Balzer | Burn for You - Brennende Herzen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 300 Seiten

Reihe: Burn-Reihe

Balzer Burn for You - Brennende Herzen

Roman
16001. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95818-083-3
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 300 Seiten

Reihe: Burn-Reihe

ISBN: 978-3-95818-083-3
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nick will einfach nur alles hinter sich lassen. Er will vergessen, dass man ihm das Beste in seinem Leben genommen hat. Er will die Liebe seines Lebens vergessen, die es kein zweites Mal für ihn geben kann. Bis er Jess trifft, die ihn glücklicher macht, als er je zu hoffen wagte. Aber kann er sie vor seiner Vergangenheit schützen? Jess wird wohl niemals ganz über den Tod von Max hinwegkommen. Er war ihre große Liebe und sein Verlust wirft sie vollkommen aus der Bahn. Erst als sie Nick begegnet, findet sie ihr Gleichgewicht und ihren Lebensmut wieder. Doch sie ahnt, dass er ein Geheimnis hat. Kann sie ihm und dem gemeinsamen Glück wirklich trauen? Von Claudia Balzer sind bei Forever erschienen: In der Burn-Reihe: Burn for Love - Brennende Küsse Burn for You - Brennende Herzen Burn for Us - Brennende Leidenschaft Flying Hearts Meant to be Nothing Between Us

Claudia Balzer, Jahrgang 1987, wuchs vor den Toren Dresdens auf, wo sie noch heute mit Mann, Kind und zwei Katzen lebt. Schon im zarten Alter von fünfzehn Jahren hat sie sich in den Kopf gesetzt, ein Buch zu veröffentlichen, bevor sie dreißig wird. Dass sie ihr Ziel sogar deutlich vor ihrem dreißigsten Geburtstag erreicht hat, verdankt sie nicht nur einem ausgeprägten Hang zur Nachtaktivität, sondern vor allem ihrem Lieblingsgetränk: Kaffee.
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Autoren/Hrsg.


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KAPITEL 1


Nick


Süchte können sich auf zwei Arten in dein Leben drängen.

Sie können sich einschleichen. Tag für Tag nimmst du nur ein Stückchen, eine Tablette oder einen Tropfen mehr. Du wirst unmerklich abhängiger. Du gierst mehr und mehr nach dem einzigen Stoff, der dir Befriedigung bringt oder dich genug betäubt, damit dein Leben für ein paar Stunden erträglicher wird. Du bemerkst deine Besessenheit erst, wenn es zu spät ist – und dann ist es dir egal. Du machst einfach weiter. Du ruinierst stetig deinen Körper und deine Seele, bis eins von beiden dich aufgibt. So ist es doch schon immer in deinem Leben gewesen, oder? Erst hat dein Vater dich und deine Mutter aufgegeben und ist abgehauen, daraufhin schlich sich die Abhängigkeit auf diesem Weg bei ihr ein. Stück für Stück driftete deine Mutter von dir weg, bis sie sich selbst und schließlich auch dich im Stich gelassen hat.

Ich selbst bin nicht der Typ, der einfach, ohne zu kämpfen, aufgibt.

Meine Sucht kam auf die andere Art und Weise. Es ist wie die verbotene Frucht. Bereits vom ersten Riechen und Lecken weiß man um das Potenzial. Dann beißt man hinein. Zögerlich, weil man vor der Enttäuschung Angst hat, dass sie besser aussieht und riecht, als sie am Ende schmeckt. Aber man wird nicht enttäuscht, und es ist, als hätte man seinen eigenen Himmel auf Erden gefunden. Es ist um einen geschehen. Nie hat etwas die Geschmacksknospen mehr in Ekstase versetzt. Nie hat etwas vergleichbar geschmeckt. Man will immer und immer mehr. Aber die Sache mit verbotenen Früchten ist die: Sie sind meist aus gutem Grund verboten. Man bekommt sie nicht, wann man will oder in rauen Mengen. Ich bin keinen kleinen Pillen oder weißem Pulver, das man in dieser Stadt an jeder zweiten Ecke erhalten kann, hörig, und das ist gleichzeitig mein Problem. Mein Hunger lässt sich einzig zu später Nacht stillen und auch dann nur für wenige Stunden. Vor etwas mehr als einer Woche habe ich das erste Mal von ihr gekostet, und seit ich weiß, dass ich sie jeden Tag zu einer bestimmten Zeit bekommen kann, ist sie mein einziger Lichtblick, wenn die Arbeit in der Werkstatt endet.

Meine zweite Sucht, die sich auf diese Art eingeschlichen hat, ist meine Arbeit. Sie lenkt mich am Tag ausreichend ab, wenn ich keine Berufsschule habe. Für die Nächte, die bisher zu still gewesen sind, habe ich jetzt diese unbekannte Schöne.

