E-Book, Deutsch, 449 Seiten, eBook
Die Funktion von Pressefotos im Bundestagswahlkampf 2005
E-Book, Deutsch, 449 Seiten, eBook
Reihe: Studien der NRW School of Governance
ISBN: 978-3-531-91431-2
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Dr. Moritz Ballensiefen ist Stipendiat der NRW School of Governance. Er arbeitet zudem als freier Journalist und PR-Berater.
Zielgruppe
Research
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Inhalt;6
2;Zu dieser Reihe;11
3;Vorwort von Prof. Dr. Dr. Karl-Rudolf Korte;12
4;Danksagung;15
5;1 Einleitung: Bilder machen Sieger – Sieger machen Bilder!;17
6;2. Untersuchungsrahmen: Inhaltsanalyse meinungsbildender Tageszeitungen im Bundestagswahlkampf 2005;26
6.1;2.1 Einleitung: Die Ausgangslage der vorgezogenen Bundestagswahl 2005;26
6.2;2.2 Problemaufriss: Was ist ein Bild?;32
6.3;2.3 Picture Politics: Bilder als politikwissenschaftliches Forschungsobjekt;38
6.4;2.4 Ausarbeitung der forschungsleitenden Fragen;49
6.5;2.5 Forschungsdesign: Von der Text- zur Bildanalyse;58
7;3 Die Macht der Bilder 2.0 – Grundlagen, Konzepte und Anwendungen der Bildanalyse;79
7.1;3.1 Einleitung;79
7.2;3.2 Definition: Medien und das politische Bild. Eine Eingrenzung der Bildkategorien;80
7.3;3.3 Siegfried Freys „Die Macht der Bilder“ revisited;84
7.4;3.4 Politiker als Markenprodukt – Visuelle Werbestrategien;90
7.5;3.5 Das Modell des Medien-Framings;97
7.6;3.6 Transfer-Effekte: Das Bild-Text-Verhältnis;103
7.7;3.7 Die Forschung am Bild – Konzepte zur Bildanalyse;109
7.8;3.8 Ansätze zur Wirklichkeitskonstruktion durch Fotografien;135
7.9;3.9 Zusammenfassung: Die Übertragbarkeit von Bildanalysemodellen auf die inhaltsanalytische Untersuchung visueller politischer Berichterstattung;156
8;4 Wahlkampfkommunikation: Voraussetzungen, Strukturen und Akteure in der Mediendemokratie;160
8.1;4.1 Einleitung;160
8.2;4.2 Das Mediensystem als Vermittler;161
8.3;4.3 Das politische System als Kommunikator;197
8.4;4.4 Die Wähler als Adressaten;220
8.5;4.5 Das Verhältnis von Politik, Medien und Wählern – Beziehungsmodelle;230
8.6;4.6 Zwischenfazit: Politische Berichterstattung in der Berliner Republik. Die journalistische Ausgangssituation zum Medienwahlkampf 2005;237
9;5. Das Fallbeispiel der Bundestagswahl 2005: Kandidaten, Inhalte und Strategien im Spiegel der Medienberichterstattung;243
9.1;5.1 Einleitung;243
9.2;5.2 Die Kandidatenkonstellation: Mediencharisma vs. protestantische Demutsästhetik;244
9.3;5.3 Inhalte und Akteure der medialen Mobilisierungsstrategien von SPD und Union;252
9.4;5.4 Die neue Schwierigkeit der Wählermobilisierung: Wechselwähler und Spät-Entscheider;263
9.5;5.5 Das TV-Duell zwischen Gerhard Schröder und Angela Merkel als Stimmungswendepunkt;267
9.6;5.6 Der Wahlabend und der Vorwurf von Medienmacht und Medienmanipulation;273
9.7;5.7 Zusammenfassung: Die Funktion der Medienberichterstattung im Bundestagswahlkampf 2005;281
10;6 Auswertung der Inhaltsanalyse: Kandidatendarstellung und Bildlogiken der untersuchten Printmedien im Bundestagswahlkampf 2005;284
10.1;6.1 Einleitung;284
10.2;6.2 Präsentationsformen und Visualisierungselemente in der politischen Bildberichterstattung;286
10.3;6.3 Themenstruktur der visuellen Berichterstattung;297
10.4;6.4 Indirekte und direkte Formen der Wahlempfehlung;300
10.5;6.5 Personalisierungstendenzen der visuellen Wahlberichterstattung;308
10.6;6.6 Elemente der visuellen Kandidatendarstellung;315
10.7;6.7 Wahlkampfverlauf und Auswertung der Analysephasen;332
10.8;6.8 Visuelle Darstellungslogiken in der Wahlberichterstattung der Untersuchungsmedien;364
10.9;6.9 Zusammenfassung: Medienmacht und Medienmanipulation im Wahlkampf 2005? Das Bild der Kandidaten in der Berichterstattung der Printmedien;379
11;7 Bilder machen Sieger – Sieger machen Bilder. Auf dem Weg vom Medien- zum Bilderwahlkampf?;389
12;8 Literaturverzeichnis;403
13;Anhang;435
13.1;I. Abkürzungsverzeichnis;435
13.2;II. Abbildungsverzeichnis;436
13.3;III. Tabellenverzeichnis;439
13.4;IV. Codierbogen;441
13.5;V. Kategoriensystem;450
Einleitung: Bilder machen Sieger — Sieger machen Bilder!.- Untersuchungsrahmen: Inhaltsanalyse meinungsbildender Tageszeitungen im Bundestagswahlkampf 2005.- Die Macht der Bilder 2.0 — Grundlagen, Konzepte und Anwendungen der Bildanalyse.- Wahlkampfkommunikation: Voraussetzungen, Strukturen und Akteure in der Mediendemokratie.- Das Fallbeispiel der Bundestagswahl 2005: Kandidaten, Inhalte und Strategien im Spiegel der Medienberichterstattung.- Auswertung der Inhaltsanalyse: Kandidatendarstellung und Bildlogiken der untersuchten Printmedien im Bundestagswahlkampf 2005.- Bilder machen Sieger — Sieger machen Bilder. Auf dem Weg vom Medien- zum Bilderwahl-kampf?.
