E-Book, Deutsch, 272 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 500 g
Bäumer Jenseits des Algorithmus
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98641-112-1
Verlag: Mentoren-Media-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kreativität in der Ära von KI
E-Book, Deutsch, 272 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 500 g
ISBN: 978-3-98641-112-1
Verlag: Mentoren-Media-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nils Bäumer beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren mit den Themen Kreativität und Innovation. Er ist professioneller Vortragsredner, seit 2019 geschäftsführender Gesellschafter der Transformationsberatung DenkSinn GmbH und beschäftigt sich mit dem Verständnis sowie der Förderung von Kreativität in verschiedenen Kontexten. Als Redner gibt Bäumer Impulse, die Veränderungen anstoßen. Seine Botschaften sind ein Weckruf, die eigenen kreativen Fähigkeiten zu entdecken und zu nutzen, um in einer sich ständig verändernden Welt erfolgreich zu sein. Von Organisationsentwicklung bis KI-Integration - seine Vorträge bieten einen frischen Blick auf neue sowie bekannte Themen und regen zur Veränderung an. Durch den Einzug generativer KI hat sich auch seine Welt der Kreativität fundamental geändert. Mit diesem Buch zeigt sich sein Engagement für die Erforschung der Schnittstellen zwischen menschlicher Kreativität und künstlicher Intelligenz.
Autoren/Hrsg.
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Meine Welt der Kreativität (Start der Reise)
Als ich mich beruflich auf den Bereich des professionellen Vortragsredners konzentrierte, wurde ich gefragt, ob ich denn ein Thema habe, über das ich sprechen möchte. Das hatte ich, schließlich war es der Grund, warum ich auf die Bühne wollte. Ich wollte meine Ansichten mit anderen teilen, um sie zu inspirieren. Nun, nicht sehr überraschend, handelte es sich hierbei um das Thema Kreativität. Für mich überraschend war, dass es Kollegen gab, die zwar bereits hervorragend über verschiedene Themen sprechen konnten, aber noch nicht das »eine Thema« gefunden hatten. Ich hatte also Glück, denn ich musste mein Thema gefühlt nie suchen, es hat mich gefunden. Oder wenn man so will, mir direkt in den Allerwertesten gebissen und nie mehr losgelassen.
Begonnen hat meine Reise mit dem Guinness Buch Rekord im Kammblasen. Diesen habe ich in einem Bayreuther Fußballstadion im Rahmen meiner Diplomarbeit aufgestellt. Gemeinsam mit den Zuschauern eines Frauenfußball-Länderspiels. Den genauen Ablauf habe ich in meinem ersten Buch geschildert und rede auch heute noch gerne dazu auf der Bühne. Hier sei nur gesagt, dass der Rekordversuch zwar offiziell anerkannt wurde, vor Ort aber eigentlich in die sprichwörtliche Hose ging.
Aber gerade, weil nicht alles geklappt hatte, und das, obwohl ich damals all meine Energie und mir zur Verfügung stehenden Kreativität eingebracht hatte, begann ich, speziell über die Themen Kreativität und Innovationen nachzudenken und mich zu informieren. Ich wollte und will noch bis heute immer genauer verstehen, warum Menschen wann, wo und warum gute Ideen haben. Warum setzen sich einige dieser Ideen erfolgreich durch, werden vielleicht sogar zu Innovationen, aber andere scheitern? Dies war und ist der Bereich der Kreativität, der mich am meisten interessiert und begeistert: Wie wir unsere Kreativität bestmöglich trainieren und einsetzen können, um die täglichen Herausforderungen unseres Lebens oder der Gesellschaft erfolgreich zu lösen. Ein Bild, dass mir dazu meine Frau geschenkt hat, ist: »Nils will nicht wissen, wie eine Uhr funktioniert, sondern was Zeit ist.«
Diese Suche prägt mein gesamtes Arbeitsleben. In einer Event- und Trainingsagentur, in der ich acht Jahre als Angestellter tätig war, gründete ich eine Kreativabteilung und ging anschließend mit meiner eigenen Agentur Synapsensprung in die Selbstständigkeit. Unabhängig davon, welche Tätigkeit ich in dieser Zeit ausübte, ich habe immer versucht, Kreativität einfließen zu lassen und es als das entscheidende Element meiner Arbeit gesehen.
Um die Arbeitsweise unseres Gehirns in Prozess der Ideenfindung besser zu verstehen, habe ich über die Zeit unzählige Bücher und Fachzeitschriften zum Thema Neurobiologie gelesen. Eine universitäre Ausbildung in diesem Gebiet ist allerdings an meinen mangelnden Englischkenntnissen gescheitert. Sie vermuten richtig, mein Englisch hält einer akademischen Ausbildung nicht stand. Vielleicht ändert sich dies aber mit neuen KI-Programmen, die Sprache und Schrift simultan übersetzen können. Wer weiß?
Stattdessen habe ich »BrainPartys« organisiert, bei denen Teilnehmer verschiedene Kreativitätstechniken testen konnten, einen Podcast rund um das Thema erstellt und eine App zur Ideengenerierung entwickelt. Eine häufige Eigenschaft von kreativen Menschen teile ich, ich beginne sehr gerne neue Dinge, habe aber nicht immer den langen Atem, sie auch länger zu begleiten. Dies führte zu meiner heutigen Berufsbezeichnung »Ideenhebamme«. Ich liebe es, mit Kunden Ideen zu entwickeln und auf die Welt zu bringen, die spätere Erziehung, bis sie selbstständig in die Welt gehen können, überlasse ich aber lieber den Eltern – bzw. Unternehmen.