Heute begleitet mich bereits eine ungute Vorahnung, die sich nicht abschütteln lässt. Außerdem bin ich zu spät. »Komm schon«, fluche ich ungeduldig ins Dunkle des Treppenhauses. Erst beim zweiten Versuch gelingt es mir, den Schlüssel ins Schloss zu stecken. Das Öffnen und Schließen der Tür und das Abstreifen meiner Arbeitstasche ist ein fließender Prozess. Meine Schuhe auszuziehen ist auf dem von unzähligen Vormietern abgenutzten Teppich nicht nötig. Mit einem dumpfen Schlag landet die Tasche hinter der Tür.

Die Küche liegt im Dunklen. Es dringt kaum das Licht der Straßenbeleuchtung hinein und der Mond ist noch nicht weit genug gewandert, um durch das Fenster zu spicken. Der Kühlschrank wirft ausreichend Licht in den kleinen Raum, als ich mir ein Bier entnehme. Die restlichen Flaschen klirren aneinander, als ich die Tür hastig mit einem Stoß meines Fußes schließe. Ich miete diese Wohnung noch nicht lange, doch kenne ich bereits ihre Tücken. So stolpere ich im Finstern auch nicht mehr über die ungewöhnliche Kante auf dem Weg vom Flur zu dem einzigen Zimmer meiner Wohnung. Auch hier schalte ich die Deckenbeleuchtung nicht ein. Das Feuerzeug in meiner Jeans wird kurzerhand zum Flaschenöffner umfunktioniert. Ich weiß nicht, warum ich es noch immer bei mir trage. Ich hänge nicht daran und ich rauche nicht mehr. Es ist ein Überbleibsel vergangener Tage: Geschäfte laufen besser, wenn man vorbereitet ist. Es laufen keine Geschäfte mehr, aber das Feuerzeug ist geblieben. Ich gehe zwischen meinem Bett und dem abgenutzten Sessel zur üppigen Fensterfront. Der Bierdeckel gleitet im Vorbeigehen auf den kleinen dunklen Beistelltisch neben dem Sessel. Altbauten und ihre riesigen Fensterfronten verabscheue ich. Sie bieten unnötig große Angriffsfläche. Seit letzter Woche finde ich sie weniger schrecklich.

Mein Einzug ist nur ein paar Tage her und zwischen mir und meiner Nachbarin hat sich bereits ein festes Ritual geformt. Dieses Ritual droht durch meine Verspätung ins Wanken zu geraten. Wie stehen die Chancen, dass sie auf mich wartet? Es ist ein Ritual, aber gleichzeitig auch keins. Was ist ein Ritual? Benötigt es Abstimmungen zwischen den beteiligten Parteien? Denn die gibt es definitiv nicht. Wir haben kein einziges Wort miteinander gewechselt, noch habe ich sie je außerhalb unserer wenigen gemeinsamen Stunden gesehen. Wir standen uns noch nie unmittelbar gegenüber, und trotzdem gibt es diese Nähe, die man nicht rational erklären kann.

Uns verbindet viel und doch wieder nichts. Sie ist allein. Sie lächelt nie. Sie ist verzweifelt. Genau diese Dinge lassen mich Abend für Abend auf meinen winzigen Balkon eilen. Sie gleicht mir zu sehr.

Ich vermute, dass es in manchen Ländern illegal ist, was ich mache. Manche würden mich mit dem Begriff »Stalker« brandmarken. Ich dagegen sehe es als reine Ablenkung. Wenn ich ihr zusehe, drosseln sich meine Gedanken zu einem leisen Rauschen in meinem Hinterkopf. Sie sind präsent, aber ich kann sie ausblenden. Den Dämonen in mir gefällt das nicht. Sie hassen meine Nachbarin. Ihnen bleibt dadurch weniger Zeit, mich mit ihren grauenhaften Krallen zu zerfetzen.

Ich weiß nicht, was es der Brünetten bringt. Vielleicht macht sie es nur für den Reiz oder den Kick.

Ihr Zimmer liegt meinem genau gegenüber. Meine Hand zögert über dem Riegel der Balkontür. Vielleicht komme ich bereits zu spät. Ein Blick hinüber und ich weiß, dass meine zwei Stunden Verspätung unser Ritual nicht brechen. Es brennt noch Licht. Ich trete von der Glastür zurück und an mein Bett. Ich schalte die Lampe auf meinem Nachttisch an. Es bietet die einzige Lichtquelle auf meiner Seite. Es wirft genug Schein in den Raum, dass es meine Silhouette von hinten umspielt. Es gibt ihr die Chance, mich durch das Herunterlassen ihrer Jalousien auszuschließen, aber sie schließt mich nicht aus. Sie hat es an meinem ersten Abend getan, als ich sie zufällig entdeckte, und seitdem nie wieder.