7 Bilder machen Sieger – Sieger machen Bilder. Auf dem Weg vom Medien- zum Bilderwahlkampf? (S. 389-390)
„Es gibt letztlich nur zwei Arten von Todsünden auf dem Gebiet der Politik: Unsachlichkeit und – oft, aber nicht immer damit identisch – Verantwortungslosigkeit. Die Eitelkeit: das Bedürfnis, selbst möglichst sichtbar in den Vordergrund zu treten, führt den Politiker am stärksten in Versuchung, eine von beiden, oder beide zu begehen." Max Weber 1919291 Die Bundestagswahl 2005 fand als Überraschungswahl unter besonderen kommunikativen Rahmenbedingungen statt (vgl. Kapitel 2.1).
Doch warum stand im Wahlabend der Vorwurf einer Medienkampagne im Raum? Welche Rolle spielten die Medien innerhalb der Wählerkommunikation? Und hinterließ Gerhard Schröder oder Angela Merkel das bessere Bild von sich in den Medien? Um eine abschließende Antwort auf diese Fragen zu finden, sollen die zentralen Ergebnisse dieser Arbeit im Folgenden noch einmal problemorientiert zusammengefasst werden. Die Rahmenbedingungen der kommunikativen Herausforderung müssen dafür zuvor noch aus zwei Ebenen betrachtet werden:
Erstens haben sich die einschneidenden Veränderungsprozesse des Wählermarktes bei der Bundestagswahl 2005 fortgesetzt (vgl. Kapitel 5.6). Im Zentrum steht dabei die zunehmende Volatilität der Wähler. Vor dem Hintergrund schwindender cleavages im Sinne von politischen Konfliktlinien steigt die Anzahl der Wähler, die über keine feste Parteiidentifikationen verfügen. Klassische Wählermilieus schwinden dadurch dramatisch. In welchem Maße sich diese Situation auf die Wahlentscheidung auswirkt, zeigt ein Abgleich vorangegangener Wahlen. 1976 waren die Union und die SPD noch in der Lage, gemeinsam 91,2 Prozent der Stimmenanteile zu erreichen. 2005 waren es im Vergleich dazu nur noch 69,6 Prozent (vgl. Oberreuter 2007:21).
Die Volksparteien büßen damit über ihren dramatischen Mitgliederrückgang hinaus weiter an Attraktivität gegenüber den Bürgern ein. 51 Prozent der Wähler gaben zur Bundestagswahl 2005 an, keine konstanten Präferenzen gegenüber einer Partei zu besitzen. Der Anteil der Wähler, die ihre Wahlentscheidung 2005 gegenüber der letzten Bundestagswahl im Jahr 2002 geändert hatten, lag bei rund einem Drittel der Wähler. Hinzu kommt der gestiegene Anteil der spätentschlossenen Wähler, die ihre Wahlentscheidung erst kurz vor der Wahl gefällt292 oder ihre Wahlabsicht zu diesem Zeitpunkt noch einmal verändert haben (vgl. Weßels 2007: 400).
Die Parteien standen aufgrund dieser wahlsoziologischen Veränderungen vor der Herausforderung, im Wahlkampf 2005 einen höchst heterogenen Wählermarkt zu erreichen. Aufgrund fehlender thematischer Konflikte setzten die Parteien ihre Spitzenkandidaten beziehungsweise Vertreter ihres Schattenkabinetts als personalisierte Mobilisierungsstrategie ein. Das zentrale Wahlkampfthema der sozialen Gerechtigkeitsdiskussion entwickelte sich erst in der heißen Wahlphase (vgl. Kapitel 6.7.4). Mit dieser Beobachtung zur Ausgangssituation der Parteien soll übergeleitet werden zur zweiten Ebene der kommunikativen Rahmenbedingungen.
Denn zweitens hat der Bundestagswahlkampf 2005 einen zentralen Wandlungsprozess der politischen Medienberichterstattung noch verstärkt. Die Berichterstattung klassischer Medien hat sich den veränderten Informationsnutzungsverhalten angepasst. Dadurch wurden die Medientrends der Personalisierung, Skandalisierung, Boulevardisierung und vor allem der Visualisierung aufgriffen und verstärkt. Medien nehmen aufgrund der beschriebenen Faktoren im Hinblick auf die Eindrucks- und Meinungsbildung der Wähler eine wichtige Funktion ein.
Denn sie liefern den Wählern die Informationen, die sie zur politischen Realitätskonstruktion benötigen. Dabei ist ein Aufmerksamkeitsvorteil der neuen Medien zu konstatieren, denn sie verfügen über eine kurze Reaktionszeit und ihnen stehen gleichzeitig neue Darstellungsformate zur Verfügung. Die Bundestagswahl 2005 bot daher als Fallbeispiel die ideale Ausgangssituation zur Analyse der Berichterstattung der meinungsbildenden Printmedien. Denn zum einen hatte noch keine Wahl in der Geschichte der Bundesrepublik zuvor eine derart ausgeprägte und intensive Medienberichterstattung ausgelöst und zum anderen war zu erwarten, dass die klassischen Printmedien auf die neue Konkurrenz ihrerseits mit überarbeitetn Darstellungsformaten reagieren würden (vgl. Kapitel 4.2.2.5).