Warum ich Ihnen das erzähle? Weil es aus meiner Sicht keinen einzelnen Bildungsweg gibt, der jemanden allein durch die Ausbildung zu einem Experten für Kreativität macht. Ich werde mittlerweile so bezeichnet, und habe es zugegebenermaßen zu Anfang auch über mich selbst gesagt. Aber ohne die eine Ausbildung oder das eine Zertifikat zu haben, die genau diese Expertise begründet. Ich halte mich für einen Experten, weil ich mich seit über 25 Jahren mit dem Thema beschäftige, darüber grübele, lese, Podcasts höre und natürlich auch darüber spreche und schreibe. Und ich freue mich sehr, wenn Sie mir diese Expertise zusprechen und meinen Gedanken weiter folgen.
Aber es bleibt immer meine Welt der Kreativität, die ich hier beschreibe. Nehmen Sie mit, was Sie dort finden, und wenn Ihnen einmal etwas zu verrückt vorkommt oder Sie eine andere Meinung dazu haben, dann lassen Sie es bei mir. Vielleicht haben Sie eine andere Welt der Kreativität, die sicher ebenfalls spannend zu erforschen ist, und eventuell begegnen wir uns einmal dort. Das würde mich sehr freuen.
Definitionsproblematik
Ich empfinde es als Problem, dass wir keine klare Definition von Kreativität haben, beziehungsweise keine Differenzierung zwischen den verschiedenen Aspekten der Kreativität. Auch wenn viele Definitionen existieren, gibt es keine allgemein anerkannte Konsensdefinition.
Ein kleiner bildlicher Vergleich, um es zu verdeutlichen: Für die Wetterlage Niederschlag nutzen wir ganz unterschiedliche Beschreibungen. Hierbei gibt es Regen, Schnee, Hagel, Tau und so weiter. Selbst bei Regen unterscheiden wir berechtigterweise noch maßgeblich durch unsere Wortwahl. Denn es ist sicher ein Unterschied, ob Sie bei einem leichten Nieselregen oder gefrierendem Sprühregen mit Ihrem Hund spazieren gehen. Teilweise kann es überlebenswichtig sein, dass wir zwischen Sturm und Orkan unterscheiden können und uns nicht unnötig in Gefahr begeben, wenn es Warnungen dazu gibt. Vermutlich gibt es diese unterschiedlichen Begrifflichkeiten und Abgrenzungen, weil es für unseren Alltag von Bedeutung ist.
Für Kreativität besteht solch eine Abgrenzung kaum beziehungsweise wir benötigen Umschreibungen, um zu verdeutlichen, welche Ausprägung von Kreativität wir meinen. Die spielerische und zielfreie Kreativität von Kindern, die schaffende Kreativität von Künstlern, die Kreativität des Alltags, die uns Herausforderungen bewältigen lässt, oder die Kreativität im Arbeitsleben, die als Grundvoraussetzung von Innovationen neue Ideen generiert – für dies alles nutzen wir im Allgemeinen nur ein Wort: Kreativität.
Auf der Internetseite des Fachmagazins Spektrum wird Kreativität folgendermaßen definiert: »Definition und Bestimmung von Kreativität: Der Begriff creativity wurde erstmals wohl von Guilford 1950 als psychologischer Terminus verwendet. Trotz des Facettenreichtums dieses Konstrukts stimmen Laien bzw. Künstler und oft auch Wissenschaftler in der von Guilford vorgeschlagenen Unterscheidung von ›konvergentem‹ Denken (Intelligenz) und divergentem Denken (Kreativität) weitgehend überein. Analog sprach Renzulli von ›schoolhouse giftedness‹ (Intelligenz) und ›creative productive giftedness‹ (Kreativität). Solche oder ähnliche Dichotomisierungen sind jedoch in der aktuellen (Hoch-) Begabungs- und Kreativitätsforschung zunehmend umstritten, ebenso die Annahme bereichsspezifischer Kreativitätspotenziale (vgl. Sternberg, 1988; Heller, 1992). So definieren Csikszentmihalyi und Wolfe (2000) in ihrem systemischen Ansatz Kreativität als Ideen oder Produkte, die originell sind, von der jeweiligen Gesellschaft bzw. Kultur hochgeschätzt werden und ausgearbeitet sein bzw. funktionieren müssen.
Im psychometrischen Forschungsparadigma wurden vor allem Merkmale oder Dispositionen der kreativen Persönlichkeit untersucht wie Problemsensibilität, Ideenflüssigkeit, Flexibilität, Originalität, Redefinition (Fähigkeit zur Umstrukturierung und Neudefinition von bekannten Formen, Gegenständen oder Begriffen), Elaboration sensu Guilford oder Implementierung sensu Csikszentmihalyi (Fähigkeit zur Entwicklung und Ausarbeitung von originellen – das heißt neuen oder ungewöhnlichen Ideen und Produkten bis hin zur Funktionsreife) und so weiter. Diesem kognitiven Fähigkeitsbündel wird häufig eine Reihe nichtkognitiver Persönlichkeitsmerkmale zur Bestimmung von Kreativität zugeordnet: spontane vs. adaptive Flexibilität (im Gegensatz zur Rigidität), ästhetisches Feingefühl, kognitive Neugier und Explorationsdrang, Erkenntnisstreben, Toleranz gegenüber Ambiguität und Komplexität, nonkonformistische Haltung, Zielfixierung, Persistenz und so weiter. Solche einer kreativen Persönlichkeit zugeschriebenen Merkmale erscheinen zwar recht plausibel, entsprechende Kreativitätsmessungen sind jedoch mit einer Reihe von Methodenproblemen behaftet. An den bisher verfügbaren Kreativitätsskalen (Tests, Fragebögen, Ratingverfahren beziehungsweise Checklisten) wird vor allem ihre schwache...