Die späte Septemberluft ist kühl und mein Atem bildet kleine weiße Rauchschwaden, als ich schließlich hinaustrete. Der Balkon ist gerade groß genug, dass ich mich drehen kann. Meine abgetragene Lederjacke und Straßenschuhe halten mich warm. Ich ziehe die Tür hinter mir zu und lehne mich gegen das Geländer.

Sie ist da.

Ihre Arme hat sie um sich selbst geschlungen. Sie lehnt mit ihrer Stirn gegen das Glas des Fensters und sieht auf die Straße zwischen unseren Wohnungen hinab. Sie ist klein, das erkennt man trotz der Distanz. Ihre dunkelbraunen Haare fallen ihr in leichten Wellen über die Schultern und verdecken die Hälfte ihres delikaten Gesichts. Ihr Blick ist auf die Straßenecke gerichtet. Sie sieht in die Richtung meiner Straßenbahnhaltestelle. Sucht sie den Weg nach mir ab?

Ich nutze den Moment ihrer Konzentration und betrachte sie. Sie trägt ein weißes, flatterndes T-Shirt, das ihr bis zur Hälfte der Oberschenkel reicht. Es ist weit geschnitten, aber es verbirgt kaum die zierliche Figur darunter. Sie trägt eine lange, schwarze Leggings und ihre Füße sind wie immer nackt. Ihr Teppich scheint in einem besseren Zustand zu sein als der in meiner Wohnung.

Ihr Blick verweilt, dann scheint sie meine Augen auf sich zu spüren. Sie sieht mir direkt ins Gesicht. Sie zuckt zusammen, als sie mich bereits starrend vorfindet. Sie nickt mir zaghaft zu. Sie hat gewartet, und ich kann es kaum glauben. Sie hat auf mich gewartet, obwohl sie mich dazu nicht braucht.

Mit gerunzelter Stirn nehme ich einen Schluck des kühlen Bieres. Für gewöhnlich interessiert es sie nicht, ob ich den Anfang verpasse. Sie lässt mich sonst nicht mal spüren, dass sie mich überhaupt bemerkt. Das ungute Gefühl verstärkt sich. Heute ist etwas anders, aber ich habe noch nicht herausgefunden, was genau. Sie hebt ihre Hand und winkt zögerlich. Sie atmet mit geschlossenen Augen tief durch. Sie sieht neben sich und greift nach etwas, dass sich außerhalb meines Blickfelds befindet. In ihrer Hand kommt eine Flasche zum Vorschein. Sie setzt sie ohne große Umschweife direkt an ihre Lippen und nimmt drei große Schlucke. Als würde ihr wieder einfallen, dass sie nicht allein ist, hält sie inne und prostet mir zu. Ich erwidere die Geste und wir trinken gemeinsam. Ich kann nicht genau erkennen, was es ist, das sie in sich hineinkippt, aber es ist nicht nur Sekt. Davon abgesehen, dass man diesen in solchen Schlucken nicht pur aus der Flasche trinken kann, ohne dass die Kohlensäure ein Nasenfluten beschert, passt die Form nicht. Es muss sich um mehr Prozente handeln.

Ihr Blick ruht auf mir und sie nimmt noch einen kleinen Schluck. Sie knickt unter meinem Starren nicht ein. Unsere Zusammenkünfte sind faszinierend und verstörend zugleich. Zwei völlig Fremde verbringen Abend für Abend und Nacht für Nacht miteinander, ohne sich tatsächlich zu treffen. Es ist ein ungewöhnliches Spiel ohne Sinn und Ziel. Es gibt keine Gewinner und Verlierer. Würde man mich fragen, warum wir diese Treffen aufrechterhalten – ich hätte keine plausible Antwort parat. Ihre Augenfarbe lässt sich aus der Entfernung und in den schummrigen Lichtverhältnissen nicht erkennen, doch ihr Blick scheint mich direkt zu durchbohren. Ich gönne mir einen weiteren Schluck meines Bieres, als ihre Augen zu intensiv...


Balzer, Claudia
Claudia Balzer, Jahrgang 1987, wuchs vor den Toren Dresdens auf, wo sie noch heute mit Mann, Kind und zwei Katzen lebt. Schon im zarten Alter von fünfzehn Jahren hat sie sich in den Kopf gesetzt, ein Buch zu veröffentlichen, bevor sie dreißig wird. Dass sie ihr Ziel sogar deutlich vor ihrem dreißigsten Geburtstag erreicht hat, verdankt sie nicht nur einem ausgeprägten Hang zur Nachtaktivität, sondern vor allem ihrem Lieblingsgetränk: Kaffee.



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