrale gesprochen hatte. Während dieses kurzen Zeitraums war der ältere Polizist einfach fortgegangen. Weit konnte er allerdings noch nicht gekommen sein, schließlich hatte er den alkoholisierten Mörder bei sich. Trotzdem waren die beiden Männer nicht mehr zu sehen. Der dichte Wald schien sie förmlich verschlungen zu haben. Lea verachtete sich selbst dafür, dass plötzlich Panik in ihr aufstieg. Sie kam sich vor wie ein kleines Kind, das in einen dunklen Keller gesperrt wurde. Das war natürlich Unsinn. Sie musste sich nur nach links halten, dann würde sie ziemlich bald auf die Kreisstraße treffen. Oder? Die junge Polizistin wäre am liebsten sofort losgelaufen, doch sie bremste sich selbst. Es war nicht sinnvoll, wie ein aufgescheuchtes Huhn durch den Wald zu rennen. Vor allem nicht, solange die mutmaßliche Tatwaffe hier herumlag. Theoretisch konnte jeder Spaziergänger sie mitnehmen, und das durfte natürlich nicht geschehen. Lea hatte einen Beutel für Beweisstücke bei sich, in den sie das Messer tat. Da ertönte...




